Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 44 (29.10.1909)
- Date
- 1909-10-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 44 :• DIEE^[ELT 965 3. Vortrag des Herrn Dr. Witkowsky-Berlin: „Der Zionismus und die deutschen Juden." 4. Ansprache des Reichsratsabgeordneten Herrn Adolf Stand-Wien. Nachmittags 2 Uhr im Grand-Restaurant August -Schneider- Straße (frühere Räume der Eintracht): Festmahl. Trockenes Kuvert 3 Mark. Vormerkungen bis spätestens 31. Oktober mittels Postkarte erbeten. Ökonomie: Restaurant Krebs (unter Aufsicht des Hamburger Vereins). Abends 9 Uhr im Grand-Restaurant August-Schneider-Straße: Festabend. Kommers. Jüdisch-künstlerische Darbietungen. Büffet. Basar. Zwangloses Beisammensein. Notiz: Von den Teilnehmern am Vormittags-Festakt wird ein Festbeitrag von 1.50 M. erhoben, wofür sie zu sämtlichen Veranstaltungen (inkl. der Nachniiitagsversammlung) freien Zutritt genießen. Es wird gebeten, Festkleidung anzulegen. Für die öffentliche Versammlung am Nachmittag werden Karten ausgegeben, die im Vorverkauf ä 50 Pfg. für Kattowitz in der Buchhandlung von Georg Hirsch und in den Zigarrenhandlungen von Silbermann u. Sachs (Bahnhofstr.), für die übrigen Orte bei dem Vorsitzenden der zionistischen Ortsgruppe erhältlich sind. Karten an der Kasse 75 Pf. Auswärtige Festteilnehmer belieben Anfragen und Wünsche bez. Wohnungen usw. an Herrn Arnold Wiener, Kattowitz, Karlstraße 1 (Telephon 131 und 1025) zu richten. Berlin. Über Probleme des modernen jüdischen Lebens auf kulturellem, wirtschaftlichem und politisch-kolonisatorischem Gebiete sprachen in einer öffentlichen Versammlung, die in den Augusta-Viktoria-Sälen, Lutherstraße 31, stattfand, die Herren: Rechtsanwalt Dr. Klee, das Mitglied des E. A. C Professor Dr. O. Warburg und der frühere Abgeordnete der Reichsduma Dr. Schemarja Lewin. Berei s vor Beginn war der Saal überfüllt und Hunderte mußten am Eingang wieder umkehren. Herr Rechtsanwalt Dr. Klee führte aus, daß das jüdische Volk Kulturwerte geschaffen habe, die zu weltgeschichtlicher Bedeutung gelangt seien. Diese Tatsache rechtfertige die Erhaltung des Judentums, die angesichts der traurigen Lage der jüdischen Massen in Osteuropa nur durch die Schaffung einer Öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina ermöglicht werden könne. Solche Bestrebungen ständen selbstverständlich in keinem Gegensatz zu dem bewährten Patriotismus der deutschen Juden. Nach ihm sprach Professor Warburg über die Eignung Palästinas für Ansiedlungszwecke, über die Fähigkeit der Juden, landwirtschaftliche Tätigkeit zu verrichten und über die Methoden der jüdischen Kolonisation. Zum Schluß sprach Herr Dr. Lewin in packender Weise über das Kulturproblem des modernen Judentums. In glänzenden Bildern zeichnete er durch charakteristische Beispiele eine geschlossene zionistische Weltanschauung. Österreich Poalezionistische Weltkonferenz Die Konferenz des Allweltlichen jüdischen sozialistischen Arbeiterverbandes Poale Zion wird eine Woche vor dem Hamburger Kongreß, am 19. Dezember, in Krakau zusammentreten und etwa drei bis vier Tage in Anspruch nehmen. Es werden Delegierte aus Rußland, Österreich, Palästina, England und Amerika an den Beratungen teilnehmen. Die Tagesordnung umfaßt die Berichte des Verbandsbureaus und der Landesexekutiven, alle Fragen der Palästinapolitik der Poale-Zion, die Vereinigungsfrage und die Stellung zur sozialistischen Internationalen. Die Krakauer Weltkonferenz wird auch das Organisationsstatut des Weltverbandes und des neu gegründeten Palästina-Arbeiterfo nds in Beratung ziehen. Es wird das erste Mal sein, daß ein Kongreß jüdischer Sozialisten der ganzen Welt in einer größern jüdischen Stadt abgehalten wird. Kongreßwahlen Die Wahlen zum Kongreß werden in Österreich fast überall am 7. November durchgeführt werden. In Wien kandidieren die Herren Böhm, Dr. Margulies und Dr. Pollak. Die „Kadimah" kandidiert im vierten Wahlkreis den Herrn Dr. Franz Oppenheim er. Prag, Am 16. Oktober fand die 34. Generalversammlung der „Bar Koghba" statt, in der der Obmann J. A. C. Leo Herrmann über eine reiche innere und sehr intensive äußere Vereinsarbeit im Sommersemester referieren konnte. Der Vereinskassierer konnte u. a. berichten, daß von Seiten Bar Kochbas im Sommersernester 1520 Kronen für nationale Zwecke gesammelt und abgeführt wurden. Mit besonderer Genugtuung kann die Nachricht verzeichnet werden, daß in einigen Tagen der Bruderverein „Theodor Herzl spolek zidovskych akademiku v Praze" mit seiner zionistischen Arbeit beginnen wird. Die Gründung dieses Studentenvereins unserer Gesinnungsgenossen tschechischer Sprache, ermöglicht durch die unermüdlichen Vorarbeiten Bar Kochbas, ist ein ganz bedeutender Schritt nach vorwärts. In den Ausschuß für das 34. Semester wurden gewählt: phil. Hugo Herrmann, J. A. C. Leo Herrmann, phil. Oskar Epstein, techn. Josef Fischer, iur. Friedr. Lederer, phil. Willy Stein, iur. Viktor Rubis. Die innere Vereinsarbeit setzt in vollem Umfange diese Woche ein. Donnerstag war Gg. Adolf Böhm, Wien, auf der Rückreise von der Sitzung des Großen A. C. Gast des Vereins bei einem internen Diskussionsabend, bei dem über wichtige Fragen der Organisation referiert wurde. Galizien Brody. Sonntag den 3. Oktober 1. J. wurde bei ungemein großer Beteiligung der hiesigen jüdischen Bevölkerung die Einweihung des jüdischen Volkshaüses Bet Haom gefeiert. Seit langer Zeit bestand bei den hiesigen Zionisten die Idee, ein Volkshaus zu bauen, und ist, dank der unermüdlichen Arbeit des Hauptinitiators, Gesinnungsg nossen Herrn Moses Tartakower, jetzt realisiert worden. An der Feier haben Anteil genommen die Herren: Abgeordneter Stand, Abgeordneter Dr. Gabel, Abgeordneter Breiter, Dr. Ringel, Karl Stand, Oransch, Schönfeld, Melzer aus Lemberg, Dr. Großkopf-Z'oczow, Dr. Waldmann-Tarnopol, Reiser-Podkamien. Unter den unzähligen Begrüßungsdepeschen und Briefen war eine Depesche vorn Präsidenten des zionistischen Aktionskomitees David Wolffsohn aus Köln, Dr. Straucher, Ussischkin usw. Um 4 Uhr wurde die Feierlichkeit durch den hiesigen Oberkantor mit dem Absingen von „Mismor schir Chanukath" eröffnet, nachher begrüßte, der Präsident des Baukomitees, Herr Braff, die erschienenen Festgäste. Herr Natan Tartakower begrüßte die Anwesenden im N-imen des Vereins „Tikwath Zion", Herr Moses Okien im Namen des Vereins „Poale Zion", Herr Komrower im Namen dts Vereins „Techija", Herr Reiser im Namen des Vereins „Halikwah" in Podkamien. Unter brausenden Hochrufen ergriff Abgeordneter Stand das Wort zur Festrede: „In diesem Hause — sagte der Redner unter anderm — soll eine Bibliothek gegründet werden, um das Volk auszubilden, damit es keinen Unterschied gebe zwischen arm und reich. Es soll eine hebräische Schule gegründet werden, um die Jugend zu guten Juden zu erziehen. In diesem Hause ist eine Bank gegründet worden, um dem armen Kleinhändler mit Anleihen helfen zu können und ihn politisch unabhängig zu machen.4' Nach d'eser Feierlichkeit besichtigten die fremden Gäste alle Lokalitä en des Volkshmses, welche aus einem großen Lokal für Vers mmlungen, einem Lokal für „Tikwath Zion", einem Lokal für die Bank, welche unlängst eröffnet wurde, und noch einigen großen Lokalen und einem schönen Garten bestehen. Um 8 Uhr abends fand im großen Festsaale des Volkshauses ein Kommers zu Ehren der Gä^te"statt. Dr. Glasberg eröffnete den Kommers und begrüßte die Teilnehmer. Abgeordneter Breiter sprach u. a.: „Ich freue mich zusammen mit euch, daß ihr eure Jugend für Gleichberechtigung, ohne Unterschied von Religion und Nation, erzieht, mich freut, daß ihr die euch zukommenden Rechte fordert. Da ich überhaupt für Gerechtigkeit kämpfe, will ich zusammen mit euch auch für euer Wohl kämpfen." Abgeordneier Stand spricht über die Lage der Juden in der Bukowina wegen Einführung eines jüdischen Wahlkatasters zum Landtag. „Der heutige Kampf für unsere Gleichberechtigung — sagte Redner — ist nicht wie einst; damals hatten wir mit fremden Feinden zu kämpfen, heute müssen wir mit eignen Feinden, Kurandas, Löwensteins und Gomperzs kämpfen. Bei der Dreyfusafrare hat Herr Gomperz die griechische Kultur studiert, und jetzt, wo es sich darum handelt, den Juden zu schaden, ist Herr Gomperz Politiker geworden." Herr Karl Stand gab der Freude Ausdruck, daß die jüdische St^dt Brody von den Assimilanten zurückerobert wurde. Abgeordneter GabeJ sprach über die selbständige Politik der Juden. Zum Schlüsse ergr.ff Herr Braff das Wort und dankte im Namen des Baukomitees Herrn Moses Tartakower für dessen unermüdliche Arbeit für das Volkshaus. Mit „Od lo owdu" wurde das Bankett beendet. Bukowina Czernowitz: Wie alljährlich, so hat auch in diesem Jahre die „Zephira" die Feiertage dazu benützt, um die jüdische Volksmasse in den Bethäusern aufzusuchen und sie ü::er den Stand der zionistischen und jüdisch-nationalen Bewegung aufzuklären. Die Ausführungen über die Palästinaarbeit und die Aufgaben der