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Die Welt · 1909-10-15 · 42 (15.10.1909) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
42 (15.10.1909)
Date
1909-10-15
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Konsequenz sprach Rednerin von der Wichtigkeit der gegenwärtigen Palästinaarbeit und forderte das in großen Massen mit Eifer lauschende Publikum zur moralischen und materiellen Beteiligung an dem erlösenden Werke. Im zweiten Vortrag sprach Genossin Pevsner über die Kunstgewerbeschule „Bezalel" und ihre Bedeutung als Förderin der neu erwachenden jüdischen Kunst im allgemeinen und als Bekämpferin der unter den palästinensischen Juden durch die Mißverhältnisse stark noch entwickelten Schnorrerpsychologie im besondern. — Der Appell der Rednenn an das in Hunderten erschienene Publikum, dem Bezalelverein beizutreten und hierdurch die Möglichkeit zu bieten, daß die Aufgabe der Bezalelschule gelöst werde, wurde mit großer Begeisterung entgegengenommen und auch in klingender Münze bekräftigt. Dem Bezalelverein sind 95 zahlende Mitglieder beigetreten, und nach dem Vortrag sammelte noch die Rednerin über 1000 Frcs. für Bezalelzwecke. Am selben Abend wurde der gegenwärtige Stand des „Bezalel" durch schön ausgeführte Lichtbilder beleuchtet. — In ihrer weitem agitatorischen Tournee folgte Genossin Pevsner der Einladung der in Brüssel in der Bildung begriffenen zionistischen Organisation. Vor einem massenhaft erschienenen Publikum sprach Genossin Pevsner in zwei Vorträgen über die jüdische Frage und ihre Lösung. Auch hier betonte sie die Bedeutung der heutigen Gegenwartsarbeit in Palästina. Rednerin gab dabei eine kurze, genaue Skizze der bisherigen zionistischen Leistung, die im Verhältnis zum allgemein unter dem Judentum leider noch sehr stark herrschenden Indifferentismus wohl als eine grandiose betrachtet werden muß, die aber ihrem Zweck noch bei weitem nicht entspricht. Mit begeisternden Worten forderte die Vortragende das noch wenig zionistisch-bewußte Judentum in Brüssel zur Solidarität und legte somit den Grundstein zu der sich daselbst gründenden Organisation. Bemerkenswert ist die Begeisterung, mit der die Zuhörerschaft die Lichtbilder der Bezalelschule aufgenommen hat. — c ooooooooo s^sr NACHRICHTEN OOOOOOOOO Deutschland Freie jüdische Vereinigung Folgender Aufruf geht uns mit der Bitte um Abdruck zu: Die religiösen Unterschiede innerhalb der jüdischen Gemeinden unseres Vaterlandes, die in den letzten Jahrzehnten an Schärfe verloren hatten, haben neuerdings Formen angenommen, welche die Einheit der deutschen Judenheit bedrohen. Auf der einen Seite haben sich Vertreter der strengsten Observanz verbunden, welche die Anwendbarkeit des Gesetzes der geschichtlichen Entwicklung auf das Judentum grundsätzlich in Abrede stellen und darum alle Zugeständnisse an die moderne Zeit abweisen und sich immer mehr von der Mitarbeit an den gemeinsamen Aufgaben der deutschen Judenheit abwenden. Auf der andern Seite hat sich unter dem Schlagwort .des Liberalismus ein Verband gebildet, dessen Programm die Verbindlichkeit der Bibel und der Tradition nur insoweit anerkennen will, als diese Quellenschriften mit dem Leben im Einklang stehen. Die Religion sojl sich somit vom Leben meistern lassen und nicht mehr das heilige Ideal sein, das berufen ist, das Leben zu meistern. Vorübergehenden Zeitströmungen und wissenschaftlichen Hypothesen, die mit Unrecht als gescheiterte Ergebnisse der Wissenschaft ausgegeben werden, und überdies zumeist außerhalb des Judentums aufgetaucht und gegen dasselbe gerichtet sind, soll die durch Jahrtausende bewährte Kraft unseres Religionsgesetzes geopfert werden. Selbst in die Schule und in das Gotteshaus sollen diese verhängnisvollen Lehren hineingetragen werden. Die Jugend soll durch die Verkündigung haltloser Behauptungen über unser heiliges Schrifttum verwirrt, ja es soll selbst der Religionsunterricht dem oft unreligiösen Charakter des Familienhauses entsprechend erteilt werden. In den Synagogen soll die hebräische, die Juden der ganzen Welt vereinigende Sprache noch weiter zurückgedrängt werden. Die Gemüter werden durch radikale Reformpläne, über deren Unwirksamkeit die Geschichte längst ihr Urteil gefällt hat, beunruhigt; die Eintracht im Innern, deren wir heute dringender als je bedürfen, wird gefährdet; die Schar derjenigen, welche der Religion entfremdet sind, wird durch solche, das Pietätsgefühl schwer verletzende Mittel nicht verringert, sondern vermehrt. Als in den ersten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts derartige extreme Bestrebungen sich zuerst bemerkbar machten, traten ihnen alsbald hervorragende Männer entgegen, welche Entscheidungen über Fragen des religiösen Lebens nur auf Grund sorgfältiger, historisch-wissenschaftlicher Forschung für zulässig erklärten. Sie haben dadurch die drohende Gefahr einer tiefen Zerklüftung von der deutschen Judenheit abgewehrt und auf die Ausgestaltung ihres inneren Lebens einen maßgebenden Einfluß gewonnen. Im Geiste dieser vorbildlichen Meister wollen wir angesichts der Erscheinungen der jüngsten Gegenwart eine Verbindung unserer Gesinnungsgenossen unter dem Namen „Freie jüdische Vereinigung" ins Leben rufen. Wir wollen danach trachten, der Religion ihre Macht über die Gemüter wieder zu gewinnen, damit sie wie in den Tagen unserer Väter das Leben wieder heilige und verkläre. Wir wollen die Einheit in den Gemeinden erhalten und nicht den Zwiespalt in' ihnen noch erweitern; wir wollen die Autorität der Quellenschriften unserer Religion nicht erschüttern, und unser Judentum nicht zum Spielball jeder moderner Strömung machen lassen; wir wollen das jüdische Bewußtsein stärken. Bei aller Treue gegen die Heiligtümer unserer Väter dürfen und wollen wir uns jedoch auch den Ansprüchen der Zeit nicht verschließen, soweit diese dem Wesen unseres Bekenntnisses nicht widersprechen. Durchdrungen von der Erkenntnis, daß die Wissenschaft des Judentums das Leben des Judentums bedeutet, wollen wir sie pflegen und fördern. Sie soll uns bei den auf die Gestaltung des modernen jüdischen Lebens gerichteten Bestrebungen den Weg für unsere Wirksamkeit weisen. Wir wollen die Partei der Versöhnung sein, die Partei, welche die durch die Geschichte bestätigte Wahrheit vertritt, daß nicht Willkür, sondern Treue, nicht Niederreißen, sondern Aufbauen, nicht Trennung, sondern Verbindung in unserer Zeit uns helfen kann; die Partei, die weiß, was die Gegenwart verlangt, aber auch weiß, daß die Gegenwart ihrem Wesen nach die Vergangenheit, aus der sie hervorgewachsen ist, nicht verleugnen darf; die Partei, die eine Spaltung der Judenheit verhüten will. Wir wissen, wie schwierig es ist, in unserer von Gegensätzen zerrissenen Zeit solche Ideale zu verwirklichen. Aber in Anbetracht der drohenden Gefahr, halten wir es für unsere heilige Pflicht, uns zu vereinigen, um aufklärend und belehrend, mahnend und warnend zu wirken. Wir wollen dafür sorgen, daß unsere Kinder als moderne Menschen erzogen werden, daß ihnen aber auch das Erbe unserer Väter unangetastet übergeben werde. Wir wollen unsere ganze Kraft dafür einsetzen, daß Wahrheit und Frieden in den Gemeinden der deutschen Judenheit gefördert werde. Wir wollen ein Werk des Friedens, und jeder, der an diesem Friedens werke mitarbeiten will, sei uns willkommen! Dr. Beermann, Kreisrabbiner in Insterburg. Dr. Behrens, Rabbiner in Göttingen. Dr. Berger, Rabbiner in Krotoschin. Dr. Biram, Rabbiner in Hirschberg i. Schi. F. Blum, Rabbiner in Mühlhausen i. Eis. Dr. Brann, Dozent am jüdisch-theolog. Seminar in Breslau. Dr. Deutsch, Rabbiner in Breslau. Dr. Doctor, Landrabbiner in Kassel. M. Ellguther, Rabbiner in Neiße. Dr. Elbogen, Dozent an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. Dr. Jos. Eschelbacher, Rabbiner in Berlin. Dr. Max Eschelbacher, Bezirksrabbiner in Bruchsal. Dr. F. Feilchenfeld, Landesrabbiner in Schwerin i. M. D. J. Finkelscherer, Rabbiner in München. Dr. Flaschner, Rabbiner in Bernburg. Leo Fränckel, Herzogl. Landesrabbiner in Meiningen. Dr. Frank, Rabbiner in Köln a. Rh. Dr. S. Freund, Rabbiner in Hannover. Dr. Friedmann, Rabbiner in Lublinitz. Dr. Grabowski, Rabbiner in Barmen. Dr. Gronemann, Landrabbiner in Hannover. Dr. Groß, Stadt- und Distriktsrabbiner in Augsburg. Dr. Grünthal, Rabbiner in Pinne. Dr. M. Guttmann, Rabbiner in Culm a. W. Dr. Horovitz, Dozent am jüdisch-theolog. Seminar in Breslau. Dr. Jaraczewski, Bezirksrabbiner in Mühringen. L. Kahn, Bezirksrabbiner in Heilbronn. Dr. Knoller, Direktor der Bildungsanstalt für jüdische Lehrer in Hannover. Dr. Kopfstein, Rabbiner in Beuthen O.-S. Dr. M. Krakauer, Stiftsrabbiner in Breslau. Dr. Th. Kroner, Kirchenrat und Stadlrabbiner in Stuttgart. Dr. H. Kroner, Bezirksrabbiner in Oberdorf. Dr. Kuschnitzki, Stadtrabbiner in Bayreuth. Dr. W. Landsberg, Bezirksrabbiner in Kaiserslautern. Dr. J. Levy, Rabbiner in Brumath. M. Levy, Rabbiner in Hagenau i. Eis. Dr. Lewinsky, Landrabbiner in Hildesheim. Dr. Loewy, Rabbiner in Graudenz. Dr. V. Marx, Rabbiner in Westhoven i. Eis. Dr. B. Meyer, Rabbiner in Thann i. Eis. Dr. W. Münz, Rabbiner in

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