Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 45 (5.11.1909)
- Date
- 1909-11-05
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Am Sonntagabend sprach im Festsaal des Jüdischen Rathauses Herr Gg. Dr. Heinrich Löwe unter Vorführung von Lichtbildern aus Palästina über den Jüdischen Orient. Er sprach feurig und hinreißend, mit der Kraft der Erinnerung an selbstgeschaute Wirklichkeit die Phantasie des großen Publikums beflügelnd. In Vertretung der Kultusgemeinderepräsentanz war Herr Landesschulrat Dr. Ludwig Bendiener anwesend. Auch diese Versammlung war ein Erfolg. Herr Aharoni, der vor acht Jahren aus Prag nach Palästina aufgebrochen ist, konstatierte in einer feinen hebräischen Rede, im engern Kreise gehalten, wie stark und vertieft der Prager Zionismus in den letzten Jahren geworden sei. Die Prager Gesinnungsgenossen werden das Ihre dazu tun, daß er bei seiner nächsten Europareise noch mehr Anlaß zur Freude habe und daß Böhmen beim Kongreß nicht in letzter Reihe vertreten sei. Qalizien (Von unserm Berichterstatter) Vertrauensmännerkonferenz der galizischen Zionisten Im Zeichen des bevorstehenden IX. Kongresses stand die vom galizischen Z.-K. einberufene Konferenz der galizischen Zionisten. In der Absicht der Einberufer' lag es nämlich, eine vertrauliche Aussprache über die durch die Umwälzungen in der Türkei geschaffene Lage im Zionismus zu führen und ein einheitliches und diszipliniertes Vorgehen der galizischen Zionisten auf dem Kongresse vorzubereiten. Mit Ausnahme nämlich des II. Kongresses, wo die Galizianer eine abgesonderte Landsmannschaft gebildet hatten, waren sie auf allen übrigen Kongressen eine führerlose Armee und deshalb jeder Bedeutung und jedes Einflusses bar. Dem solle auch jetzt abgeholfen werden. Die galizische Delegation solle ein maßgebender und ein zu respektierender Faktor auf dem IX. Kongreß werden. Dazu wird ihr sowohl die diesjährige Zahl der Delegierten wie auch ihr solidarisches Vorgehen verhelfen. Und über den Verlauf der Konferenz selbst, die streng vertraulich war, wird nun folgendes Cornmuniqu6 veröffentlicht: Samstag den 30. Oktober d. J. fand in den Lokalitäten des jüdischen „Tageblatts" die vom Z.-K. einberufene Konferenz der zionistischen Vertrauensmänner Galiziens unter dem Vorsitze des Z.-K.-Vizepräsidenten, Gg. .Dr. Michael Ringel, statt. An derselben nahmen teil: Sämtliche Mitglieder des Z.-K., einige eminente Führer des galizischen Zionismus, die außerhalb Lembergs wohnen, Vertreter der vier Distriktkomitees, wie auch Kandidaten, welche sich um Mandate zum IX. Kongresse zu bewerben beabsichtigen. Der Konferenz wohnte auch als Gast Gg. Dr. Niemirower aus Jassy (Rumänien) bei, welcher bei seiner Heimreise in Lemberg kurzen Aufenthalt nahm. Der Vorsitzende präzisierte in seiner Eröffnungsansprache die der Konferenz vorgelegten Fragen, von denen die wichtigste die Stellung der galizischen Delegierten zu den Hauptpunkten der Tagesordnung des IX. Kongresses tangiert Die Gg. Dr. Osias Thon (Krakau) als Referent und Dr. Hausmann (Lemberg) als Korreferent beleuchteten in ausführlichen und eingehenden Reden alle die zionistische Partei vor dem IX. Kongreß so sehr bewegenden Fragen, wie die Revision des Baseler Programms, Änderung des Organisationsstatuts, Änderung der Leitung, die politische Lage in der Türkei, Agrarkredit, Siedlungsgenossenschaft nach dem Projekt des Prof. Dr. Oppenheimer und andere mehr und stellten ihre diesbezüglichen Thesen auf. Im großen und ganzen sprachen sich die Referenten, wie auch die Diskutanten: Dr. Niemirower, Dr. Feld, Dr. Korkis und J. S. Philip, für einen status quo ante aus, der auch von allen Konferenzteilnehmern akzeptiert wurde. Im Umrisse ist das Endergebnis der Vertrauensmännerkonferenz folgendes: Die Konferenz spricht sich gegen jedwede Abänderung des Baseler Programms aus. Wohl aber soll auf dem Kongresse mit Nachdruck betont werden, daß die zionistische Bewegung keinerlei gegen die Einheitlichkeit des türkischen Staates gerichtete Bestrebungen verfolge und die Realisierung des zionistischen Endziels nur im Einklänge mit den türkischen Staatsinteressen erstrebe. Die Konferenz spricht sich gegen den Entwurf eines Organisationsstatuts des Gg. Dr. Bodenheimer, insbesondere gegen die Basierung der Partei auf einzelnen Vereinen, als den Einzelzeilen unseres Gesamtorganismus, an Stelle des Schekels aus. Die Konferenz ist der Meinung, daß die Partei beim Schekel als Organisationsbasis bleiben solle. Die Konferenz erachtet es als eine vitale Frage des Zionismus, die Aufklärung der öffentlichen Meinung in der Türkei im Sinne der faktisch vorhandenen Interessengemeinschaft zwischen der Türkei und den Bestrebungen der Zionisten energisch zu betreiben. Die Konferenz sei nicht abgeneigt, ein Experiment mit der Siedlungsgenossenschaft des Gg. Dr. Franz Oppenheimer in Palästina zu unterstützen, — betrachte die Frage einer Agrarkreditbank für derzeit noch kaum durchführbar, weil die diesbezügliche Gesetzgebung in der Türkei noch keine Sicherheit gewähre, erkläre sich hingegen für die Schaffung eines Agrarfonds zur Förderung_ der Kolonisation, — verlange den weitern Ausbau der bereits existierenden Finanzinstitutionen und die Erstrebung von wirtschaftlichen Konzessionen in Palästina. Das galizische Z. K. wird aufgefordert, die galizische Delegation am IX. Kongreß als eine besondere Landsmannschaft zu organisieren und für die galizische Partei mehr Berücksichtigung in der Leitung und in den Parteiinstitutionen zu erwirken. Für die unbemittelten Delegaten aus Galizien solle ein Reisefonds geschaffen werden, um ihnen auf diese Weise die Teilnahme am Kongreß zu ermöglichen. Jedes D.-K. solle wenigstens für die Reiseusw. Erhaltungsspesen eines Delegierten aufkommen. Sonst wird noch die Leitung des Z.-K. beauftragt, dafür zu sorgen, daß alle galizischen Delegierten knapp vor dem Kongreß zu einer Vorberatung in Krakau oder Hamburg zusammentreffen sollen. Vom Lemberger D.-K. Im Lemberger Distrikte sind die Vorbereitungen zu den Kongreßwahlen bereits getroffen worden, und Ende dieser Woche werden dieselben durchgeführt werden. Die Zahl der Schekelzahler ist in diesem Jahre bedeutend gewachsen, und die Zahl der Delegierten wird aus diesem Kreise — trotz Dezember — 8 betragen. Die ganze galizische Delegation wird voraussichtlich 30 Mann stark sein. Die größte Schekelzahl unter den galizischen vier D.-K. wird das Stanislauer aufzuweisen haben. Kroatien-Slawonien Zagreb. Nach mehrjährigen Vorarbeiten, wurde endlich auch hier, in der Hochburg des kroatisch-jüdischen Assimilantentums, der erste zionistische Bürgerverein „Achdut" gegründet. Der Verein, an dessen Spitze Dr. H. Jacobi steht, hat den 17. Oktober seine I. Generalversammlung^abgehalten und wird demnächst mit einer Veranstaltung in die Öffentlichkeit treten. Auch der akademische Verein „Judäa", dessen Statuten von der Königl. Kroat. Landesregierung endlich sanktioniert wurden, verspricht eine rege Tätigkeit zu entfalten; um so mehr, da er die Agenden einer Distriktsammelstelle des Jüdischen N. F. übernommen hat. Die Ausschußwahlen in der Judäa ergaben für das Wintersetnester folgendes Resultat: Präsident: F. Kohn; Vizepräsident: A. Szemnitz; I. Sekretär: W. Rendi; II. Sekretär: R. Glückstal; Bibliothekar und N. F.-Kommissär: A. F. Bruck; Kassierer: J. Baran; Revisoren: A. Singer, L. Schein. — Leiter der Distriktsammelstelle des Jüdischen N. F. für Kroatien-Slawonien: A. Singer. — Schließlich sei noch hervorgehoben, daß es den selbstbewußten jüdischen Akademikern gelungen ist, den bisher halbassimilatorischen Klub „kroatischjüdischer" Akademiker in einen bewußten „Jüdischen akademischen Unterstützungs verein" umzugestalten und die Sanktion seiner neuen Statuten bei der Landesregierung zu erwirken. Die jüdisch-nationale Frauenvereinigung in Berlin hat es sich zur Aufgabe gemacht, jüdische alleinstehende Kranke hier zu besuchen und ihnen Lektüre aller Art im Jargon oder in russischer Sprache zu bringen. Es wird daher an diegeehrten Leser dieses Blattes die Bitte gerichtet, durch Zuwendungen solcher Schriften die Arbeit fördern zu helfen. Gefl. Zusendungen nimmt mit Dank entgegen Frau Lina Wagner-Tauber, Berlin, Prenzlauer Allee 9. 1^ NACHRICHTEN Österreich (Von unserm Berichterstatter) Das Reichsgericht uikJ die jüdische Sprache Das kleine Land Bukowina wird allmählich zu einer nationalen Versuchsstation für die Judenschaft Österreichs. Dort entstand die erste politische Organisation der Juden, dort wurde die Anerkennung der jüdischen Nationalität von der Landesvertretung ausgesprochen,