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Die Welt · 1909-11-12 · 46 (12.11.1909) · page 13

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No. 46 DIE^aEELT 1013 die jüdischen Frauen, Mädchen und Kinder. Hier sei besonders der sehr besuchten und erfolgreichen Chanukka- und Purimkinderfeste gedacht. Insgesamt leistete die Ortsgruppe 690 Ji an Parteifondsbeiträgen und an Nationalfondssammlungen 1300 JL Die Versammlung erteilte dem Vorstand Decharge. Bei der daran sich anschließenden Wahl wurden in den Vorstand gewählt: Dr. Kollenscher, Auerbach, Krause, Brandt, Neumark, Mamlock und Frl. R. Landsberg. Herr Dr. Jeremias, der viele Jahre der erfolgreichste Vorkämpfer unserer Bewegung im Osten Deutschlands war, scheidet zum Bedauern aller Zionisten aus der Gruppenleitung aus. Der einzige Trost in diesem Bedauern ist, daß die große Arbeitskraft unsers langjährigen Führers der Bewegung nicht verloren geht, sondern ihr in der Leitung des Distrikts Posen ein weiteres Arbeitsfeld gestellt ist, auf dem sich gewiß auch bald die Tätigkeit unsers Dr. Jeremias als ebenso erfolgreich, wie in der Ortsgruppe erweisen wird. Österreich Wien. (Vereinigung jüdischer Hochschüler aus Galizien „Bar Kochba" in Wien.) Aus Anlaß des 25 semestrigen Bestandes plant die Vereinigung die Veranstaltung verschiedener Jubiläumsfeierlichkeiten. Im Winter wird eine Bezalelausstellung veranstaltet und ein Vortragszyklus über verschiedene Gebiete des jüdischen Wissens und jüdischer Kunst abgehalten werden. Die wichtigste Aktion des Vereins anläßlich des Jubiläumssemesters aber ist die Herausgabe eines Almanachs, welcher am Anfang des Monats Dezember erscheinen wird. An diesem Sammelwerk beteiligen sich die hervorragendsten jüdischen Künstler und Schriftsteller. Aus der langen Liste der Mitarbeiter seien folgende herausgegriffen, welche dem Redaktionskomitee ihre Arbeiten bereits übermittelt haben: A. Aaronsohn (Jaffa), Dr. Otto Abeles (Wien), Matthias Acher (Czernowitz), Schalom Asch (Warschau), Dr. Israel Auerbach (Konstantinopel), W. Bäb (Berlin), Wilhelm Berkelhammer (Tarnöw), Dr. M. J. Berdyczewski (Breslau), Ch. N. Bialik (Odessa), Adolf Böhm (Wien), Ch. J. Brenner (Jerusalem), Dr. Martin Buber (Berlin), Dr. A. Coralnik (Wien), Adolf Donath (Berlin), Berthold Feiwel (Berlin), Adolf Gelber (Wien), Dr. Osias Gruder (Wien), Heinrich Grünau (Antwerpen), Dr. B. Hausner (Lemberg), Dinah Hirszenberg (Krakau), Samuel Hirszenberg sei., Dr. Max Jungmann (Berlin), Prof. Dr. Leon Kellner (Czernowitz), Salomon Kaplanski (Wien), M. Klausner (Odessa), Prof. Max Liebermann (Berlin), J. A. Loubetzky (Wien), Arthur Markowicz (Krakau), Dr. Ernst Müller (Wien), Prof. Dr. David Neumark (Cincinati), Dr. Daniel Pasrnanik (Genf), Dr. David Rothblum (Wien), Felix Saiten (Wien), N. Sokolow (Köln), R.-R.-Abg. Adolf Stand (Wien), Hermann Struck (Berlin), Bernhard Tag (Wien), Wilhelm Wachtel (Lemberg), Dr. Israel Waldmann (Tarnopol), Moses Waldmann (Wien), Dr. Siegmund Werner (Iglau), Dr. Paul Wertheimer (Wien), Dr. K. Wolfskahl (Berlin), Heinrich York-Steiner (Wien), Dr. Hugo Zuckermann (Wien), Dr. Stephan Zweig (Wien). — Außerdem haben noch viele andere bedeutende jüdische Schriftsteiler ihre Mitarbeit in bestimmter Weise zugesagt. Es ist daher zu erwarten, daß der Almanach eine würdige Fortsetzung des von Buber, Feiwel und Lilien herausgegebenen Sammelbuchs sein und beim jüdischen Publikum freundliche Aufnahme finden wird. Das Almanachkomitee läßt es sich angelegen sein, das Sammelwerk auch äußerlich künstlerisch tadellos auszugestalten. — Der Preis des Werks ist mit Kr. 6.—, M. 5.— für ein einfaches, Kr. 30.—, M. 25.— für ein Prachtemxemplar festgesetzt. Subskriptionen nimmt bei Voreinsendung des Betrags die Vereinigung jüdischer Hochschüler aus Galizien „Bar-Kochba" in Wien VIII., Langegasse 5 — 7, entgegen. Öst. Postsparkassenkonto Nr. 103 639. Samstag am 16. v. Monats fand die XXV. ordentliche Generalversammlung statt. Das Ergebnis der vorgenommenen Wahlen lautet: iur. Moses Waldmann — Präses; cand. iur. Menachem Schmorak — Vizepräses; cand. iur. Wolf Schenkel \ c „t, u^,.. iur. Moritz Rottenberg / Schriftführer, cand. iur. Rubin Besen — Kassierer. Komotau. Am 28. v. M. hielt Herr Dr. Heinrich Löwe im Wintergarten des Etablissements Habsburg vor einem überaus zahlreichen Publikum, das den Saal bisauf das letzte Plätzchen füllte, einen Vortrag über das Thema „Das neue Judentum".- Dieser Vortrag bot den Zuhörern, die den zweistündigen Ausführungen des Redners mit gespanntesten] Interesse folgten, einen geradezu köstlichen Genuß. Mit einem begeisterten Appell an die jüdische Ehre schloß der Redner unter dem rauschenden Beifall der dichtgedrängten Zuhörerschaft, welche noch lange unter dem gewaltigen Banne dieses wundervollen Vortrags stand. Vorher hatte Herr Dr. Hirsch, Advokat in Komotau, dem das Arrangement dieses Abends zu verdanken ist, herzliche Worte der Begrüßung dem Redner gewidmet, während Herr Rabbiner Dr. Krakauer in nicht minder herzlichen Worten des Danks der allgemeinen Stimmung den treffenden Ausdruck gab. Galizien Przemysl. Am 30. Oktober fand die alljährliche Generalversammlung der „Zionistischen Vereinigung" statt, in welcher die Leitung ihren Tätigkeitsbericht vorlegte. Zahl der Mitglieder 166, der Schekelzahler 175. Einnahmen 924 Kr., Ausgaben 827 Kr. Es wurden gesammelt für den N.-F. 1036 Kr., Herzlwald 147 Kr., Bezalel 150 Kr. Der Bericht wurde nach längerer Diskussion zur Kenntnis genommen und ein neuer Ausschuß gewählt, und zwar Gg. Klemens Robinsohn als Obrnann, Dr. Michael Buxbaum als Stellvertreter, die Herren Kupfer, Duldig, Fried, Adolf, Nagel, und Damen Haber, Löwenthal als Ausschußmitglieder. Hervorzuheben ist, daß die hiesige Bezirkshauptmannschaft zum erstenmal seit dem Bestehen der zionistischen Institutionen einen Regierungskommissär zur Versammlung entsandte. — Die Diskussion wurde vorwiegend hebräisch geführt. Ungarn (Von unserm Berichterstatter) Aus der ungarischen Bewegung In Temesvär, dem Handels- und Industriezentrum Südungarns, fand am 31. Oktober die erste öffentliche zionistische Veranstaltung in Form eines Vortragabends statt. Der große Redoutensaal war von einem vornehmen Publikum dicht gefüllt; es waren unter andern auch Kultuspräsident Schatteies, der Rabbiner der Josefstadt, Bernhard Schick und der Rabbiner der Fabrikstadt, Dr. Singer, erschienen (der Rabbiner der Innenstadt, unser Gesinnungsgenosse Dr. Max Drechsler hatte sein Fernbleiben entschuldigt). Die Versammlung wurde durch den Präsidenten, Advokat Dr. Moritz Rosenthal mit einer meisterhaften Rede eröffnet, in welcher er die Berechtigung und Notwendigkeit des Zionismus von speziell ungarischem Standpunkte erörterte. Es folgte hierauf der enthusiastisch aufgenommene Vortrag des Ingenieurs Armin Beregi (Budapest) über Palästinaprobleme; den letzten Punkt des Programms bildete die tiefdurchdachte Rede des Redakteurs Leopold Lebowitsch (Budapest) über die Entwicklung und Lage der zionistischen Bewegung. Das glänzend gelungene Fest, das auch in der Presse eine ausgezeichnete Würdigung fand, beschlossen die Klänge der Hatikwah, die von einem Chor unter Leitung der Oberkantoren Löwenherz und Friedmann vorgetragen wurde. — Der Versammlung folgte ein Festbankett unter Leitung des Oberrabbiners Bernhard Schick, das bis in die späten Nachtstunden andauerte. Es war dies so eigentlich ein zweites Agitationsfest. Aus der langen Reihe der Ansprachen heben wir die Reden des Oberrabbiners Schick, Advokat Dr. Rosenthal, Leopold Lebowitsch, Präsident Schatteies, der Gesinnungsgenossen Kubicska und Vermes hervor. Ingenieur Beregi trug den „Jüdischen Mai" von Rosenfeld vor. — Die Temesvärer Gruppe, die erst vor kaum sechs Monaten dank den Bemühungen der Gesinnungsgenossen Dr. Armin Schimmeriing und Prokurist Ernst Vermes entstanden ist, zählt heute bereits an 400 Mitglieder, und nach dieser glänzenden Inauguration ist ein weiteres Anwachsen und eine stetige Vertiefung unserer Bewegung in Südungarn zu gewärtigen. Die Budapest er Zionisten vereinigte am 24. Oktober ein „Nordauabend", den der Verein Judea veranstaltete. Präsident Ludwig Batö feierte Nordau als Zionist, Jude und Schriftsteller, cand iur. Andar Isoldos sprach über Nordau als den Schöpfer des jüdischen Turnwesens und jüdischer Körperpflege, und Dr. Jenö Lipos las einige treffliche ungarische Übersetzungen aus Nordaus zionistischen Schriften vor. Der 6. November bedeutete gewissermaßen einen Wendepunkt in der Entwicklungsgeschichte der Budapester Bewegung: an diesem Tage fand ein Vortragsabend der akademischen Vereinigung Makkabea im Festsaale der Pester neologen Kultusgemeinde statt. Es war dies die erste zionistische Versammlung in diesen Räumen, und bietet ein erfreuliches Zeichen dafür, daß die Gemeindeleitung, dieuns bisher feindlich gegenübergestanden hatte, im Zionismus nicht mehr eine Gefährdung des Judentums erblickt und geneigt ist, die kulturellen Bestrebungen unserer Bewegung zu fördern. — Die Versammlung bot ein glänzendes Zeugnis für die Entwicklung der Bewegung in Budapest, und wir wollen es mit Genugtuung konstatieren, daß in der nach vielen Hunderten zählenden Zuhörerschaft auch Mitglieder des Gemeindevorstandes und des Rabbinats vertreten waren. — Der Abend wurde mit einer Rede des Präsidenten der Makkabea, stud. med. Victor Jordan eröffnet, in welcher der Redner auf die kulturellen Aufgaben des neuen Judentums hinwies.

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