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Die Welt · 1909-12-03 · 49 (3.12.1909) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
49 (3.12.1909)
Date
1909-12-03
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Schweiz Zürich: J. Horn, Zürich Basel: Biel: Lausanne: Dr. David Strauß, Zürich Dr. David Farbstein, Zürich Dr. Camille Levy, Biel Dr. Pasmanik, Genf St. Gallen: Dr. B. Kritschewski, Paris Dr. Camille Lew, Biel Order Knights Leon Zolotkoff, Chicago H. Wais, Chicago Max Goodman, Chicago Boris Leibowitsch, Hamburg Perlmann, Königsberg Hermann Goldschmidt, Hamburg Dr. Hirsch, Hannover Jul. Holländer, Altona Dr. Jul. Löwenheim, Berlin Arpad Weiller, Prijedor Dr. Joel, Lübeck Dr. Landau, Lübeck Dr. Martin Meyer, Lübeck Mamlock, Berlin Dr. Leszynski, Berlin of Zion, Chicago Dr. Hildesheimer, Groningen Hugo Meyer, Lübeck Leopold Singer, Essek Edmund Fischer, Essek Frau Dr. Joel, Lübeck Frau M. Blumenthal, Lübeck Dr. Nathan, Hamburg Dr. Rothschild, Lübeck Frau Dr. Leszynski, Berlin Dr. J. Sakom, Hamburg Dr. O. Waschitz, Hamburg Südafrika E. Levinsohn, Hamburg Deutschland Ein Vortrag des Präsidenten Wolffsohn Köln. Vor einer Versammlung von fast 500 Personen, die den großen Saai der Rheinlandloge bis auf den letzten Platz füllte, sprach am verflossenen Sonnabend abends Herr David Wolffsohn, Präsident des Engeren Aktions-Komitees, über das Thema „Der gegenwärtige Stand der zionistischen Bewegung". Ausgehend von der Kattowitzer Konferenz erläuterte der Redner zunächst den Unterschied zwischen den früheren Versuchen zur Linderung der Judennot und der zionistischen Bewegung. Er betonte insbesondere den höhern Wert, den die von den Zionisten aufgebrachten Mittel gegenüber den Stiftungen der großen Philanthropen Hirsch, Rothschild usw. besitzen, wenn auch diese zionistischen Mittel jetzt noch bedeutend kleiner sind, als die Riesenvermögen jener Stiftungen. Denn die zionistischen Gelder sind in kleinen und kleinsten Beträgen vom Volke selbst aufgebracht worden, und darum bergen sie auch im Gegensatz zur Philanthropie alle Vorteile in sich, die die Selbsthilfe hat. Eingehend erläuterte sodann der Vortragende Wesen und Umfang der zionistischen Institutionen, insbesondere der zionistischen Banken und des Jüdischen Nationalfonds. An diesen Institutionen wird vielfach, auch von zionistischer Seite, Kritik geübt. Ganz unberechtigterweise wird zum Beispiel gesagt, die Gelder des Jüdischen Nationalfonds und der Jüdischen Kolonialbank lägen unbenutzt, auch wird die geringe Höhe der Dividende der Jüdischen Kolonialbank bemängelt. Diese Kritiker scheinen ganz vergessen zu wollen, daß die Jüdische Kolonialbank u. a. die Anglo Palestine Co. gegründet hat mit einem Kapital von £ 1000 000, von denen bisher £ 70 000 Aktien eingezahlt sind, die sich fast alle im Besitz der Jüdischen Kolonialbank befinden. Und die Gelder der A. P. C. werden in der manigfachsten Weise in Palästina selbst angelegt. Die A. P. C. hat Leihgenossenschaften, landwirtschaftliche Genossenschaften, Häuserbau-Gesellschaften usw. gegründet oder deren Gründung ermöglicht und ihnen Geld zu billigem Zinsfuß zur Verfügung gestellt. Sie hat in jeder Hinsicht eine überaus segensreiche Tätigkeit entfaltet und hat es dabei noch fertig gebracht, eine gute Dividende zu erzielen, im letzten Jahre über 4 %. Der J. C. T. hat weiter in Konstantinopel die Anglo Levantine Banking Co. gegründet, die sich gleichfalls sehr gut entwickelt. Allerdings hat der J. C. T. bisher durchschnittlich nicht mehr als 21/2°'o Dividende verteilen können. Wenn man aber berücksichtigt,daß er aus den bei der A. P. C. investierten Geldern erst in den letzten Jahren Erträgnisse erzielt, wenn man ferner bedenkt, daß er sich bei allen zionistischen Unternehmungen beteiligt und sehr oft erst deren Gründung ermöglicht hat, daß er der zionistischen Organisation selbst jederzeit eine Stütze war und z. B. die El Arisch Expedition vollständig finanziert hat, daß er dem von den Zionisten aufgebrachten Russischen Hilfsfonds als erste eine Spende von 50 000 Frs. zugewendet hat, wenn man ferner sich vor Augen hält, daß er seine Gelder fast mündelsicher anlegt und nur in der vorsichtigsten Weise Geschäfte macht, dann wird man zugeben müssen, daß auch diese kleine Dividende einen ganz gewaltigen Eifolg darstellt. Auch der Jüdische Nationalfonds hat sich keineswegs damit begnügt, Geld anzusammeln. Er hat sich in Palästina in der mannigfachsten Weise betätigt. Er hat außer den Ländereien, die er selbst erworben hat, den Boden für das hebräische Gymnasium hergegeben, ebenso den Boden für das Technikum, er hat den Häuserbaugesellschaften durch billige Darlehen überhaupt erst eine Tätigkeit ermöglicht, er unterstützt jetzt landwirtschaftliche Kreditgenossenschaften usw., er hat der Kunstgewerbeschule Bezalel die Schulgebäude zur Verfügung gestellt, er hat Ölbaumanpflanzungen anlegen lassen, er hat überhaupt erst die Tätigkeit der Palestine Land Development Company ermöglicht usw. usw., kurzum, er hat nicht zum wenigsten Schuld daran, wenn sich die jüdischen Verhältnisse in Palästina in den letzten Jahren erheblich gebessert haben. Aber nicht nur materiell, auch moralisch hat die zionistische Organisation Großes erreicht. Es würde zu weit führen, im einzelnen all die vielen Beispiele für die sittliche und kulturelle Regeneration anzuführen, die der Zionismus verursacht hat. Sie sind so in die Augen fallend, daß sie heute auch von den Gegnern allgemein anerkannt werden. Herr Wolffsohn berührte sodann die gegenwärtige politische Lage. Er gab seiner Sympathie für die neue freiheitliche Entwicklung der Türkei Ausdruck, die auch unsern Arbeiten zugute kommen werden. Was die angeregten Änderungen des Baseler Programms angehe, so wandte sich der Vortragende scharf gegen jede solche Änderung. Unter dem lebhaften Beifall der Versammelten erklärte er, an dem Baseler Programm dürfte nicht gerüttelt werden. Dieses Programm war, ist und wird unser Programm für alle Zeiten sein. Zum Schlüsse streifte der Redner die vorgeschlagenen Änderungen in der Verfassung der Organisation. Er legte dar, daß die zionistische Organisation heute so stark gefestigt sei, daß man jetzt wohl auch an einen Wechsel in der Leitung denken könne. Die zionistischen Institutionen seien heute so weit gediehen, daß sie selbständig arbeiten können und man könne daher nötigenfalls sehr wohl auch an eine Verlegung der Bureaux schreiten. Der Redner schloß seinen mit stürmischem Beifall aufgenommenen Vortrag mit dem Wunsche, daß die zionistische Idee und die zionistische Organisation weiter vorwärts schreiten möchten, so daß auch bald die noch Außenstehenden ihren Anschluß an sie fänden, zu ihrem eigenen Wohle und zum Heile des jüdischen Volkes. Halberstadt. Am 24. Oktober sprach in einer gut besuchten Schekelzahlerversammlung Herr George Freund über die Aufgaben des IX. Kongresses. Dem mit Beifall aufgenommenen Referat folgte eine lebhafte Diskussion, bei der besonders die Fragen der Agrarbank, der Programmänderung und des Organisationsstatuts erörtert wurden. Die Delegiertenwahlen unserer Ortsgruppe fanden am 20. d. M. statt. Die hiesigen Zionisten, die zum Wahlkreis Dessau gehören, stimmten sämtlich für Herrn B. Blitz-Dessau als Delegierten und Herrn Dr. Moses-Dessau als Ersatzdelegierten; die Misrachisten, die getrennt wählten, gaben ihre Stimme für Herrn Hermann Struck- Berlin als Delegierten und die Herren Hackenbroch-Frankfurt a. M. und Zahnarzt Rothschild-Lübeck als Ersatzdelegierte ab. Am 17. ds. Mts. veranstaltete unsere Ortsgruppe eine gut besuchte öffentliche Versammlung, für die wir Herrn Richard Lichttyeim-Berlin als Redner gewonnen hatten. Herr Liehtheim sprach in formvollendeter Weise über die Geschichte des Zionismus. Er legte dar, wie der Zionismus entstand und sich entwickelte, was er bisher erreicht und welche Aufgaben er noch zu lösen hat. Herr Lichtheim verbreitete sich dann über die Aufgaben des bevorstehenden Kongresses und forderte zur Mitarbeit an unserer großen Sache auf. Seine Rede fand großen Beifall. Nach dem Vortrag des Herrn Lichtheim ergriff Herr Blitz aus Dessau, der liebenswürdigerweise zur Versammlung erschienen war, das Wort, um von den Eindrücken, die er während seiner vor einigen Monaten beendeten Palästinareise gewonnen hat, zu erzählen. Herr Blitz entwarf vor der Versammlung ein fesselndes Bild der Verhältnisse in den jüdischen Kolonien Palästinas und betonte die Notwendigkeit der praktischen Arbeit. Die begeisterte Ansprache des Herrn Blitz übte auf die Zuhörer einen tiefgehenden Eindruck aus. Auf den Namen der beiden Redner, denen auch an dieser Stelle nochmals herzlichst gedankt sei, wurden nach Schluß der Versammlung mehrere Ölbäume gestiftet. Der moralische Erfolg der Versammlung, besonders bei der Jugend, war ein großer; noch am selben Abend erklärten einige Damen und Herren ihren Eintritt in die zionistische Organisation.

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