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Die Welt · 1909-12-10 · 50 (10.12.1909) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
50 (10.12.1909)
Date
1909-12-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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auf die einfachste und billigste Art zu erreichen; künstlerische Ideen haben seit vielen hundert Jahren in der Architektur dieses Volkes nur noch eine untergeordnete Rolle gespielt. Was wir im Orient an schönen und bewundernswerten Bauten finden, — man denke an die Omarmoschee, an die Qrabeskirche, — stammt entweder von den Byzantinern oder aus der Zeit der arabischen Eroberung. Aber auch die kunstfreudigen Nachfolger des Propheten haben wenig Eigenes gegeben. Römische und gotische Bogen wurden ziemlich kritiklos übernommen, die zahllosen kleinen Säulen dem Byzantinischen entlehnt und höchstens im äußern Schmuck, vor allem in der sogen. „Arabeske", selbständig Nationales und deshalb Bleibendes geschaffen. Noch dürftiger war meist der Grundriß. Das Zelt der Nomaden, die ja nach dem Koran ewig für den Glauben kämpfen, stets im Feldlager sein sollten, war das Vorbild für die Bauanlagen. Das Bleibende, Monumentale lag ihnen selbst für die größten Anlagen fern. Als daher ihr Stern zu verblassen begann, verfiel auch ihre Kunst schnell, und an ihre Stelle trat eine unendlich nüchterne, eintönige Zweckmäßigkeit. Von ihr konnten unsere Ansiedler wohl mancherlei lernen, was die äußere, praktische Seite des Lebens anbelangt, aber schlechthin nachahmen konnte man den einheimischen Baustil nicht. Deshalb und aus alter Gewohnheit hat man einen noch trostlosem Typus des nüchternen europäischen Bauernhauses mit in die neue Heimat genommen. War der arabische Kuppelbau meist eintönig, so war doch das Bild des Ganzen, weil den Eigenheiten des Landes angepaßt, harmonisch. Heute aber stehen schablonenhaft aufgebaute Häuschen mit roten Giebeldächern neben den weißen, gewölbten Moscheen. Die europäischen, groß angelegten Fenster wehren die Sonne nicht ab. Die Kosten der neuen Bauwerke wachsen infolge des Mangels an Ziegeln und Holz im waldarmen Lande. ' Wenn wir deshalb eine Umkehr wünschen, so geschieht das aus Rücksichten ästhetischer, aber auch hygienischer und finanzieller Natur. Der Stil, in dem wir bauen sollten, müßte nicht nur gefällig und originell sein, sondern auch praktisch und billig. Nichts läge näher, als auf einen antik-nationalen Stil zurückzugreifen, wenn wir eben einen solchen rekonstruieren könnten; das ist nun freilich sehr schwer. In den Ausgrabungen von Jericho, Gezer usw. hat man wohl gewaltige Mauerreste und Grundrisse von Palästen und Häusern gefunden, aber wenig genug von Dingen, die auf das Äußere der Bauwerke schließen lassen. Wir sind daher fast ausschließlich auf dasjenige angewiesen, was uns die Bibel vom Tempel und Palaste Salomons berichtet. Und hier ist auch mehr vom Innern als vom Äußern die Rede. Wir erfahren nur, daß der Tempel in Rustica erbaut war, daß zahlreiche gewundene Säulen zum Bau verwendet wurden, deren Kapitale kettenähnliche Reifen zeigten und zwischen letztern Granatäpfel. Die Fenster waren schmal nach außen hin und verliefen breit nach innen, um nur ein mäßiges Licht hereinzulassen und dies gleichmäßig zu verteilen. Das Dach muß flach gewesen sein, denn man konnte auf demselben in einem gedeckten Gange herumgehen. Jedenfalls war das Dach aus Zedernholz, also nicht gewölbt. Am Eingange standen nach altassyrischer und ägyptischer Art zwei ungeheure Pylonen. Vom Äußern des zweiten Tempels wissen wir wenig, der dritte ist ersichtlich unter dem Einflüsse griechischer Baukunst entstanden1). Man wird nicht fehlgehen, wenn man annimmt, daß die Privatbauten, — wie dies auch noch heute bei uns der Fall ist, — in ihrer Anlage dem Charakter der öffentlichen - Bauten folgten. Also wird man für das in Frage kommende altjüdische Haus ein flaches Dach, eine von wenig Fenstern2) durchbrochene Fassade annehmen können; auch werden vielfach bei größern Anlagen gangartige Umbauten3) vorhanden gewesen sein und schön gegliederte Säulen4) Verwendung gefunden haben. Aus diesen wenigen Andeutungen in Verbindung mit der Erwägung, daß sicherlich die babylonischen Rückwanderer aus dem Exil Elemente des dortigen Baustils mit sich führten, kann man immerhin allerlei für die Fassade neu aufzurichtender öffentlicher Gebäude entnehmen. Aber auch für das einfache Wohnhaug wird man aus solchen Feststellungen Nutzen ziehen können. Das flache Dach ist ohnehin für die südliche Lebensweise zweckmäßig. Es ermöglicht den Aufenthalt in freier Luft und erspart nutzbaren Raum in den Gärten. Daneben wird man der Waldverwüstung Rechnung tragen und flache steinerne Kuppeln, die das Bauholz entbehrlich machen, für einzelne Dachteile verwenden. Umbauten finden sich als laufende Galerien heute fast bei allen Tropenbauten. Die Anbringung von Säulen wird allerdings nur bei größern Bauten möglich sein. In der Ornamentik aber wird man nach altorientalischer Art stilisieren müssen. Als Vorbilder werden Tiere und Erzeugnisse des Landes gelten können, und es werden sich originelle Motive finden lassen5). „Palmwerk", Blumengerank und die Darstellung von löwenköpfigen Gestalten scheint ehedem beliebt gewesen zu sein, und man wird diese Vorbilder mit verwenden können. Auch netzartige Ketten finden sich in den alten Beschreibungen erwähnt, ähnlich wie sie bei den Oberresten der alten assyrischen Baudenkmäler gefunden worden sind. Bei öffentlichen Bauten sollten die Portale pylonenähnlich und monumental wirken. Die erzbeschlagenen Eingangspforten haben im Altertum stets bei Palästen wie Tempeln eine hervorragende Rolle gespielt. Im Tempel zu Jerusalem waren die Tore so mächtig und schwer, daß mehrere Männer sie bewegen mußten. Das monumentale, meist offenstehende Portal spielt übrigens im ganzen Süden und Osten in der Baukunst eine große Rolle. An die Ausführung großer, öffentlicher Bauten wird man ja nun in absehbarer Zeit nur ausnahmsweise herantreten können. Desto wichtiger erschien es, Musterhäuser für Kolonisten zn entwerfen. Herr Baumeister Eliasberg in Berlin unterzog sich auf unsere Bitte der ebenso lohnenden wie schweren Aufgabe und hat sich dadurch ein wirkliches Verdienst erworben. Und er hat sehr Schönes geleistet. Auf dem Kongreß werden wir farbige Skizzen zur Ausstellung bringen, welche Ein- und Zwei-Familien- ') Mischnah, Middöt I 2. *) Vgl. I Könige 7, 12; I Samuel, IX 25; II Samuel, XI 2. 3) Vgl. I Könige VII, 4. 4) Vgl. I Könige VII, 6. 5) Vgl. die ornamentalen Rekonstruktionen in Perrot et Chipiez, Histoire de l'art. Paris 1887, Band IV, Jud£e.

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