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Die Welt · 1909-10-22 · 43 (22.10.1909) · page 11

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
43 (22.10.1909)
Date
1909-10-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 43 DIEl^KELT 943 Desto mehr wurde des Abends gesungen bei dem Festmahl, das die Breslauer Gemeinde den Delegierten und ihren Damen bot. Eine ganze Anzahl von Tafelliedern erhöhte die Stimmung. Und sie waren durchweg gut jüdisch. Hätte man es 1897, ja noch vor 4—5 Jahren für möglich gehalten, daß unsere „Offiziellen" in deutschen Landen mit Begeisterung Verse singen wie diesen: So wollen wir zum alten Bund In Treue uns bekennen, Wir wollen in froh und trüber Stund' Mit Stolz uns Juden nennen. Die Köpfe hoch, die Nacken steif, Zu allen Ehren sind wir reif; Und daß man sie gewinne, Entsagt dem Knechtessinne. Wir können fürs erste zufrieden sein, wenn unsere schärfsten Gegner von 1897 schon so viel zugelernt haben. Brief aus Palästina (Von unserrn Berichterstatter) Budget der Jaffaer jüdischen Gemeinde Der neugewählte Vorstand beschäftigte sich auf einer seiner ersten Sitzungen mit dem Entwurf eines Etats für das nächste Jahr für die hiesige Gemeinde, wobei folgende Ausgaben als notwendig erachtet wurden: 1) für Besoldung der Rabbiner, Schächter und andere religiöse Bedürfnisse der Gemeinde 11500 Frs.; 2) zur Errichtung eines Ambulatoriums und für unentgeltliche Krankenpflege 3000 Frs.; 3) für Armenunterstützung 3000 Frs.; 4) für Bureauräume, Sekretariat usw. 2700 Frs.; 5) Hilfe an Immigranten beim Ausschiffen 5—600 Frs., und 6) für juristische Hilfe 5—600 Frs. Die meisten Einnahmen hofft der Gemeindevorstand aus der Gabella (Abgabe für koscheres Fleisch) zu erzielen, ferner 6000 Frs. aus direkten Steuern und 5000 Frs. als Beitrag vom Zentralkomitee der Chalukka in Jerusalem. Wasserleitung in Jerusalem Die Munizipalität der Stadt Jerusalem veröffentlicht die Einzelheiten eines provisorischen Vertrags, den sie mit der deutschen Firma Karl Francke in Bremen abgeschlossen hat, und ladet auch andere Bewerber zur Einreichung ihrer Offerten ein. Die Firma Karl Francke verpflichtet sich, aus der Ain-Faraquelle, 18 Kilometer nördlich von Jerusalem, Wasser nach der Stadt zu leiten, und 2—4000 cbm täglich zu liefern. 70 cbm werden täglich der Stadtverwaltung zur unentgeltlichen Verteilung an die arme Bevölkerung Jerusalems überlassen, den Rest verkauft die Gesellschaft zum Höchstpreise von 1.25 Frs. pro Kubikmeter. Die dem Staat oder der Stadt gehörigen Terrains, die zur Errichtung der Wasserleitung für die Gesellschaft notwendig sein werden, werden ihr unentgeltlich übertragen, die privaten Grundstücke zu einem von der Regierung festgesetzten Schätzungswerte abgetreten. Der Import sämtlicher Materialien für das Wasserwerk ist zollfrei. Die Konzession wird auf dreißig Jahre erteilt; nach Ablauf dieser Frist geht das gesamte von der Gesellschaft errichtete Wasserwerk mit aller Einrichtung ohne Entschädigung ins Eigentum der Stadtverwaltung über. Als Garantie für Einhaltung des Vertrags, falls die Stadtverwaltung nicht zurücktreten sollte, hat die Firma Karl Francke 20000 Frs. bei der deutschen Palästina-Bank in Jerusalem deponiert. Alle von der Gesellschaft anzustellenden Beamten müssen, mit Ausnahme der leitenden technischen Kräfte, ottomanische Staatsbürger sein. Ain-Qanim und Beer-Jakob Über diese zwei mit Hilfe des Odessaer Komitees in den letzten Jahren gegründeten Kolonien, die einzigen seit einer Reihe von Jahren überhaupt entstandenen neuen jüdischen Kolonien, wurde viel abfällige Kritik vernommen. In der Tat kann man kaum die Lage dieser Kolonien als eine gesicherte ansehen. Wenn man jedoch ihre Bedingungen näher betrachtet, so kommt man zu dem Resultat, daß man bei einer gewissen Nachhilfe zur Befestigung ihrer Existenzbasis viel beitragen kann. I. Ain-Ganim In Ain-Ganim gibt es 16 von Mitgliedern der Kolonie aufgebaute Häuser. Die billigsten Häuser repräsentieren einen Wert von 600 Frs. -- 2 an der Zahl 800 „ — 4 „ „ „ und 1000 „ — 3 „ „ „ Den Wert von 2500 Frs. erreicht nur ein Haus; ebenso gibt es nur eins im Werte von 2000 Frs.; drei dagegen sind im Werte von 1500 und zwei im Werte von 1300 Frs. Ein jeder dieser 16 Kolonisten hat für die Errichtung des Brunnens 350 Frs. und zur Abzahlung des Brunnenmotors 140 Frs. ausgegeben. Das lebende Inventar dieser Kolonisten ist ein sehr beschränktes. Nur ein Kolonist besitzt 5 Kühe, ein anderer 4, die übrigen haben je eine Kuh oder eine Ziege oder auch das nicht. Außer den Schulden für den Boden betragen sämtliche Schulden dieser Kolonisten 10060 Frs. Nur einer von ihnen hat eine Schuld von 1300 Frs., ein zweiter von 1060 Frs., die Schuld der übrigen ist unter 1000 Frs., und zwar beträgt sie bei 2 Kolonisten je 100 Frs. „ 2 . „ „ 400 „ „ 2 „ „ 500 „ „ 6 „ „ 700—900 Frs. Was den Familienstand der in Ain-Ganim wohnenden 16 Kolonisten betrifft, sind 5 unverheiratet, haben jedoch teils "Geschwister, teils Eltern und sonstige Verwandte, die übrigen 11 haben Frauen, und 10 von ihnen auch Kinder: 3 Kolonisten haben je 4 Kinder, 4 n n n 2 „ , 3 „ „ 1 Kind. Von wichtigster Bedeutung für den Bestand der Kolonie ist, daß fast alle in Ain-Ganim wohnenden Mitglieder ihren Lebensunterhalt haben. Die Kolonisten haben zwar mit Schwierigkeiten zu kämpfen, um die allgemeinen und persönlichen Schulden zu begleichen, aber fast alle verdienen hinreichend für ihren Lebensunterhalt, vier haben sogar monatliche Stellungen mit einem Gehalt von 60—80 Frs., die übrigen verdienen als Tagelöhner 2—2Va Frs. täglich. Außer diesen in der Kolonie wohnenden Kolonisten weilen 15 von den ersten Mitgliedern von Ain-Ganim außerhalb der Kolonie, hauptsächlich, weil sie keine Mittel besitzen, um ein Haus zu errichten. Nur wenige von den letztern dürften noch nach Ain-Ganim zurückkehren. Acht sind als Arbeiter in Petach-Tikwa beschäftigt, die übrigen in Galiläa oder zurzeit außerhalb Palästinas. II. Beer-Jakob Diese Kolonie besitzt eine Fläche von 2018 Dunam und unterscheidet sich insofern wesentlich von Ain-Ganim, als letzteres wohl eine richtige Arbeiterkolonie ist, die Kolonisten aus Beer-Jakob dagegen mit der Zeit kleinere oder mittlere Pflanzungsbesitzer sein können, niemals aber Arbeiterkolonisten. Die 2018 Dunam von Beer-Jakob sind in ungleichen Anteilen unter 25 Besitzer verteilt. Von diesen wohnen nur 13 in der Kolonie und besitzen dort Häuser, die übrigen halten sich zumeist in Jerusalem oder dem benachbarten Rischpn, zum Teil noch in Rußland auf. Den größten Teil an Bodenbesitz, nämlich 200 Dunam, hat der Rabbiner Izchaki. Je 150 Dunam besitzen 2 Kolonisten, n 100 „ „ 8 68 „ „ 1 Kolonist, „ 50 „ „13 Kolonisten. Von der gesamten Fläche sind bereits 1390 Dunam bepflanzt, zumeist mit Mandeln. Einige Kolonisten haben bereits ihren ganzen Besitz der Kultur unterworfen. Auch befinden sich in der Kolonie 9 Pferde und Maulesel. Der Wert der Häuser und Pflanzungen der Kolonie stellt sich zusammen auf über 68000 Frs. Die höchsten Vermögen der Kolonisten betragen 5500—6000 Frs.; die meisten liegen in der Mitte zwischen 2—3000 Frs. Diejenigen, die in der Lage sein werden, ihre Pflanzungen bis zur vollen Fruchttragung zu pflegen, werden nach einigen Jahren gewiß eine gesicherte Existenz besitzen, sobald sie aus ihren Pflanzungen regelmäßige Einnahmen beziehen werden. Das Vermögen stellt einen Wert dar in Francs: von 1000—1500 bei 4 Kolonisten, „ 1500—2000 „6 „ „ 2000—3000 „4 „ „ 3000—4000 „6 „ „ 4000—5000 „2 „ „ 5000—5850 „3 „ Pflanzungen in judäischen Kolonien Nach den von der A. P. C. gesammelten Angaben gehören einzelnen Kolonisten: Orangen- Mandel- Olivenpflanzungen pflanzungen pflanzungen (in Dunam) (in Dunam) (in Dunam) in Kastinie....... — 116 — „ Gederah (Katra) .... — 556 6 „ Wadi Chanin..... 443 238 — „ Rechowoth...... 418 1544 213 „ Petach-Tikwa..... 2389 2614 —

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