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Die Welt · 1909-11-19 · 47 (19.11.1909) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
47 (19.11.1909)
Date
1909-11-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Die Feier des 25 jährigen Jubiläums der Kattowitzer Konferenz (Spezialbericht) Die Judenfeier der Kattowitzer Konferenz am 7. November gestaltete sich zu einer überaus imposanten Kundgebung des zionistischen Gedankens, zu einem wirklich herzerhebenden Feste. Der Besuch war so über alle Erwartungen groß, die Durchführung des Festes verlief so glanzvoll und ohne jede Störung, das Arrangement war so geschickt und die Stimmung der Teilnehmer von einer solchen Tiefe und Begeisterung, daß selbst alte Veteranen des Zionismus, die doch wahrlich an Konferenzen und Festen genug erlebt haben, einstimmig diese Gedenkfeier als eine der schönsten bezeichneten, die mitzumachen sie je Gelegenheit hatten. Von nah und fern waren die Gäste erschienen, außer Österreich hatte insbesondere Rußland viele Teilnehmer entsandt. Die günstige Lage der Stadt an den Grenzen dreier Reiche trug dazu bei, dieses Fest zu einem wahren Verbrüderungsfest von West- und Ostjudentum zu machen. Einen besondern Glanz erhielt die Feier durch die Teilnahme zweier Jubilare der Konferenz, der Herren Davidsohn aus Warschau und Pin es aus Roszany. Das Engere Aktionskomitee war vertreten durch Nah um Sokolow (Präsident Wolffsohn war durch Unpäßlichkeit am persönlichen Erscheinen verhindert); das Große Aktionskomitee durch Dr. Braude, Lodz, Dr. Salz, Tarnow; das Odessaer Komitee durch Professor Dr. Joseph Klausner, Odessa; das russische Zentralkomitee durch H. Färb stein, Warschau; das deutsche Zentralkomitee durch Rechtsanwalt Dr. Leszynsky, Berlin; das westösterreichische Zentralkomitee durch Dr. Emil Margulies, Prag; das westgalizische D. K. durch Dr. Wahrhaftig, Dr. Hilf stein und andere Herren aus Krakau; das mährisch-schlesische D. K. durch Dr. Lichtwitz, Rabbiner Dr. Fried mann, Troppau; Akademische Vereine: Kartell Zionistischer Verbindungen (K. Z. V.) durch Dr. Rosenberg, Berlin; ferner der Bund Jüdischer Corporationen (B. J. C.) Berlin; der Verein Jüdischer Studenten, Breslau; Kadimah-Wien, Unitas-Wien, Emunah-Bielitz; zionistische Vereine aus Deutschland: Berlin, Breslau, Könisberg, Posen; aus Österreich: Bielitz-Biala, Troppau, Krakau, Mährisch- Ostrau, Oderberg, Chrzanow, Tarnow, Freudenthal, Oswiecim; aus Russisch Polen und Litauen: Warschau, Lodz, Bialystok, Nowa Radomsk, Petrikow, Dondrowa, Czenstochau, Zawierze, Bendzin, Sosnowice, Kaiisch. Telegramme und Begrüßungsschreiben waren zu Hunderten eingelaufen. Das Programm der Feier bestand in einer internen Festsitzung am Vormittag, gemeinsamem Mittagsmahl der Festteilnehmer, einer öffentlichen Versammlung am Nachmittag und einem Festabend, der die Teilnehmer der Vormittagssitzung noch einmal in zwanglosem! Kreise vereinigen so.lte. Man muß betonen, daß die Beteiligung erfreulicherweise alle Erwartungen der Festleitung übertraf. Die Festsitzung am Vormittag, die wegen der unerwartet großen Beteiligung aus dem Sitzungssaal der Gemeinde noch in letzter Stunde in die größern Räume des Hotel Kaiserhof verlegt wurde, war von ca. 400 Gesinnungsgenossen besucht. Sie wurde eingeleitet durch einen Gesang- und Harmoniumvortrag von Herrn Obeikantor Singer, Kattowitz. Im Namen des oberschlesischen Gruppenverbandes begrüßte der Vorsitzende Herr Arnold Wiener die Gäste, vor allem die erschienenen Jubilare, die Herren Davidsohn und Pin es und Herrn Nahum Sokolow als Vertreter des erkrankten Präsiden en. Er würdigt die Verdienste der Kattowitzer Konferenz ünd ihrer Teilnehmer und gedenkt des seligen Moritz Moses, der, solange er lebte, in Ka;towitz ein Prediger in der Wüste blieb. Hierauf sprach N. Sokolow: Ich habe den Auftrag und die Ermächtigung vom zionistischen Aktionskomitee, an Sie seine Grüße zu entbieten. Der Präsident des zionistischen Aktionskomitees, Herr Dr. Wolffsohn, hatte die Absicht, selbst hier zu erscheinen und die Grüße persönlich zu übermitie'n. Leider ist er daran verhindert, und so bin ich beauftr. gt worden, dies zu tun. Es ist eine bedeutungsvolle Ehr npflicht, die ir hier zu erfüllen hab:n. Es ist nicht eine gewöhnliche Feier, es ist ein Verbrüderungsfest von Zionsfreunden und Zionisten, und vermeintliche Gegensätze, die mikroskopischen Kleinheiten, die je bestanden haben mochten, verblassen und verschwinden im Lichte, das: von dieser Feier ausgeht. Vor 25 Jahren versammelten sich die Männer, die ganz von derselben Idee beseelt waren, die heute .unsere treibende Kraft ist..... Die erste Kattowitzer Konferenz hatte nicht die Breite und die Tiefe unserer Zionistenkongresse, aber sie hatte etwas, was wir vielleicht schon jetzt bei den Kongressen vermissen und was wir sehen jetzt wieder aufs neue hervorrufen müssen, und das ist der poetische Zug, das Romantische, — die Zionsliebe. Denn vergessen wir nicht, daß die Liebe zu Zion den Hauptbestandteil des Zionismus bildet, denn wer eben Zion nicht liebt, — man mag ja noch so tragisch die Geschicke des jüdischen Volkes nehmen, man mag noch so radikal diese Frage betrachten, man wird andere radikale Lösungen finden, und was ist es, was uns zu dieser radikalen Lösung führt, wenn nicht die Liebe zu Zion? Und dis ist eine Kraft, die viel höher steht als die Logik, die Liebe, die gar keinem Gesetze unterworfen ist. Das ist eine Kraft, die sich nicht wegdiskutieren läßt. Und das ist Chibath Zion. Und dieses Chibath Zion ist die Grundlage des Zionismus in jeder. Form und in jeder Etappe. Deshalb feiern wir heute das Verbrüderungsfest. Nicht das Momentane, nicht das Persönliche, sondern der Trieb der Volkselemente ist nötig, um einen dauerhaften Zionismus zu bilden. Der Zionismus ist eine Idee, er ist das Ergebnis der jüdischen Geschichte. Wenn er nicht da ist, wenn die Idee in sich zusammenfällt, wenn sie geschwächt wird, so werden die Organisationen nicht weiterleben können. Das ist der Berührungspunkt zwischen uns und der Chibath Zion...... Die Kattowitzer Versammlung war kein Zufall in der Geschichte des Zionismus. Sie war ein Anfang. Sie war wie ein Mastbaüm eines gewaltigen Schiffes, der über Zeit und Raum ragt. Kattowitz bildet nur einen kleinen Teil und nur ein kleines Glied in der Kette der verschiedenen Versammlungen, ... eine Versammlung, die nicht lokale Interessen irgend eines Landes oder einer Gemeinde zum Gegenstande hatte, sondern die Interessen des großen jüdischen Volkes behandelt hat.. Deshalb bleibt diese Versammlung historisch. Und deshalb wird Kattowitz ein bleibendes Ereignis in der jüdischen Chronik sein, und deshalb neigt das zionistische Aktionskomitee sich ehrfurchtsvoll vor dieser Versammlung und gelobt mit allen Zionsfreunden, das Werk fortzusetzen, zu dem jene Versammlung die Grundlage gelegt hat. Dr. Joseph Klausner überbrachte die Grüße des Odessaer, Komitees: Es gereicht mir zur besondern Ehre, im Namen des Odessaer Palästina-Komitees eine Ansprache an diese feierliche Versammlung zu halten, denn das Odessaer Komitee ist ja dasjenige, das Kattowitz zur Zeit der ersten Versammlung, der ersten Konferenz geschaffen hat. Wenn der Zionismus überhaupt ein Werk der Kattowitzer Versammlung ist, so ist das Odessaer Komitee dasjenige, was Kattowitz verlangte und was Kattowitz geschaffen hat. Leo Pinsker, der Berufer der Kattowitzer Versammlung und der gleichzeitige Begründer der Chowewe Zion im Sinne der Arbeit des Odessaer Palästina-Komitees, er war der eigentliche Vorsitzende des Odessaer Komitees bis zu seinem Lebensende...... Wenn die Frage gestellt werden sollte: was für eine Aufgabe hat sich eigentlich die Kattowitzer Konferenz gestellt, was war der Grundgedanke, der die Kattowitzer Konferenz beseelt hat. so kann i:h nur sagen, die Kattowitzer haben sich zur Losung gemacht die Worte: Im Anfang war die Tat. Wenn die Palästinakolonisation nicht schon als Tatsache bestanden hätte, dann hätten wir bloß eine Idee, die. der Verwirklichung harrt. Die Palästinaliebe war die treibende Kraft der Kattowitzer Konferenz. Möge es uns vergönnt sein, daß wir dieses warme Herz behalten und daß diese Zionsliebe, die die. Kattowitzer ganz durchglüht, auch uns durchglühe, denn diese Liebe war es, die d;e Baseler Kongresse hervorgerufen hat Diese Liebe wird uns zum Ziele führen. Es folgte die Begrüßung der Deputationen. Hierauf sprach Herr Davidsohn, der Jubilar der Konferenz. Das Hauptverdienst der Kattowit'er Konferenz sei, daß sie Ost- und Westjuden einander wieder genähert habe. Er knüpft an die Worte Pinskers an, sie in Rußland hätten einen guten Boden, aber einen schlechten Himmel, die Juden Westeuropas einen guten Himmel, aber e'nen schlechten Boden, und spricht die Überzeugung aus, daß, wenn Ost- und Westjuden auch weiter zusammenarbeiten werden, das zionistische Endziel hierdurch sicher erreicht werden würde. Herr Pin es aus Roszany, ebenfalls Jubilar der Konferenz, spricht in warmen Worten zu der Versammlung. Er begrüßt vor allem die Jugend. Denn wer die Jugend hat, der hat die Zukunft. Hierauf ergreift Herr Arnold Wiener nochmals das Wort und weist auf das große Interesse hin, das der Veranstaltung in allen Zionistenkreisen entgegengebracht wird, und zwar nicht nur in Europa,' sondern auch in Amerika und Afrika. Er verliest verschiedene Glückwünsche und Telegramme. ( 2^

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