Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 50 (10.12.1909)
- Date
- 1909-12-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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häuser sowie eine große Villa nebst den dazu gehörigen Rissen zeigen. Die Kostenberechnungen werden zurzeit in Jaffa geprüft und mit den landesüblichen Preisen für Material und Löhne in Einklang gebracht. Schon heute aber glauben wir sagen zu können, daß der Herstellungspreis für diese gefälligen, gesunden und originellen Bauten den bisher von den Einwanderern gezahlten nicht oder doch nur unwesentlich überschreiten wird. Das Einfamilienhaus besteht aus zwei Zimmern und vorgelegter Veranda, Küche und Nebengelaß. Die Zimmer und die nach der Veranda führende Treppe sind durch den Vorraum zugänglich. Unter der Treppe liegen die Keller. Links vom Eingang befindet sich eine Nische mit Ruhebank. Das Zweifamilienhaus zeigt die doppelte Zahl der Räume. Als •Herstellungsmaterial dient ortsüblicher Stein, nur einzelne Teile der Häuser sind der lebhaften Wirkung wegen verputzt. Die Fenster sind schmal und hoch, die Veranda wird von kräftigen Pfosten getragen. Die Außenmauern haben eine Stärke von 40 cm, um die Zimmer kühl zu erhalten. Die flache Terrasse ist zementiert. Der Fußboden des Erdgeschosses besteht aus Kiefernholz, der des Kellers ist gepflastert. Der Innenputz zeigt glatte, leicht getönte Flächen mit einfachen Hohlkehlen als Obergang zur Decke. Die Türen sind einfach, nur die Haustür ist reicher gedacht, In der Küche ist ein Herd vorgesehen, sonst aber enthalten die Häuser keine Heizanlage. Wir unterbreiten somit das Ergebnis unserer Bemühungen der Öffentlichkeit und geben uns der Hoffnung hin, Nützliches und Schönes für die kulturelle Entwicklung des herrlichen Landes bald plastisch erstehen zu sehen. Dr. Friedem artn DD PALÄSTINA □ □ Genossenschaftliche Darlehnskassen in Palästina Am 14. November fand in Jaffa eine Delegiertenversammlung aller von der Anglo Palestine Co. begründeten palästinensischen Darlehnskassen statt. Der Direktor der Bank, Herr Levontin, erstattete einen eingehenden Bericht über die Entwicklung der Leihkassen, aus dem zu ersehen war, zu welch einem wichtigen ökonomischen Faktor diese Institution sich hier bis jetzt schon ausbilden konnte. Kurz nach der Aufnahme ihrer Tätigkeit (im J. 1903) begründete die Anglo Palestine Co. die ersten 2 Leihgenossenschaften in Pethach Tikwah (im Februar u. März 1904). Die Gründung der dritten Genossenschaft erfolgte im Februar 1905 in Jaffa, worauf in ziemlich rascher Aufeinanderfolge auch weitere Kassen einander folgten, und zwar: die 4. im April 1905 ... in Gederah (Katra) „ 5. „ Juli 1905 ... . „ Pethach Tikwah „ 6. „ April 1906 . . . „ Ekron „ 7. „ September 1906 . „ Wadi Chanin „ 8. „ Dezember 1906 . „ Sichron Jakob. Zu dieser Zeit beschäftigte sich auch das Odessaer Chowewe- Zion-Komitee vielfach mit der Frage der Organisation eines billigen Kredites für die von diesem Komitee selbständig gemachten Arbeiter. Schließlich traf das Komitee im April 1907 mit der A. P. C. ein Abkommen, zufolge dessen das Odessaer Komitee bei der Bank 50 000 Frs. deponierte, hiervon 35 000 Frs.. als Garantiefonds für die Leihgenossenschaften und 15 000 speziell zugunsten der von den Chowewe-Zion unterstützten älteren Arbeiter. Dank diesem Fonds konnte die Bank ihren Wirkungskreis auf dem Gebiete der Leihkassen wesentlich ausdehnen. Es war eine Bestimmung getroffen worden, daß jede Kasse 10°/o des ihr von der Bank zu entleihenden Kapitals als Reservefonds aufbringen müsse. Ein Mitglied konnte höchstens das Zehnfache seiner Einlage entleihen. Die Entwicklung der Leihkassen wird durch nachfolgende Zahlen veranschaulicht: Es bestanden am Ende desJahres!905 ' 5Kassenmit 170 Mitglieds, einer Gesamtschuld v. 24950 Frs. „ 1906 8 „ „ 344 „ „ „ „ „ 100415 „ „ 1907 16 \, „ 638 „ „ „ „ „ 231907,,*) „ 1908 27 „ „ 1026 „ „ „ „ „ 452330 „ Septem b. 1909 28 „ „ 1183 „ „ „ „ „ 474052 „ Das von den Genossenschaften selbst aufgebrachte und bei der A. P. C. deponierte Grundkapital beträgt 43 443 Frs. Die von der Bank an die Mitglieder der Leihgenossenschaften gewährten Darlehen waren ihrer Höhe nach folgendermaßen verteilt i Darlehen unter 100 Frs. erhielten 255 Mitglieder von 100— 200 „ „ 238 200— 300 „ „ 126 300— 500 „ „ 94 . *) Ferner 2 Genossenschaften „Chaklai" (der Landwirte) in Pethach Tikwah mit einer speziellen Bestimmung (Ankauf von Viehfuttert mit einer Gesamtschuld von 30 338 Frs. und 35 Mitgliedern. Darlehen von 500— 800 Frs. erhielten 109 Mitglieder „ „ 800—1000 „ „ 71 „ 1000—2000 „ „ 103 über 2000 „ „ 15 „ Schließlich wurde 62 Mitgliedern die Höhe des Darlehns von der Leitung der Genossenschaft und nicht von der Bank bestimmt. Ihrem Berufe nach waren von den Mitgliedern der Leihkassen: 148 Besitzer von Weingärten, 52 Besitzer von Orangenpflanzungen,. 385 Ackerbauer, 65 Arbeiter und Handwerker mit Grundbesitz, 50 Arbeiter, welche als Landwirte angesiedelt wurden, 210 kleine Händler, 194 Handwerker, 58 Bureau- und Handelsangestellte, 21 Arbeiter. Unter den 28 Genossenschaften waren 3 Konsumvereine in den galiläischen Kolonien Melchamie, Mescha und Jemma und 2 Häuserbaugenossenschaften in Jerusalem. Die Abzahlung in den Kassen war eine pünktliche. Verluste waren im allgemeinen nicht zu verzeichnen. Eine Ausnahme bildeten die Jaffaer Kassen, in denen ziemlich viele Mitglieder ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen sind. Die Mitglieder dieser Kasse setzen sich nämlich aus verschiedenen Berufen und Ständen zusammen, wodurch die gegenseitige Kontrolle erschwert wird? ferner aus fluktuierenden Elementen, die mitunter nicht lange in' Jaffa sich aufhalten und, wenn sie die Stadt verlassen, ungetilgte Schulden zurücklassen. Besonders günstig entwickelte sich im letzten Jahre die Genossenschaft in Sichron Jakob, die zum Teile auch als Sparkasse fungierte und für ihre Mitglieder auch verschiedene Bank-Transaktionen besorgte. An dieser Genossenschaft sowie an den galiläischen Kassen beteiligte sich auch die ICA mit einer Einlage von über 50 000 Frs. Einiges über den Turnunterricht in Palästina In Jaffa wird Turnunterricht erteilt: im Hebräischen Gymnasium ... 14 Stunden wöchentl. an 190 Kinder in der Mädchenschule.........14 „ „ 320 „ im Spitzenatelier des jüdischen Frauenbundes.............. 4 „ ä 25 » in Abendkursen für Handwerker 8 „_„_60 „ 26 Stunden wöchentl. an 590 Kinder. Dieser gesamte Turnunterricht wird von Herrn Z. Orloff erteilt, der voriges Jahr zum Studium des Turnwesens in Deutschland und in der Schweiz weilte. Auch die Alliance- und Misrachischulen sowie die Schule des Hilfsvereins und die Talmud-Thoras würden gern den Turnunterricht in ihren Lehrplan aufnehmen, wenn noch ein passender Lehrer in Jaffa wäre. In Jerusalem wird in den Schulen des Hilfsvereins der Turnunterricht von dem ältesten palästinensischen Fachmann auf diesem Gebiete, Herrn Goldschmidt, erteilt. -Auch im Bezalel wurde im letzten Semester Turnunterricht eingeführt. Dagegen wird der Mangel des Turnunterrichts in den Kolonieschulen sehr empfunden. Die jüdischen Kolonien würden zusammen bis etwa 100 Frcs. 2*