Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 43 (22.10.1909)
- Date
- 1909-10-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 43 - —--Ö\E% Kann: Das Große A. C. sollte nicht aus zu wenig Mitgliedern bestehen. Ihre Hauptbedeutung liegt in ihrem Wirken innerhalb ihres Landes. Die Länder, die nicht im A. C. vertreten sind, entbehren des kräftigen Impulses, der von den A. C.-Mitgliedern ausgeht oder ausgehen soll. Beim A. C. hängt alles davon ab, wer an der Spitze steht. Von der richtigen Wahl dieses Mannes hängt die gute Wirksamkeit der ganzen Leitung ab. Ich hätte nichts dagegen einzuwenden, daß ein Mann die ganze Leitung darstellt. Die Bedingung, daß drei Mitglieder des A. C. an einem Orte wohnen sollen, ist überflüssig. Denn es kommt doch nur auf die Arbeit des Vorsitzenden an. Levy Biel wünscht die Einführung des sogenannten ewigen Schekels. Es soll den Zionisten möglich gemacht werden, durch Zahlung eines einmaligen größern Betrages den Schekel im vorhinein auf Lebenszeit zu entrichten, Wolffsohn hält diese Einführung nicht für opportun, denn es könne vorkommen, daß der, der heute auf Grund des Schekels das ewige Wahlrecht besitzt, später der Bewegung gar nicht mehr angehöre und doch das Wahlrecht habe. Böhm. Ich wäre dafür, die Zahl der A.C.-Mitglieder nicht so niedrig festzusetzen. Die Mitglieder sollen auf Vorschlag der Landsmannschaften gewählt werden. Was das E. A. C. anbetrifft, muß bestimmt werden, daß mindestens drei Mitglieder des E. A. C. und darunter der Präsident an einem Orte wohnen müssen. Wir haben bisher keine Leitung, wir haben nur Mitglieder der Leitung, und die Einheitlichkeit ist gar nicht vorhanden. Daher mußte es kommen, daß die Verantwortung immer auf einen einzelnen fällt, der dann die Schuld zu tragen hat, weil er sich mit den andern Herren der Leitung nicht genügend hat verständigen können. Wenn aber die drei Leute ein Kollegium an einem Orte bilden, werden sie eine viel größere Autorität bilden. Ich möchte noch ersuchen, die Bestimmung wegen der Bildung der Föderation abzuändern, sonst werden unsere Landesorganisationen große Schwierigkeiten haben. Wir haben das bei den Poale Zion gesehen. Die Einrichtung von Föderationen bringt nicht einmal den Föderationen selbst Vorteil, das haben, wir ebenfalls an den Poale Zion gesehen. Früher haben sie in der Föderation immer opponiert und mitgearbeitet. Heute sind sie in ihrem kleinen Kreise eingesponnen, außer Zusammenhang mit der großen Bewegung und müssen daher verdorren. Die Bestimmung über die Bildung von Föderationen muß ganz fallen. Levin ist dafür, daß das E. A. C. aus 7 Mitgliedern besteht. Es ist ihm unverständlich, wie man in der heutigen demokratischen Zeit ernstlich daran denken kann, die ganze Bewegung in die Hände eines Mannes zu legen. Und bis jetzt hatte das E. A. C. eigentlich nur e i n Mitglied, Herrn Wolffsohn. Die beiden andern Herren haben ihre Spezialaufgaben zwar gewissenhaft erfüllt, an der Leitung haben sie keinen Anteil genommen. Es ist aber nicht nur gegen die demokratischen Grundlagen der Bewegung gehandelt, wenn ein Mann an der Spitze steht. Die Aufgabe ist für einen auch zu groß. Daher rührt doch die viele Kritik, über die man sich jetzt beklagt. Sodann muß in der Leitung Rußland unbedingt vertreten sein. Es wäre unsererseits sehr unvorsichtig, wenn wir Rußland übergehen würden. Wenn wir noch Leben im Zionismus haben, verdanken wir das den großen jüdischen Massen in Rußland, Dort ist der jüdische Geist immer lebendig. Wenn man Rußland ausschließt, wird überhaupt kein Leben mehr da sein. Wenn Rußland sich dem Parteifonds gegenüber indifferent verhalten hat, so ist daran der Umstand schuld, daß Rußland im E. A. C. keinen Platz gefunden hat. Rußland darf nicht aus dem E. A. C. ausgeschlossen werden, ebensowenig Österreich, auch nicht England. Wenn man einen Herrn aus Rußland hinzunimmt, einen aus Österreich usw. so haben wir wieder ein Kollegium, wie es zu Herzls Zeiten beisammen war. Man wird dann mehr Kräfte zur Verfügung haben. Dieses A. C. oder das Große A. C. werden dann einen Präsidenten wählen, das ist besser, als wenn der Kongreß diese Wahl vornimmt. Dieses Kollegium wird auch der Entfremdung zwischen den einzelnen Ländern entgegenwirken und dann wird auch bessere Arbeit geleistet werden. Sie müssen doch zugeben, daß sich die Verhältnisse radikal geändert haben. Man muß mehr Beweglichkeit in die Leitung hineinbringen. Wir müssen in allen Ländern arbeiten, Reisen machen usw. Mit einer Person allein geht das nicht. Es müssen meiner Ansicht nach sieben sein. Wolffsohn: Ich möchte nicht auf Theorien eingehen, ich will nur über die tatsächlichen Dinge sprechen. Denn ich habe ja in praktischer Hinsicht größere Erfahrungen als Sie alle, stehe ich doch, seitdem Herzl nicht mehr da ist, ununterbrochen in der Praxis der Leitung. Was das Große A. C. anlangt, so hat Herr Ussischkin ganz recht. Je größer die Zahl der Mitglieder, um so geringer seine :ELT - 935 Bedeutung. Herr Böhm hat sich dagegen gewandt, die Zahl der Mitglieder des Großen A. C. etwa auf 30 zu beschränken, und hat dies damit motiviert, daß die einzelnen Länder im A. C. vertreten sein müssen. Das aber ist gerade der Fehler. Sehen Sie doch, wieviel Mitglieder des A. C. zur heutigen Sitzung gekommen sind, und betrachten Sie, aus welchen Ländern sie kommen. Bei der vorigen Sitzung waren zum Teil andere Herren und auch aus andern Ländern da. Daher kommt es dann, daß die eine Sitzung unter Umständen ganz andere Beschlüsse faßt als die vorhergehende, weil eben immer wieder ganz andere Teilnehmer zugegen sind. Der heutige Wahlmodus für das Große A. C. ist jedenfalls ganz verkehrt. Man wählt nicht nach den Qualitäten der Leute, man wählt nach den Vorschlägen der Landsmannschaften, und der Kongreß hat kaum Zeit und Gelegenheit, sich zu vergewissern, ob diese Vorschläge auch wirklich den Interessen der Bewegung entsprechen. Auf diese Weise fehlt tatsächlich jede Kontrolle darüber, ob die vorgeschlagenen Personen auch wirklich die Eigenschaften besitzen, die zur Wahl zum A. C. notwendig sind. Heute entscheiden fast nur lokale und Parteirücksichten. Anderseits ist es natürlich unbedingt erforderlich, daß die Vorsitzenden der Landesorganisationen dem A. C. angehören, sonst ka.nn der Fall eintreten, wie es tatsächlich früher vorgekommen ist, daß die Leitung einer Landesorganisation außer jedem Konnex mit dem A. C. steht. Der Hauptfehler des heutigen Verfahrens ist, daß wir dadurch Leute in die Leitung bekommen, die zwar sehr ehrenwert sind und auch sonst ihre großen Vorzüge haben mögen, die aber praktisch nicht in der Lage sind, mitzuarbeiten. Dadurch kommt es dann wieder, daß sie die meisten Dinge gar nicht kennen lernen und nachher ganz uninformiert sind. Was das E. A. C. anlangt, so sehen die Vorschläge des Herrn Dr. Levin an und für sich gar nicht so übel aus. In Wirklichkeit aber habe ich die Erfahrung gemacht, daß es ganz unmöglich ist, mit 7 Mitgliedern zusammen zu arbeiten. Die Mitglieder sind in der ganzen Welt zerstreut und können beim besten Willen doch nur recht selten zusammenkommen. Die schriftliche Information genügt natürlich bei weitem nicht. Daher ist es natürlich auch bei diesem System so, daß faktisch die Leitung in einer Hand ruht. Und selbst als in Wien unter Herzl die 5 Mitglieder in einer Stadt gewohnt haben, verstummte nicht die Klage über das autokra.tische System Herzls. Ich will mich gewiß nicht mit Herzl vergleichen, man tritt mir ja auch ganz anders gegenüber als Herzl. Man sollte aber doch diese Erinnerung nicht außeracht lassen. Sie sagen, Rußland und Österreich müsse in der Leitung vertreten sein. Wir haben aber doch weder russische noch österreichische Interessen wahrzunehmen, nicht die Interessen irgendeines Landes, wir haben nur allgemein-zionistische Interessen. Sie wollen doch in Wirklichkeit auch nicht Ehrenämter schaffen, Sie wollen, daß besser gearbeitet wird. Das erreichen Sie aber nicht, indem Sie sich von Theorien leiten lassen, das erreichen Sie nur, wenn Sie solche Leute in die Leitung wählen, die arbeiten und miteinander arbeiten können. Bei dem heutigen System war es immerhin möglich, öfters zusammenzukommen, auch die Korrespondenz mit 2 Herren war leicht zu bewerkstelligen. Wenn Sie 7 Mitglieder haben, und immer anfragen müssen, so bekommen Sie 6 verschiedene Antworten. Entweder muß man dann wieder rückfragen, oder man muß die Entscheidung doch selbständig treffen. Diesem System könnte allenfalls dadurch Abhülfe geschaffen werden, daß wir Ressorts schaffen. Jedes Mitglied hat dann ein bestimmtes Ressort zu verwalten und ist dafür verantwortlich. Und dann müssen natürlich dafür solche Herren gewählt werden, die auch in der Lage sind, ein solches Ressort praktisch zu leiten und die nicht, wie es früher war, nur Ratgeber, sondern wirkliche Mitarbeiter sind. Es genügt nicht, daß Sie Herren wählen, die vielleicht würdiger und berufener sind, als die jetzigen Mitglieder des E. A. C. Notwendig ist, daß die Herren auch für die Leitung wirklich in Betracht kommen. Sie sagen, Sie fühlen die Leitung nicht. Und doch üben Sie so scharfe Kritik, daß sie zu selbständig ist. Sie sagen, wir wissen hier nicht, was in Rußland vorgeht. Steht denn unser Generalsekretär Herr Sokolow nicht in der engsten Verbindung mit Rußland? Und für die anderen Dinge ist ja noch Herr Dr. Bodenheimer hier, dessen Rat ich bei allen wichtigen Fragen zuziehe. Der Idealzustand wäre natürlich, wenn wir an der Spitze der Bewegung ausschließlich solche Männer hätten, die sich den zionistischen Arbeiten voll und ganz widmen könnten und nicht noch irgendeinem Beruf nachgehen müßten, Kräfte, die dann natürlich auch honoriert werden müßten. Bis dahin aber werden wir uns damit helfen müssen, daß wir die Arbeit der Leitung ressortweise verteilen. Herr Ussischkin hat sich dagegen gewandt, daß auf dem VIII. Kongreß der Präsident vom Kongreß und nicht, wie es bis dahin üblich war, vom Aktionskomitee gewählt worden ist. Ich selbst 1*