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Die Welt · 1909-10-29 · 44 (29.10.1909) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
44 (29.10.1909)
Date
1909-10-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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966 D1E3aIELT No. 44 Judenschaft in der nationalen Gegenwartsarbeit, besonders die Aufforderung zur Pflege der jüdischen Sprache und Literatur, fanden begeisterten Wiederhall. Die Aufforderung, bei der nächsten Volkszählung wahrheitsgemäß die jüdische Muttersprache anzugeben, fand ungeteilte Zustimmung. Bs sprachen: im Bethause Rosch cand. iur. Krämer; Manasteryska: stud. iur. Ungar; Roschergasse: jur. Chaim Morgenstern; Ferdinandsplatz: iur. Nachman Morgenstern; Römergasse: iur. Rothfeld; Austriaplatz: iur. Mosner; Russischegasse: iur. Öhlgießer; Wassergasse: phil. Bretschneider. Beim Aufruf der Thora wurde eine ansehnliche Summe für den jüdischen Nationalfonds gesammelt. Für den diesjährigen Zyklus populärwissenschaftlicher Vorträge sind die besten Redner gewonnen; er wird irn Dezember im „Jüd. Hause" eröffnet. Die Arbeiterbildungskurse der „Zephirah" werden in den Monaten November bis März abgehalten. Rußland Die erste Delegiertenwahl zum Neunten Kongreß Wegen der vielen Repressionen, die in den meisten Gegenden Rußlands jetzt die zionistische Arbeit ungemein erschweren, dürften die diesjährigen Delegiertenwahlen zum Neunten Kongreß mit vielen Schwierigkeiten verknüpft sein, die trotzdem vielleicht einer komischen Seite nicht entbehren. So fand die erste russische Wahl am ersten Roschhaschonotage in F. statt. Da sämtliche Versammlungen in F. strengstens untersagt sind und sich jeder fürchtete, seine Privatwohnung selbst kleinern Versammlungen einzuräumen, so blieb nichts anderes übrig, als die Festtage und die Synagoge zu benutzen. Am ersten Feiertage zwischen dem Morgen- und Mussafgebet erteilte der zionistische Vorsitzende (Gaboi) der „alten" Synogoge dem Kandidaten für das Kongreßmandat,Herrn Ingenieur A. L. Stri lewer, das Wort. Der Redner setzte sein politisch-zionistisches Programm auseinander, worauf der Gaboi die Schekelzahler, die sämtlich aufgefordert worden waren, sich pünktlich in der Synagoge einzufinden, befragte, ob Herr Strilewer als Delegierter ihre Interessen auf dem Kongreß vertreten solle. Die Abstimmung ergab seine fast einstimmige Wahl. Es wurden noch drei weitere Herren gewählt, die das Protokoll nach den Feiertagen fertigzustellen und zu unterzeichnen hatten. Nach diesem Akt'nahm der Gottesdienst wieder seinen geordneten Fortgang. Russischer Delegiertentag in Hamburg Das Zentralbureau der zionistischen Organisation für Rußland erläßt soeben die Einladung zum Delegierten tag der russischen zionistischen Organisation in Hamburg am Donnerstag den 23. und Freitag 9den 24. Dezember. Die Tagesordnung lautet: 1. Bericht des Zentralkomitees über seine Tätigkeit, Finanzbericht, Bericht des Bureaus des Nationalfonds für Rußland und der Palästinakommission, Diskussion. 2. Wahl einer Finanzkommission und der Vertreter der Landsmannschaft für den Permanenzausschluß. 3. Organisation der Arbeit in Rußland. 4. Fragen der Gegenwartsarbeit. 5. Die Arbeit für Palästina. 6. Presse. 7. Agitation und Propaganda. 8. Finanzen. 9. Wahl des Zentralkomitees. Sämtliche hier angeregte Fragen betreffen nur die Tätigkeit der zionistischen Organisation in Rußland; sämtliche Kongreßfragen und der allgemeinen zionistischen Organisation werden separat auf den Sitzungen der Vorkonferenz, welche am Sonnabend den 12.25. Dezember, abends 6 Uhr, beginnen und allabendlich fortgesetzt" werden, zur Verhandlung kommen. Aufruf! Am 18 Cheschwan d. J. (2. November) werden es 25 Jahre sein, seitdem in der Stadt Kattowitz die erste Konferenz der Chowewe- Zion zusammengetreten ist, jene Konferenz, die von den Schöpfern und den ersten Führern unserer nationalen Bewegung, wie Dr. Pinsker, David Gordon, Rabbi Samuel Mohilewer, P. Rabinowitz u. a. ins Leben gerufen wurde und nachmals in der Entwicklung unserer Bewegung einen Ehrenplatz einnehmen sollte. Bescheiden und anspruchslos war die Kattowitzer Konferenz, ihre Bedeutung in der Geschichte unserer Bewegung kann aber nicht hoch genug eingeschätzt werden. Der Gedanke der nationalen Wiedergeburt, der damals erst im Entstehen begriffen war und in der Chibath-Zionbewegung seinen bescheidenen Ausdruck fand, war in jenen Tagen nicht mehr als das intime Ideal einiger weniger Männer, die von praktischer Betätigung sehr weit entfernt waren. Er hatte keinen konkreten Inhalt, keine konkrete Form. Die vereinzelten und versprengten Kräfte der ersten Chowewe-Zion fandenvor sich nichts, was das Objekt ihrer Tätigkeit oder Bestrebungen hätte bilden können; und es braucht nicht erst gesagt zu werden, daß für eine nationale Tätigkeit in planmäßiger, organisierter Form kein Raum war, da die notwendige Voraussetzung hierfür fehlte, es fehlte die zentrale Institution, das berufene, autoritative, unentwegt wirkende Zentrum, wo sämtliche Fäden der Arbeit zusammenliefen, die die Keime der zukünftigen Entwicklung in sich berge. Eine solche Institution gab uns die Kattowitzer Konferenz, das Odessaer Palästinakornitee, das im Jahre 1890 die offizielle Sanktion erhielt, ist ein Produkt der Kattowitzer Konferenz. Mit der Gründung des Komitees trat unsere Bewegung in ein neues Stadium ein, in das Stadium vereinheitlicher, planmäßiger und organisierter Arbeit. Auf diese Weise betrat unsere Bewegung den für jede öffentliche Betätigung, ganz besonders aber für jede große Volksaktion einzig gangbaren Weg. Die Kattowitzer Konferenz darf also als der erste Keim angesehen werden, dem unsere nationale Arbeit in den verschiedenen Formen entsprossen ist, die sie im Laufe ihrer fünfundzwanzigjährigen stufenweisen Entwicklung angenommen hat. Das Odessaer Palästinakommitee sieht es daher als seine heilige Pflicht an, seinen Freunden allerorts zu empfehlen, das 25 jährige Jubiläum der Kattowitzer Konferenz feierlich zu begehen, und am Sonntag, 23 Cheschwan, dem Schlußtage der Konferenz folgende Veranstaltungen zu treffen: 1. In den Synagogen soll das Andenken jener verewigten hervorragenden ^Chowewe-Zion, die sich an den Kattowitzer Beratungen beteiligten,*) allen voran, das Andenken des Vorsitzenden der Konferenz Dr. Pinsker, durch eine Gedenkfeier (Haskorath-N'schomaus) geehrt und entsprechende Gedenkreden gehalten werden. 2. Des fernem soll an diesem Tage zugunsten des vom Odessaer Palästinakomitee gegründeten und den Namen Dr. Pinsker führenden palästinensischen Schulfonds eifrig gesammelt werden. Wir hoffen, daß unsere Freunde und Gesinnungsgenossen bestrebt sein werden, unsern Anregungen zu entsprechen und so das Andenken der ersten zionistischen Konferenz und der ersten hervorragenden Führer unserer Regenarationsbewegung würdig zu feiern. Das Odessaer Palästinakomitee 26 Tischri 5670. Der Präsident M. Ussischkin England (Von unserm Berichterstatter) Eröffnung des „Beth Zion" Der Londoner Zionismus hat in dieser Woche ein bedeutsames und festliches Ereignis zu verzeichnen. Am Sonntag abend fand die Einweihung des Bet Zion statt, dessen Erwerbung der East London Zionist Association nach langer Mühe endlich geglückt ist. Das Gebäude liegt in einer ruhigen Straße des East End, in der Nähe des London Hospitals, und war aus Anlaß der Eröffnungsfeier mit zionistischen Emblemen festlich geschmückt. Die Einweihung wurde; vom Ehrenpräsidenten der English Zionist Federation, Sir Francis Montefiore, vollzogen. Dem Festakt wohnte außer den Vorsitzenden der verschiedenen Vereine auch Herr Dr. Bodenheimer, der iit Nationalfondsangelegenheiten in London weilte, bei. Sir Francis Montefiore gedachte in seiner Eröffnungsrede der großen Anstrengungen, die der Verein East Zioh zur Erwerbung seines eignen Heims gemacht hat. Nun könne er mit Stolz auf seine mühselige Arbeit zurückblicken. Er ging sodann auf die gegenwärtige Lage des Zionismus ein, und erwähnte den Besuch der türkischen Deputierten in England. Mit einem vertrauensvollen AusbLick auf die Zukunft des Zionismus schloß seine Rede. Referent I. K. Goldbloom hielt eine hebräische Ansprache und überreichte Sir Francis die Herzl-Radierung von Struck. Er forderte in seiner Rede die Zuhörer, die den großen Saal bis. auf das letzte Plätzchen füllten, auf, im Vertrauen auf die gegenwärtigen Leiter deren Fußstapfen zu folgen. Sir Francis dankte in bewegten Worten für die ihm durch Überreichung des Bildes gemachte Freude. Dr. Bodenheimer hielt gleichfalls eine begeisternde Ansprache. Er drückte die Hoffnung aus, das dieses Haus bald zu klein für den Verein werden möge, und wünschte, daß auch das große Haus für ganz IsraeL bald wieder erstehen möge. Mit Bezugnahme auf die gegenwärtige *) Dr. Leon Pinsker, Rabbi Samuel Mohilewer, Dr. J. M. Raiunowitz:, Alexander ZederLaum, David Grordon, Klonimos Wissotzky, Jakob Daiehes, L. Klimansky M. Moses, J. M. Mayersolm, Dr. Drübino witz, L. Schalit, L. Kalischer.

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