Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 42 (15.10.1909)
- Date
- 1909-10-15
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Gleiwitz. Dr. N. Netter, Oberrabbiner von Lothringen in Metz. Dr. Peritz, Rabbiner in Liegnitz. Dr. Perlitz, Rabbiner in Nakel. Dr. Pick, Rabbiner in Straßburg W./Pr. D. Rau, Rabbiner in Pleß. Dr. M. Rawicz, Bezirksrabbiner in Offenburg. Dr. Rosenberg, Rabbiner in Thorn. Dr. F. Rosenthal, Rabbiner in Breslau. Dr. Ludwig Rosenthal, Rabbiner in Köln a. Rh. Dr. Salzberger, Rabbiner in Erfurt. Dr. Sander, Großh. Provinzialrabbiner in Gießen. Dr. Silberstein, Rabbiner in Elbing. Dr. Stein, Rabbiner in Worms. Dr. Stier, Rabbiner in Berlin. Dr. Theodor, Rabbiner in Bojanowo. Dr. Treitel, Bezirksrabbiner in Laupheim. Dr. Ungerleider, Rabbiner in Berlin. Dr. Walther, Herzogl. Anhaltischer Landesrabbiner in Dessau. Dr. Weiße, Rabbiner in Berlin. Dr. Werner, Rabbiner in München. Dr. Wolff, Rabbiner in Bischheim i. Eis. Dr. Zimels, Rabbiner in Karlsruhe i. B. Dr. M. S. Zuckermandel, Rabbitier des Mora Leipzigerschen Beth-Hamidrasch in Breslau. Hilfsverein der Deutschen Juden Am 20. September fand unter Vorsitz des Herrn James Simon eine Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses des Hilfs Vereins der Deutschen Juden statt, der Herr Direktor Ephraim Cohn aus Jerusalem als Gast beiwohnte. Es wurde eine Reihe von Bewilligungen für Zwecke der Auswandererfürsorge und für Schulen in Deutschland, der Schweiz, Bulgarien, Galizien, Rumänien, Rußland, der europäischen und asiatischen Türkei vollzogen. Unter anderm erhielt der „Bezalel" neuerlich eine Subvention zugesagt. Ferner fand das Tätigkeitsgebiet des Hilfsvereins durch Neubewilligungen wieder eine Erweiterung. Einem lebhaft empfundenen Bedürfnis ist durch die Bewilligung von Mitteln für Kindergärtnerinnenkurse in Jerusalem abgeholfen worden. Infolge der großen Ausdehnung, die das vom Hilfsverein der Deutschen Juden inaugurierte Kindergartenwesen im Orient gewonnen hat, und im Hinblick auf die Erweiterung, die demselben noch bevorsteht, hat sich die Notwendigkeit herausgestellt, Kindergärtnerinnen aus dem Orient heranzubilden. Die immer weitere Heranziehung einheimischer Elemente zu der schönen und fruchtbaren Aufgabe, die Vorerziehung der jungen Generation für die Schule und die Entwicklung ihrer Kräfte und Triebe zu leiten, ist nach vielen Richtungen hin von hohem praktischem und ideellem Werte. Zur speziellen Begründung des Antrages betreffend Errichtung von Kindergärtnerinnenkursen in Jerusalem machte Herr Direktor E. Cohn die folgenden Ausführungen, die von allgemeinerem Interesse sind, weil sie zugleich die Entwicklung der Schulverhältnisse in Palästina beleuchten, und die deshalb auszugsweise wiedergegeben seien. „Es ist schwer," so führte Herr Direktor Cohn aus, „geeignete Kindergärtnerinnen aus Europa, die den Bedürfnissen des. Orients, insbesondere in bezug auf ausreichende Kenntnisse in der hebräischen Sprache, entsprechen, zu gewinnen. In den Kindergärten in Palästina kann aus praktischen und pädagogischen Gründen einzig und allein das Hebräische in Betracht kommen. Wegen der Vielsprachigkeit der Juden in Palästina, die aus aller Herren Ländern stammen, ist eine Einheitssprache nötig, und diese kann nach den gegebenen Verhältnissen nur hebräisch sein. Auch andere Organisationen erkennen dies vollkommen an. So ist beispielsweise in sämtlichen jüdischen Kolonien Palästinas, die bekanntlich zum großen Teile der Administration der Ika unterstehen, Unterrichts- und Umgangssprache in den Kindergärten ausschließlich hebräisch. Schon jetzt sind in Palästina die meisten Kindergärtnerinnen Palästinenserinnen. Es besteht aber noch ein dringendes Bedürfnis nach Vermehrung der heimischen Kräfte. Zur Teilnahme an den Kindergärtnerinnenkursen werden außer den bereits in Kindergärten tätigen Hilfskräften namentlich die Absolventinnen aus der Mädchenschule des Hilfsvereins herangezogen werden. Der Kursus wird zunächst auf etwa 20 Schülerinnen zu rechnen haben." Herr Direktor Ephraim Cohn gab alsdann noch einen kurzen Überblick über die Entwicklung des Schul- und Erziehungswerks des Hilfsvereins der Deutschen Juden in Palästina, insbesondere in Jerusalem, aus dem nur folgendes angeführt sei: „Der Hilfsverein unterhält und unterstützt in Palästina an 20 Institute mit nahezu 2000 Zöglingen. Die Leistungen des Hilfsvereins werden von allen Seiten anerkannt; auch die Alliancekonimission hat in spontaner Weise gelegentlich ihrer Anwesenheit in Jerusalem ihre lebhafte Anerkennung über die dortigen Anstalten des Hilfsvereins der Deutschen Juden, die sie besucht hat, Lehrerseminar, Mädchenschule und auch die Lämelschule, zum Ausdruck gebracht. Etwa 20 Lehrer sind bisher aus dem Seminar, das im Jahre 1904 begründet wurde, hervorgegangen. Auch in den Kolonien beginnt sich die Tätigkeit des Hilfsvereins bereits segensreich bemerkbar zu machen. Die Kolonieschule in Rechowoth, die früher infolge von Streitigkeiten in der Gemeinde nicht gedeihen konnte, befindet sich in bester Blüte, seitdem drei Lehrer des Hilfsvereins an derselben tätig sind. Die mit dem Lehrerseminar in Jerusalem teilweise kombinierte Handelsrealschule wird im nächsten Frühjahr die ersten Abiturienten entlassen können. In Jerusalem selbst werden die vom Hilfsverein subventionierten oder ganz unterhaltenen Anstalten von etwa 1000 Zöglingen besucht. Es sind drei Kindergärten vorhanden, eine Mädchenschule, ein Mädchenheim und die Lämelschule, die mit dem Werke des Hilfsvereins eng verbunden ist. Die Mädchenschule hat eine besonders schnelle und erfreuliche Entwicklung genommen. Sie hat beinahe schon die Besuchsziffer der Lämelschule erreicht, zu der sie eine Art Parallelinstitut ist." Der geschäftsführende Ausschuß nahm mit Genugtuung von dem Bericht des Herrn Direktors Cohn über die Entwicklung des Schulwerks des Hilfsvereins in Palästina Kenntnis; insbesondere gelangte die Befriedigung darüber zum Ausdruck, daß sich die prinzipiellen Grundlagen, die der Hilfsverein seinem Schul werk in Palästina in bezug auf den Sprachunterricht durch die Berücksichtigung des Hebräischen und der Landessprachen von Anfang an gegeben hat, bewährt haben, und dasselbe somit den Bedürfnissen des praktischen Lebens in jeder Beziehung entspricht. Schließlich erfolgte noch eine Reihe von Bewilligungen für notleidende Städte und Institute in Rußland. Galizien (Von unserm Berichterstatter) Also sprach Minister Haerdtl! Die in Fluß geratene Frage der Bildung * eines jüdischen Katasters in der Bukowina ist nicht zur Ruhe gekommen. Die offenen und versteckten Feinde der gerechten Judensache arbeiten mit mephistophelischer Freude am Zerstörungswerk, denn sonst müßten sie doch selbst zugrunde gehen, und dies läßt nicht ihr politischer Instinkt zu. Die wahrscheinlich von der Regierung selbst inspirierte Stellung der Wiener „Neuen Freien Presse" wird von allen Widersachern als Widerlegung der „anmaßlichen" Forderungen zionistischer Hitzköpfe gepriesen. Von der andern Seite ruhen nicht die Vertreter der Jüdischnationalen. — Eine Deputation des Jüdischen Nationalvereins in Wien, an deren Spitze die Herren Dr. Jakob Kohn, Adolf Böhm und Dr. Pollack standen, begab sich vorige Woche zum Minister des Innern, Baron Haerdtl, um ihm ein Memorandum in der Frage des jüdischen Katasters vorzulegen. Klassisch war die Antwort dieses par excellence österreichischen Beamtenmannes. Mephisto, aller Zyniker gekröntes Haupt, hätte ihn vor Freude auf die Stirn geküßt. Der jüdische Kataster wäre — also sprach der Herr Minister — ein Beweis, daß wir Rechte Gruppen, die auf nur konfessioneller Basis stehen, gewähren; wäre ein Ausnahmegesetz, das nicht in den 67er Staatsgrundgesetzen vorgesehen. Ja, noch mehr, das Ausland möchte darin geradezu einen feindlichen Akt erblicken, der in Einschachtelung der Juden in einem Fach gipfelt. Er lachte wahrscheinlich allein im Geiste, während er diese Worte sprach, und beglückwünschte sich zu diesem zynischklugen Ausweg. — Abgeordneter Dr. Straucher, Mitglied des Permanentausschusses des Bukowinaer Landtages und verdienstvoller Kämpfer für den jüdischen Kataster, arbeitet mit ungebrochener Tatkraft an der Erhaltung des ursprünglichen Entwurfes. Die Kommission schritt inzwischen schon zur Frage der Aufteilung der Mandate, und so müßten auch die Juden mit den Deutschen, als Katasternachbarn, einig werden; allein Dr. Straucher will nichts wissen von einem kastrierten Kataster. Die Chancen der jüdischen Sache sind indes sehr geringe. Wird die Regierung den Protest der jüdischen Bevölkerung Bulcowinas und Galiziens hören wollen? Sie hat volle Hände zu tun, doch kann eine taktische, kluge Stellung des Jüdischen Klubs im Parlament die Sache vielleicht um einen Schritt weiter bringen. Das Abgeordnetenhaus ist für den 20. d. M. einberufen, die Stellung des Jüdischen Klubs ist zu erwarten. Volkshaus — Studentenheim. Zwei Tatsachen sind hier zu verzeichnen. In Brody, mit seiner jüdischen Majorität ist am 3. d. M. ein neues jüdisches Haus der Öffentlichkeit übergeben worden, das natürlich von den Zionisten erbaut wurde. An der Feier der Eröffnung beteiligten sich die Abgeordneten Adolf Stand, Dr. Gabel, viele Mitglieder des Zentralkomitees der Vereine. Es liefen viele Begrüßungsschreiben ein, darunter vom Präsidenten, Herrn David Wolffsohn, vom Ingenieur Ussischkin u. a. Am 10. d. M. ist das jüdische Studentenheim in Lemberg feierlich eröffnet worden. Dem unermüdlichen Streben und besondern Energie des Herrn Dr. Sommerstain ist es zu danken