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Die Welt · 1909-10-15 · 42 (15.10.1909) · page 8

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
42 (15.10.1909)
Date
1909-10-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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916 DiEl^E LT No. 42 No. mäßig bestellten Flächen erfordert, wo also der Anteil des einzelnen an Anstrengung und Erfolg nicht ausgeschieden werden kann, da scheint der genossenschaftliche Großbetrieb viel größere technische und soziale Vorteile darzubieten als die eben besprochene Form. Er behält hier alle die Vorteile,, die er jetzt schon voraushat, und erwirbt dazu den Vorteil einer wenigstens annähernd ebenso intensiven und sorgsamen Arbeitsleistung, wie sie jetzt nur der kleine* Betrieb besitzt. In der Tat haben denn auch alle Versuche, von denen die Wirtschaftsgeschichte weiß, ergeben, daß beim genossenschaftlichen Großbetrieb, und sogar schon bei der Gewinnbeteiligung der Landarbeiter, die Leistung der Arbeiterschaft nach Maß und Qualität unvergleichlich höher stand, als man irgend erwartet hatte, und daß die Rentabilität des Betriebes entsprechend hoch war. Nur darf aus den unter 1 angeführten Gründen die Teilung des Ertrages zwischen den Genossen nicht etwa die kommunistische sein, sondern die Entlohnung hat streng nach der Leistung zu erfolgen, d. h. sie hat nicht nur die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden, sondern auch noch die Qualität zu bewerten. Das kann durch Festsetzung höherer Einheitsstundenlöhne für besonders tüchtige Genossen, durch Tantiemen, Prämien und alle die andern Methoden der modernen Entlohnung geschehen; diese Löhne müssen als Vorschüsse zur Auszahlung gelangen, und auch der dann noch überschießende Reingewinn des Gesamtbetriebes muß pro rata dieser Löhne verteilt werden. Wenn dieses System auch nicht mathematisch den Gleichgewichtspunkt der absoluten Gerechtigkeit zwischen Leistung und Gegenleistung treffen wird, so kommt es ihm doch nahe genug, um alle Kräfte der Seele und des Leibes völlig genügend zu spannen und eine sehr hohe Rentabilität des Gesamtbetriebes zu gewährleisten. Wenn schon aus Gründen der Technik und der Rentabilität diese zweite Form in den ihr gesteckten Grenzen die größten Vorteile verspricht, so besitzt sie auch noch Eigenschaften, die vom sozialen Standpunkt aus sie der ersten Form des genossenschaftlichen Eigentums unendlich überlegen machen. Die Vorteile betreffen die Unterkunftsmöglichkeit für den Nachwuchs und Zuwachs der Bevölkerung. Wo alles Land, in Einzelpacht besetzt, aufgeteilt ist, ist kein Platz für neue Bevölkerungselemente, seien es Ortsgeborene oder Zuwanderen Das muß njcht nur allmählich zur Zersplitterung vieler Stellen in unwirtschaftlichen Parzellenbesitz führen, wenn auch in der Genossenschaft es damit nicht so schlimm stehen wird wie in unsern Dörfern; denn dort sterben auch wohl einzelne Höfe aus und können wieder an Söhne kinderreicher Familien ausgegeben werden. Aber immerhin müssen sich bei wachsender Bevölkerung starke Ungleichheiten des Besitzes und daher der Klassenlage fast mit Notwendigkeit herausbilden. Für Zuwanderer aber, namentlich für solche, die als Nichtlandwirte am Ort zu leben wünschen, ist unter solchen Umständen nur schwer oder gar nicht genügend Raum zu schaffen. Solche Zuwanderung ist aber aufs äußerste erwünscht, denn jeder Handwerker, der sich im Dorfe niederläßt, stellt einen Nahmarkt für die Landwirte dar, den sie mit doppelt großem Vorteil versorgen, denn sie erhalten den Marktpreis der nächsten Stadt, ohne daß sie den Transport bis zum Markte zu bezahlen haben; und sie zahlen anderseits den Marktpreis der nächsten Stadt für Handwerksprodukte, ohne daß sie die Last des Transportes von der Stadt bis in ihr Haus zu tragen haben. Je mehr Handwerker und andere Nichturproduzenten sich im Dorfe ansiedeln, um so mehr kann sich aus bekannten Gründen der Ackerbetrieb intensivieren; intensivere Wirtschaft aber ernährt ihren Mann auf kleinerer Fläche besser, als extensivere Wirtschaft auf größerer. M. a. W.: es wird Land frei, das wieder durch neue Urproduzenten besetzt werden kann. Die brauchen wieder neue Handwerker, und so treibt ein Keil den andern, bis eine Besiedlungsdichtigkeit erreicht ist, wie wir sie nur in einigen kleinbäuerlichen Gegenden des Planeten, auf den normannischen Inseln, hier und da in Holland, im Rheinlande und in einzelnen Provinzen Chinas, kennen: bis zu 400 Köpfen pro Quadratkilometer, — und das ist noch nicht einmal entfernt die letzte mögliche Grenze! Im genossenschaftlichen Großbetrieb ist für Nachwuchs und Zuwachs ohne Schwierigkeit sofort in jedem Umfange Platz, wie er irgend unter normalen Verhältnissen eintreten kann. Die Genossenschaft kann neue landwirtschaftliche Genossen ohne Schwierigkeit dadurch beschäftigen, daß sie Stück für Stück ihren Grundbesitz mit größerer Intensität bestellt, indem sie etwa vom extensiven Kornbau zur Fruchtwechselwirtschaft, zu immer ausgedehnterer Hackfruchtkultur, schließlich zur Gartenkultur fortschreitet. Und sie kann ferner ohne Schwierigkeit und ohne Störung ihres Betriebes immer die kleinen Flächen ausscheiden, die zuwandernde Handwerker und andere städtische Elemente beanspruchen. Nirgends tritt hier das Privatbesitzrecht des einzelnen störend der Entwicklung des Ganzen entgegen. 3. Die jüdische Ansiedlung in Palästina Nach dem Dargelegten kann natürlich auch für die jüdische Ansiedlung in Palästina keine andere Methode als Endziel ins Auge gefaßt werden, als eine der beiden Formen des genossenschaftlichen Eigentums: entweder die „Produzenten-Genossenschaft" der Inhaber individueller Betriebe oder der „kollektive Großbetrieb der Produktivgenossenschaft". Wohl gemerkt: als Endziel! Die Techniker mögen noch lange streiten, welche der beiden Formen die rentablere ist, und selbst Sozialpolitiker mögen annehmen, daß die sozialen Vorteile des ungeteilten Eigentums sich dadurch der Produzentengenossenschaft erhalten lassen, daß man etwa einen Teil der Gesamtfläche nicht in Erbpacht, sondern in kurz dauernde Zeitpacht ausgibt, so daß die Gemeinschaft immer noch Land für Ansiedlungszwecke übrig behält, eine Methode, die sich tatsächlich in vielen süddeutschen und schweizerischen Allmenden recht gut bewährt hat. Meine Überzeugung, daß die Produktivgenossenschaft auch auf die Dauer in allen den nicht ausdrücklich ausgenommenen Fällen der Produzentengenossenschaft stark überlegen ist, und zwar auch vom Standpunkt der Rentabilität aus, soll mich nicht hindern, den Vertretern der letztern Form so viel Spielraum zu lassen, wie sie wünschen. Mögen sie sie als Endziel ins Auge fassen und mit aller Kraft darauf hinarbeiten, dieses Ziel zu erreichen! Aber als Anfang unserer Arbeit kann diese Form nur in ganz vereinzelten Exemplaren aufgebaut werden, und zwar nur dort, wo es gelingt, eine Anzahl von bereits völlig durchgebildeten bäuer-

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