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Die Welt · 1909-10-22 · 43 (22.10.1909) · page 4

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
43 (22.10.1909)
Date
1909-10-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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bin es gewesen, der sich für diese Änderung eingesetzt hat. Ich habe schon früher gesagt, daß man Herzl ganz anders gegenübergetreten ist als mir. Bei Herzl war es selbstverständlich, daß er der Präsident war, auch ohne daß er vom Kongreß gewählt wurde. Bei mir war das gar nicht selbstverständlich. Das habe ich beim VII. Kongreß gesehen. Nachdem das Engere A. C. vom Kongreß gewählt worden war, stellte man mir plötzlich innerhalb des Aktionskomitees für meine Wahl zum Präsidenten eine Bedingung, von der bis dahin gar nicht die Rede gewesen war und von der ich absolut nichts wußte, nämlich, daß ein großes Bureau in Berlin errichtet werden müsse, und daß Vorsorge getroffen werden sollte, daß die beiden russischen Mitglieder in Berlin wohnen könnten. Ich befand mich damals in einer Zwangslage. Wäre ich auf diese Bedingungen nicht eingegangen, so wäre eine Krisis in der Leitung entstanden. Der Kongreß war bereits geschlossen und konnte nicht mehr befragt werden. Unter diesen Umständen war ich gezwungen, auf die Bedingungen einzugehen, aber ich sagte mir, daß etwas derartiges zum zweitenmal nicht wieder vorkommen dürfe. Der Kongreß darf Bedingungen stellen, das Engere A. C. durfte es nicht. Nun möchte ich noch meine Meinung über die angeregte Frage der Verlegung der Bureaus nach Berlin äußern. Als ich die Leitung übernahm, war ich entschieden dagegen. Nachdem aber heute die Bureaus hinreichend organisiert und gut eingerichtet sind, möchte ich mich einer solchen Verlegung nicht weiter prinzipiell widersetzen. Ich verkenne die Gründe nicht, die für Berlin sprechen. An und für sich wüßte ich ja gewiß noch einen viel bessern Ort für den Sitz der Leitung als Berlin, und ich kann nur wünschen, daß es uns recht bald gelingen möge, die Leitung dorthin zu überführen. Heute aber bietet Berlin sicher Vorteile, und wenn Sie darauf bestehen, könnte ja eventuell auch dieser Versuch gemacht werden. Ich stehe aber auf dem Standpunkte, daß Bureau und Leitung nicht getrennt werden dürfen, daß sie unbedingt an ein und demselben Platze sein müssen. Nachdem ich aber nicht in der Lage bin, meinen Wohnort zu verändern, müßte man eben in diesem Falle von meiner Person für die Präsidentenschaft absehen. Selbstverständlich würde ich auch in diesem Falle meine Kräfte auch weiterhin der Bewegung uneingeschränkt für die Abteilungen zur Verfügung stellen, in denen ich von Beginn der Bewegung an mit gearbeitet habe. Ich klebe ja nicht an der Präsidentenschaft. Das Interesse der Organisation ist Ihnen und mir viel wichtiger als irgendein persönlicher Ehrgeiz. Aus allem, was hier gesagt worden ist, geht hervor, daß die Frage der Organisation auf dem nächsten Kongreß eine große Rolle spielen muß. Die Erörterungen über die Wahl des Aktionskomitees usw., die hier gepflogen worden sind, werden sich ja zweifellos zu Veränderungen des Statuts verdichten. Ich bin aber der Meinung, daß auch noch andere Punkte, z. B. die Bestimmungen über die Bildung neuer Föderationen usw., abgeändert werden müssen. Jedenfalls wäre es nötig, die Frage der Änderung des Statuts bis zum Kongresse eingehend zu überlegen und möglichst ausführlich zu erörtern, damit wir zum Kongresse mit geklärten Meinungen kommen. Dr. Marmorek: Ich möchte warnen, die Einrichtung von Ressorts zur Durchführung zu bringen. Wenn ich den Inhalt der gestrigen Debatten zusammenfasse, so ist darin die Meinung zum Ausdruck gekommen, daß bisher eine großzügige Leitung gefehlt habe. Glauben Sie, daß dieses Großzügige in die Bewegung hineingebracht wird, wenn wir die einzelnen Herren auf ihre Ressorts beschränken, z. B. Herrn Prof. Warburg auf sein Palästina-Ressort? Auf diese Weise wird jede der leitenden Persönlichkeiten für sich arbeiten, so gut sie kann, aber das Großzügige wird dann nicht vorhanden sein. Die Herren, die die einzelnen Ressorts unter sich haben werden, werden keine einheitliche Leitung darstellen können. Was uns heute fehlt, ist der große Zug in der Leitung. Diesem Mangel können wir nur dadurch abhelfen, daß man eine Körperschaft bildet, die tatsächliche Arbeit leistet. Man muß sagen können, daß das Aktionskomitee den Kopf bildet, der unserer Bewegung über die Klippen hinweghilft, die sie überwinden muß. Herr Prof. Warburg z. B. hat aber für dergleichen kein Interesse. Er ist in Palästinaangelegenheiten sehr beschlagen, und seine Arbeit in dieser Richtung ist sehr wertvoll, aber das genügt doch nicht. Wie aber bekommen wir eine leitende Körperschaft? Das muß auf dem Kongresse erörtert werden, nachdem diese Körperschaft uns bisher gefehlt hat. Unter Herzl war diese Körperschaft vorhanden, und die Leitung war damals über alles orientiert. Man hat auch damals oft sogar Herzl Widerstand geleistet. Auch ich habe oft gegen ihn gesprochen und Dinge auf mich genommen, die oftmals für mich unangenehm waren. Eine solche Körperschaft muß wieder geschaffen werden, (sonst wird wieder nur kritisiert. Es muß aber auch nicht gerade nur dafür gesorgt werden, daß ein Herr aus Rußland und einer aus Galizien in der Leitung sitzt. Der Zionismus ist doch keine Landsmannschaftvertretung. Der Präsident der Leitung muß ein ganz entschiedenes Votum haben bei der Bestimmung, wer mit ihm arbeiten soll. Sie können nicht verlangen, daß er mit Leuten zusammenarbeitet, mit denen er nicht in großen Zügen übereinstimmt. Sie dürfen ihm seine Mitarbeiter nicht aufoktroieren. Die Herren müssen sich eben über alle großen Fragen am letzten Tage vor dem Kongreß schlüssig und klar werden, also darüber, was wir leisten wollen und welche Richtung wir einzuschlagen haben. Danach müssen dann die Wahlen vorgenommen werden. Darum möchte ich Sie ermahnen, lassen Sie sie sich bei den nächsten Wahlen nur von großen Gesichtspunkten leiten. Von den Gesichtspunkten, daß wir in große, neue Verhältnisse eingetreten, daß wir aus dem indifferenten Zionismus in den aktiven eingetreten sind. Unter Herzl hatten wir Aspirationen, die uns unsern Ruf verschafft haben. Jetzt gibt uns der türkische Staat den nötigen Nährboden. Wir müssen wissen, wo wir hinwollen, dann werden wir eine homogene, kräftige, leitende Körperschaft haben. Uns fehlt eine große, leitende' Körperschaft, und wir dürfen nicht fragen, ob die leitende Persönlichkeit ein Russe oder ein Galizier sein soll. Wir müssen eine Führung haben, die unsere Bewegung in das richtige Fahrwasser leitet. Marguli es: Ich bin der Ansicht, daß die Frage der Leitung ausschließlich eine Personenfrage und ferner eine Prinzipien- und Programmfrage ist. Wenn uns die Herren ihr Glaubensbekenntnis in bezug auf die zionistische Taktik vorher bekanntgeben, werden wir uns ein richtiges Bild von ihrer Eignung machen können. Dr. Bodenheimer bedauert, daß er verhindert war, von Anfang an der Beratung über das Statut beizuwohnen. Es ist über das Programm im allgemeinen gesprochen worden, über Personen und über allgemeine Fragen wegen der Leitung der Geschäfte, aber irgendwelche positiven Vorschläge zum Organisationsstatut habe ich nicht gehört. Ich ersehe höchstens eine gewisse Unzufriedenheit darüber, daß etwas Neues geschaffen werden soll. Das ist dasselbe Gefühl des Unbehagens, das wir haben, wenn wir von etwas Bekanntem zu etwas Unbekanntem übergehen sollen. Es fragt sich nun, ob es notwendig ist, grundlegende Grundsätze unsrer Organisation zu ändern oder nicht. Ich vertrete den Standpunkt, daß wesentliche Punkte unseres Statuts geändert werden müssen. Als die grundlegende Änderung betrachte ich den Vorschlag, an Stelle des einzelnen Schekelzahlers als Grundlage der Bewegung den Verein zu setzen. Man hat gesagt, das geht nicht wegen Rußland. In Rußland ist überhaupt keine Organisation auf regulärer Basis möglich. Rußland wird immer eine Ausnahme bilden. Am besten wäre es, wenn das A.-C. die Frage des Statuts erledigen würde. Wenn eine Kommission ein Statut ausarbeiten wird, werden sich immer mehr und mehr Leute finden, die mit diesem Entwurf nicht einverstanden sind, und dann wird der Kongreß diese Fragen von neuem erörtern müssen. Vielleicht ist es möglich, Herren in eine Kommission zu wählen, die ihren prinzipiellen Standpunkt nach den verschiedenen Richtungen hin vertreten können. Dann kann man sich innerhalb der Kommission auf eine mittlere Linie verständigen. Ich möchte vorschlagen, eine Kommission von fünf Mitgliedern zu bilden. Die Sitzungen müßten dann in Köln unter Mitarbeit des Herrn Präsidenten erfolgen. Wolffsohn: Wenn irgendwelche Änderung erfolgen soll, müssen dem Kongreß entsprechende Vorschläge gemacht werden. Eine Kommission von fünf Herren zu wählen, wird daran scheitern, daß nicht alle fünf Herren nach Köln kommen können. Meiner Ansicht nach wäre es das beste, eine ganz kleine Kommission einzusetzen, welche Vorschläge zu machen hat, die nach Ablauf von vier Wochen zur Veröffentlichung gelangen. Dazu können dann die A.-C.-Mitglieder Stellung nehmen. Wir kommen dann vor der Kongreßeröffnung zusammen, um zu sehen, was das Komitee dem A.-C. vorzuschlagen hat. Ussischkin: Man interessiert sich nicht für alle Paragraphen sondern nur für gewisse einzelne Punkte. Es handelt sich da nicht um eine radikale Änderung des ganzen Statuts, sondern um die Frage der Leitung. Die heutige Diskussion sollte in der „Welt" veröffentlicht werden, und dann sollten in der „Welt" die weitern Diskussionen eröffnet werden. Auf Grund dieser Diskussionen soll dann das A. C. dem Kongresse entsprechende Vorschläge machen. Dr. Margulies: Aus der Stimmung der heutigen Sitzung geht hervor, daß wir nicht die Absicht haben, ein neues Statut aufzustellen, sondern nur das alte in einzelnen Punkten abzuändern. Wolffsohn: Wir bleiben also bei dem Vorschlag, daß man die Diskussionen veröffentlichen und auffordern soll, dazu Stellung zu nehmen. Wir wollen auch den Entwurf Dr. Bodenheimers veröffentlichen. Wir werden also die ganze Diskussion veröffentlichen, die gemachten Änderungsvorschläge zu dem Entwurf Dr. Bodenheimers publizieren und sämtliche Zionisten, die ein Interesse an der Organisation haben, auffordern, ihre Meinung zu sagen. Auf

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