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Die Welt · 1909-10-15 · 42 (15.10.1909) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
42 (15.10.1909)
Date
1909-10-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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der hebräischen Sprache und die Besiedelung Palästinas zu den Geboten zählte? War es nicht der empfindungsreiche, edle Mosche ben Nachman, in dessen Schriften die zionistischen Bestrebungen klar zum Ausdruck kommen und der mit seinem Leben die Kraft dieses Willens bestätigte? Waren es nicht — vielleicht unbewußt— die Pioniere des alten und ältesten „Ischuw"? Sie waren es ganz bestimmt; sie waren die Träger desselben Geistes, die Werkzeuge für die Mitarbeit an demselben Ziel. Dieser Geist wurde bald hier, bald dort wach, er verkörperte sich in dieser oder jener Form, aber die Form ist nur Beiwerk, wandelbar und an die Zeitumstände gebunden. Der Zionismus ist „wie ein Baum, an Wasserbächen gepflanzt, der seine Frucht zur rechten Zeit gibt und dessen Blatt nicht verwelkt", wenn er im tiefen Boden jüdischen Lebens und historischer Gefühle seine Wurzeln geschlagen hat. Nichts vermag ihn zu enttäuschen oder zu entmutigen. Jedes Scheitern irgendeines Versuches ist für ihn nur der Ausgangspunkt eines neuen. Er hält zeitweise an einer Form fest, solange sie ihm als die richtige erscheint. Aber fällt diese Form, so fällt er mit ihr nicht, denn er ist nicht in der Form erstarrt. Er ist der .Geist, der immer neue Formen schafft. Die Hauptaufgabe muß also darin bestehen, den Geist zu vertiefen und zu bereichern. Manche praktische Leute sagen: die Gemütsregungen müssen verstummen, nur faßbare Größen können herangezogen werden. Aber das ist mit Bezug auf Zionismus nicht zutreffend. Ist ja unser Besitzstand nur ein. Produkt von Gemütsregungen. Wir haben an das nationale Gefühl appelliert, den schlummernden Volksgeist geweckt, und das, was wir besitzen, war das Ergebnis dieser Arbeit. So sind die faßbaren Größen entstanden, und so werden sie weiter entstehen, wenn wir die richtigen Wege einschlagen, um den Geist wieder zu wecken. Erhalten wir diesen Geist, so brauchen wir . um die Veränderung der Taktik gar nicht besorgt zu sein. Palästinaliebe, national-jüdische Kultur, — das sind die festen Pole in der Erscheinungen Flucht. Auf diesen Pfeilern ruht der Zionismus wie ein ewiger, monumentaler Bau. Hier schwebt der Hauch eines ewig heiligen Mysteriums einer Nation. Sie liebt das Land der Väter, — ohne unbestimmte Ahnungen und Erwartungen, ohne Frist und Bedingungen, aber auch ohne weltfremden Glauben. Sie liebt und arbeitet. Es ist keine Sturmflut eines erwachenden Triebes, die schnell vorüberrauscht, es ist eine ewige Strömung. Es wurde früher über Chibbath-Zion gelächelt, und es waren oberflächliche Denker, die glaubten, das Wesen der Palästinaliebe sei verhöhnt worden. Nichts ist falscher als dies. Die Organisation schien kleinlich, aber das Wesen der Palästinaliebe ist ja ein Lebenselement des Zionismus. Und so auch die nationaljüdische Kultur. Wer eine national-jüdische Kultur haben will, sucht für sie ein Heim. Kennen und Lieben ist hier eins. Hier ist Arbeit zu leisten, hier ist Stoff für Vereine, für Organisationen, Literatur, Presse, Wissenschaft! Es ist schon bis zum Überdruß wiederholt worden, der Zionismus stehe an seinem Wendepunkt. Wir fragen, welcher Zionismus? Der beständige, historische, nationale, palästinophile kann von äußern Ereignissen gar nicht berührt werden. Wir stehen vor einem Wendepunkt mit der Taktik, aber man vergesse doch nicht, daß die Taktik überhaupt nie ein Dogma sein kann. Politik ist kein abstrakter Begriff, sondern eine richtige Beurteilung der verschiedensten Gestaltungen der Verhältnisse. Jede Politik muß den herrschenden Umständen Rechnung tragen, und ihre Aufgabe besteht eben darin: dem Leben Gerechtigkeit werden zu lassen. Der Zionismus hat in richtiger Erwägung dieses Gedankens dafür gesorgt, daß der Organisation die Möglichkeit geboten bleibt, alle Gestaltungen des politischen Lebens zu berücksichtigen, um im Einklang mit diesen unser Ziel anzustreben. Es war ein großes Mißverständnis, wenn es gesagt worden ist, wir seien Politiker im landläufigen Sinne des Wortes. Wir haben keine eigene Politik, wir sind nur insofern politisch, daß wir mit der Politik anderer rechnen. Die Beschaffenheit und die Bürgschaftsnotwendigkeiten der Siedelungen, die Sicherstellung unserer Institute, die Ermöglichung eines unbehinderten nationaljüdischen Lebens müssen wir politisch gestalten, d. h. wir müssen sie mit den gesetzgeberischen Faktoren und der rechtlichen Lage in Einklang bringen. Es ist nur der Zweck, auf den es uns ankommt, nicht die Form oder die Mittel. Ganz wie wir unter der frühern anormalen Lage der Türkei demgemäß Postulate aufgestellt haben, welche diese Verhältnisse ergeben, so ist die jetzige normale Lage des ottomanischen Reichs das entscheidende Motiv unserer Politik. Es ist dies die Politik der innern Arbeit und der Verfassung, die sich je nach den Verhältnissen richten muß. So verstehen wir auch unser Programm. Wenn wir den Zionismus in seiner Ganzheit erfassen, so stoßen wir auf keine Silbenstecherei, und wir scheuen keine Krisen oder Enttäuschungen. Wir wollen damit nicht sagen, diese Fragen seien nicht vorhanden, wohl sind sie vorhanden und sie lösen sich auch so oder anders, aber sie sind nebensächlich. Wer die national-historische Grundlage des Zionismus nicht in sich aufgenommen hat, sondern auf eine gewisse Form besteht, überschätzt ihre Bedeutung; er vermißt die Harmonie zwischen Ideal und Praxis. Diese Ausgeglichenheit besteht nur in der Weltanschauung, wie die Dauer jeder Bewegung nur in der Kraft des Idealismus liegt. N. S. Ländliche Kolonisation in Palästina Von Dr. Franz Oppenheimer Im Mittelpunkt des Hamburger Kongresses wird dieses Mal die wirtschaftliche Aktion stehen, die sich als um ihren Angelpunkt um die agrarische Kolonisation des Landes durch die zionistischen Verbände dreht. Ich will daher in letzter Stunde und in ernster Stunde noch einmal alle diejenigen Gründe zusammenfassen, die Herzl bewogen haben, die von mir empfohlene Form der Kolonisation auf genossenschaftlichem Wege als praktisches Ziel anzunehmen, und die dann den Baseler Kongreß dazu geführt haben, den Vorschlag seines Präsidenten zu votieren. Die zionistische Kolonisation muß selbstverständlich auf diejenige Basis gestellt werden, die nach dem heutigen Stand der Wissenschaft als die vom technischen und sozialen Standpunkt aus vollkommenste gilt. Sprechen wir also zunächst von den Bedingungen

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