Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 43 (22.10.1909)
- Date
- 1909-10-22
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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952 D IE 3 von 50 £ der Agrarkommission bewilligt habe. Ich habe mich zunächst von einem formeilen Gesichtspunkte leiten lassen. Wenn ein Mitglied des Direktoriums einer schriftlichen Abstimmung widerspricht, dann muß dieses Mitglied gewichtige Gründe haben, die Sache mündlich zu erörtern. Nun haben aber in dem vorliegenden Falle drei Mitglieder des Direktoriums sich gegen die Bewilligung dieses Betrages aus prinzipiellen Gründen ausgesprochen. Wir haben uns gesagt, solange die Frage des Agrarkreditinstituts und vor allem die Frage, in welcher Form sich derJ.N. F. daran beteiligen kann, nicht geklärt ist, sind wir nicht berechtigt, für diese Zwecke Gelder zur Verfügung zu stellen. Hierbei handelt es sich absolut nicht darum, ob der Betrag groß oder klein ist. Von diesem Gesichtspunkt aus habe ich es für richtig gehalten, diese Summe nicht zu gewähren. Entscheidend war ferner hierbei auch der Gesichtspunkt, daß, wenn das Agrarkreditinstitut etwas Notwendiges, ein Bedürfnis der kolonisatorischen Entwicklung ist, die Sache nicht an den 1000 scheitern könne. Dann müßte die Bank oder das A. C. einspringen, um die Vorarbeiten zum Abschluß zn bringen. Die Erfahrung hat uns recht gegeben, denn die Angelegenheit wurde auch ohne den Nationalfonds zum vorläufigen Abschluß gebracht. Es ist in der Sitzung des A. C. auch von dem großen Geldüberfiuß des J. N. F. die Rede gewesen. Die Geldflüssigkeit des J. N. F. ist indes keine unbeschränkte. Wir haben zurzeit nur ca. £ 6000.—, die wir direkt flüssig machen können. Alles andere ist zum Teilin unserm Grundbesitz, zumTeilauch in Kreditbewilligungen, zum größten Teil aber in Konsols und andern Wertpapieren in London festgelegt, die bereits in frühern Jahren erworben worden sind. Diese Konsols können wir momentan nicht ohne schweren Verlust verkaufen. Wir haben darum diese Wertpapiere auch bis heute noch nicht berührt, und ich meine, wir sollten auch ohne große Not nicht daran rühren. Wir müssen eine Reserve haben, die uns zur Zeit der Not zur Verfügung steht. Wenn wir auch augenblicklich nicht die Tendenz haben, Land zu erwerben, so müssen wir doch darauf gerüstet sein, jede außerordentliche Gelegenheit zu ergreifen. Ich bin also der Ansicht, daß wir uns bei unsern Bewilligungen die größte Zurückhaltung auferlegen sollten, damit wir, wenn einmal die Zeit kommt, wo der J. N. F. seinem eigentlichen Zwecke dienen kann, auch mit den nötigen Mitteln ausgerüstet sind, um das Interesse der zionistischen Bewegung und das des Jüdischen Nationalfonds zu wahren." Nach Eröffnung der Debatte wünscht Herr Kann einige Aufklärungen über Einzelheiten des Darlehens an die A. P. C, betreffend den Agrarkredit an kooperative Genossenschaften, die ihm vom Vorsitzenden erteilt werden. Prof. Warburg gibt zunächst Auskunft über die Art der Pflanzungen von Ölbäumen und erwähnt u. a., daß nur 10 Bäume auf einem Dunam gepflanzt werden können. Er bespricht hierauf die Aufgaben des Nationalfonds, die er etwa im folgenden zusammenfaßt: Der Nationalfonds müsse: 1. zunächst Land für die Ölbaumspende und Parzellierungsgesellschaft erwerben, 2. Land für Aufforstungszwecke sowie Bepflanzung der Ländereien kaufen, 3. Land und Häuser für national wichtige landwirtschaftliche Versuche (wie Siedlungsgenossenschaft usw.), 4. Land und Häuser für national wichtige Institutionen (höhere Schulen, Museen, Bibliotheken, Versuchsanstalten), 5. müsse der Nationalfonds Kredite für national wichtige Zwecke, wie kooperative Genossenschaften, Agrarkredite, Achuzath Baith usw. gewähren. Schließlich begründet Herr Prof. Warburg die von ihm eingebrachten, eingangs erwähnten Anträge. Herr Ussischkin verlangt Aufklärung bezüglich einiger Bestimmungen des Vertrages mit Herrn Moser, betreffend das Gebäude für das hebräische Gymnasium, und bespricht hierauf die Verhältnisse der Schule Kiriath Sefer. Er ist ferner gegen den Antrag des Herrn Prof. Warburg, daß der Nationalfonds die Nationalbibliothek erwerbe bzw. das Gebäude ausbaue. Dem Antrag des Herrn Prof. Warburg, der P. L. D. C. aus dem ihr s. Zt. bewilligten Darlehn von 3000 £ nunmehr 1000 £, jedoch zu dem Zwecke zu gewähren, um die Wirtschaft in Umeldjuni auszudehnen, tritt Herr Ussischkin entgegen. Er sei dafür, daß man der P. L. D. C. die ganzen 3000 £ überläßt, aber nur zu dem Zweck, um Boden dazu zu kaufen, nicht aber, um den Boden zu bebauen. Der Nationalfonds habe nur die Aufgabe, Boden zu kaufen und andern zur Verfügung zu stellen. Der Nationalfonds sei nicht dazu da, Experimente zu machen, bei denen Geld verlorengehen kann. Wenn er dies tue, werde man immer mit neuen Projekten dieser Art an ihn herantreten, und der N. F. werde zu einer Institution herabsinken, die keinen andern Zweck habe, als in Palästina Experimente zu machen. Dr. Boden heim er macht darauf aufmerksam, daß man IE LT No. 43 heute einen prinzipiellen Beschluß fassen müsse, ob der Kredit der P. L. D. C. für Landkauf oder für Zwecke der Bewirtschaftung gewährt werden solle, nachdem in der vorigen Generalversammlung seitens des Herrn Prof. Warburg erklärt worden sei, daß er das Darlehn nur für Landkauf in Anspruch nehmen werde. Prof. Warburg erklärt hierzu, daß der reine Landkauf nichts nütze, wenn kein Betriebskapital vorhanden sei. Podlischewsky erklärt, das jetzt eingeschlagene System passe für die JCA, aber nicht für den Nationalfonds, da dieser nicht für Experimente da sei. Er sei auch gegen die Nationalbibliothek und gegen die Gewährung von Geldern für Institutionen, wie Achuzath Baith und P. L. D. C. Der Nationalfonds müsse das Geld für höhere Zwecke zusammenhalten und insbesondere für die Agrarbank reservieren. Redner verbreitet sich über die Aufgaben der Agrarbank. Fisclier findet, daß die Verwaltung des Nationalfonds insofern zu bureaukratisch sei, als über jede kleine Ausgabe die Generalversammlung Beschlüsse fassen müsse. Auf diese Weise könne Palästina nie jüdisch werden, es müsse dem Direktorium ein größerer Spielraum für seine Tätigkeit gewährt werden. Redner ist ferner für den Verkauf der Konsols, die dem Nationalfonds nur2l/aü/o einbringen, und spricht schließlich für den Antrag des Herrn Prof. Warburg bezüglich der Bibliothek. Böhm erklärt, es liege ihm fern, gegen die Nationalfondsverwaltung Vorwürfe zu erheben. Es müsse aber ein Arbeitsplan aufgestellt werden. Die Frage der Agrarbank müsse angeschnitten werden. Wenn eine Agrarbank zustandekommt, müsse der Nationalfonds mit ihr in Verbindung gebracht werden. Er freue sich, daß Dr. Bodenheimer und Prof. Warburg die Prinzipien, nach denen der Nationalfonds geführt werden soll, nunmehr kundgetan haben, und sollten dieselben festgelegt werden. Man müsse ferner bedenken, daß wir auch für die Propaganda positive Gesichtspunkte haben müssen. Sammlungen können nicht veranstaltet werden, wenn den Leuten nicht große Gesichtspunkte vor Augen geführt werden. Wenn Herr Ussischkin gegen die Nationalbibliothek spreche, so vergesse er, daß das Geld, welches die Nationalbibliothek in Anspruch nimmt, ja wieder hereinkomme, die propagandistische Seite sei beim Nationalfonds die wichtigste. Herr Podlischwesky habe recht, wenn er gegen den Ankauf von Häusern sei. Erwerbungen aber wie der Bezalel seien doch auch wichtiges propagandistisches Material. Die Leitung müsse auf die Psychologie der Menge Rücksicht nehmen und nicht bureaukratisch vorgehen. Er sei unbedingt dafür, daß der Nationalfonds der Pächtergenossenschaft den Kredit gewähre. Es sei dies wohl ein Experiment, aber Herr Podlischewsky, der befürchtet, daß wir schlechte Arbeiter bekommen werden, vergesse, daß darin ja der Kern unserer großen kolonisatorischen Frage liege. Dasselbe Prinzip gelte auch für die P. L. D. C. Es handele sich doch hier um eine Gesellschaft, die dazu dienen solle, den Nationalfondsboden zu verwerten und Juden zu Bauern heranzubilden und ansässig zu machen. Das sei doch unsere größte Aufgabe, Dr. Ruppin führte hierauf folgendes aus: Wenn wir in den letzten Jahren etwas gelernt haben, so sei es das, daß wir wissen, wie verderblich es ist, wenn der N. F. den nackten Boden kauft. Wenn der N. F. heute Boden kauft und ihn selbst nicht bearbeiten kann, oder überhaupt nichts damit anzufangen weiß, so werde er ihn in spätestens 10 Jahren vollständig verlieren. Darum dürfe man nicht um jeden Preis kaufen, sondern müsse sich auch darüber vergewissern, was mit dem Boden geschehen solle. Bis jetzt habe der N. F. mit seinem Besitztum noch viel Glück gehabt. Er hat einen Teil desselben der Ölbaumspende zur Aufforstung und den andern Teil der P. L. D. C. übergeben können. Der N. F. könne aber nicht selbst kolonisieren, dazu gehören große Mittel. Deswegen habe die P. L. D. C. durch die Übernahme und Bewirtschaftung des Bodens in Kinnereth dem N. F. einen Dienst erwiesen. Der Kredit, den das Direktorium der P. L. D. C. gewährt hat, sei durchaus sichergestellt, denn es seien auf dem Gute der P. L. D. C. Wirtschaftsgebäude errichtet. Redner ist durchaus kein Fanatiker der Siedlungsgesellschaft, aber es müsse in irgendeiner Form in Palästina gearbeitet werden, und das vorgeschlagene Projekt sei mit einem sehr geringen Risiko verbunden, denn es handelt sich nur um einen Kredit von 12 000 Frs. Redner gibt dann noch Auskunft auf eine Frage Podiischewskys bezüglich Umeldjuni. Durch die Beteiligung am Bezalel, dem Museum und der Nationalbibliothek dokumentiere der N. F. sein Interesse an kulturellen Arbeiten in Palästina. Solange man den N. F. in Landbesitz nicht vollständig festlegen kann, sei es kein Verbrechen, ihn in anderen sicheren Werten teilweise zu investieren. Redner gibt zum Schlüsse verschiedene Aufklärungen betreffend Kiriath Sefer, Nationalbibliothek usw. Herr Wolffsöhn macht darauf aufmerksam, daß es durchaus nicht angehe, in der Generalversammlung über alle Kleinigkeiten