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Die Welt · 1909-11-12 · 46 (12.11.1909) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
46 (12.11.1909)
Date
1909-11-12
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Frau J. Manolson, Fräulein Mirjam Bernstein, Fräulein S. Vi nebe rg, Fräulein Mary Landsberg, Fräulein Doris Simon. Im Verlauf weniger Monate entstanden fünf Vereine und im November 1898 wurde die Federation gegründet. Diese hat im Laufe ihres Bestehens sehr erfolgreich gearbeitet. Man zählt heute 42 zionistische Vereine in Kanada, vom Atlantischen bis zum Stillen Ozean und von den Grenzen der Vereinigten Staaten bis zu den äußersten Punkten menschlischer Siedelung. Die Zahl der Mitglieder beträgt mehrere Tausend. Ein Ruhmesblatt in der Geschichte der kanadischen Juden ist das gute Einvernehmen, in dem sie alle Zeit zu den zionistischen Vereinen standen, und die Sympathie, die sie der nationalen Bewegung entgegenbrachten. Unter diesen Umständen ist es klar, daß das Jubiläum der Federation ein Fest von ungewöhnlicher Bedeutung zu werden verspricht. Allerdings fällt ein Schatten auf die Feier, das ist die Absicht des Herrn Clarence de Sola, sich von der Präsidentenschaft, die er seit Gründung der Federation innegehabt hat, zurückzuziehen. Herr de Sola hat bekanntgegeben, daß er sich deshalb außerstande sieht, den Vorsitz weiter zu übernehmen, weil die Arbeit der Leitung, die in all den Jahren ganz allein auf seinen Schultern gelastet hat, allmählich zu groß geworden ist. Herr Clarence de Sola war die Seele der Bewegung in Kanada in all diesen 10 Jahren. Seiner außerordentlichen Hingabe ist das Gedeihen des Zionismus in. Kanada zu verdanken. Die Ankündigung seiner Absicht, sein Amt niederzulegen, hat daher großes Bedauern erweckt und einen Sturm des Widerspruchs ausgelöst, ohne daß es bis jetzt gelungen wäre, ihn zu einer Änderung seiner Absicht zu bewegen. Immerhin ist es nicht ausgeschlossen, daß Arrangements getroffen werden, die ihm gestatten, die Präsidentschaft weiter zu behalten, ohne die Fülle der Arbeit zu übernehmen, die er bisher in diesem Amte zu bewältigen hatte. Herr de Sola, der nicht nur ein hochangesehener Industrieller — er steht in engsten Beziehungen zur kanadischen Marine — ist, sondern auch eine Reihe von jüdischen und nichtjüdischen Ehrenämtern bekleidet, hat sich seine endgültige Entscheidung vorbehalten. Amerika Order Knights of Zion Der Order Knights of Zion beabsichtigt, eine größere Anzahl von Delegierten zum IX. Kongresse zu entsenden, und hat beschlossen, einen 'Reisefonds zu schaffen, damit den Delegierten die Kosten der weiten Reise erleichtert werden. Seine nächste Jahreskonferenz wird er vom 15. bis 18. Januar in Chicago halten. Südafrika In der letzten Zeit hat eine jüdische Wochenschrift in Johannesburg verschiedentlich heftige Angriffe gegen die Südafrikanische Zionistenfederation gebracht. Darin wird behauptet, daß die Federation keine reale Arbeit verrichte, daß daher die wirklichen Zionisten jedes Interesse an der Federation verloren hätten, daß die Federation, statt zionistischen Zielen nachzugehen, eine vollkommene Trennung von Kirche und Staat erstrebe und daher auch schon die führenden südafrikanischen Rabbiner von ihren Beratungen ausgeschlossen habe. Im „Zionist Record" antwortet Dr. Manfred Nathan sehr geschickt auf diese Angriffe und weist ihre absolute Ungerechtigkeit nach. Die Behauptung, daß die Südafrikanische Federation keinerlei praktische Arbeit verrichte, widerlegt er sehr anschaulich durch Zahlen. „In den ersten 8 Monaten des Jahres 1909 hat die Federation an die Zentralstellen nach Europa 1189<£ übermittelt, während vergleichsweise aus Amerika innerhalb von 11 Monaten 3000 £ eingingen. Für den Nationalfonds haben wir (mit unseren 4OO0O Juden) in der ersten Hälfte des Jahres 1909 7900 Mark gesammelt, Amerika mit 1 500000 Juden 20800 Mark und England mit 220000 Juden 11600, Mark. Im Jahre 1908 betrugen unsere Beiträge zum Nationalfonds 53,69 Pf pro Kopf der jüdischen Bevölkerung, die der Vereinigten Staaten und Englands nur 2,39 und 3,43 Pf. In den ersten 2 Monaten des Jahres 1909 erbrachten unsere Sammlungen für den Bezalel 2000 Frs„ gegen 5000 in Deutschland, 2000 in Österreich, 1000 in Rußland und 500 in Holland. Auf der andern Seite haben wir fast keine Bureauunkosten, während in allen andern Ländern diese Unkosten sehr beträchtlich sind." Die 25jährige Jubiläumsfeier der Kattowitzer Konferenz Die25jährige Jubiläumsf eier derKattowitzerKonferenz fand am 7. d. M. in Kattowitz statt. Der Zustrom des Publikums, die Zahl der Delegierten, der Teilnehmer und Gäste von nah und fern war so groß, die rednerischen Leistungen so gewaltig und die Versammlungen so imposant, daß sie tatsächlich die kühnsten Erwartungen bei weitem überstiegen. Die günstige geographische Lage der aufblühenden Stadt hat viel dazu beigetragen, daß große Massen von Zionisten aus Polen und Galizien gekommen sind, um der Feier beizuwohnen. Herr Wolffsöhn, Präsident des A. C, hatte seine Ankunft zugesagt, war aber infolge einer Erkältung verhindert, nach K. zu reisen. In seiner Vertretung reiste Sokolow nach K., um bei der Feier das zionistische A. C. zu vertreten. Das Odessaer Komitee der Choveve Zion wurde von Dr. Josef Klausner, das Zionistische Zentralbureau für Rußland von Herrn Farbstein- Warschau, die Zionistische Vereinigung für Deutschland von Dr. Lesczynsky und Dr. Witkowsky, die zionistische Landesorganisation für Westösterreich von Dr. Emil Margulies, Prag,- vertreten. Außerdem erschienen die hervorragenden zionistischen Führer Qaliziens: Reichsratsabgeordneter Dr. Adolf Stand, Rabbiner Dr. Osias Thon-Krakau, Rabbiner Dr. Braude und Dr. Salz-Tarnow. Die zionistischen Führer Oberschlesiens waren fast vollzählig da; u. a. waren erschienen: Dr. Sandl'er, Hugo Schachtel, Dr. Dobrzynski und viele andere. Eine „great attraction" bildeten die zwei „Kattowitzer", Herr L. Da vidsohn-Warschau und Herr Fischel-Dines- Roznoie, die zur Feier erschienen sind. Das große Verdienst dieser Veranstaltung gebührt dem Vorsitzenden des Oberschlesischen Gruppenverbandes, Herrn Arnold Wiener, der mit unvergleichlichem Eifer, mit musterhafter Geschicklichkeit und Personenkenntnis diesen Kongreß, wie man ihn mit einer gewissen Berechtigung in K. nannte, vorbereitet hat. Ein unliebsames Versäumnis unseres Berichterstatters hat es uns unmöglich gemacht, einen genauen Bericht in dieser Nummer zu bringen. Wir bringen daher den genauen Bericht in der nächsten Nummer. In Anbetracht der hochwichtigen Bedeutung der Kattowitzer Feier bringen wir in dieser Nummer eine auf diese Feier bezugnehmende Widmung von N. S., die Rede des Herrn Dr. Thon und diesen vorläufigen Bericht. Näheres, wie auch den Vortrag des Herrn Dr. Sandler bringen wir in der nächsten Nummer. 70. Geburtstag des Herrn Moser Unser allverehrter Gesinnungsgenosse Herr, Jacob Moser in Bradford, Mitglied des Großen Aktionskomitees, begeht am 28. November die Feier seines 70. Geburtstags. Brief aus Konstantinopel (Von unserm Berichterstatter) Beklemmungen Die letzten Wochen der innern Politik der Türkei zeigten keinen wolkenlosen Himmel. Es gab im Gegenteil trübe, schwere Schatten, die für Momente die Sonne ganz verschwinden ließen. Reaktionäre Wahrzeichen, die offiziös geflissentlich verborgen wurden, aber urn so beängstigendere Gerüchte hervorriefen, deren Unkontrollierbarkeit die Gefahren wohl noch schlimmer erscheinen ließen, als sie in Wirklichkeit gewesen sein mögen. Und wenn auch alles schadlos vorübergegangen sein mag, so ist doch der politische Optimismus, der schon im Begriffe war, absolute Formen anzunehmen, wieder einmal durch ein düsteres Memento arg erschüttert worden. Wie in den Wochen vor dem 13. April, war die Periode der Beklemmungen gekennzeichnet durch Merkmale einer sichtbaren Schwächung des Komitees. Die unvorsichtige Kraftpolitik gegen die nationalen politischen Verbindungen konnte nicht ohne böse Rückwirkung auf die Organisation des Komitees selber bleiben; auch sie fiel unter den Geltungsbereich der bekannten Vereinsgesetzparagraphen. So mußte sich der große Saloniker Jung türkenkongreß dazu verstehen, die Aufhebung des geheimen Charakters des Komitees, die Liquidierung seiner politischen Tätigkeit und die Ausschließung des militärischen Elements aus seiner Mitte zu proklamieren. Die Anbeter des jeweilig Herrschenden haben zwar eine Tat höchster patriotischer Aufopferung in diesen Beschlüssen sehen wollen; aber es ist klar, daß diese einfach von der Notwendigkeit der Tagesentwicklung bedungen waren. Auch wird man annehmen müssen, daß sie noch nicht durchaus in die Realität treten werden. Die politische Tätigkeit des Komitees bleibt ja als solche bestehen, da sie der Parlamentspartei des Komitees übertragen wurde, und auch die weitere Mitwirkung des Militärs ist durch eine platonisch klingende Klausel „daß die Mitglieder der Armee, die das Vaterland rettete, eo ipso dem Komitee zugehörten" auf einem Umwege zugestanden. Aber angenommen auch, die Saloniker Beschlüsse, die, verwirklicht unter den obwaltenden Ver-

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