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Die Welt · 1909-11-05 · 45 (5.11.1909) · page 11

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
45 (5.11.1909)
Date
1909-11-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 45 MEEaKELT v 991 schreiben der Teplitzer Studenten, die gleichzeitig die Eintragung des Herrn Dr. Emil M&rgu Ii es ins Goldene Buch mitteilen, und des Herrn Reichsratsabgeordneten Dr. M a h 1 e r verlesen. Herr Ing. Slonitz, Schriftführer des D. K., erstattet den Geschäftsbericht des abtretenden D. K. Die Arbeit war infolge der verworrenen nationalen Verhältnisse in Böhmen, infolge des wirtschaftlichen Drucks, der mehr denn je heuer auf der böhmischen Judenschaft lastete, oft eine schwierige. Und doch war sie erfolgreich im tschechischen, und im deutschen Sprachgebiete. Es wurde eine die tschechische Öffentlichkeit über das Wesen des Zionismus aufklärende Broschüre herausgegeben. Im ganzen Lande fanden zahlreiche Veranstaltungen statt. In den meisten Vereinen herrschte reges jüdisches Leben, die zionistische Studentenschaft entwickelt sich in jeder Beziehung, die Nationalfonds- und die Schekelsammlung ist gewallig gewachsen. DieZahlder Schekelzahler ist auf über 2200, also um mehr als 600 gestiegen. Für den N. F. allein wurden 11 864.80 Kr. (gegen ca. 5000 Kr. im Vorjahr!), für Nationalfonds und Palästinazwecke im allgemeinen ungefähr 18 000 Kronen gesammelt. In der Provinz wurde ein neuer Verein gegründet, während an andern Orten die Vorarbeiten unternommen wurden; in Prag sind eine starke Sektion der Freien Zion: Vereinigung für junge Kaufleute und der tschechische Studentenverein „Theodor Her2lspolek zidovskych akademiku v Praze" ins Leben getreten, letzterer besonders dazu bestimmt, die wachsende Zahl der zionistischen Akademiker, deren Umgangssprache tschechisch ist, zu zionistischer Arbeit zu schulen. Herzl- und Nordaufeiern fanden in ganz Böhmen statt, in Prag eine Herzlfeier der vereinigten zionistischen Organisationen. Die Kultusgemeinden folgten teilweise der Bitte urn Spenden für den N. F. In Prag werden als Veranstaltungen noch der Morris Rosenfeld-Abend, die Vorträge Saltens, Bubers, Trietschs (im Verein Bar Kochba) erwähnt. Oberall herrscht Arbeitsfreude, Zuversicht und Begeisterung. Das D. K. bittet um das Absolutoriurn. Herr M. Löwy erstattet denr Kassabericht. Herr Ludwig- Steiner (Teplitz) spricht dem D. K. die Anerkennung der Provinz aus. Herr Lebenhard (Prag) bespricht die Arbeit im tschechischen Sprachgebiet. Herr Dr. Freund (Budweis) schließt sich Herrn Steiner an. Herr J. U. G. Goldstein als Obmann des neuen Studentenvereins „Theodor Herzl* spolek zidovskych akademiku v Praze" bespricht in tschechischer Sprache die Arbeitsweise unter den tschechisch sprechenden Juden Böhmens Er dankt für die Unterstützung der Gründung des Vereins Theodor Herzl vor allem dem Verein Bar Kochba und dem D. K. Herr Dr. Singer spricht über die Arbeitsart der Zionisten im tschechischen Sprachgebiete. Präsident Bechert begrüßt Herrn Gg. Aharoni aus Jerusalem aufs herzlichste. (Stürmischer Beifall.) Dr. Emil Margulies beantragt, dem D. K. das Absolutoriurn und für seine erfolgreiche, unermüdliche Tätigkeit Dank und Anerkennung auszusprechen. Der Geschäftsbericht wird einstimmig genehmigt, dem D. K. für seine erfolgreiche Arbeit Dank und Anerkennung votiert. Ebenso beim Kassabericht. Herr M. Löwy erstattet den N. F.-Bericht. Herr Dr. Emil Margulies ergänzt denselben auf Grund einer genauen Statistik. Einstimmig wird dem N. F.-Kornmissär Herrn Löwy Dank und Anerkennung ausgesprochen, ebenso den jungen Volksvereinen Gablonz und Trautenau, die eine besonders hervorragende Leistung für den N. F. zu verzeichnen haben. Auf Antrag des Legitimationsausschusses werden alle Delegiertenmandate (59) verifiziert. Eine Wahlkommission von neun Gesinnungsgenossen wird gewählt. Nachmittagssitzung. Präsident Bechert eröffnet die Sitzung und begrüßt den Ehrenpräsidenten des D. K., Reichsrat-Abg. Mahler, im Namen nicht nur der Zionisten Böhmens, sondern der gesamten Judenschaft. (Beifall.) Die Wahlkommission erstattet ihre Vorschläge. Der Präsident leitet die Wahl ein. Die Wahlen des Präsidenten des Distrikts und des D. K. erfolgen in geheimer Abstimmung. Zum Präsidenten der zionistischen Organisation in Böhmen wird einstimmig unter lebhafter Beifallskundgebung der Versammlung Herr *Dr. Emil Margulies, Advokat in Prag, gewählt. Zu Mitgliedern des D. K. werden die Herren Anton Glaser, Fabr., Dr. Kohn, Zahnarzt, M. Löwy, Kaufmann, Dr. Singer, Advokat, Hugo Glautz. Ing., Emil Wehle, Kaufmann, sämtlich in Prag, gewählt. (Beifall.) Es werden per Akklamation in die Parteileitung Dr. Löwenstein (Pilsen), Dr. Rappaport (Trautenau), Ludwig Steiner (Teplitz), Richard Steiner (Karlsbad) gewählt. Zu Revisoren werden gewählt: Siegfried Fantl und Professor Wertheimer. Zum Parteitag der westösterr. Zionisten in das westöst. Zentralkomitee vorgeschlagen: Ernst Bechert, Dr. Gustav Kuh, Dr. L. Singer, Dr. Rappaport, Ludwig Steiner. Der Präsident Bechert schließt sich dem Dank an mit dem Wunsche, sie weiter ihre Kraft unserer Sache widmen zu sehen. Herr Hoytasch (Gablonz) beantragt die Anstellung eines bezahlten Parteisekretärs und dessen Bezahlung durch Erhöhung der Beiträge der Vereine, um den Kontakt mit den Vereinen aufrecht erhalten zu können. Herr Dr. Margulies bittet den D. T., diese Anregung dadurch zu unterstützen, daß der D. T. den Vereinen nahelegen möge, das D. K. zu diesem Zwecke auf Aufforderung materiell zu unterstützen. Herr Prof. Dr. Engel wünscht Vermeidung von Wahlkämpfen um Kongreßmandate. Herr Epstein (Raudnitz) wünscht Erklärungen bezüglich des Verhältnisses der zionistischen Organisation zur „Selbstwehr". Herr Dr. Emil Margulies erklärt, daß zwischen der zionistischen Leitung und der „Selbstwehr" überhaupt keine Beziehungen bestehen. Die Veröffentlichung einzelner Nachrichten erfolge auf Grund eines privaten Abkommens zwischen einzelnen Gesinnungsgenossen und der „Selbstwehr", nicht zwischen D.K. und „Selbstwehr". Dr. Emil Margulies dankt dem Präsidium und den Schriftführern für die Leitung der Tagungen. Der Präsident Bechert schließt den Distriktstag. Das D. K. konstituierte sich hierauf unter dem Vorsitz des Präsidenten Dr. Emil Margulies, wie folgt: 1. Obmannstellvertreter: Dr. Ludwig Singer, 2. „ Anton Glaser, Kassierer: Emil Wehle, Schriftführer: Ing. Hugo Slonitz, N.-F.-Kornmissär: M. Löwy, Beisitzer: Dr. M. Kohn. In das A.-C. wird für Böhmen der österreichischen Landsmannschaft vom Distriktstag Herr Dr. Emil Margulies vorgeschlagen, dabei aber auch der Wunsch ausgesprochen, die Delegierten Böhmens mögen sich für die Entsendung des nicht mehr in Böhmen domizilierenden Herrn Reichsratsabgeordneten Dr. Mahier ins A. C. auf dem Kongreß bemühen. Dr. Emil Margulies entwickelt sein Programm, die organisatorische Zusammenfassung und Kräftigung der böhmischen Zionisten. Jeder einzelne, jeder Verein müsse sich als lebendiges Glied des Ganzen fühlen. Denn der Zionismus sei keine Vereinssache, sondern eine Weltanschauung. Der Zionismus braucht eine starke Organisation, die nach außen immer ein geschlossener Körper sein müsse. Darum müßten alle Einzelglieder die Autorität der Leitung stützen und anerkennen. Was das Verhältnis zu den Nichtzionisten anbetrifft, so kennen wir allerdings im „Zionismus" kein Kompromiß. In bezug auf die Taktik wollen wir aber nicht mit Knüppeln dreinschlagen, sondern unter Aufrechthaltung uuseres großen Programms auf dem gemeinsamen jüdischen Boden mit allen zusammenarbeiten, denen ihr Judentum etwas bedeutet. Zu aktuellen Problemen übergehend führt der Redner seinen Standpunkt aus, am Basler Progra mm müsse festgehalten werden. (Beifall.) Unsere Arbeit in Palästina sei auf die Schaffung jüdischer Majoritäten gerichtet, als Grundlagen der nationalen Autonomie mit territorialer Begrenzung innerhalb des türkischen Staats und Rechts. Redner dankt für die auf ihn gefallene Wahl, dankt aber auch in seinem und im Namen des Distriktstages dem bisherigen Obmanne Dr. Kuh und den ausscheidenden D.-K.-Mitgliedern Prof. Wertheimer und Dr. Gütig. Prag: In den letzten Tagen gab sich in einer Reihe von Veranstaltungen das .große Interesse kund, das in zionistischen und nichtzionistischen Kreisen das Herannahen des Kongresses ausgelöst hat. Donnerstag den 21. Oktober sprach im Verein Bar Kochba Gg. Adolf Böhm, Wien, auf der Rückreise von der Großen A. C.-Sitzung über landwirtschaftliche Kolonisationsmethoden, mit besonderer Berücksichtigung Palästinas und der Agrarbank. Aus der Diskussion, an der sich u. a. auch Dr. Margulies beteiligte, ergab sich die Meinung, daß die landwirtschaftliche Kolonisation dringend sei daß aber das Prinzip des N. F., das Land dem Volke zu erwerben, nicht leichterweise verletzt werden dürfe. Samstag den 23. Oktober sprach Herr Gg. J. Aharoni, der Schöpfer und Leiter des Naturhistorischeri Museums am Bezalel in Jerusalem, der in der ganz:en Fachwelt als Autorität geschätzte Zoologe, über die Fauna Palästinas. Sein Name hatte eine ganz außerordentlich große Zshl von Besuchern herbeigezogen, die auch durch seine interessanten Ausführungen reich belohnt wurden. Ihr Interesse bekundeten sie durch eine Reihe von Fragen, die Herr Aharoni mit Sachkenntnis und oft mit großem Temperament beantwortete. Darunter besonders die Frage über die Entwicklung der hebräischen Sprache in Palästina. Es waren auch zahlreiche Delegierteanwesend, diezum ordentliche nDis t r i k t s t ag erschienen waren. ,

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