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Die Welt · 1909-10-15 · 42 (15.10.1909) · page 17

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
42 (15.10.1909)
Date
1909-10-15
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Polizeiliche Erlaubnis für „Sukkoth" Aus Kiew wird der „N. J. K." von ihrem dortigen Korrespondenten geschrieben: Unser Polizeipräsident hat vor dem diesjährigen Sukkoth-Feste plötzlich ein besonderes Interesse für die jüdischen Laubhütten bekommen und einen Befehl erlassen, daß solche nur mit jedesmaliger polizeilicher Genehmigung errichtet werden dürfen. Die „erlaubten" Sukkoth müssen so gebaut sein, daß sie von der Straße nicht zu sehen sind. ... Kiew galt immer als eine „heiTge Stadt". Ihr gottgeweihtes Straßenbild soll deshalb vom Anblick der jüdischen Laubhütten nicht beeinträchtigt werden. „More iudaico" in Kroatien Zu den wenigen Ländern, in denen noch Reste des mittelalterlichen Eides „more iudaico" existieren, zählt auch Kroatien. Während der Nichtjude seinen Eid bloß mit den Worten: „Also helfe mir Gott" beteuert, müssen die Juden, laut Hofdekret vom Jahre 1846, eine mystische Eidesformel hersagen, und wenn es die Verhältnisse erheischen, erscheint auch ein Rabbiner im Ornate, um diese S^ene noch unerquicklicher zu gestalten. Die Unhaltbarkeit dieser, für das Judentum so entwürdigenden Zeremonie haben auch die kroatischen Richter erkannt, und in der Praxis wird der Jude gleich dem Nichtjuden beeidet. Immerhin läuft jeder Jude Gefahr, von einem pedanten Richter zur Eidesleistung „rnore iudaico" aufgefordert zu werden. Obwohl das Gesetz vom Jahre 1873 und das interkonfessionelle Gesetz vom Jahre 1906 die Gleichberechtigung der Juden garantieren, und somit das Hofdreket, den Judeneid betreffend, außer Kraft setzen, so hat die Reg:erung noch immer keine Verordnung, die den Judeneid endgültig verwirft, erlassen. Alle von den jüdischen Kuliusgerneiden in dieser Angelegenheit unternommenen Schritte blieben bisher ei folglos. Um aber d'ese Angelegenheit aktuell zu machen, veröffentlichte unlängst unser Gg. Dr. L. Schick im kroatischen Amtsblatte „Narodne novine* einen Artikel, in welchem er unter Hinweis auf die Gleichberechtigungsgesetze die Gleichstellung der Juden vor dem Gerichte fordert und an die Regierung um Abschaffung des „more iudaico" appelliert — Hoffentlich wird dieser vortreffliche Artikel die Judenschaft Kroatiens zu einer erneuten energischen Aktion für die Entfernung des Judeneides aus den Gerichtssälen bewegen. Marokkanische Greuel Aus Tanger wird der „N. J. K." von ihrem dortigen Korrespondenten geschrieben: Im Reiche Mulay Hafids bleibt den bedrückten Juden der traurige Trost, daß sich die Bestie im Menschen hier auch gelegentlich gegen die Bekenner anderer Konfessionen denn der jüdischen richtet. Nur mit dem Unterschied, daß in diesem Falle die Protestnoten der abendländischen Mächte nicht lange auf sich warten lassen, während nach den Bedrückungen, denen hier wie anderswo die jüdische Bevölkerung seit langen Jahren ausgesetzt wird, kein Hahn kräht. Über einen empörenden Vorfall, der den Großwesir des Sultans zum Urheber hat, ist auch heute wieder zu berichten: Am Abend vor dem Roschhaschana-Fest benötigte man im kaiserlichen Palaste einige Matratzen machen Es wurde ins Judenviertel geschickt und einige Handwerker zu Hofe beordert. Die Juden wendeten ein, daß das Neujahrsfest begonnen habe, und daß ihre religiösen Vorschriften ihnen die Arbeit am Festtage verböten. Das rührte den Kämmerer wenig. Er ließ die Juden in Ketten legen und so die Nacht hindurch ihre Arbeit verrichten. Einer von ihnen, der sich aufsässig zeigte, wurde in grausamer Weise mit Stöcken geprügelt. Der Großwesir, der als rechtlich denkender Mann bekannt ist, versprach auf Ansuchen der Beschwerdeführer beim Sultan vorstellig zu werden, machte aber wenig Hoffnung, daß es ihnen gelingen werde, gegen den -nächtigen Einfluß, den der Kämmerer bei Hofe genieße, aufzukommen. Ein neuer Protest gegen Williams Aus New York wird der „N. ,J. K." von ihrem dortigen Korrespondenten geschrieben: Der hiesige Rechtsanwalt Huschkin hat im Auftrage von einigen jüdischen Gesellschaften in Brooklyn einen Protest gegen den Einwanderungskommissar auf Ellis-Island, William Williams, an den Handelsminister gerichtet. Im Protest wird darauf hingewiesen, daß Williams zur Einschränkung der Inimigration solche Maßnahmen anwendet, die im Parlament vorgeschlagen und von diesem ausdrücklich verworfen worden sind. Hoffentlich wird der Minister dem Kommissar klar machen, daß er kein Autokrat sei und nicht über den Gesetzen stehe. Aufruf! Unsere P. T. Leser werden höfl. darauf aufmerksam gemacht, daß die Zusendung des Blattes mit der nächsten Nummer an alle jene Abonnenten eingestellt wird, die mit der Einzahlung des Abonnements für das laufende Quartal noch im Rückstände sind. Wir ersuchen demnach um unverzügliche Erneuerung des Abonnements. Auf vielfache Anfragen bringen wir nochmals zur Kenntnis, daß sowohl die regelmäßigen, wie auch die ab i. Oktober a. c. neueintretenden Abonnenten, die während des IX. Kongresses erscheinende Tägliche Separat-Ausgabe der „Welt" vollständig kostenlos erhalten. Wir ersuchen unsere Leser und Gesinnungsgenossen, insbesondere aber die zionistischen Vereine und Vertrauensmänner in allen Ländern eine rege Propaganda zur Gewinnung von Abonnements für unser Blatt einzuleiten. Wie in den früheren Jahren, werden auch diesmal spezielle Abonnements für die Separat-Ausgabe entgegengenommen. 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