Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 48 (26.11.1909)
- Date
- 1909-11-26
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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No. 48 DIEEäEELT 1063 den Herren Kleerekoper und Polak die Mißbilligung der Versammlung über ihr Verhalten aussprach, nahm man Abstand, nachdem Herr Kann erklärt hatte, daß ihm gar nichts daran liege, daß den beiden Herren seitens des Delegiertentages ausdrücklich eine Mißbilligung ausgesprochen würde. Hierauf kam die zionistische Politik in Holland zur Besprechung. Die kurze Debatte, die sich über diesen Punkt entspann, war der letzte Nachhall der früheren Meinungsverschiedenheiten über die Richtung, die bei der Propaganda einzuschlagen sei. Zum Schlüsse kam die Demission des Redakteurs des „Joodsche Wächter" Herrn Kleerekoper zur Verhandlung, der seine Demission eingereicht hatte auf Grund von Meinungsverschiedenheiten, die über die taktische Haltung des offiziellen Organs des Niederländischen Zionistenbundes bestanden. Die Verhandlungen hierüber wurden in vertraulicher Sitzung geführt. Über die Abendsitzung haben wir bereits in unserer vorigen Nummer berichtet. Österreich Makkabäerfeier der Wiener Zionisten Das Vorkränzchen vom 11. November verlief, wie zu erwarten war, sehr animiert. Es hatten sich zu demselben eine große Zahl von Damen und Herren des großen Komitees eingefunden. Der rege Eifer des Komitees läßt erwarten, daß sich die in den Sofiensälen am 1. Dezember stattfindende Feier glänzend gestalten wird. Das Exekutivkomitee ist im Zionistischen Bureau: IX., Türkenstraße 9, in Permanenz, wohin Reklamationen bezüglich der Einladungen erbeten werden. Logen ä 30 Kr. und Karten (Cercle ä 10 Kr., Parkett ä 5 Kr., Parterre ä 3 Kr., Entree ä 2 Kr., Studenten ä 1 Kr.) sind erhältlich im Zentralbureau: IX., Türkenstraße 9, Telephon 14199 und in den Verkaufsstellen: Caf6 Gartenbau, I. Parkring 10, Cafe Louvre, I. Wipplingerstraße 27, Cafe Marienbrücke, I. Rotenturmstraße 31, Cafe Mariahilf, VI. Mariahilferstraße 89a, Cafe Jägerhof, IX. Porzellangasse 22. Teplitz=Schönau: Jüdischer Volksverein „Zioa". Am 30. Oktober war Herr Dr. Heinrich Loewe-Berlin Gast unseres Vereins. Er hielt einen Vortrag, betitelt: „Der ewige Jude (In Sage und Wirklichkeit.)" — Das zahlreiche Publikum folgte den glänzenden, durchaus sachlichen und gehaltvollen Ausführungen mit gespanntem Interesse und dankte dem Vortragenden mit stürmischem Beifall. Auch in der Diskussion brachte Dr. Loewe viel Anregendes und Belehrendes. — Am 31. Oktober sprach Herr Dr. Loewe über dasselbe Thema in einer Wanderversammlung unseres Vereins in Aussig mit gleichem Erfolg. Bukowina Czernowitz: Sonntag den 13. November fand im Lokale „Erez-Israel" ein hebr. Vortrag statt. Referent J. Rosenblatt sprach über „jüd. nat. Kultur. Trotz der gegnerischen Jargonströmung fanden die Ausführungen des Redners vielen Beifall. Es bildete sich aus der Versammlung heraus ein provisorisches Komitee, das sich behufs Gründung eines hebr. Klubs, zur Aufgabe gestellt hat, mit hervorragenden Persönlichkeiten und der Czernowitzer Kultusgemeinde in Verbindung zu treten, von denen die Möglichkeit abhängt, diesen Gedanken zu verwirklichen und zu fördern. Rußland Am 30. und 31. Oktober fand in Petersburg eine Sitzung der russischen Mitglieder des Großen Aktionskomitees statt, die sich besonders mit den Fragen des bevorstehenden IX. Kongresses beschäftigte. Zur Frage der Neuorganisation der Leitung wurde nach längerer Diskussion folgender Beschluß gefaßt: 1. Als Sitz des Engern Aktionskomitees wäre am besten Paris zu bestimmen. Das E. A.-C. wäre in diesem Falle folgendermaßen zusammenzusetzen (die Namen in alphabetischer Folge): Marmorek, Nordau, Sokolow, Stand, Tschlenow, Ussischkin, Warburg, Wolffsohn. Für den Fall der Undurchführbarkeit des ad. 1 genannten Beschlusses soll das Engere Aktionskomitee in folgender Zusammensetzung gebildet werden (die Namen in alphabetischer Folge) : Hanlke, Marmorek, Sokolow, Stand, Tschlenow, Ussischkin, Warburg, Wolffsohn. Als Zentrum der Bewegung wäre in diesem Falle Berlin zu wählen. Zur Regelung der Finanzen der Bewegung bezeichnete es die Konferenz als notwendig, dem Kongreß den Vorschlag der Besteuerung der Institutionen vorzulegen. Schließlich wurde noch das Programm für die Konferenz der russischen Delegierten in Hamburg beraten, und es wurde beschlossen, die Delegiertenwahlen zum Kongreß in Rußland spätestens bis zum 23. November (neuen Stils) vornehmen zu lassen. Brief aus Palästina (Von unserm Berichterstatter) Aus dem Bericht des Rischoner Weinbauernsyndikats Aus dem Rechenschaftsbericht, den Herr Gluskin, der Leiter des Syndikats, vorgelegt hat, ist zu ersehen, daß es gelang, dem vom Syndikat erzeugten Wein ein größeres Absatzgebiet zu verschaffen, jedoch überstieg die Produktion noch immer nicht unerheblich den Absatz, so daß der Abschluß dieses Jahres ungünstigere Resultate aufweist, als das vergangene. Im Berichtsjahr wurden 36000 Hektoliter an verschiedenen Plätzen abgesetzt, ca. 10000 Hektoliter blieben jedoch — zumeist als Alkohol — unverkauft. In London wurde eine neue Verkaufsstelle eingerichtet, von der viel zu erhoffen ist, die Hamburger Verkaufsstelle hat sich im abgelaufenen Jahr wesentlich gebessert und konnte dort gleiche Preise, wie an den andern Plätzen erzielen. Die Lage der weinbautreibenden Kolonisten ist noch immer eine wenig befriedigende. Dies bezieht sich zumeist auf die Besitzer kleiner Weinberge. Von den 319 Mitgliedern des Syndikats produzieren 20 derselben je 200—300 Kantar Trauben (1 Kantar - fast 300 kg) etwa die Hälfte 100—200 und 132 nur „ 50 „ „ Da nun der Kantar Trauben nach Abzug des Arbeitslohnes und des Oschers etwa 6.50 Frs. bringt, so ergibt sich für jeden von den 132 Kolonisten, die nur 50 Kantar produzieren, eine Einnahme aus den Trauben von nur 325 Frs. jährlich. Für die Kolonisten von Petach Tikwah, Sichron Jakob und Gederah ist es nicht so schlimm, da sie zumeist andere Einnahmequellen haben. Anders in Rischon le Zion und Rechoboth, die überwiegend auf den Weinbau angewiesen sind. Es wird jetzt die erste Aufgabe der Verwaltung sein, die leider in viel zu großer Menge angebauten nicht marktgängigen Weinsorten, die lohnenden Absatz so sehr erschweren, durch andere, auf dem Markte gesuchte, zu ersetzen. Schwierigkeiten bereiten der Verwaltung auch die mitunter widerstrebenden Interessen der verschiedenen Kolonien, die gerade auf der letzten Versammlung ziemlich heftig aufeinander prallten. Jaffa, 8. Sept. Gestern fand hier eine Versammlung der „Allgemeinen Zionisten" (im Gegensatz zu den Organisationen „Hapoel Hazair", Poalei Zion, Misrachi) statt, in der Herr Dr. Kohan Bernstein über die Vorschläge zum IX. Kongreß zu referieren hatte. Im ganzen haben die „Allgemeinen Zionisten" in Jaffa 91 Schekolim gesammelt, also viel weniger als die andern Organisationen hier im Lande. Das fast zweistündige Referat ging auf die schwebenden Palästinaprobleme ein, wobei es an scharfen und verletzenden Ausfällen gegen die Beamten der zionistischen Institute in Jaffa nicht fehlte, weil sie zum Referate nicht erschienen seien. Die vorge-_ schlagenen Resolutionen für den Kongreß verlangen in erster Linie" die Konzentration aller Bureaus unter einheitlicher Leitung, die Errichtung einer palästinensischen Landsmannschaft und die Wahl eines Mitglieds des E. A. C. mit dem Wohnsitz in Palästina, der an der Spitze der Organisation und ihrer Institutionen hier zulande stehen soll. Der letzte Vorschlag wurde mit 30 gegen 7 Stimmen angenommen, gegen die übrigen erhob sich kein Widerspruch. Einige Redner wiesen auf das Mißverhältnis zwischen diesen Resolutionen und den faktischen Erfordernissen der zionistischen Arbeit im Lande hin, andere zogen es vor, denselben verletzenden Ton wie der Referent anzuschlagen. Brief aus Konstantinopel (Von unserm Berichterstatter) Das Parlament Endlich ist die parlamentslose Zeit vorüber. Es gibt wieder eine Politik, die sich nicht nur hinter den Kulissen der Diplomatie und in den geschlossenen Sitzungen des Ministerrats abspielt, sondern offen vor aller Augen und Ohren. Mit diesem Bewußtsein schon ist wieder ein Teil der Ruhe und Zuversicht zurückgekehrt, die vorher in beängstigender Weise geschwunden waren.