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Die Welt · 1909-10-15 · 42 (15.10.1909) · page 4

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
42 (15.10.1909)
Date
1909-10-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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912 DIE3^ der wichtigsten Sitzungen, und erschienen sind auch damals nur insgesamt 27 Herren. Welcher große Unterschied liegt nun darin, ob die Herren nach Köln oder Berlin fahren? Ich gebe Ihnen die Versicherung, daß es für mich persönlich bequemer wäre, wenn die Sitzung in Berlin sein könnte. Aber es geht eben nicht, weil wir das ganze Bureau hinübernehmen müßten. Der Nationalfonds müßte schon einige Tage vorher 3—4 Beamte hinüberschicken. Ebenso das Zentralbureau. Wir haben aber keinen so großen Beamtenstab, um die Herren auf so lange Zeit hier entbehren zu können. Man vermißt ein Programm, eine Parole der Leitung, diese Klage höre ich seit langem. Wenn aber dann das A. C. zusammentritt und das E. A. C. gibt Bericht über seine Tätigkeit, wird immer wieder nur kritisiert und immer wieder wird gesagt, das Große A. C. werde nicht genügend herangezogen. Wie würde aber erst die Kritik ausfallen, wenn die Leitung wirklich diese berühmten Parolen ausgäbe? Würden Sie nicht wieder darüber klagen, daß das A. C. nicht vorher gefragt worden sei? Und dann vergessen Sie nicht, daß es mit dem äußeren Applomb allein nicht getan ist. Die wirkliche Arbeit wird doch getan, ohne daß wir darüber immer groß berichten. Denn es hätte doch keinen Wert, die Öffentlichkeit mit sensationellen Mitteilungen überVersuche,Aussichten, Möglichkeiten zu verblüffen. Ich bin gewiß der Meinung, daß wir nicht unfehlbar sind und ich werde mich freuen, wenn sie Tüchtigere, Geeignetere, Berufenere finden, die sie in die Leitung wählen. Aber mit Worten, Begriffen, ist es nicht getan. Sie müssen der Leitung die Möglichkeit geben, zu arbeiten, dadurch, daß sie Männer hineinwählen, die wirklich arbeiten wollen und auch können. Dann aber müssen Sie endlich für geordnete Finanzverhältnisse sorgen. Ich bin der Ansicht derjenigen Herren, die sich dafür eingesetzt haben, daß unsere Institutionen, die wir geschaffen haben, unser Budget zu tragen haben. Ich bin aber nicht der Ansicht des Herrn Böhm, daß der Nationalfonds hierbei eine Ausnahme spielt und man von ihm nichts nehmen darf. Alle Institutionen müssen zur Erhaltung der Bewegung beitragen. Wenn Sie diesen Antrag unterstützen, können wir endlich zu jener idealen Organisation kommen, wo nur bezahlte Mitglieder an der Spitze der Bewegung stehen. Das kann aber nur ermöglicht werden durch ein geordnetes Budget. Treten Sie nur dafür ein, und Sie werden mich an Ihrer Seite haben. Noch ein Wort zum Organisationsstatut. Die Sache wird, fürchte ich, wie früher gehen. Wir werden es vor den Kongreß bringen, der dann keine Zeit findet und es wieder dem Aktionskomitee überträgt. Ich glaube, daß wäre ein großer Fehler. Herr Dr. Bodenhejmer hat bei der Abfassung des Organisationsstatus auch an eine Änderung der Leitung gedacht. Ich bin nicht gegen ein größeres Komitee, nur bin ich dagegen, daß Leute in die Leitung hereinkommen, die in der Leitung nicht zu arbeiten wissen. In der Leitung muß jeder etwas zu tun haben. Nach einer kurzen Pause folgte eine Abendsitzung, die bis 12 Uhr nachts dauerte nnd sich hauptsächlich mit der Frage der Tagesordnung des nächsten Kongresses befaßte. Es wurde beschlossen, daß der Kongreß nur 5 Tage dauern solle, nämlich von Sonntag den 26. bis einschließlich Donnerstag den 30. Dezember. Die Tagesordnung wurde in großen Zügen wie folgt festgesetzt: Sonntag vormittag: Eröffnungsrede, Rede Dr. Nordaus; Wahlen für das Kongreßpräsidium, nachmittag: Bericht des Aktionskomitees; Bericht des Zentralbureaus; Bericht des Palästinaressorts; Generaldebatte. Montag: Generaldebatte. Dienstag vormittag: Organisationsstatut. Der Nachmittag soll möglichstfürKommissionssitzungen usw. frei bleiben. Mittwoch: Bericht des Nationalfonds; Bericht der Ölbaumspende; Bericht über die Banken; Spezialreferate. Donnerstag: Spezialreferate, Diskussion, Anträge, Wahlen. Als Spezialreferate sind vorgesehen: Vorträge über die kulturelle Lage der türkischen Juden, über die Einwanderung in die Türkei, über die landwirtschaftlichen und über die industriellen Möglichkeiten Palästinas. Die genaue Bestimmung der Tagesordnung wurde dem E. A. C. überlassen. Hinsichtlich der Vorbereitung der Wahlen für das Engere und das Große A. C. wurde beschlossen, den Permanenzausschuß zu beauftragen, seine Vorschläge bereits einen Tag vor Schluß des Kongresses den Landsmannschaften bekannt zu geben. Es wurde noch mitgeteilt, daß gelegentlich des Kongresses eine Reihe öffentlicher Veranstaltungen geplant sind. Unter anderem sind vorgesehen: ein öffentlicher Vortrag Dr. Max Nordaus, ein großer Studentenkommers, ein Schauturnen der jüdisch-nationalen Turnvereine usw. usw. [ELT " " '' Nö. 42- Am Donnerstag-Vormittag fand eine Sitzung des Direktoriums des Jüdischen Nationalfonds und hiernach die Generalversammlung des Nationalfonds statt, die auch noch den größern Teil des Nachmittags einnahm. Daran schloß sich die Sitzung des Auf sichtsrats der Jüdischen Kolonialbank. Sowohl in der Generalversammlung des Nationalfonds, wie in der Aufsichtsratssitzung kam es zu ausgedehnten prinzipiellen Debatten über die Tätigkeit und das System der Arbeit des Nationalfonds, der Banken usw. Ein ausführlicher Bericht folgt in der nächsten Nummer. Der Aufsichtsratssitzung folgte unmittelbar die Schlußsitzung des Aktionskomitees, die sich bis Abends nach 10 Uhr erstreckte. In dieser Sitzung gelangten hauptsächlich die Fragen der Änderung des Organisationsstatuts zur Beratnng. Den Besprechungen lag ein von Herrn Dr. Bodenheimer gemeinsam mit Herrn Wolffsohn ausgearbeiteter Entwurf zugrunde. Es wurde schließlich beschlossen, diesen Entwurf wie auch die von der Sitzung dazu gemachten Einwände und Gegenvorschläge zur öffentlichen Diskussion zu stellen und in der unmittelbar vor dem Kongreß stattfindenden nächsten Sitzung des A. C. endgiltig dazu Stellung zu nehmen, um evtl. dem Kongreß entsprechende Vorschläge machen zu können. Von den gefaßten Beschlüssen sei an dieser Stelle erwähnt der Beschluß auf Anerkennung des Misrachi als besondere Föderation, sowie derjenige auf Anerkennung der neugegründeten Landesorganisation der Zionisten in den südslavischen Ländern. Mit einem warmen Schlußwort des Präsidenten schloß die Sitzung, über die ein ausführlicher Bericht gleichfalls in unserer nächsten Nummer erscheinen wird. Die zionistische Weltanschauung Jetzt, wo wir vor einem Kongreß stehen, muß die Wahrheit noch einmal hervorgehoben werden, daß der Zionismus nicht ein zeitliches Unternehmen, nicht ein juristisch festgesetztes und abgezirkeltes Statut, sondern eine Weltanschauung darstellt. Er ist eine Weltanschauung, aus der sich Programme ergeben, die aber durch kein Programm erschöpft werden. Diese Weltanschauung ist es, die uns von denjenigen trennt, die uns bekämpfen. Wir sind national-jüdisch, die andern wehren sich dagegen; wir sind mit der Geschichte unseresVolksstammes eng verbunden, die andern betrachten diese Geschichte als ein abgeschlossenes Kapitel, über das sie mit jener Ehrfurcht, die den Toten gebührt, zur Tagesordnung übergehen möchten; wir streben nach einer Konzentrierung jüdischer Energien, die andern erblicken in der allmählichen Auflösung das Heil. Und wie groß ist der Gegensatz der Weltanschauungen mit Bezug auf Palästina! Für uns ist Palästina nicht ein Stück Vergangenheit, sondern ein Mittelpunkt der Gegenwart und der Zukunft, ein begeisternder, erwärmender, befruchtender Mittelpunkt für unser Judentum. Wir sind von einer Sehnsucht erfüllt für ein Ziel, das die andern feierlich eingesargt haben. Wir brauchen dies nicht einmal mit Vernunftgründen zu motivieren. In uns wirkt und webt ein historisch geweihter und unaufhaltsam strebender Volkswille. Dieser Wille drückt sich in unserer Organisation aus. Wir wollen im Bewußtsein unserer vollkommenen Pflichterfüllung, im Bewußtsein ihrer Notwendigkeit für eine würdige Entwicklung unseres Volkstums im Lande der Väter jüdische Arbeit und die Blüte des jüdischen Geistes gedeihen sehen. Das sind die untrüglichen Zeichen, die Bedingungen, die Bestandteile des Zionismus. Nur in diesemZusammenhange haben wir das Recht, die Behauptung, die wir so oft wiederholen, aufzustellen: der Zionismus ist eine historische Bewegung und keine Erfindung. War nicht Jehuda Halevi, der größte Dichter unserer Diaspora, ein heißer Zionist? War es nicht Mosche ben Maimon, der das Studium

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