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Die Welt · 1909-12-03 · 49 (3.12.1909) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
49 (3.12.1909)
Date
1909-12-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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lichkeit. Der Frage der „Russen" mochte* man noch ausweichen, vor den „Ausnahmen" gab es immer noch einen Winkel zum Verkriechen. Aber wenn die Sephardim erwacht sind, dann gibt es keinen Schutz mehr hinter den verschiedenen Vorwänden und Ausreden, dann hilft keine gewandte Redensart mehr. Das ist das Ereignis, welches seine Schatten vorauswirft. Heute bereits haben wir einen Vorgeschmack des Schreckens, der infolge dieses nationalen Erwachens schon entstanden ist. Das ist der tiefste Grund jener gehässigen Polemik. N. S. O ((□□□□□□ o v>-- FEUILLETON □ □□□□ m VIER TESTAMENTE . . Beiträge zur vergleichenden Ethnographie Von Dr. S. M. MeIamed=London I „Ich, Jankel Eisik, der Sohn des Reb Feitel Tauchum, tue hiermit bei klarem Bewußtsein und vor Zeugen, ehrlichen Juden, meinen letzten Willen kund. Nach einem langen Leben voll Frieden mit Gott und mit den Menschen werde ich bald zu meinen Vätern eingehen, und ich bitte daher gute Menschen und ehrliche Juden, meine letzten Willensbestimmungen zur Kenntnis zu nehmen und sie auszuführen, denn die Gnade, die man Toten erweist, ist die wahre Gnade. Ich hinterlasse 39 Rubel in bar, ein paar neue Tephilin, einen neuen Talis, einen guten Schabbesrock, drei Machsorim, zwei Gebetbücher, ein großes von meiner Frau selig und ein kleines, zwei Techinoth, eine Schnupftabakdose, zwei Käppchen, einen Schofar, zwei Mischna-Traktate, einen Kittel für Jomkippur und Sederabend und ein paar Tischobeow-Pantoffel, die ich von meinem Großvater seligen Andenkens geerbt habe. Da mein einziger Sohn in Amerika ist und ich seit Jahren von ihm nichts mehr gehört habe, bitte ich gute Menschen und ehrliche Juden, meine Hinterlassenschaft, wie folgt, zu verteilen: Das Barvermögen, von dem sich eine Hälfte im Gurkenkorb unter dem Bett befindet, die andere Hälfte im Verein Gemilus-Chassodim hinterlegt ist, soll verteilt werden, und zwar: fünf Rubel für die Talmud- Thora, fünf Rubel für Hachnossat-Orchim, fünf Rubel für den Ausstattungsverein für arme Bräute, fünf Rubel für die Chewra-Kaddischah, drei Rubel für arme Witwen, deren Söhne entweder gestorben oder verschollen sind, zwei Rubel für das Gemeindebad, drei Rubel für die Witwe des Rabbiners, fünf Rubel für die Armen im Lande der Väter, drei Rubel an die Armen der Stadt, zwei Rubel für den Beth-Hamidrosch und einen Rubel für den Krankenverein Bikur-Cholim. Meinen Schabbesrock, der noch fast neu ist, da ich ihn in den letzten elf Jahren nur an Samstagen und Feiertagen anhatte, bestimme ich für meinen langjährigen Freund, den zweiten Synagogendiener, Reb Isriel, die „Talgkerze" genannt. Den Schofar bestimme ich für den Soldatenminjen, jedoch bleibt er Eigentum der Gemeinde, denn Gott ist gut und gerecht und wird doch endlich sein Volk erlösen .... Die Schnupftabakdose erhält die Schneidersynagoge. Ich habe dort vierzig Jahre Mincho geort und während dieser Zeit immer von der alten Schnupftabakdose der Schneiderklause Gebrauch gemacht, — und ich bin kein undankbarer Mensch. Meins Tephilin erhält die Talmud-Thora, die sie einem armen Barmitzwah-Knaben schenken kann. Das große Gebetbuch erhält die Witwe des alten Rabbiners, während meine andern Güter zur freien Verfügung der Gemeinde stehen. Da mein einziger Sohn und Kaddosch verschollen ist, bitte ich nochmals gute Menschen und ehrliche Juden, mir die letzte Gnade zu erweisen. Geschrieben und unterschrieben mit eigener Hand am fünften Tage des Monats Kislew im Jahre 5668 nach der Schöpfung der Welt. Ich, Jankel Eisik, der Sohn des Reb Feitel Tauchum, geboren am ersten Ostertag im Jahre 5598 nach der Weltschöpfung zu Dalesowka am Flusse Schupi im Rabbinatsbezirk Wilna. P.S. Ich füge noch hinzu, daß ich meine Schuldner von ihren Verpflichtungen befreie und daß die Mischnatraktate dem Mischnaverein abzuliefern sind. Auch bitte ich, daß der Barmitzwah-Knabe, der meine Tephiline tragen wird, für mich Kaddosch sagen möge. Ganz derselbe. II Ich, Wilhelm, Philipp Rosenthal, Wirklich Geheimer Kommerzienrat, Ritter des Adlerordens IV. und HL Klasse, des Zähringer-Ordens, Ehrenmitglied des städtischen Turnvereins, gewesenes Mitglied des Kriegervereins, Mitglied des Börsensenates, Ehrenmitglied meiner Vaterstadt Päpkefeld, ehemaliger Vizekonsul des Staates Haiti, ehemaliger unbesoldeter Stadtrat meiner Vaterstadt und Ausschußmitglied des städtischenFlottenvereins,bestimme hiermit meinen letzten Willen in Gegenwart meines Notars, Herrn Christian Johann Top. — Meine unbeweglichen Güter, drei städtische Grundstücke, hypothekenfrei, im Werte von achthundertundfünfzigtausend Mark, überlasse ich in Ermangelung direkter Erben der Stadtgemeinde zum Zwecke der Errichtung öffentlicher Wohlfahrtsanstalten. Die zu errichtenden Wohlfahrtsanstalten müssen vaterländischen Zwecken dienen. Das eine Haus möge dem evangelischen Schwesternheim gegen ein geringes Entgelt zur Verfügung gestellt werden; jedoch wünsche ich, daß meine Hinterlassenschaft ohne Rücksicht auf Konfession und Glauben verwendet werden möge. Von meinem Barvermögen, angelegt in russischen und rumänischen Papieren, sollen erhalten: Fünfzigtausend Mark der städtische Kriegerverein, dem ich die mir zugefügte Unbill verzeihe und das beste Gedeihen wünsche, fünfzigtausend Mark der städtische Kunstverein, zwanzigtausend Mark das städtische Krankenhaus, zwanzigtausend Mark der Botanische Garten und ebensoviel der Zoologische Garten, zwanzigtausend Mark der städtische Schutzmanns-Witwenverein, zehntausend Mark das städtische Rekonvaleszentenheim, fünftausend

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