Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1909-11-12 · 46 (12.11.1909) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
46 (12.11.1909)
Date
1909-11-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3315709-3316349-3316397--52505-3346208
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

No. 46 DIEE^ELT 1009 Aus „Die Bücher der Bibel" mit Zeichnungen von E.M.Lilien Verlag von George Westermann, Braunschweig Kunst, die uns hier gezeigt wird, es ist die jüdische Seite. Nicht nur, weil die Motive dem Jüdischen entnommen sind, sondern auch, weil niemand als ein Volljude, der mit Leib und Seele seinem Volke verschrieben ist, diese Geheimnisse entdecken, diese Rudimente zu schönheitsstarken Bildern fügen konnte. Es ist ja ein beliebtes Motiv der neuen jüdischen Kunst, gerade die hebräischen Buchstaben dekorativ zu verwerten. Wir haben schon manches dieser Art, insbesondere beim Bezalel, gesehen. Dort sind es hauptsächlich Monogramme, die Verschlingungen der Buchstaben, mit denen der Künstler arbeitet. Und auch hieran hat ja Lilien einen nicht unbeträchtlichen Anteil genommen. Aus den einzelnen Buchstaben aber und ihren Teilen Rahmen und Leisten zu bilden, sie durch clas plastische Gegeneinandersetzen von Schwarz und Weiß, das ja überhaupt Liliens Stärke ist, zu streng inheitlichen und überaus wirkungsvollen Bändern zu t'igen, das hat zuerst und bis jetzt als Einziger Lilien ermocht. Aber nicht nur die hebräischen Buchstaben bieten der Erfindungsgabe des Künstlers Raum zur Betätigung. Man sehe sich das Vorsatzpapier an. Die glatte weiße Seite ist in ihrer untern Hälfte von, den wirkungsvoll arrangierten einfachen schwarzen Linien des Tallith durchzogen und gibt so ein wunderbar plastisches und sich dem Auge unversiegbar einprägendes Bild. Wie einfach ist dieser Gedanke, aber Lilien hat ihn gefunden. Dieser Vorsatz ist geradezu vorbildlich schön, nicht nur für ein jüdischen Dingen gewidmetes Buch, ein glänzendes Beispiel auch, wie mit den einfachsten > Mitteln das Schönste zu erreichen ist. Und so wäre noch vieles zu beschreiben. Die ägyptischen und persischen Motive, die manchmal hineinklingen, die glänzenden linearen Muster, die ausgezeichnete Anordnung des Satzbildes, die uns zeigt, daß Lilien nicht zufällig zum Buchschmuck gekommen ist, und vieles mehr. Wir müssen uns hier aber auf das Augenfällige beschränken. Hat der erste Band der Bibel zu großen Erwartungen berechtigt, ohne der Kritik jede Handhabe zu nehmen, vor diesem Bande, vor diesem Meisterwerk dekorativer Kunst ziemt sich nur Bewunderung. Julius Berg er Aus meinem Notizbuch »Umwälzungen im Zionismus, Glossen zum Kongreß" — so hat Herr Dr. Berthold Merwin eine Broschüre betitelt, die er in polnischer Sprache verfaßt und vor kurzem in Lemberg herausgegeben hat. Den Ertrag hat der Verfasser der „Goldmannschen Stiftung" gewidmet, die assimilatorischen Zwecken dient. Herr Merwin hat diese Broschüre, wie er in der Vorrede bemerkt, für das polnische Publikum bestimmt. Er will nicht die Juden, sondern die Polen über die Ideen, wie er sagt, unterrichten. Mit dem Unterrichten ist es immer eine eigentümliche Sache. Man kann sich leicht denken, welcher Chaos in den Köpfen der Polen nach der Lektüre dieses Büchleins entstehen wird. Westeuropäische Zionisten, osteuropäische Zionisten, Politiker, Praktiker und Revisionisten werden so durcheinandergeworfen. Herr Merwin verfolgt einen speziellen Zweck: Er will Personen und Dinge entstellen und verunglimpfen, um den Zionismus in den Augen der Polen unmöglich zu machen. Mit einer solchen Münze Herrn Merwin rückzuzahlen wäre mäßig. Das kann jeder Pamphletist. Wir Zionisten lassen nur ruhig die Kugeln über uns wegpfeifen und hatten schon größere Gegner als Herrn Merwin. Nur sachlich möchte ich manches bemerken. In den Darlegungen des Herrn Merwin sind Schiefheiten enthalten, die bei einem Außenstehenden wohl begreiflich, im einzelnen zu widerlegen aber lange Aufsätze beanspruchen würden. Der Verfasser dieser Broschüre glaubt unzweifelhaft manches im Zionismus scharf beobachtet zu haben; aber er ist an der Hand seiner Beobachtungen zu falschen Folgerungen gelangt, indem er Analogieschlüsse für den Zionismus gezogen hat, die nur auf der Grundlage der in den Assimilationsparteien vorhandenen Verhältnisse richtig sein würden. Ein solcher Gegensatz, wie er zwischen so oder anders sich assimilierenden Juden herrscht, besteht unter den verschiedenen Richtungen und Strömungen innerhalb des Zionismus nicht; denn er ist einfach unmöglich. Ein Assimilationsjude mag sich so oder anders anpassen, in eine fremde Haut kriechen, in diesen oder jenen Kreis sich hineindrängen, diese oder jene Rolle mit großem Pathos spielen, — und da ist wirklich eine Unmasse von Gegensätzen vorhanden, die sich sämtlich bekämpfen. Denkt euch z. B. einen galizischen, polnisch-jüdischen Schlachzizen und einen germanisch - jüdischen Hakatisten! Im Zionismus ist es, lieber Herr Merwin, ganz anders. Gegensätze der Auffassung sind ja zweifellos zwischen West- und Osteuropäern, zwischen Poale-Zion und Misrachisten usw. vorhanden, aber Zionisten sind alle, die einen wie die andern, in dem Sinne, daß sie ihre zionistischen Anschauungen ganz und ungeteilt den von der Partei festgelegten Leitsätzen entsprechend gestalten. Der Unterschied der Anschauungen ist im einzelnen nur in der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.