Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 46 (12.11.1909)
- Date
- 1909-11-12
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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1018 DIE3§K£LT. No.; 46 nur von den politischen Rechten und nichts von ihren Geistesschätzen reden? Sind wir nur eine Rechtskörperschaft und keine religiöse Gemeinschaft? Sollte es zurErweckung des Selbstbewußtseins ausreichen, von mangelndem Recht zu reden - undnichts von geistigem Gut? Ich bin sicher, daß ein Fehlen des religiösen Referats den ganzen Judentag von seiner Höhe empfindlich herabdrücken würde, und für die Wirkung des Verbandstages, nach innen und nach außen, würde ich es aufs tiefste beklagen, wenn ein Vorschlag, wie der in Ihrem Berichte gemachte etwa die Billigung der Verbandsleitung erhielte. Ich bin nicht Mitglied der zionistischen Partei und Ihnen sicher ein Unbekannter, ich wäre Ihnen aber dankbar, wenn Sie dennoch diesem Widerspruch in Ihrem Blatt zum Worte verhelfen würden. In vorzüglicher Hochachtung Rabbiner Dr. Max Dienemann Zur Frage der Agrarkredits Ich habe mit großem Interesse die Ausführungen des Herrn Dr. A. Ruppin, Jaffa, betreffend die Frage des Agrarkredits, in No. 41 vom 6. Oktober a. c. der „Welt" veröffentlicht, gelesen. Es ist zweifellos, daß Herr Dr. A.Ruppin, der fast zwei Jahre in Palästina lebt, wo er Gelegenheit genug hat, sich von der Notwendigkeit eines Agrarkredits in Palästina zu überzeugen, in seinen Ausführungen recht behält. Alle diejenigen, die in den jüdischen Kolonien in Palästina einige Zeit verbracht haben, werden in dieser Hinsicht mit mir einig sein. Ich vermisse aber in dieser Ausführung eines, das vielleicht von großer Bedeutung für unsere Kolonisation in Palästina ist. Herr Dr. Ruppin denkt in seinen Ausführungen nur an die kleinern und mittlem Kapitalisten, die sich in Palästina niederlassen wollen. Er vergißt aber, daß die Zahl dieser eine sehr geringeist, und daß die Masse der nach Palästina Wandernden der armen Klasse angehört. Ich denke nicht an diejenigen, die gar kein Geld besitzen, aber ich meine diejenigen, die gegenwärtig in den jüdischen Dörfern in Rußland sich mit dem Ackerbau beschäftigen, und diejenigen, die in Rumänien bis jetzt auf dem Lande gelebt und sich mit Weinbau und Viehzucht beschäftigt haben. Alle diese, wenn sie ihr ganzes Hab und Gut verkaufen würden, könnten 3000—5000 Frcs. besitzen. Diese, deren Väter und Großväter Ackerbauer waren und die selbst an das billige und einfache Bauernleben gewohnt sind, wollen sich in Palästina niederlassen, um dort ein ruhiges, freies und jüdisches Leben zu führen. Solcher gibt es in Rußland und Rumänien an die Tausend Familien. Und tatsächlich, voriges Jahr, in der Zeit, als ich in Palästina verweilte, begegnete ich dort mehreren Vertretern von jüdischen Kolonien in Rußland, manche sogar 600 Familien zählend, die bereit wären, ihr Hab und Gut zu verkaufen, um nach Palästina auszuwandern. Aber sie könntennicht mehr als 3000, 4000, höchstens 5000 Frcs. mitbringen. Was nun mit diesen Leuten anfangen, die tatsächlich das beste Bauernelement in Palästina bilden könnten? Diese brauchen keine Wohnung im Werte von mehreren tausend Franken, diese beabsichtigen nicht, ihre Kinder . auf die Universität in Beirut zu schicken. Diese sind gewohnt, in einer einfachen billigen Wohnung zu leben und mit Frau und Kindern zusammen das Feld zu bearbeiten. Kommen denn die Kolonisten in denKolonienKastinieh, BerJacob und Ain Ganim nicht gut aus? Solche Wohnungen, glaube ich, könnte man sich schon mit 1000 Frcs verschaffen. Aber diese aus Rußland kommenden jüdischen Bauern sind ja auch gewohnt, in solchen Wohnungen zu leben. Auf diese Weise genügt schon einer Familie, die 3000 Frcs. besitzt, dieses Geld, um sich Haus und Stall wie auch das nötige Inventar zu verschaffen. Aber woher den Boden nehmen? Dafür soll unser künftiges Agrarinstitut sorgen: Grund und Boden für ganze jüdische Dörfer, die sich von Rußland nach Palästina begeben werden, zu erwerben. Diese brauchen nicht in der Nähe der bereits bestehenden jüdischen Kolonien, wo der Boden furchtbar teuer ist, angesiedelt zu werden. Eine große Zahl Familien kann sich auch in einer gewissen Entfernung davon niederlassen, ohne irgendwelche Überfälle zu befürchten. So z. B. könnte man eine ganz große Bodenfläche in der Hebroner und Bersebaer Gegend, wo man den Boden mit 8—lOFrcs. pro Dunam bezahlt, oder im Haüran mit 5-6 Frcs. pro Dunam gegen 40 Frcs. in der Jaffaer Gegend erwerben. Darauf besiedele man 1000 Familien in 10—20 kleinern Kolonien, diefdurch eigene Straßen zwischen sich verbunden sein sollen. Dann wird jede Gefahr ausgeschlossen sein. Der Wert der jedem Kolonisten zugeteilten Bodenparzelle wird auf diese Weise ungefähr 2000—2500 Frcs. betragen, welche Summe er auch zweifellos in Ratenzahlungen leicht zurückzuentrichten imstande sein wird. - * Und da der Boden ein unbewegliches Gut ist, wird das Agrarinstitut immer gegen Verlust sicher sein. Haben wir diesen ersten großen Schritt getan, dann sind wir auch unserm Ziele nahe. ....... Ploesti (Rum.). Israel Marcus Sehr geehrte Redaktion! Zum Entwurf eines neuen Organisationsstatuts, Welt Nr. 43, möchte ich einige kleine Änderungen vorschlagen: § 14. Nicht 50 Mitglieder, die Zahl ist zu gering, sondern 100, welche 200 Schekel abgeliefert haben. Bei der Prüfung des Mandats haben wir nur zu prüfen, ob der Verein 100 Mitglieder hat und 200 Schekel abgeliefert, d. h. wir haben nur Interesse für die 100 Mitglieder und ob die übrigen 100 Schekolim von 100 Personen oder 50 gezahlt worden, ist uns egal. § 33. Das Schekeljahr beginnt nicht mit dem 30. Juni, sondern mit dem 15. Oktober. Die Praxis hat uns gelehrt, daß man fast bei keinem Kongreß früher mit den Schekolim fertig wird, und jedesmal bedurfte es einer Prolongation; es ist schon besser, wenn wir den Termin von vornehin auf den 15. Oktober festsetzen. Schließlich möchte ich noch zum §8 vorschlagen, daß der Kongreß, sofern keine besondren Angelegenheiten etwas anderes verlangen, auf Dezember festgesetzt werde. Die Delegierten sollen nicht aus Touristen zusammengesetzt sein, sondern aus wirklichen Vertretern, und für Kaufleute und Akademiker ist Dezember viel geeigneter als sonst. Zum Schluß noch ein Wunsch betreffs „Die Welt". Solange der Sitz des E. A. C. in Deutschland ist, muß „Die Welt" sich mit der „Rundschau" verschmelzen und „Die Welt" muß nach Berlin kommen. Unsere Organisation kann nicht zwei Zeitungen in demselben Lande haben. Vielleicht kann bei dieser Gelegenheit unser Traum von einer täglichen Zeitung verwirklicht werden. M, Sambursky Anny Demling, Oriol Heinrichs Frau Roman. Band 2 von Fischers Bibliothek zeitgenössischer Romane. (S. Fischer, Verlag, Berlin.) Leicht geb. 1 Mark, In diesem Roman stellt sich ein bisher unbekanntes, vielversprechendes Talent vor. Schon der Stoff des Buches erfreut durch seine Frische und Unverbrauchtheit; Anny Demling führt den Leser in eines jener weinbauenden Dörfer des südwestlichen Deutschlands, deren Leben fast wie von einem leisen Rausch befangen erscheint. Man ist wohlhabend, genußsüchtig, leichtsinnig; sowohl der Einzelne als auch die Gesamtheit, die sich in allerlei alten Bräuchen manchen Vorwand zu Trunk und Tanz geschaffen hat. Oriol Heinrich ist ein typischer Vertreter dieser Lebenstendenzen; seine Frau ist es nicht ganz; sie stammt aus der ärmeren Schicht, eine zartere Liebe hat sie berührt, und wenn sie sich auch von dem lauten Treiben ergreifen und betäuben läßt, so wird sie doch nicht heimisch darin. Wie dieser Gegensatz immer stärker wird und schließlich zur Trennung, ja zur Vernichtung führt, das ist das Thema des Buches, das sein Stück Welt mit einer zuweilen noch tastenden, aber unverkennbar eignen Kunst interessant und abwechslungsreich darstellt. mm^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^U Jakob 5chual Rachel Horouitz UERMÄHLTE. Alexandrien, 10. Oktober 1909. i LECIN I Appetitanregendes Kräftigungsmittel für blutarme Rekonvaleszenten, Wöchnerinnen, Schulkinder. für nervöse Blutarme (auch für Kinder), . in Apoth. od. franko ab Fabrik g. Einsendg. v. M1.20: 1 Probeflasche Lecin, für 7 Tage ausreichend, „ ' „ „ 2.20: 80 Lecintabletten f. 30-40 Tage ausreichend. Lecinwerk Hannover (Dr. E. Laves). Lecintabletten