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Die Welt · 1909-11-12 · 46 (12.11.1909) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
46 (12.11.1909)
Date
1909-11-12
Page
– (sequence 10)
Language
German
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verschiedenartigen Betonung bestimmter Momente gegeben. Es mögen sich wohl Leute finden, welche die Förderung eines Klassenkampfes und die Verquickung des Zionismus mit den Arbeiterbestrebungen als das Ideal betrachten, größer ist aber sicherlich die Zahl» demjenigen Zionisten, welche ein richtiges Verständnis auch für die Schattenseiten dieser Verquickung sich bewahrt haben. So besteht auch ein Unterschied der Schattierungen mit Bezug auf die nationale Arbeit in der Diaspora. Die meisten stehen doch wohl heute auf dem Standpunkte: Weder ein hartnäckiges Festhalten an jenen Verbindungserscheinungen, die nur für gewisse Richtungen förderlich sind, noch hochmütige Verachtung der Gegenwartsprobleme brächte uns Heil; nicht Anpassung der zionistischen Lehre an gewisse außerhalb ihres Rahmens bestehende Anschauungen, sondern rege Anteilnahme der Zionisten auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens und begeistertes Zusammenarbeiten mit allen Juden unter Betonung des eignen nationalen Standpunktes, — das ist es, was uns nottut. Dem törichten Gerede vom Ende des „diplomatischen" Zionismus sollten Verständige allmählich das Ohr verschließen. Was nie angefangen hat, kann auch nie enden. Der Zionismus war nie „diplomatisch" und ist nicht erst jetzt praktisch geworden, er war und ist ganz derselbe zielbewußte nationale Impuls, der sich je nach den Verhältnissen verschiedener Mittel bedient. Die Hauptsache, die den in dieser Broschüre geäußerten Ansichten gegenüber hervorgehoben werden muß, ist, daß alle die verschiedenen in der Gegenwart hervortretenden Richtungen und Strömungen im Zionismus auf allgemeine unerschütterliche Programmtreue Anspruch " machen können. Der bevorstehende Kongreß ist in dieser Beziehung nicht mehr und nicht weniger als alle frühern Kongresse. Die Schadenfreude des Herrn Merwin ist kindisch. Manche Polen, die vom Zionismus nichts wissen, mag er wohl irre führen, aber auf Wissende werden seine Ausführungen einen lächerlichen 'Eindruck machen. Herr Alerwin baut zu viel auf den Fraktionsgeist, der im Zionismus wie in jeder andern Partei sich breit macht. Es ist sicherlich nur zu begrüßen, wenn im Zionismus von verschiedenen Seiten verschiedene Momente1 besonders betont werden, denn dadurch wird am besten im Meinungsaustausch Klarheit der Anschauungen geschaffen. So weit über die objektive Seite. Aber der Gegenstand ruft in mir auch persönliche Erinnerungen hervor. Um für die GoldmannscRe Stiftung einige Groschen zusammenzuscharren, muß ein Teil des jüdischen Volkes — sind doch die Zionisten jedenfalls ein Teil des jüdischen Volkes! — gelästert werden. Wer war denn Goldmann? War er etwa ein Sprößling der Sarmaten? Ich kannte den trefflichen Mann sehr genau. Der gute Bernard! Er war der Sohn meines seligen Freundes Itzchak Goldmann, den man früher in Warschau Reb Itsche Bal-Magiha (Korrektor) nannte. Das war der bekannte jüdische Drucker, der viele talmudistische und neuriebräische Bücher herausgegeben hat. Itzchak Goldmann war der Typus eines alten litauischen Maskils. Er stammte aus Bialystok, war in seiner Jugend hebräischer Korrektor, dann Besitzer einer kleinen Druckerei, die zu einer größern herangewachsen war. Er steckte noch ganz im Talmud,-trotzdem er neuzeitlichen Ideen huldigte. Ich ergötzte mich oft an seinem Witz und bewunderte die Gediegenheit seiner grammatikalischen hebräischen Kenntnisse. Meine ersten hebräischen Bücher sind in seiner Druckerei erschienen, und da hatte ich oft Gelegenheit, mit dem scharfsinnigen alten Maskil mich zu unterhalten, der dann einer meiner intimsten Freunde geworden ist. Das ist.also das Sarmatengeschlecht! Bernard war tatsächlich ein guter polnischer Patriot, nichtsdestoweniger war er doch der Sohn eines litauischen Juden, und in ihm lebte der Geist des alten Hebrais.ten. Ich sah ihn in Lemberg vorso vielen Jahren im Hause seines Schwiegervaters, des seligen Predigers und deutsch-jüdischen Dichters Löwenstein, der sehr oft auf seinen Adel pochte, ein Nach-- komme des „Pne Jehoschua" zu sein. Das war er auch, und er hat auch sehr gut hebräische Gedichte übersetzt. Er stammte aus Miedzyrzec (Mesritsch) in Polen. Das war das zweite Geschlecht der Sarmaten! Vor mir steigen diese beiden Gestalten auf, die „Mechutonim" aus Bialystok und Mesritsch, das Jüdischste aus dem Judenland! Nun heißt es „Fundacya imienia B. Goldmana", dessen Zweck es sein soll, die Juden zu entnationalisieren. Armer Reb Itsche Bal-Magiha! Armer „Pne Jehoschue"! Das ist also das Ende vom Lied! Es ist 1ür einen manchmal störend, älter zu sein und die Personen und Verhältnisse -von ihrem Ursprünge aus zu kennen, — es wirkt auf einen störend und komisch, ja tragikomisch . . . Ich habe nicht das Vergnügen, Herrn Merwin zu kennen, aber ich denke mir schon: ein galizischer Jude. Ob er nicht zufällig Mendel heißt? Ob alles — das polnische Wesen, die hochmütige Art eines Goi, wie er über jüdische Dinge urteilt, nicht geborgt ist? Nicht ist Merwin — Merwin, nicht war der Sohn Itzchak Goldmanns ein Sarmate, nicht ist diese „Komödie der Irrungen" ein wirkliches Polentum, mit dem wir uns gut verständigen könnten, wenn nicht „unsere Leut" da wären. Das sind die „Leut" die nichts anders zu tun haben, als eine jüdische Bewegung in den Augen der Nichtjuden zu diskreditieren. Ja, die „Umwälzungen" sind da, aber nicht im Zionismus,sondern außerhalb desselben. Es sind auch keine Umwälzungen, es sind Purzelbäume, die der Antizionismus zum Gaudium der Nichtjuden schlägt. N. S. o o o o o o o 1 o o o o o ^oj AUS DER BEWEGUNG Bekanntmachung wegen der Kongreßwahlen Es sind bei uns bereits mehrere Wahlprotokolle eingelaufen, die wir wegen mangelhafter Ausfüllung der vorgedruckten Rubriken für ungültig erklären mußten. Wir sehen uns daher veranlaßt, die verehr!. Vereinsvorstände und Wahlleiter nachdrücklichst darauf aufmerksam zu machen, daß es unbedingt erforderlich ist, daß die Protokolle ganz genau ausgefüllt werden. Insbesondere ist es notwendig, die Zahl der von dem betr. Verein im Jahre 5669 gesammelten Schekel, die Stimmen» zahl, die auf sämtliche aufgestellten Kandidaten f o o o 0000 ~C 0000000 bei der Wahl entfallen ist, sowie das Alter der gewählten Delegierten und Ersatzdelegierten genau anzugeben. Im andern Falle wird die Gültigkeit dieser Wahlen in;Frage gestellt. Und da der Legitimationsausschuß satzungsgemäß frühestens 8 Tage vor dem Kongresse zusammentritt und der Kongreß selbst über die Gültigkeit der Wahlen erst in seiner ersten Sitzung entscheidet, bleibt im Falle der Ungültigkeitserklärung keine Zeit mehr für die Vornahme einer Neuwahl, und der betr. Wahlkreis bliebe also in diesem Falle auf dem Kongresse gänzlich ohne Vertreter. Die Landesorganisationen werden ersucht, die Aufmerksamkeit der Vereins vorstände und Wahl»

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