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Die Welt · 1909-11-12 · 46 (12.11.1909) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
46 (12.11.1909)
Date
1909-11-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nö. 46 DIElXXELT 1007 iwm 73. GOTTES NÄHE MEIN GLÜCK GÜTIG ist Gott für den Redlichen, für die so reinen Herzens sind. Doch ich — fast strauchelte mein Fuß, fast glitten meine Schritte aus. , Denn die Übermütigen neidete ich, -da ich das Glück der Gottlosen sah. Für, sie gibt's ja Heine Schmerzen, wohlgenährt und gesund ist ihr Leib, ht trifft sie die Mühsal der Menschen, Wie andre Sterbliche leiden sie nicht. Drum ist Hochmut ihr Halsgeschmeide, und das Gewand, das sie deckt, ist Frevel. Aufgedunsen von Fett und Unrecht fließt das Herz von Bösem über; sie bereden höhnisch ihr Tun, von Gewalttat reden sie mit Stolz. Mit dem Munde trotzen sie dem Himmel, und ihre Zunge spaziert durch die Erde. Aus „DieBücher der Bibel" mit Zeichnungen vonE. M.Lilien Verlag von George Westermann, Braunschweig den Börsenmagnaten. Wo hätten wir auch den üblichen Bankgründungsjargon hernehmen sollen, um uns ihnen verständlich machen zu können? Provisionen und große Dividenden standen nicht auf unserm Prospekt, und „Hilfe für das jüdische Volk" ist ihnen ein unverständliches Wort. So gingen wir zu den Armen, die nie eine Bank gesehen, und sie halfen uns die jüdische Kolonialbank gründen. Sie trugen ihre Groschen zusammen, bis daraus Millionen geworden sind. Wir wollten einen Fonds für die jüdische Nation gründen und gingen nicht zu den Reichen, die nach einer guten Verdauung manchmal Hunderttausende spenden. Ein „jüdischer Nationalfonds" ist ein viel zu abstrakter Begriff und kann nicht auf den Wohltätigkeitssinn der Reichen wirken. So gingen wir zu den Armen. Und sie trugen ihre Pfennige zusammen, bis daraus Millionen geworden sind. Das war die große Werbekraft des Baseler Programms. Und die zionistische Organisation :st in den zwölf Jahren seit dem ersten Baseler Kongreß eine ernste Macht innerhalb des Judentums geworden, eine Mächt schon von heute und die Macht von morgen und übermorgen. Ich möchte Ihnen noch von andern großen und bedeutsamen Erfolgen des Baseler Zionismus sprechen. Ich möchte Ihnen gerne von den großen dichterischen und schriftstellerischen Talenten reden, die uns das letzte Jahrzehnt beschert hat. Ich möchte Ihnen gerne von der jüdischen Kunst reden, die heute keimt und morgen blühen wird. Ich möchte Ihnen von der gewaltigen Entwicklung der hebräischen Sprache reden, die im letzten Vierteljahrhundert mehr.'gewachsen ist als andere Sprachen in Jahrhunderten.* Ich möchte Ihnen noch über vieles Schöne -und/ Glückverheißende reden. Aber ich will nicht ins einzelne gehen, wenn dieses Einzelne auch: einen Gipfel bedeutet. Immerhin, — es regt und reckt sich das lebendige Judentum -seit einem Vierteljahrhundert. Ich will es aber ruhig sagen: wir stehen heute vor Ihnen noch nicht als Sieger. Wir habennur das Ziel und den Weg gefunden. Ob der Weg kurz oder lang sein wird? Wer/vermag es vorauszusagen? Seit Basel hat sich nämlich wieder manches verändert, nicht bei uns, aber bei dem Volke, mit dem wir uns verbinden wollen. Herzl sprach mit einem Selbstherrscher, wir haben von Volk zu Volk zu verhandeln. Es wird vielleicht einige Zeit verstreichen, bis; es uns gelingen wird, das türkische Volk zu überzeugen, daß wir nur unter seinem starken Schütze unser Heim uns bauen wollen. Schließlich werden wir es ihm doch beweisen können, daß die Juden auch in ihrer Erniedrigung ein staatserhaltendes Element waren, um wie viel mehr werden sie es sein, wenn man sie in Freiheit und Recht wird wachsen lassen. Wir werden sie schließlich von unserer Loyalität nicht nur aus ethischer Gesinnung, sondern auch aus gesundem Eigeninteresse überzeugen können. Jedenfalls, — es ist noch große und schwere Arbeit zu tun. Nach innen und nach außen. Noch sind wir der Zahl nach ein Bruchteil des jüdischen Volkes. Wohl dürfen wir es mit Bestimmtheit feststellen, daß die Antizionisten auf dem Aussterbeetat stehen, aber Nichtzionisten sind noch die große Mehrheit des jüdischen Volkes. Diese gilt es zu werben und zu — gewinnen. ' Sehe ich auf das Wachstum des Zionismus zurück von Kattowitz bis Basel und über Basel hinaus, so darf ich wohl sagen: wir haben Großes zu erwarten. Denn große Volksbewegungen sind wie rollende Schneeballen: sie wachsen in geometrischer Progression. * * * *M Kattowitz und Basel! WTie stehen die beiden Städtenamen in der Entwicklung des Zionismus zueinander? Ich möchte das,Verhältnis so ausdrücken: ohne Kattowitz, wären wir nicht nach Basel gekommen, aber ohne Basel hätten wir heute nicht Kattowitz gefeiert. Die Lilien-Bibel Als wir vor einem Jahre in diesen Blättern, die damals erschienenen ersten Hefte der neuen monumentalen Bibelausgabe einer kritischen Würdigung unterzogen, konnten wir bereits feststellen; daß in der glanzvollen Ausschmückung des Buches, die dem Griffel Liliens anvertraut ist, die-Eigenart dieses Künstlers einen neuen und imposanten Ausdruck gefunden hat. Wir. verwiesen auf "■ tfie Eindrücke, die der feinsinnige Künstler auf seiner Palästin^reise gesammelt hatte, und die sich deutlich in den Motiven der Zeichnungen des1 Buches widerspiegelten: Damals schon 'konnten wir mit besonderer Genugtuung die Ornamente anführen,

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