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Die Welt · 1909-11-26 · 48 (26.11.1909) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
48 (26.11.1909)
Date
1909-11-26
Page
– (sequence 16)
Language
German
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und wenn wir eine starke Liebe zur Vergangenheit des Volkes hegen, dem wir zugehören, so haben wir gleicherweise lebhafte Anhänglichkeit für unser Vaterland, die Türkei und für unsere Brüder, die Ottomanen." „Als gute Ottomanen und türkische Publizisten würden wir, könnten wir nie und nimmer den Interessen unseres teuren Vaterlandes zuwiderhandeln. Nie würden wir uns dazu verstehen, ohne flagrante Undankbarkeit an den Tag zu legen, unser Blatt einer Sache zur Verfügung zu stellen, die den Interessen unseres Vaterlandes schaden könnte." „All das hängt von der Art und Weise ab, in der man den Zionismus ansieht, begreift und interpretiert. Der Zionismus, der besteht: in der Einwanderung derjenigen Juden in die Türkei, die anderwärts an Qualen aller Art, an barbarischen Verfolgungen leiden, in der Ottomanisiernng dieser Immigranten, in der Erschließung unkultivierter Terrains in verschiedenen Teilen des Reiches durch ihre Arme, in der Teilnahme dieser Immigranten an der ökonomischen Entwicklung der Türkei, in der Bildung eines jüdischen (religiösen und intellektuellen) Kulturzentrums; der Zionismus, sagen wir, so verstanden, kann dem Reiche nur Vorteil bringen, und kann nicht anders als von der konstitutionellen Regierung und jedem guten Ottomanen ermutigt werden. Und wir erachten es als unsere heiligste Pflicht, uns mit Herz und Seele dem so verstandenen Zionismus, dem ottomanischen Zionismus, hinzugeben." Diesen schönen, von einfacher Wahrheit durchleuchteten Programmworten, fügt das Blatt am Schlüsse des Artikels folgende gescheite Auslassungen hinzu: „Die Lösung dieser Frage liegt schließlich keineswegs im Ressort der Presse. Sie ist eine Angelegenheit, die ausschließlich zwischen den Führern des zionistischen Gedankens und der ottomanischen Volksvertretung zu erledigen ist. Wenn die ottomanische Regierung, die immer und mit Recht, Vertrauen in die Treue der Juden bewiesen hat, die niemals Ursache fand es zu bereuen, daß sie dereinst unsern von der Inquisition verfolgten Vorfahren.. weitherzig Gastfreundschaft geboten hat, ohne irgend welchen,. Argwohn vor separatistischen Neigungen der Juden zu fassen, nunmehr den Zionismus in ihr konstitutionelles Programm aufnimmt, so sehen wir nicht, warum wir Juden „päpstlicher als<der Papst sein sollen." Das wäre Chauvinismus! „Beruhigen wir uns also. Lassen wir das Parlament in Ruhe diese Frage studieren und fügen wir uns seiner Entscheidung." Der Aufsatz, der den vollen Namen des angesehenen Herausgebers trägt, hat in der ganzen Gemeinde Aufsehen erregt und wird zweifellos dazu beitragen, daß viele schwankende, furchtsame Elemente sich nun auch offen und ohne Scheu zu unserer Sache bekennen. ooooooooo s^sr NACHRICHTEN is^ss ooooooooo 3) Jakob Moser Am 28. November begeht unser verehrter Freund Jakob Moser, Mitglied des Großen Aktionskomitees, der Genossenschaft Jüdischer Nationalfonds, des Aufsichtsrats des Jewish Colonial Trust und des Direktoriums der Anglo Palestine Company, seinen 70. Geburtstag. Es ist nicht nötig, an dieser Stelle die Verdienste aufzuzählen, die sich Herr Moser in längjähriger Mitarbeit um die zionistische Bewegung erworben hat. Seine unermüdliche Hingabe, sein nie versagender Opfermut, die ganze lebendige Art seiner zionistischen Betätigung haben den rüstigen Greis, der allerdings an Tätigkeitsdrang manchen Jüngeren in den Schatten stellen könnte, zu einer der populärsten Figuren innerhalb der ganzen zionistischen Bewegung gemacht. Schon früh sind dem Jubilar daher auch mannigfache Ehrenämter in der Organisation anvertraut worden. Seine Mitarbeit wird in den Konferenzen des Großen Aktionskomitees ebenso geschätzt wie in den Versammlungen des Jüdischen Nationalfonds, und sein praktischer Blick und seine gesunde Erfahrung werden in geschäftlichen Dingen und insbesondere bei den Angelegenheiten unserer Banken gerne und nie vergebens zu Rate gezogen. Sein auf das Gegenständliche gerichteter Sinn stempelten ihn zu einem warmen Freunde der realen Arbeit in Pälästina, von deren Bedeutung er sich durch persönliche Beobachtung im Lande selbst überzeugt hat. Die palästinensischen Institutionen zählen Jakob Moser zu ihrem wirksamsten Gönner. Das Hebräische Gymnasium verdankt seiner hochherzigen Munifizenz sein schönes neues Gebäude, und auch mit der Entwicklung der Ölbaumspende, insbesondere des Herzlwaldes, ist sein Name auf immer verknüpft. In einem Alter, in dem er ein Recht hätte, der verdienten Ruhe zu pflegen, hat Jakob Moser den reichen Schatz seiner Persönlichkeit und seiner ungeschwächten Arbeitskraft der Sache seines geliebten Volkes zur Verfügung gestellt. Mögen dem verehrten Jubilar, dessen in diesen Tagen die Zionisten allüberall mit Freude und Dankbarkeit gedenken, noch viele Tage der Arbeit für sein Volk beschieden sein. Möge er. gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin, die ihm allzeit als treue Beraterin und Helferin zur Seite gestanden hat, seinen Lebensabend in Gesundheit und Glück verbringen! * Jakob Moser ist geboren in Kappeln an der Schlei, Schleswig, am 28. November 1839. Er besuchte die Schule in Hamburg und Paris, kam in den 60er Jahren nach Bradford und heiratete am 9. März 1875 Florence, die älteste Tochter des Herrn S. Cohen aus Manchester. Er wurde zum Stadtverordneten gewählt und später zum „Alderman", unabhängig von politischen Einflüssen, doch schlug er die Ehre, „Aldermann" zu sein, aus und ließ sich abermals als Stadtverordneter wählen. Seit vielen Jahren ist er Friedensrichter, auch ein Ehrenamt, das ihm unabhängig von politischen Einflüssen verliehen ward. Mit Hülfe seiner Gattin, die ihm eine aufopfernde, unermüdliche und kluge Mitarbeiterin ist, hat er in England das Elberfelder System der freiwilligen Armenpflege eingeführt (City League of Help). Im August dieses Jahres wurde ihm das Ehrenbürgerrecht seiner Heimatstadt angetragen. Als der Kieler Kanal eröffnet ward, bot er dem deutschen Kaiser ein Geschenk von 50000 M an. Dem Bürgermeister von Bradford gab er 5000 £ zur Verwendung für Altersversorgung. Unermüdlich ist sein und seiner Frau Wirken für die Hospitäler Bradfords. In Leeds hat J. Moser ein jüdisches Krankenhaus gegründet. üalizien (Von unserm Berichterstatter) Die Klerikalisierung der Volksschulen Es gibt in Galizien zwei Typen von Elementarschulen: in den Dörfern, welche zumeist von nur christlichen Kindern — entweder griechisch-katholischer oder römisch-katholischer Konfession — besucht werden, und in den Städten und Städtchen, deren Schüler selbstverständlich sowohl dem jüdischen als auch dem christlichen Glauben angehören. Dementsprechend waren auch die Schulbücher

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