Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 46 (12.11.1909)
- Date
- 1909-11-12
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Ingenieur Armin Beregi sprach über jüdische Kunst. Der Vortrag war, was wissenschaftliche Gediegenheit, formvollendeten Aufbau und künstlerische Wiedergabe der eingestreuten Dichtungen anbetrifft, eine staunenswerte Glanzleistung des um die ungarische Bewegung hochverdienten Vortragenden. Prof. Dr. Josef. Patai trug seine meisterhafte Übersetzung des Epos: „Im Löwenrachen", von J. L. Gordon vor. Stürmischer Beifall lohnte den berühmten Dichter, welcher der Jeschiwah entsprossen aus eigener Kraft sich eine angesehene Stellung in der ungarischen Literatur errungen hat, der aber mit jeder Faser seines Herzens dem Judentume angehört; seine Bände füllenden poetischen Werke sind einzig und allein dem Judentume gewidmet und bilden, wenn auch in ungarischer Sprache, eine herrliche Zierde neujüdischer Poesie. Dr. Patai, ein glühender Anhänger der jüdischen Renaissance, gab auch diesmal in innigstgefühlten Worten setner wunderbaren Begabung Ausdruck, von der die neujüdische Dichtkunst noch reiche Früchte erwarten kann. — Der bekannte ungarische Schriftsteller, Peter Njväri, las seine Novelle „Ein tausendjähriger Traum" vor, in welcher die Palästinaliebe des ungarischen Juden in herzinnigen, warmen Tönen behandelt ist. Der Vortrag rief allgemeinen Beifall hervor. — Der literarische Abend, der bei allen Teilnehmern die besten Eindrücke zurückließ, dürfte nächstens seine Fortsetzung finden. Frankreich Paris: Samstag fand im Verein Bar-Kochba-Jehuda-Halewy ein musikalisch-literarischer Unterhaltungsabend statt, der einige angenehme Überraschungen bot. Die wichtigste und interessanteste war das Auftreten eines leider verkannten jüdischen Dichtertalents, dem wir hier einige Worte widmen wollen. Es ist Herr Seidel Wolff, ein Freund und Genosse Goldfadens, an dessen Sterbelager er geweilt hat. Wolff ist als bildungsdurstiger Jüngling vor mehrern Jahrzehnten nach Paris gekommen, geriet in Not, wurde Arbeiter, und als solcher ist er auch heute, nach vergeblichen Versuchen in Ame'rika festen Fuß zu fassen, tätig. Seine prosaische Beschäftigung hat ihn nicht gehindert, seiner Muse treu zu bleiben. Er hat zahlreiche formvollendete jüdische Lieder gedichtet und vertont, humoristische Couplets gemacht und sich sogar im Drama versucht, aber alles blieb in seinem Schreibpult. Warum? Wer kennt nicht das Elend der jüdischen Dichter und Schriftsteller? Wir hoffen und wünschen, daß die Jargonisten dem talentvollen Dichter Wolff einige Aufmerksamkeit schenken. Das Fest nahm einen glänzenden Verlauf. Fräulein Aronstamm leitete es ein mit einem gelungenen Klaviervortrag der „Hatikwah". Herr Barkan folgte mit einer ergreifenden orientalischen Melodie, Fräulein Wolff sang mit klangvoller Stimme einige jüdische Lieder, Herr Burschowitz, ein Meister des Klavierspiels, und Julien Viliain heimsten reichen Applaus ein. Herr Bussak rezitierte meisterhaft ein Gedicht von Bialik. Endlich die stärkste und beste Nummer, eine gelungene Satire des Herrn Wolff, die er selbst vortrug. Für den Nationalfonds wurde eine ansehnliche Summe gesammelt. Samstagabend hielt Herr Enrico F. Braunstein einen Vortrag über die Lage des Zionismus in Paris. Er klagte über den Mangel an Disziplin und strammer Organisation, denen die Mißerfolge zuzuschreiben sind. Redner verfocht die Idee Bodenheimers, nur denjenigen Stimmrecht zu gewähren, die einem Verein angehören. Ferner wendet er sich gegen die Zersplitterung unserer Kräfte in Fraktionen und Fraktionellen. Ackerbauer aus Frankfurt a, M. erwidert, daß der „Misrachi" stets der zionistischen Sache treubleiben werde. Freitag den 4. November hielt die Pariser jüdische Studentenschaft eine außerordentliche Versammlung ab, um über die Statuten des zu reorganisierenden jüdischen Studentenvereins zu beraten. Nach endlosen Debatten, die bis nach Mitternacht dauerten, wurde folgender Beschluß gefaßt: Der Verein soll auf einer breiten Basis gegründet werden, damit die verschiedenen Elemente an ihm teirnehmen können. Nur eines wird von jedem Mitgliede verlangt, daß er die jüdische Nation als solche anerkennt. Jede politische Propaganda soll dem Verein ferne sein. Vielleicht wird es diesmal" gelingen, einen Zusammenschluß aller jungen jüdischen Kräfte zustande zu bringen. England Verluste des Zionismus Die zionistischen Reihen in unserm Lande haben jüngst zwei schwere Verluste erlitten. Vor drei Wochen entschlief Herr Jakob Berman in Grimsby, der Führer der dortigen Ortsgruppe, und hinterließ eine große Schar trauernder Freunde. Viele Jahre hat er sich große Mühe gegeben, einen Verein zu erhalten, der infolge der zahlenmäßigen Schwäche der jüdischen Gemeinde in seinem Stande immer bedroht war. Den andern Verlust haben die Zionisten Londons in dem Hinscheiden des Herrn A. E. Englander zu beklagen. Noch vor dem Erwachen des politischen Zionismus nahm Herr Englander lebhaften Anteil an der Chowewe-Zion-Bewegung und widmete später unserer Sache große Energie und Hingabe. Mehrere Jahre hindurch war er Mitglied des Vorstandes der English Zionist Federation, innerhalb dessen er später das Amt eines Schatzmeisters im Ehrenamt bekleidete. Durch sein Hinscheiden ist der Zionismus in London viel ärmer geworden, und alle, die Anteil an unserer Sache nehmen, beklagen auf das tiefste diesen schweren Schlag. Der Verstorbene ist nur 47 Jahre alt geworden. Die Bestattung vereinigte ein überaus zahlreiches Trauergefolge, mehr als 100 Wagen folgten dem Zuge. Vortragsreise von Madame Pewsner Die weltbekannte zionistische Rednerin, Madame Pewsner, macht gegenwärtig eine Vortragsreise durch die englischen Provinzstädte, wo sie über den Zionismus, die jüdischen Institutionen in Palästina und besonders über den Bezalel spricht. Ihre Versammlungen waren regelmäßig sehr gut besucht, verliefen überaus enthusiastisch und erbrachten dem Bezalel eine Menge neuer Mitglieder. Die ersten Versammlungen fanden in Glasgow und Edinburgh statt, von dort ging die Rednerin nach Manchester. Hier sprach sie unter den Auspizien des Poale Zion-Vereins am 23., 24. und 26. Oktober. Die letzte Versammlung, der Dr. Weitzmann präsidierte, zählte über 1200 Besucher. Am Schlüsse des Vortrags meldeten sich 77 neue Mitglieder für den Bezalelverein und wurden außerdem fast 600 Mk. als einmalige oder jährliche Beiträge gezeichnet. Von Manchester ging Madame Pewsner nach Liverpool und Bradford, und beabsichtigt noch in Dublin, Belfast, Cardiff, Sunderland, Newcastle und endlich London zu sprechen. Kongreßwahlen Alle Vereine sind jetzt mit der Vornahme der Kongreßwahlen beschäftigt. Die Vereine der English Zionist Federation haben fast 5000 Schekolim gesammelt und der Orden of Ancient Maccabeans gegen 2500. Die ersten Wahlen fänden bereits in Manchester statt, wo Dr. Charles Dreyfuß, Präsident der English Zionist Federation, gewählt wurde. In den nächsten Wochen wird allenthalben eine lebhafte Propagandatätigkeit entfaltet werden. Am Sonntag den 14. ds. wird Dr. Samuel Daiches, Präsident der London Zionist League, einen Vortrag über „Der bevorstehende Kongreß" halten. Außer ihm werden voraussichtlich noch sprechen die Herren: Sir Francis Montefiore, Dr. Gaster und Herbert Bentwich. Am selben Tage wird der Sekretär der Federation, Herr Israel Cohen, in Cardiff über „Das Rätsel der jüdischen Zukunft'* und am folgenden Sonntag in Glasgow über „Ziel und Erfolg des Zionismus" und in Swansea über „Methoden der jüdischen Solidarität" sprechen. Am 5. Dezember wird Herr L. J. Greenberg, Vizepräsident der Federation, bei einer Massenversammlung in Liverpool sprechen, die unter dem Vorsitze des Herrn F. E. Smith, eines hervorragenden konservativen Parlamentsmitgliedes, stattfinden wird. Die Jugendgruppe der Manchester Zionist Association hat einen Versuch zur Herausgabe eines eigenen Organs gemacht. Es ist eine kleinere handschriftlich vervielfältigte Monatsschrift, von der jetzt die zweite Nummer vorliegt. Der Versuch macht der Rührigkeit und dem Eifer unserer jungen Freunde alle Ehre. Kanada Die Judenschaft Kanadas betreibt große Vorbereitungen, um die Feier des zehnjährigen Jahrestages der Gründung der Federation of Zionist Societies of Canada festlich zu begehen. Diese ausgezeichnete Organisation, die eine der mächtigsten und tätigsten innerhalb der ganzen zionistischen Bewegung ist, wird ihr zehnjähriges Jubiläum am 20. November feiern. Zur Feier dj^es Jubiläums wird die kanadische Federation am Abend dieses Tages und den beiden folgenden ihre zehnte Jahreskonferenz abhalten. Eigentlich ist der Zionismus in Kanada bereits 12 Jahre alt und besteht seit dem Januar 1898, wo in Montreal der erste Verein von einer kleinen Gruppe von Enthusiasten, darunter dem Präsidenten der Federation, Herrn Clarence I. de Sola, der jetzt Mitglied des Aktionskomitees ist, gegründet wurde. Unter den Gründern befanden sich noch Rabbi Aschinsky, jetzt in Pittsburg, die Herren H. Bernstein, I. S. Leo, Dr. D. A. Hart, M. Shapiro, Jakob Cohen, Rev. Meldola de Sola, Lazarus Cohen, Leon Goldmann, A. Cash, A. Benjamin, H.Weidmann u.a. Auch eine Anzahl von Damen war bei der Gründung zugegen, an ihrer Spitze Frau A. Clarence I. de Sola, die Gründerin des Vereins Kanadischer Zionstöchter,