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Die Welt · 1909-10-29 · 44 (29.10.1909) · page 8

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
44 (29.10.1909)
Date
1909-10-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
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964 DIE ELT No. 44 das Wort und beklagt die Schwerfälligkeit der Leitung unserer Finanzinstitute. Der J. C. T. ist ja nicht gegründet worden, um irgendwo Geschäfte zu machen, er soll das finanzielle Instrument der Bewegung darstellen, und ihr immer zur Verfügung stehen. Das ist aber leider nicht der Fall. Wenn es sich darum handelt, Unternehmungen in Palästina in die Wege zu leiten, — und das muß doch jetzt das Hauptarbeitsgebiet unserer Banken sein, — dann dauert es viel zu lange, bis der .1. C. T. sich entschieden hat. Auf dem Wege von Palästina über die A. P. C. bis zum Direktorium des J. C. T. geht kolossal viel Zeit verloren. Die Direktoren in London oder im Haag können sich ja auch gar nicht schnell und hinreichend über die Sachlage informieren. Sie sind gezwungen, wieder in Palästina neue Informationen einzuziehen usw. usw. ad infinitum. Darin liegt aber eine große Gefahr, denn auf diese Weise geraten wir ins Hintertreffen gegenüber anderen Institutionen an Ort und Stelle. Darum stellt er den Antrag, eine besondere Gesellschaft in Palästina zu begründen, deren Arbeitsgebiet die Inangriffnahme und Beteiligung an palästinensischen Unternehmungen sein soll. Der J. C. T. soll zu diesem Zwecke £ 50000 bereit stellen. Kann erwidert auf die Vorwürfe, die Herr Professor Warburg wegen der Schwerfälligkeit der Bankleitung gemacht hat. Herr Professor Warburg hat gesagt, der J. C. T. habe außer Geldgeschäften wenig geleistet. Dabei hat doch der Jewish Colonial Trust die Anglo Palestine Company gegründet, die allgemein heute als unsere wichtigste Institution betrachtet wird. Außerdem aber liegen die Dinge doch so, daß nicht ein einziges Unternehmen in der zionistischen Organisation gegründet worden ist, ohne daß sich nicht der Jewish Colonial Trust in vielleicht teilweise sogar übertriebener Weise beteiligt hätte. Tatsächlich hat sich der J. C. T. zu einem Zentrum unserer sämtlichen Finanzinstitutionen ausgebildet. Alle Fäden laufen bei unserer Bank zusammen, und dadurch ist gerade das erreicht, was Herr Professor Warburg will, der allgemeine und schnelle Oberblick. Herr Prof. Warburg beklagt, daß wir nicht schnell genug auf Projekte und Pläne reagieren. Mit der Schnelligkeit allein ist es aber nicht getan. Finanzgeschäfte wollen reiflich überlegt sein. Wir müssen mit unsern beschränkten Mitteln vorsichtig verfahren und dürfen sie nicht blindlings in allen möglichen Unternehmungen festlegen. Darum ist auch gar kein Grund vorhanden, daß die neue Institution, die Herr Warburg wünscht, geschaffen werde. Wenn beachtenswerte und ernste Projekte an uns herantreten, werden sie jetzt schon mit der Gründlichkeit und Sachlichkeit geprüft, die ihnen zukommt. Das Direktorium der Bank ist sich durchaus bewußt, daß der Jewish Colonial Trust nicht lediglich dazu da ist, Geldgeschäfte zu machen. Das Direktorium weiß ganz genau, daß der J. C. T. geschaffen worden ist, um zionistischen Zwecken zu dienen, und läßt sich bei seinen Beschlüssen immer von diesem Prinzip leiten. Wenn das nicht der Fall wäre, hätte der J. C. T. sich nicht an all den vielen Unternehmungen beteiligt, die in den letzten Jahren geschaffen worden sind. Sie dürfen versichert sein, daß diese Erwägung auch in Zukunft für das Direktorium maßgebend sein wird. Böhm führt Klage darüber, daß bei der Neuwahl von Aufsichtsratsmitgliedern Österreich nicht genügend berücksichtigt worden sei. Er unterstützt die Ausführungen des Herrn Prof. Warburg und tritt für dessen Antrag ein. Des weitern teilt er mit, daß die Bank Kredit-Union in Lemberg sich beklagt habe, daß Herr Dr. Braude vor der Gründung der Kredit-Union das Versprechen einer Unterstützung seitens der Kolonialbank erhalten, daß aber die Kolonialbank dieses später nicht erfüllt habe. Wolffsohn führt an, daß Österreich ja durch 2 Mitglieder, die Herren Kremenetzky und Stand im Aufsichtsrat vertreten seien. Gegenüber den Bemerkungen d(s Herrn Böhm wegen der BankKredit-Union in Lemberg betont Herr Wolffsohn, daß niemals von solchen Versprechungen die Rede gewesen sei. Lediglich er selbst habe Herrn Dr. Braude gegenüber die Sympathie für das Unternehmen zum Ausdruck gebracht, die ja auch heute noch bestehe, habe aber ausdrücklich bestimmte Zusagen vor der Gründung abgelehnt und die Herren auf den geschäftsordnungsmäßigen Weg verwiesen. Herr Podlichewsky bemängelt, daß der Aufs'chtsrat zu wenig befragt werde. Infolgedessen seien die Mitglieder gar nicht informiert. Herr Wolffsohn gibt einzelne von Herrn Podlichewsky bezüglich der Bilanz gewünschten Aufklärungen. Der Aufsichtsrat sei ja durch die Governors im Direktorium vertreten und könne durch die Governors auf alle Beschlüsse des Direktoriums einen maßgebenden Einfluß ausüben. Herr Podlichewsky erklärt sich von diesen Auskünften befriedigt. Für den Antrag Warburg tritt noch Herr Ussischkin ein, während Herr Dr. Margulies vorschlägt, die Frage dem A. C. zu überweisen. Herr Kann wendet sich noch einmal gegen den Antrag und warnt davor, die Bank in eine Richtung zu drängen, die für sie gefährlich werden könne. Er führt Klage darüber, daß überhaupt von zu vielen Seiten versucht wird, Einfluß auf die Bankleitung zu gewinnen. An der folgenden Debatte, die die interne Geschäftsgebarung der Banken betraf, beteiligten sich die Herren: Rosoff, Goldberg, Dr. Lewin, Kann, Ussischkin, und Wolffsohn. Hierauf modifiziert Herr Ussischkin im Einverständnis mit Herrn Professor Warburg dessen Antrag in folgender Weise: Der Aufsichtsrat beauftragt das Direktorium der A. P; C, sich gemeinsam mit dem Palästina-Amt nach Kräften zu bemühen, Konzessionen in Palästina zu erlangen und der Verwertung zuzuführen. Dieser Antrag wird angenommen. Herr Ussischkin fragt an, weshalb in diesem Jahre die Generalversammlung nicht gleichzeitig mit dem Kongreß stattfinde. Herr Wolffsohn erwidert, daß dies leider unmöglich gewesen sei. Dadurch, daß es notwendig war, den Kongreß auf Dezember zu verschieben, war man anderseits gezwungen, die Generalversammlung bereits früher abzuhalten, weil nach dem englischen Gesetz die jährliche ordentliche Generalversammlung einer Gesellschaft nicht später als 15 Mon ate nach der vorhergegangenen jährlichen Generalversammlung stattfinden darf. Auch wäre es nicht ratsam gewesen, die Erklärung der Dividende bis Ende des Jahres hinauszuschieben. Selbstverständlich sei dieser Fall aber nur als ein Ausnahmefall zu betrachten, und sei beabsichtigt, in Zukunft die Generalversammlung regelmäßig gleichzeitig mit dem Kongreß stattfinden zu lassen. Da von verschiedenen Seiten der Meinung Ausdruck gegeben wurde, daß es wünschenswert wäre, daß der Aufsichtsrat bezüglich dieses Punktes eine Erklärung abgebe, wurde auf Antrag des Herrn Dr. Hantke, unterstützt von Herrn Fischer, folgender Beschluß einstimmig gefaßt: Es soll auf dem Kongreß erklärt werden: Der Aufsichtsrat der Bank erklärt: Da der Kongreß diesmal nicht wie gewöhnlich, im Sommer stattfinden konnte, die jährliche ordentliche Generalversammlung einer Gesellschaft jedoch laut den Vorschriften der englischen Gesetze nicht später als 15 Monate nach der vorhergegangenen jährlichen ordentlichen Generalversammlung abgehalten werden darf, war es nicht möglich, es so einzurichten, daß die Generalversammlung des Trust in diesem Jahre zur Zeit des Kongresses stattfindet. In Zukunft soll darauf geachtet werden, daß die Generalversammlung wieder mit dem Kongreß zusammen abgehalten wird. Der Manager berichtete, daß die Statuten des Pensionsfonds nunmehr vom Board genehmigt sind und der Fonds am 1. Januar 1910 in Wirksamkeit treten wird. Auf Antrag des Herrn R osoff, unterstützt vonHerrn Dr. Franzie Berenstein, wurde dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats, dem Direktorium, dem Manager und den Beamten der Bank ein Dankvotum ausgesprochen und dann die Sitzung geschlossen. Deutschland Programm der Veranstaltungen zur Feier des 25jährigen Jubiläums der Kattowitzer Konferenz 0 7. November 1909 * Sonntag, den ^^^—^^ Interne Festsitzung vormittags 10 Uhr im Sitzungssaale der Jüdischen Gemeinde (August-Schneider-Straße). Tages-Ordnung: 1. Eröffnungsansprache des Vorsitzenden des Gruppenverbandes, Herrn Arnold Wiener, Kattowitz. 2. Ansprache des Präsidenten des E. A. C, Herrn David Wolffsohn. 3. Ansprache des Delegierten des Odessaer Palästina-Komitees. 4. Begrüßung der Deputationen. 5. Festvortrag von Herrn Dr. Aron Sandler-Bieslau: „Die historische Bedeutung der Kattowitzer Konferenz." Die Gesangs- und Harmonium vorträge zu Beginn und am Schlüsse des Festaktes hat Herr Oberkantor Singer freundlichst übernommen. Öffentliche Versammlung nachmittags V25 Uhr im großen Saale des „Deutschen Hauses". Tages-Ordnung: 1. Ansprache des Präsidenten des Aktions-Komitees, Herrn David Wolffsohn. 2. Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. Thon-Krakau: „Von Kattowitz bis Basel."

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