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Die Welt · 1909-12-03 · 49 (3.12.1909) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
49 (3.12.1909)
Date
1909-12-03
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 49 DIE Österreich Budweis. Der vom jüdischen Volksverein Zion in Budweis am 20. d. M. veranstaltete Vortragsabend nahm einen außerordentlich erhebenden Verlauf. Der Referent Herr Dr. Emil Margulies, Präsident des zionistischen Distriktskomitees in Böhmen, sprach in seiner bekannt hervorragenden Weise über die Ziele und Bestrebungen unserer Bewegung und setzte des genauem die Wege auseinander, die uns zum Erfolge führen. In seiner mehr als 1 xk stündigen Rede wußte er die zahlreich erschienenen Zuhörer zur höchsten Begeisterung zu entflammen. Dem Verein, der nach einer Pause wiederum die vollste Tätigkeit aufgenommen hat, wurden durch diesen Vortrag die Sympathien der gesamten jüdischen Bevölkerung gewonnen. Die Versammlung, in welcher sich auch eine rege Debatte entwickelte, leitete der Obmann Herr Dr. Jos. Freund. Brüx. Der Zyklus der vom Jüdischen Volksverein „Zion" in Brüx veranstalteten Vorträge in der heurigen Vereinssaison wurde durch einen überaus gelungenen Vortrag des Herrn Dr. Heinrich Loewe, kgl. preuß. Bibliothekars in Berlin: „Der ewige Jude in Sage und Wirklichkeit", eröffnet. Die nicht nur sehr geistvollen sondern auch humorvollen und trefflichen Ausführungen des Herrn Redners erweckten den stürmischen Beifall der Versammlung. Im ELT 1085 Anschluß daran war Herr Dr. Loewe noch so liebenswürdig, an der Hand von Lichtbildern einen kurzen Vortrag über Palästina zu bringen, der ebenfalls durch reichen Applaus belohnt wurde. Eine Sammlung für den N. F. beschloß den schönen Abend. Ungarn Preßburg. Auf Agitation unseres eifrigen Gg. Herrn Jur. Ludwig Jordan konstituierte sich Anfang d. M. aus der Jugend der hiesigen Mittel- und Hochschüler der Verein Makkabea. Der Verein hält unter dem Präsidium und der Leitung L. Jord ans wöchentliche starkbesuchte jüdisch- und zionistisch-literarische Vortragsabende. Der Verein veranstaltet Mitte Dezember eine große Makkabäerfeier. Amerika Palästina-Informationsbureau der Federation of American Zionists Die Federation of American Zionists hat ein „Informationsbureau für Palästina" in Newyork eröffnet. Das Bureau befindet sich in den Räumen der Federation, Newyork, 200 E. Broadway. PALÄSTINA 0 □ D Aus dem Tätigkeitsbericht der Ica für das Jahr 1908 Der auf der Generalversammlung des Verwaltungsrats der Ica am 11. Juli d. Js. erstattete und vor kurzem erschienene Bericht konstatiert einen allgemeinen Fortschritt in den palästinensischen Kolonien, in denen sich schließlich die vernünftige Ansicht durchgesetzt habe, daß der Landwirt bei fleißiger und rationeller Arbeit seinen Lebensunterhalt finden könne. Einige Angaben, die die Verhältnisse in den zur Verwaltung der Ica in gewisser Beziehung stehenden Kolonien beleuchten, sollen hier wiedergegeben werden. Rischon l'Zion hatte im Jahre 1908 eine sehr befriedigende Weinernte. Eine Fläche von 393 ha brachte 8897 Kantar Trauben (1 Kantar zirka 300 kg), so daß auf jedes ha etwa 7500 kg Trauben entfielen, ein in frühern Jahren kaum erreichtes Resultat. (Im Jahre 1906 erntete man auf 475 ha 9850 Kantar, also nur 6300 kg pro ha.) Bei einem Preise von 16 Frcs. für den Kantar, den die Kolonisten gemäß den Preisen des Weines erzielen konnten, betrugen die Bruttoeinnahmen der Rischoner Winzer 183 000 Frcs, ihre Nettoerträge nahezu 79 000 Frcs. 30 ha volltragender Mandelpflanzungen brachten 13 700 kg Mandeln, im Werte von 15 400 Frcs. Nach Abzug der Spesen für die Unterhaltung der Pflanzung im Betrage von zirka 7500 Frcs. verblieb ein Reingewinn von 7900 Frcs. (oder von 260 Frcs. pro ha). (In dem laufenden Jahre haben die Mandelpflanzungen noch viel günstigere Resultate ergeben.) Im Durchschnitt betrugen die Jahreseinnahmen eines Kolonisten 1200 Frcs., die sich ziemlich ungleichmäßig auf die einzelnen Kolonisten verteilten, indem einige mit größern Besitzungen ein Einkommen bis zu 3000 Frcs. hatten, andere hingegen ein Einkommen von weniger als 1200 Frcs. Maskereth Bathia Die so nach der Mutter des Barons Rothschild — Bathia — gewöhnlich unter dem Namen Ekron bekannte Kolonie ist eine der bestbasierten Kolonien Judäas. Sie treibt fast ausschließlich Körnerbau auf einer Fläche von 10 750 Dunam. Der Weizen und die Gerste brachten im Jahre 1908 viel bessere Resultate als im Vorjahre: Der Weizen im allgemeinen durchschnittlich 3Vhl pro ha mehr als 1907. Der Maximalertrag war 14 hl pro ha; die Gerste 19 hl auf den ha (gegen 13—14 hl im Vorjahre). Kolonisten, die ihren Boden reichlich gedüngt hatten, haben 26, 28, 31 und 37 hl Gerste auf 1 ha erzielt. Dagegen ergaben die in kleinem Umfange betriebenen Mandel- und Olivenpflanzungen unbefriedigende, der vorangehenden Ernte wesentlich nachstehende Resultate (im ganzen 1395 kg Mandeln gegen 2082 kg im Jahre 1907 und 7200 kg Oliven gegen 10 762 kg im Jahre 1907). Insgesamt erzielten die Ekroner Kolonisten aus der Ernte eine Einnahme von 112 900 Frcs. brutto (gegen 105 400 Frcs. im Jahre 1907) und 46 900 Frcs. netto (gegen 44 100 Frcs. im Vorjahre). Petach-Tikwah hatte unter der Krisis der Orangenpflanzungen zu leiden. Diese Krisis entstand infolge der rapiden Verbreitung der Orangengärten, der leider keine gleichmäßige Ausdehnung des Marktes entsprach. Bis zum Jahre 1904/05 produzierte die Umgebung von Jaffa nur 350 000 Kisten Orangen jährlich, die alle leicht und zu guten Preisen in Liverpool abgesetzt wurden. In dieser Zeit erzielten die Besitzer von Orangenpflanzungen Erträge, die einer Verzinsung von bis 25 °/<» und mitunter bis 30°/o ihres Anlagekapitals entsprachen. Diese glänzenden Erfolge stachelten natürlich außerordentlich zum Orangenanbau an, so daß im Jahre 1908 schon 1 > Million Kisten in der Umgebung von Jaffa produziert wurde, und im Jahre 1912 die berechnete Orangenernte eine Million Kisten erreichen wird. In Petach-Tikwah allein hat sich die mit Orangen angebaute Fläche von 100 ha im Jahre 1903 auf 400 ha im Jahre 1908 vergrößert. Die eigentliche Krisis entstand hier im Jahre 1907, als infolge mehrerer Stürme im Winter die Orangenfrüchte viel Schaden gelitten hatten, und sodann in großer Menge teils vernichtet, teils zu Spottpreisen verkauft wurden. Anstatt einer erwarteten Einnahme von 200 000 Frcs. hatte Petach-Tikwah in diesem Jahre 90 000 Frcs. brutto erzielt. Das darauffolgende Jahr 1908 brachte wiederum eine recht knappe Ernte von der nur 134 000«Frcs. Einnahme erzielt wurden anstatt erwarteter 220 000—230 000 Frcs. Diese verringerten Einnahmen aus den Orangenpflanzungen brachten auch eine Verschlechterung der Kreditverhältnisse mit sich. Die früher sehr kreditfähigen Bojarenbesitzer konnten zum großen Teil nur gegen sehr hohe Zinsen Darlehen bei privaten Geldverleihern erhalten. Viele Kolonisten, die große Kapitalien in ihren Pflanzungen bereits angelegt hatten, konnten nur mit Mühe die Mittel zu ihrer Fortführung erreichen. Für Körnerbau war in Petach-Tikwah im Jahre 1907 08 eine Fläche von 5631 Dunam bestimmt. Die Mandelpflanzungen nehmen eine Fläche von 420 ha ein, die Weingärten 1560 Dunam, welche 1900 Kantar Trauben erzeugten, im Werte von 37 000 Frcs. — Die Orangenpflanzung der Ica, auf einer Fläehc von 30 ha, brachte im Jahre 1908 13 000 Kisten im Werte von 50 000 Frcs. Sichron Jacob wies im allgemeine^ im Jahre 1908 einen erfreulichen Aufschwung auf, der insbesondere darin zur Geltung kam, daß der Viehbestand der Kolonie sich wesentlich vergrößerte und einen Gesamtwert von 187 000 Frcs. repräsentierte (gegen 140 000 Frcs. im Vorjahre). Insgesamt wurden von der Kolonie 1732 ha angebaut, die einen Bruttoertrag von 265000 Frcs. und einen Reinertrag von 111000 Frcs. brachten (gegen 98 000 Frcs. im Vorjahre). Im einzelnen waren allerdings die Einnahmen aus dem Getreidebau geringer als früher; in Sichron Jacob selbst 69 000 Frcs. gegen 75 600 Frcs. im Jahre 1907; im angrenzenden Burdsch 38 000 Frcs. gegen 50 000 Frcs. Der durchschnittliche Ertrag eines Hektars belief sich im Jahre 1907 auf 152 Frcs. in Sichron und 128 in Burdsch, dagegen im Jahre 1908 nur 125 Frcs. und 118 Frcs.

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