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Die Welt · 1909-10-15 · 42 (15.10.1909) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
42 (15.10.1909)
Date
1909-10-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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910 £>IE3aEELT v No. 42 anschauücht. Auch die finanziellen Verhältnisse haben sich so gut entwickelt, daß keinerlei Befürchtungen in dieser Richtung begründet sind. Jetzt ist endlich ein Reservefonds von ca. 20 000 Frs. vorhanden. Der Betrieb des Bezalel muß sich aber geschäftsmäßig ausgestalten. Große Kaufleute mit großem Kapital müßten für die Sache interessiert werden. Die Qualität genügt Fachmännern, die ich gefragt habe, durchaus. Der Bezalel kann aber nicht die von ihm ausgebildeten Mädchen usw. dauernd unterhalten. Dies ist eine Frage, die hier nur angedeutet werden soll. Das zweite Haus des Bezalel ist vermietet an eine amerikanische Mädchenschule. Die Frage muß aufgeworfen werden, ob dieser Mietsvertrag aufrecht erhalten werden soll. Wenn er abgelaufen sein wird, wäre Platz für eine Erweiterung des Betriebs. Wir kommen jetzt zur National-Bibliothek, über die ein Beschluß des Nationalfonds vorliegt. Die Vorverhandlungen sind soweit gediehen, daß die Bibliothek von einer Kommission gemeinsam verwaltet wird und zwar sollen wir das alte Haus erhalten gegen die Verpflichtung, den Anbau in absehbarer Zeit fertigzustellen. Es würde dann so sein, daß der Nationalfonds den Anbau herstellt, daß die Miete vom A. C. getragen würde, die beiden andern Gruppen, Loge und Hilfsverein, je 2000 Mark jährlich vergüten und das Geld, das sie für das Haus vom N. F. erhalten, als Fond der Bibliothekverwaltung zufällt. Das ganze Gebäude würde sodann Eigentum des N. F. Auf diese Weise würde wohl die Bibliothek dauernd sichergestellt werden. Hebräisches Wörterbuch. Wir haben dieses Werk subventioniert. Der erste Band ist erschienen. Es ist in Aussicht genommen, daß der zweite Band in Lieferungen erscheinen soll. Bisher ist wegen Zeitmangels der Beteiligten allerdings noch keine Lieferung erschienen. Gymnasium. Bei der Gründung ist man an uns wegen Subventionen herangetreten, lediglich zum Zwecke der moralischen Unterstützung, die nach der jetzigen Sachlage anscheinend aber nicht den gewünschten Erfolg gehabt hat. Jetzt bittet man wiederum um eine Subvention seitens des A. C. Ich meine aber, daß wir uns nicht auf Unterstützung von Erziehungsinstituten einlassen sollen, da damit ein Kampf der verschiedenen Anschauungen in unserer Bewegung provoziert wird, der unsere Bestrebungen in hohem Maße schädigen kann. Dagegen wäre es sehr gut, wenn inoffiziell in Westeuropa für das Gymnasium etc. private Sammlungen veranstaltet würden. Kiriath Sefer. Das Unternehmen hat nicht aufrecht erhalten werden können und der Vertrag mit den N. F. ist infolge dessen hinfällig. Das Land — 1600 Dunam — steht wieder dem W. F. zur Verfügung. Das Haus ist gewissermaßen herrenlos, jedoch ist der Zustand durchaus nicht so, daß es ohne Formalitäten dem N. F. zufiele. Herr Beikind ist damit einverstanden, auf seine Rechte auf das Haus zu verzichten, wenn vom N. F. die Schulden der Schule bezahlt werden. Ferner haben wir wegen der Verwendung des Hauses Vorbesprechung gehabt mit Herrn Direktor Cohn. Der meint, es wäre wünschenswert, wenn dorthin das Mädchenerziehungsheim verlegt werde, an dem wir erheblich beteiligt sind. Es würde dann keine Knabenschule, sondern eine Mädchenschule werden. Diese Frage ist jedoch noch nicht spruchreif. Eine andere Frage ist aber, was tun wir mit dem Lande. Natürlich werden wir zusehen, es zu verpachten, soweit wir es nicht benötigen. An Arbeiter es zu verpachten ist aber nicht ratsam. Entweder soll es die Ölbaumverwaltung erwerben, oder wir führen den Plan aus, es an eine Produzentengenossenschaft zu übertragen, die zu diesem Zwecke zu gründen wäre. Bisherige Verhandlungen in dieser Sache haben sich zerschlagen. Es könnte hier auch eine Pächtergenossenschaft geschaffen werden, mit Rücksicht darauf, daß das Haus schon verbanden ist. Diese Frage ist noch offen, es könnte aber eine Direktive hier gut gegeben werden. Die Öl bau mspen de entwickelt sich ganz erfreulich. Es war schwierig, die Buchhaltung in Ordnung zu bringen. Als Verein wurde die Ölbaumspende erst im vorigen Jahre eingetragen. Wir haben also erst seit einem Jahre eine geordnete Verwaltung und erst jetzt, wo wir einen eignen Buchhalter angestellt haben, konnten wir die Bilanz pro 31. Dezember 1908 aufstellen. Nach dem Rechnungsabschluß betrug das Vermögen der Ölbaumspende im vorigen Jahre 106000 Mark. Seitdem hat die Ölbaumspende bedeutend zugenommen und dürfte in diesem Jahre ein Vermögen von 170 000 bis 180000 Mark besitzen. Die Ausgaben in Palästina betrugen bisher 7037 Mark. Man wird jetzt an das Auspflanzen der Bäume gehen. Die Frage ist, ob man nicht schon jetzt eine dritte Baumschule in Galiläa einrichten solle. Eine Verbindung zwischen der iVL.-D.-C. und der Ölbaumspende wäre hierfür notwendig, damit die erste Arbeit gemacht werden kann. Bezüglich des Agrarkredits wurde, wie sie wissen, eine Kommission eingesetzt, deren Vorsitzender ich geworden bin. Die Kommission hat verschiedene Sitzungen abgehalten und die Vorarbeiten durchgeführt. Zum Schluß fordert Prof. Warburg ein energisches Bemühen zur Erlangung industrieller Konzessionen in Palästina. Dr. Ruppin: Ich werde mich darauf beschränken, Ihnen in kurzen Strichen ein Bild über die Tätigkeit des Palästinaamtes zu geben. Die erste Aufgabe des Palästinaamtes bestehe darin, Informationen für das Aktionskomitee in Palästina einzuholen und die vom Aktionskomitee daselbst unternommenen Aktionen zu beaufsichtigen. Das Palästinaamt verwaltet den Fonds zur Erziehung jüdischer Waisen und bekümmert sich darum, daß die Waisen in angemessener und zweckdienlicher Weise im Lande erzogen werden. Ferner erteilt das Palästinaamt auf alle Anfragen Auskünfte und richtet seine Bestrebungen darauf, Leute für Palästina heranzuziehen und unerwünschte Elemente fern zu halten. Ferner geben wir eine Palästina-Korrespondenz heraus, die vierzehntägig in der „Welt" erscheint. Das Palästinaamt verwaltet die Ländereien des Jüdischen Nationalfonds. Der Nationalfonds ist ferner durch verschiedene Darlehen an Unternehmungen in Palästina beteiligt, die gleichfalls von uns inspiziert werden. Bezüglich der Häuserbaugesellschaft Achuzath Baith habe ich mitzuteilen, daß mit dem Bau bereits begonnen wurde, und man hofft, spätestens im Januar bereits 60 Häuser fertig zu haben. Wir haben an dieser Sache mitgewirkt und versucht, die widerstreitenden Interessen auszugleichen. Auch beim Hebräischen Gymnasium wirkt das Palästinaamt mit, und nimmt sowohl an der Verwaltung wie an dem pädagogischen Rate des Gymnasiums Anteil. Wir haben uns bemüht, auf dem Gute der P. L. D. C. in Kinereth eine Pächtergenossenschaft zu gründen und werden morgen in der Generalversammlung des Nationalfonds einen diesbezüglichen Antrag einbringen. Redner verbreitet sich sodann über die Landkäufe des Nationalfonds in Palästina und ist der Ansicht, daß bei künftigen Landkäufen nur an den Erwerb für bestimmte Zwecke gedacht werden muß, damit sich keine Schwierigkeiten bei der Verwendung des Landes ergeben. Für die Ölbaumspende verwalten wir die Anpflanzung der Bäume und haben für den Herzlwald in Hulda ein Wirtschaftsgebäude errichtet. Eine weitere Anpflanzung in Galiäa ist geplant. Der Bezalel wird von uns dauernd überwacht, die Schule entwickelt sich sehr gut, die alten Schulden sind bezahlt und ein Reservefonds geschaffen worden. Schon vor Begründung des Palästinaamtes habe ich betont, daß es notwendig ist, daß sich das Amt mit den landwirtschaftlichen Arbeiten in Palästina und hauptsächlich mit der Parzellierung des Bodens befand. Die P. L. D. C. wurde zu diesem Zwecke begründet, hat aber bisher die notwendigen Kapitalien nicht erhalten. Wir haben uns darauf beschränken müssen, das Land des Nationalfonds in Kinereth zu bewirtschaften. Dreißig bis vierzig jüdische Arbeiter sind dort beschäftigt. Die Ernteergebnisse sind durchaus befriedigend. Mit dem Palästinaamt ist auch das Palästina-Industrie-Syndikat verbunden, für das wir verschiedene Unternehmungen begonnen haben. Einige größere Sachen, mit denen sich das Syndikat demnächst beschäftigen wird und deren Konzession es zu erlangen hofft, sind für uns von großer Wichtigkeit. Dazu ist es aber notwendig, die beschränkten Mittel des Syndikats zu vergrößern. In der Diskussion ergreift als erster Redner das Wort Herr Podlichewski: Er ist dafür, daß überhaupt vorläufig kein Land mehr für den N. F. in Palästina zu Besiedelungszwecken gekauft werde. Der N. F. darf nach seinen Statuten Land nur kaufen, aber nicht verkaufen. Infolgedessen kann er seine Besitzungen, wenn er sie nicht selbst bebaut, nur verpachten. Und wenn der N. F. auf seinen Ländereien Arbeiter pachtweise ansiedelt, so erzielt er damit schlechte Kolonisten und macht den Boden schlecht. Denn der Begriff des Eigentums ist bei uns Juden stark entwickelt. Die Arbeiter wissen ganz genau, daß das von ihnen bebaute Land des N. F. nie ihr Eigentum werden wird. Sie geben sich daher keine besondere Mühe mit der Bearbeitung, verschlechtern so den Boden und werden selbst schlechte Kolonisten. Dr. Marguli es bringt das Bedauern der österreichischen Organisation darüber zum Ausdruck, daß die Sitzungen des A. C. immer nach Köln einberufen werden. Es sei nötig, daß bei der Anberaumung der Sitzungsorte die einzelnen Länder gleichmäßig berücksichtigt würden, damit den Vertretern der einzelnen Länder auch die Teilnahme ermöglicht würde. Ich glaube, es ist nicht nur für die A. C. Mitglieder ungemein wertvoll, bei dieser Gelegenheit miteinander in Fühlung zu treten, sondern auch im Interesse des A. C. gelegen, daß es selbst Fühlung nimmt mit den verschiedenen Organisationen, was bisher nicht in wünschenswertem Maße geschehen ist. In Österreich ist der Zionismus im Wachsen begriffen. Ich muß sagen, daß wir in Österreich zu Pessimismus absolut keine Veranlassung haben. Die

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