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Die Welt · 1909-11-26 · 48 (26.11.1909) · page 7

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
48 (26.11.1909)
Date
1909-11-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 48 DIE30KELT 1057 früheren politischen Tätigkeit darf jetzt nicht angewandt werden.— Außerdem aber muß auch unbedingt folgender wichtige neue Moment beurteilt werden, nämlich: Der Kreis unserer Tätigkeit umfaßt mehr und mehr das türkische und palästinensische Judentum, das Judentum, welches sowohl politisch als geographisch nicht abgesondert ist von dem Lande, welches das Ziel unserer Bestrebungen bildet. Diese Teile unseres Volkes sind imstande, unmittelbar auf die leitenden Kreise, die über die Geschicke des Landes walten, einzuwirken, und von ihren Beziehungen wird sicher sehr viel abhängen. Infolgedessen muß also vor allem der IX. Kongreß sich mit der Frage der Heranziehung des türkischen und palästinensischen Judentums an unsere Bewegung beschäftigen, mit der Organisierung und Nutzbarmachung dieser Kräfte zur Erreichung unseres Ziels. — Früher oder, später muß der Mittelpunkt der Bewegung und besonders ihre Politik nach der Türkei, nach Palästina übertragen werden. Dieser Prozeß muß schon jetzt begonnen werden. Darin äußert sich schon der kolossale Nutzen, welchen eine Festigung der konstitutionellen Ordnung in der Türkei mit sich bringt. Allmählich wird sich die Anomalie verringern, und mit der Zeit ganz schwinden, welche darin besteht, daß wir nicht nur in dem Lande, in welchem wir das Zentrum unseres nationalen Lebens schaffen wollen, sondern sogar in dem Staate, welchem dieses Land gehört, nicht leben. Der IX. Kongreß muß den ersten Schritt in dieser Richtung tun. 4. Die reale Arbeit in Palästina Wenn auch ohne Zweifel die Fragen des Programms und der politischen Tätigkeit prinzipielle Debatten hervorrufen werden, so erweisen sich diese Debatten in bezug auf die Notwendigkeit der realen Arbeiten in Palästina doch als vollkommen überflüssig. Schon auf dem VIII. Kongreß war die Rede nur einzig von den Methoden dieser Arbeit. Seit den Zeiten des Aufgebens der Charteridee kann die prinzipielle Frage der Notwendigkeit der realen Arbeit in Palästina als endgültig gelöst betrachtet werden. Nun tritt die Frage des Charakters und des Umfangs dieser Tätigkeit zu Tage. Diese Frage, welche schon auf dem VIII. Kongreß behandelt wurde, hat sich in gegenwärtiger Zeit ungeheuer zugespitzt. Lauter und lauter ertönen die Klagen, daß die Stärkung der praktischen Arbeit auf Kosten der Bewegung geschieht, daß die Unternehmungen in kleinlicher Weise und ohne System gehandhabt werden. Die Bildung der unzähligen Gesellschaften jeder Art, das Fehlen und die Unmöglichkeit eines großen Schwunges in all ihren Handlungen — all das bringt die Forderung der Aufstellung und Beschließung der aligemeinen Frage der realen Arbeit in Palästina auf dem Kongreß mit sich. — Das Wesen dieser Frage besteht im folgenden: Hat sich unsere allweltliche Organisation und ihre Organe nur mit Schaffung günstiger Bedingungen für die Kolonisation und jede andere Tätigkeit zu befassen? Soll dieselbe sich nur um die Beseitigung von Hindernissen, welche der privaten Initiative entgegenstehen, bemühen? Soll dieselbe sozusagen nur die Rechtsfunktionen einer staatlichen Organisation dem palästinensischen Judentum gegenüber erfüllen? Oder soll sie unvermittelt auch die Initiative und infolgedessen auch das Risiko der Tätigkeit des Unternehmers auf sich nehmen? Mit andern Worten, — soll unsere Organisation sich darauf beschränken, nur Informations-, Kredit-, Kultur- und andere gesellschaftliche Institute, sowie die Organisation der gesellschaftlichen Elemente des Landes usw. zu schaffen, oder muß sie außerdem auch mit der Gründung von Kolonien, Farmen, Fabriken, Plantationen usw. sich befassen? In ersterm Falle kann es bei den in Palästina herrschenden Bedingungen und bei unsern verhältnismäßig geringen Kräften passieren, daß die Privatinitiative nicht imstande sein wird, die vorhandenen günstigen Bedingungen gründlich auszunutzen und überhaupt nicht zur Entwicklung kommen wird, — im andern Falle können wir wiederum bei unsern unzureichenden Mitteln riskieren, in dem Schlamm der kleinen und kleinsten Unternehmungen unterzusinken, welche vor unsern eigenen Augen unser Endziel verrücken und die Bewegung heruntersetzen, indem unsere große Organisation in ein Geschäftsunternehmen verwandelt werden kann. Der IX. Kongreß wird sich also in ernstester Weise mit dieser Frage zu beschäftigen haben. Wie seine Entschließung auch ausfallen möge, — eins muß doch jedem klarwerden, — derIX. Kongreß muß bei jedem seiner Beschlüsse vor allem den Grundcharakter des Zionismus als Volksbewegung vor Augen haben. Aus der Reihe der konkreten Fragen der realen Arbeit in Palästina werden in die erste Reihe die Fragen über die Gründung zweier Institute gerückt werden, welche sich vom Standpunkte der Entwicklung der weitesten Kolonisationstätigkeit als fundamental herausgestellt haben: die Gründung eines Instituts des Agrarkredits und die Gründung eines Instituts für' die Parzellierung des Bodens. 5. Agrarkredit Ober die Gründung des Agrarkredits ist in der zionistischen Welt schon soviel gesprochen worden, daß es vollständig überflüssig ist, nochmals die Beweisführung der Notwendigkeit derselben zu wiederholen. Die Gründung der Agrarbanken tritt als Lebensbedürfnis nicht nur für Palästina, sondern für die ganze Türkei und als eine der ersten Bedingungen für die Möglichkeit der ökonomischen Entwicklung des Landes auf, und daher ist es als zweifellos zu betrachten, daß in nächster Zeit die darauf bezüglichen Gesetzesbestimmungen im türkischen Parlament durchgeführt werden. Für uns besteht die Frage der Agrarbank hauptsächlich in der Frage der Methode ihrer Bildung, das heißt, ist es zweckentsprechend, dieselbe nach dem Vorbild unserer Kolonialbank zu gründen oder sie auf rein kommerzieller Basis aufzubauen? In ersterm Falle beschränkt sich der Kreis der Gründer und Aktionäre auf die Zionistenwelt und die dem Zionismus nahestehenden Kreise des Judentums. Wir riskieren in diesem Falle, wiederum eine Gründung mit verhältnismäßig beschränkten Mitteln zu schaffen, und ähnlich, wie die Jüdische Kolonialbank, nur einen Bruchteil desjenigen Kapitals zusammenzubringen, welches den großen Aufgaben eines Instituts für Agrarkredit entsprechen sollte. Von anderer Seite werden Stimmen laut, und besonders von Personen, welche in Finanzfragen kompetent sind, daß es im Interesse der gesunden Entwicklung des Agrarkreditinstituts durchaus notwendig ist, es ausschließlich als Geschäftsunternehmen zu gründen, und daß die Initiative von einem Konsortium von Bankiers und Finanzleuten ausgehen müßte. Die Aufgabe der zionistischen Organisation würde sich dann nur auf die Vorbereitungsarbeiten bis zur Bildung eines Konsortiums, und in der Folge in der Heranziehung einiger unserer Finanzinstitute zwecks Anteilnahme beschränken. Die Gründung selbst würde dann den Charakter einer privaten Aktiengesellschaft tragen, welche auf streng geschäftlicher Grundlage arbeitet; und solcher Gesellschaft wäre es leichter, das notwendige Aktienkapital zu beschaffen und ihre Obligationen und Aktien auf den europäischen Börsenmarkt zu bringen. 6. Parzellierungsgesellschaft Nicht weniger wichtig für die Kolonisation Palästinas ist die Gründung eines Instituts für Bodenparzellierung. Unzählige Versuche in verschiedenen Punkten Rußlands, Polens, Galiziens, Rumäniens, Nordamerikas, Gruppen zur Ansiedlung in Palästina zu bilden, verliefen fast resultatlos und mußten resultatlos endigen, solange in Palästina kein Institut besteht, welches die notwendigen Bedingungen für die Bodenansiedlung vorbereitet. Dieses letztere muß eine normale Lebenserscheinung werden, dann wird nicht mehr jeder, der nach Palästina übersiedelt, als Pionier zu betrachten sein und jeder, der über die nötigen materiellen Mittel, sowohl physischen wie geistigen Kräfte verfügt, soll sich einfach ohne besondere Anstrengungen, großes Risiko und komplizierte Scherereien, auf dem Grund und Boden ansiedeln können. Für all dies ist durchaus eine Parzellierungsgesellschaft nötig, das heißt eine Gesellschaft, welche große Teile Landes erwerben, sie zur Ansiedlung vorbereiten und in einzelnen kleinen und mittlem Parzellen verkaufen könnte. Ob dieser Verkauf ausschließlich für bares Geld oder auf Kredit, auszahlbar im Laufe einer Reihe von Jahren, stattzufinden hat, das ist schon eine Nebensache. Unser Unvorbereitetsein dokumentiert sich besonders darin, daß im Laufe des verflossenen Jahres viele begüterte Juden, welche mit bedeutenden Mitteln und dem unzweifelhaften Wunsche nach Palästina fuhren, sich dort niederzulassen, nach langem Suchen unverrichteter Sache zurückkehren mußten. Die Parzellierungsgesellschaft hat sich als ebensolche Notwendigkeit herausgestellt, wie die Gründung des Agrarkredits, eins ergänzt das andere, und eins benötigt die Hilfe des andern. In der Zwischenzeit zwischen dem Haager und dem Hamburger Kongreß ist der Versuch zur Bildung eines ähnlichen Instituts durch die Gründung der Palestine Land Development Cpy. gemacht worden, aber diese kann nur dann die wichtige Aufgabe der Parzellierungsgesellschaft erfüllen, wenn sie sich aus einem kleinen Unternehmen mit 40—50000 Rubeln Kapitalanlage zu einer umfangreichen Gesellschaft mit Millionenkapital entwickeln würde. 7. Nationalfonds Als weitere Frage, welche der Kompetenz des Kongresses zu unterbreiten wäre, tritt die Frage der Richtung, der allgemeinen Tätigkeit des Nationalfonds auf, welcher sich in letzter Zeit sehr

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