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Die Welt · 1909-11-19 · 47 (19.11.1909) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
47 (19.11.1909)
Date
1909-11-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 47 DIE3|E ELT 1029 Israeliten bei der Gründung von Kolonien geistig und materiell zu unterstützen", — die Worte „in Palästina" wurden erst später eingefügt. Aber in dem Aufruf, den dieser Verein 1882 verbreitet hatte, war Palästina ausdrücklich als die zukünftige Heimat des jüdischen Volkes hingestellt, und mit jeder erdenklichen Deutlichkeit die nationale Zukunft der jüdischen Gemeinschaft gepriesen worden. Palästina war in diesem Aufruf gegenüber Amerika, wohin sich der Hauptstrom der Emigranten wälzte, mit all jenen Gründen als besonders geeignetes Einwanderungsland hingestellt worden, die wir auch heute noch anzuführen pflegen: es war von dem traditionellen, wohlwollenden Verhalten der türkischen Regierung gegenüber den Juden die Rede, von den geringem Überfahrtskosten, von dem Wert der Konzentration der jüdischen Massen auf einem gemeinsamen Territorium, von der Fruchtbarkeit des Landes. Der Vorsitzende der Bne-brith-Loge begrüßte die Versammlung, ja er beantragte, die Eröffnungsrede Dr. Pinskers als Flugblatt in Massen zu verbreiten und versprach hierfür die Mithilfe der Loge. Über den Gang der Verhandlungen gibt Ihnen die Festschrift nähern Aufschluß. Es wurde ein Zentralkomitee gewählt, dessen Sitz ursprünglich in Berlin sein sollte; es kam glücklicherweise anders, Odessa blieb das Zentrum der Zionsfreunde. Fortan sollte eine bessere Verwaltung der Gelder durchgeführt werden, es sollte die Genehmigung der neugegründeten Gesellschaft durch die russische Regierung angestrebt werden, an Ort und Stelle sollte der Stand der Kolonisation geprüft, und erst daraufhin bestimmt werden, welche von den — von Baron Rothschild nicht übernommenen — Kolonien zu unterstützen seien. Neugründungen sollten vorläufig nicht mehr in Aussicht genommen werden. Endlich aber sollte eine Delegation an die Hohe Pforte gesandt werden, um eine Beseitigung der einer jüdischen Kolonisation in Palästina im Wege stehenden Schwierigkeiten zu erwirken. Wenn es auch, wie wir sehen, nicht sobald gelang, die Fäden in einer Hand zu sammeln, so war doch hier der organisatorische Gedanke und ein Zionsprogramm zum erstenmal in aller Form verkündet worden. Die neugegründete Institution erhielt den Namen Maskeres Moscheh oder Montefiorestiftung zur Unterstützung der Kolonisten des Heiligen Landes, so genannt in Erinnerung an Montefiore, dessen 100. Geburtstag kurz vorher mit großem Enthusiasmus allerorten, besonders in Rußland, gefeiert worden war. Durch Verkauf von Montefiorebildern waren die ersten gemeinsamen Mittel, 40000 Rubel, aufgebracht worden. Hatte die Konferenz einen großen unmittelbaren, positiven Erfolg? Nicht einmal in Rußland. Trotz aller Zirkulare der Zentrale geriet die Bewegung ins Stocken. Schon 1887 wurde eine neue Konferenz nach Drusgenik einberufen, deren Resultat von dem der Kattowitzer Konferenz nicht sehr verschieden war. Man beschloß, einzelne Kolonien zu unterstützen und wollte ein Bureau in Palästina errichten, von wo aus die Unterhandlungen mit der türkischen Regierung geführt und die Bodenankäufe kontrolliert werden sollten. Wenn auch nach dieser Konferenz ein kleiner Aufschwung in der Bewegung eintrat, so lag doch das Werk im großen und ganzen, zum Teil infolge der vereinzelten Lage der palästinischen Kolonien, so darnieder, daß Pinsker schließlich sein Amt niederlegte. Erst mit der Konferenz zu Wilna wurde es anders, und als 1890, infolge der Bemühungen des zähen und energischen Zionsfreundes Zederbaum, die Genehmigung durch die russische Regierung erreicht war, wurde die erste Generalversammlung des Odessaer Komitees, der „Gesellschaft zur Unterstützung jüdischer Ackerbauern in Syrien und Palästina", wie sie sich nannte, abgehalten, und Pinsker trat von qeuem an die Spitze der Bewegung. Hiermit beginnt die eigentliche umfangreichere Tätigkeit der Choveve Zion, hauptsächlich in Rußland, wenngleich es auch in fast allen andern Ländern, selbst in Amerika Choveve-Zion-Vereine gab. Zu Anfang der neunziger Jahre stand die Organisation auf der Höhe ihrer Tätigkeit. Die formelle Gründung dieses Komitees aber war in Kattowitz erfolgt. Die Tätigkeit, die jetzt begann, muß zweifellos nach Prinzip und Methode, die zu gewissen Zeiten maßgebend waren, als verfehlt bezeichnet werden, aber oft war sie auch in vielfacher Beziehung wahrhaft großzügig, und sie hat vor allem, wie wir sehen werden, die wesentlichen Grundlagen geschaffen, auf die sich später eine weiter ausschauende Zionsbewegung aufbauen konnte. In Deutschland übte die Konferenz überhaupt keine erfolgreiche Wirkung aus. Zwar stand hier der Antisemitismus schon in Blüte, ja, er war bereits von hier ins Nachbarland verschleppt worden und hatte hier in Gestalt blutiger Judenverfolgungen seine Früchte hervorgebracht. Aber die einzige Reaktion der deutschen Juden bestand vorläufig in einer panikartigen Flucht aus dem Judentum; zu einer Besinnung auf sich selbst, zu einem Zurückgreifen auf alte Volksideale, zur Zionsidee war die Zeit in Deutschland noch nicht reif. Die jüdisch-liberale Presse ignorierte oder bespöttelte die Konferenz. Die drei Choveve Zion unter den deutschen Rabbinern waren selbstredend schon längst vor der Konferenz begeisterte und tätige Anhänger derBewegung: Dr. Rülf in Memel, bekannt durch seine flammende zionistische Schrift „Aruchas bas ammi", der fromme, stets zu ruhiger Überlegung mahnende Zionskämpfer Dr. Asriel Hildesheimer in Berlin, der die Idee in der jüdischen Presse propagierte, und endlich der unermüdliche Sammler Dr. Salvendi, der auch durch seine Palästina-Mitteilungen in den Spendenverzeichnissen zur Verbreitung der Idee beitrug. Der in Deutschland gegründete Verein „Esra" hat sich bis auf den heutigen Tag in mancherlei nützlichen kleinkolonisatorischen Arbeiten betätigt, deren Bedeutung für das gesamte Werk der Kolonisation übrigens verschwindend gering ist, hat sich aber nationale Tendenzen niemals zu eigen gemacht. Die Choveve Zion Englands sind ebenfalls durch die Konferenz wenig beeinflußt worden, weit mehr durch die aufmunternden und anregenden Berichte, die der Colonel Goldsmid nach einem Besuch Palästinas im Jewish Chronicle veröffentlichte. Was Frankreich anlangt, so ist hier noch 1894 ein Zion-Zentralkomitee gegründet worden, dem auch die Gründung der Kolonie Kastinie zu danken ist, das aber bald wieder hinter dem Odessaer Komitee zurücktrat. Odessa liegt nicht nur Palästina näher, sondern liegt vor allem in dem Hauptwohnsitz der jüdischen Massen; Paris dagegen, die Hauptstadt eines Landes, in dem es wenig Juden und fast gar kein jüdisches Leben gibt, ist, wie auch andere Erfahrungen gezeigt haben, als Sitz der Leitung einer großen jüdischen Organisation ungeeignet, da die innern Beziehungen zum Denken und Fühlen der entfernt wohnenden jüdischen Massen hier in kurzer Zeit verloren / *

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