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Die Welt · 1909-10-15 · 42 (15.10.1909) · page 3

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
42 (15.10.1909)
Date
1909-10-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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No. 42 DIE3S|&ELT 911 Schekelsammlung ist nach wie vor sehr gut und beträgt in Westösterreich allein 5—6O0O Kr. Vor allem ist die Stimmung eine so ausgezeichnete und so kräftig, daß man Österreich geradezu als das Zukunfts-, und noch mehr, als das Gegenwartsland des Zionismus bezeichnen kann. Naturgemäß ist nicht überall eine gleichmäßige Entwicklung. Es flammt einmal hier höher und flackert dort etwas ab. Hier muß eben die Leitung eingreifen, um eine größere Tätigkeit zu entfalten. Ich will nun garnicht mit Rekriminiationen kommen und nicht untersuchen, ob und was die Leitung in dieser Richtung versäumt hat. Es gab Momente in der letzten Zeit, wo die Tatsache, daß die Zentralleitung mit uns Hand in Hand gegangen wäre und unsere Arbeit ausdrücklich ihre Zustimmung erteilt hätte, einen großen Einfluß ausgeübt und uns ungeheuer genützt hätte. In zweiter Reihe hätte davon die zionistische Bewegung Früchte getragen. Es ist notwendig, daß man in großen Momenten von von oben ein Wort hört und eine Kundgebung vernimmt. Und wenn es etwas Falsches wäre! Man will nicht diese Regungslosigkeit. Was das Organisationsstatut anbelangt, so steht man in Österreich auf dem Standpunkt, daß Änderungen in dem Organisationsstatut bezüglich des A. C. erforderlich sind. Auch in Bezug auf die Bestimmungen über Gründung von Federationen bedarf es einer Korrektur. Auch die Finanzfrage muß geregelt werden. Auf dem Wege der direkten Beisteuer wird es wohl immer schwerer, die Mittel für die Leitung herbeizuschaffen. Warum sollten aber unsere Institutionen nicht die Mittet aufbringen können, gibt doch auch in jedem Staatsorganismus die Bank die Mittel her. Ich fasse meine Bemerkungen dahin zusammen, daß wir von der Zentralleitung erwarten und hoffen, daß die großen Gesichtspunkte in ihren Taten einerseits und in ihren Kundgebungen nach außen hervortreten und das sie anderseits eine Politik betreibe, die das Wichtige vom Unwichtigen sondert und alle Kräfte zum entscheidenden Schlage konzentriert. Böhm: Ich bin ebenso wie Herr Dr. Margulies dagegen, daß die Sitzung des Aktionskomitees entgegen den Wünschen vieler Mitglieder wieder in Köln abgehalten wird und nicht, wie dies vielfach gewünscht, nach Berlin einberufen wurde. Ebenso protestiere ich nochmals dagegen, daß man den Kongreß für den Monat Dezember nach Hamburg einberufen hat. Es herrscht eine allgemeine Unzufriedenheit, daß man aus durchaus nicht stichhaltigen Gründen und gegen den Willen der österreichischen sowie vieler russischen Mitglieder in dieser Weise vorgegangen ist. Was hat die Leitung nach Innen und Außen getan? Nach Innen hat fast jedes Leben aufgehört. Wir bekommen von der Zentrale von Köln nichts als Zirkulare, in denen wir aufgefordert werden, Schekel zu sammeln. Es ist begreiflich, daß unter solchen Verhältnissen die Bewegung versumpfen muß, und doch würde eine Aktion, die von der Leitung ausgeht, neues Leben in die Bewegung zu bringen. Es bedarf dazu keiner größeren Aktion. Es genügt, daß ein Aktionssekretär zu den Organisationen kommt, mit ihnen in Verbindung tritt, um ihre Wünsche zu hören, wie dies bei jeder Partei der Fall ist. Das geschieht aber nicht. Wir müssen uns endlich darum kümmern, was die Massen verlangen. Auch den politischen Angelegenheiten in Österreich steht die Leitung teilnahmslos gegenüber. Es ist selbstverständlich, daß wir als zionistische Partoi keine Landespolitik treiben können. Aber es ist etwas anderes um die Vereinigung von Politik und Zionismus, wie wir es in Österreich finden. Wir kämpfen in Österreich um die Anerkennung der jüdischen Nationalität. Aber dies wird hier vollständig negiert, wie überhaupt unsere ganzen Arbeiten in Österreich. Wenn so große Dinge vorgehen, wie gegenwärtig in Österreich, muß sich die Leitung darum kümmern. Wir verlangen also nicht nur eine Führung nach innen und außen von der Leitung, sondern auch, daß sie von der Zentralleitung gebührend zum Ausdruck kommt. Auch auf andern Gebieten herrscht Systemlosigkeit sondergleichen, nämlich beim Nationalfonds. Damit ist nichts getan. Vergessen Sie nicht, daß der N. F. durch diese Politik vollständig erschöpft wird. Dr. Ruppin hat gesagt, der N. F. soll kein Land mehr kaufen, vergessen Sie nicht, was Sie damit anrichten. Nur weil Boden gekauft wird, nur deshalb geben die Leute das Geld her. Wird das Geld nicht zu Bodenkauf benutzt, dann wäre das Statut dahin zu ändern, daß die Gelder auch zur Bearbeitung des Bodens verwandt werden sollen. Ich vermisse einen festen Plan. Vielleicht könnte man mit Hülfe der P. L. D. C. indirekt das Land bearbeiten lassen. Dann komme ich auf die Hauptfrage: das ist die Leitung. Meine Ansicht ist die, das die Leitung sich nicht in einem Provinznest wie Köln vergraben solle. Berlin hätte doch das Gute, das es in der Nähe Rußlands liegt. In die Leitung müßten unsere Vertreter in Konstantinopel und Jaffa hinein. Dann muß ein Ressortsystem eingeführt werden mit verantwortlichen Persönlichkeiten, sowohl für die Finanzen wie für die Organisation, Institutionen, Leitung nach innen und außen. Ein weiterer wunder Punkt ist, daß nur Leute im Ehrenamt die Geschäfte erledigen. Namentlich bei der Agitation ist es erforderlich, daß ein möglichst redegewandter Sekretär ruhelos herumreist, Beziehungen anknüpft, zusammenhält und die Zentrale auf dem Laufenden hält. Kann: Ich muß gegenüber verschiedenen Angriffen feststellen, das die Jüdische Kolonialbank gerade durch ihre Beteiligung an der A. P. C. die eminent politischen Interessen der Bewegung in Palästina dokumentiert hat. Redner führt einige Ziffern an, die dies deutlich illustrieren. Die Bank wird sich für alles mögliche interessieren, aber es muß in einer kaufmännisch geschäftlichen Form geschehen. Das Direktorium ist sich dessen voll bewußt, daß die Bank in erster Linie für zionistische Zwecke da ist. Rechtsanwalt Grone mann wendet sich gegen die hier geübte Kritik. Sie. sprechen von Abflauen der Begeisterung für den Zionismus. Das trifft nicht zu. In Berlin gibt es heute zwanzigmal mehr Leute, die unsern Standpunkt teilen, als organisierte Zionisten selbst Wenn ein Teil dieser Leute beitreten wird, dann wäre das schon viel. Diese Leute haben nicht die erste Zeit des Zionismus mitgemacht. Sie finden kein richtiges Betätigungsgefühl. Es muß etwas dafür gesucht und gefunden werden. Ich kann auf ein schönes Ziel hinweisen, das ist die kulturelle Richtung, die Frage der nationalen Erziehung. Vor Jahren einmal tauchte das Projekt der Hochschule auf. Ober die Verwirklichung jedoch habe ich noch keinen Artikel gelesen. Was uns not tut, ist ein Zentrum der jüdischen Kultur, eine jüdische Akademie, eine Stiftung, wo das geistige jüdische Leben einen gesicherten Ruhepunkt findet. Dann aber ist noch eines wichtig. Wir müssen unsere Leute wieder auf das Warten trainieren. Wir haben uns viel zu sehr daran gewöhnt, momentane Erfolge zu verlangen, anstatt daß wir abwarten, bis uns ein großer Erfolg zuteil wird. Daher rührt dann die Unzufriedenheit, die keineswegs berechtigt ist. Professor Warburg: Ich muß auf einige Bemerkungen, die zum Berichte des Palästinaressorts gemacht wurden, zurückkommen. In bezug auf den Nationalfonds muß ich auf eine Bemerkung des Herr Podlischewski zurückkommen, daß wir kein Land in der bisherigen Weise kaufen sollen, weil dadurch nur eine schlechte Kategorie von Bauern entsteht. Es ist ganz richtig, daß der Ansiedler auf eigener Scholle viel besser arbeitet. Aber es gibt auch eine gute Qualität von landwirtschaftlichen Arbeitern, die auf Pachtbesitz gut arbeiten. Herr Böhm vertritt den Standpunkt, daß man deswegen mit dem Nationalfonds nichts machen soll, weil er bald erschöpft sein wird. Sie werden aber aus dem letzten Bilanzberichte des N. F. ersehen, daß das Gegenteil der Fall ist, indem an bar und Effekten 55 000 £ vorhanden war, wahrend in Landbesitz nur 11 295 £ angelegt waren. Bezüglich der industriellen Tätigkeit in Palästina glaubte man einen Widerspruch zwischen nieinen heutigen Bemerkungen und früheren Äußerungen gefunden zu haben. Ich vertrete aber heute noch den Standpunkt, daß die Industriemöglichkeiten in Palästina nicht so bedeutend sind, wie die landwirtschaftlichen. Zum Schlüsse möchte ich noch auf die Kulturfrage zurückkommen. Ich halte das Mikro-biologische Institut für keine solche verfehlte Idee, wie Herr Trietsch dies tut. Wir haben auch den Bezalel ganz klein angefangen. Das Institut soll das Zentrum sein, von dem die ganze hygienische Frage Palästinas behandelt wird. Wenn wir Palästina nicht von Malaria frei bekommen, werden wir sehr schwer arbeiten können, und es ist leicht, das Land davon zu befreien. Inbezug auf die Kulturfrage stimme ich durchaus mit Herrn Dr. Gronemann überein, daß sie für uns von großer Wichtigkeit ist. Wir können mit dieser Frage in Palästina am meisten nach außen hin wirken. Es ist das ein großes Gebiet, auf dem wir arbeiten können, und darum strebe ich dafür, daß wir unsern Kulturfonds vermehren. Er ist bisher leider sehr Wein geblieben. Wir haben ja für Kulturzwecke speziell die Ölbaumspende begründet, die das Zentrum der Kulturbestrebungen sein soll. Diese wächst tagtäglich, und ich glaube daher, wir brauchen in bezug auf die Kulturfrage uns keine Sorgen für die Zukunft zu machen. Präsident Wolffsohn kommt auf die an der Leitung geübte Kritik zurück. Ich werde versuchen, Ihnen zu zeigen, daß Ihre Kritik nicht ganz gerechtfertigt ist. Die Herren aus Österreich beklagen sich darüber, daß die Sitzung in Köln und nicht in Berlin abgehalten wird. Die Herren gingen soweit, auch im Namen der russischen Mitglieder zu sprechen. Ich habe nun mit den russischen Herren Gelegenheit gehabt, in Konstantinopel zu sprechen, die mich gleichfalls veranlassen wollten, daß die Sitzung in Berlin stattfinde. Es ist mir aber gelungen, die Herren zu überzeugen, daß es nicht möglich ist, und sie haben sich damit zufrieden gegeben. Ich habe auch den Herren nach Österreich geschrieben, doch ich sehe, daß durch Korrespondenzen doch nicht alles erledigt werden kann. Wir haben schon einmal eine Sitzung in Berlin abgehalten, es war eine

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