Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 42 (15.10.1909)
- Date
- 1909-10-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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DIE KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 6 ELT ERSCHEINT 1EDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XIII. JAHRG. KÖLN, 15. Oktober 1909 g«nnb ND'Wn nfcTV*b No. 42 BERICHT ÜBER DIE SITZUNG DES GROSSEN AKTIONS¬ KOMITEES AM MITTWOCH DEN 13. OKTOBER IN KÖLN An der Sitzung des Großen A. C. nahmen folgende Herren teil: Präsident D. Wolffsohn, Prof. Dr. Warburg, J. H. Kann, N. Sokolow, N. Ussiscbkin, Adolf Boehm. Dr. A. Salz, M. Levy-Biel, Dr. Bodenheimer, Dr. Hantke, Dr. A. Marmorek, J. L. Goldberg, A. Podlischewski, Dr, Isidor Margulies, Jean Fischer, Dr. Schmarjahu Levin, Davis Trietsch, Rechtsanwalt Gronemann, Dr. Franzie Berenstein, J. Rosoff, Dr. Arthur Ruppin, Direktor Hirsch, sowie die Herren J. Berger und S. Hoofien als Protokollführer. In einer vertraulichen Sitzung gibt Präsident Wolffsohn eine ausführliche Darstellug der gegenwärtigen Verhältnisse im Ottomanischen Reiche, sofern diese unsere zionistischen Bestrebungen betreffen. Er bezeichnet die jetzige Lage als ein Übergangsstadium von dem veralteten rückständigen zu ganz modernen, freiheitlichen und verfassungsrechtlichen Regierungsformen. Er führt des Näheren aus, daß die Entwicklung unsrer kolonisatorischen und kulturellen Unternehmungen parallel mit dem Fortschritt der Neugestaltung des ottomanischen Reiches vor sich gehen muß. In Anbetracht der Voreingenommenheit und der Unklarheit, die über unsre Wege und Ziele noch in vielen türkischen Kreisen herrschen, sei es Pflicht, durch eine anhaltende gründliche Belehrung und Aufklärungsarbeit sowohl die Nützlichkeit und die Loyalität unserer Bestrebungen, wie auch die Mittel und Wege ans Licht zu fördern. Präsident Wolffsohn schließt seinen eingehenden Bericht mit einem Hinweis auf eine Reihe ergänzender Details der Mitteilungen, die Herr Sokolow, der soeben aus Konstantinopel zurückgekehrt ist, mitteilen werde. Herr Sokolow berichtet sodann über die Bedeutung und die Stellung verschiedener Preßorgane, sowie über die kulturell-jüdischen Verhältnisse in Konstantinopel. An diese Berichte knüpfte sich eine Debatte, an der sich die Herren Podlischewski, Fischer, Dr. Hantke, Ussischkin, Dr. Bodenheimer, Böhm, Dr. Margulies, Dr. Salz, Dr. Gronemann und Trietsch beteiligten. Die Debatte, die mehrere Stunden in Anspruch nahm, brachte den allgemeinen Wunsch zum Ausdruck, eine systematische und zielbewußte politische Tätigkeit zu fördern und zu entwickeln. Einen weiteren Gegenstand der Sitzung bildete die in einem Teil der zionistischen Presse erörterten Frage einer Abänderung des Baseler Programms. Aus dem gründlichen Meinungsaustausch, der sich an diesen Gegenstand knüpfte, ergab sich die Überzeugung, daß die Ziele des Zionismus die absoluteste Liebereinstimmung mit den Gesetzen und den Interessen einer einheitlichen und fortschrittlichen Türkei dermaßen voraussetzen, daß es als unangebracht erscheinen müßte, zu diesem Zwecke Textänderungen vorzunehmen. Davon darf und kann gar' nicht die Rede sein. Die Versammlung beschäftigte sich dann mit einer Reihe interner Fragen, welche die Ausgestaltung und den Inhalt des bevorstehenden Neunten Kongresses betreffen. Die Debatte, an der sich viele Mitglieder des A. C. beteiligten, führte zu einer Reihe von Entscheidungen grundlegender Natur. Zuletzt wurde die Frage des Agrarkredits gründlich erörtert. Die Diskussion beleuchtete verschiedene Punkte dieses Problems und brachte die allgemeine Überzeugung zum Ausdruck, daß die vorbereitenden Schritte unverzüglich gemacht werden sollen. Der Präsident berichtete dann weiter über die Tätigkeit des Zionistischen Zentralbureaus. Zwischen dem Zionistischen Zentralbiireau und dem Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds ist ein engerer Zusammenschluß durchgeführt worden, der den Arbeiten der beiden Bureaus zustatten kommen dürfte. Innerhalb des Bureaus sind wesentliche Neueinrichtungen getroffen worden, es wurde mit der Anlage eines Archivs begonnen, die administrativen Arbeiten wurden von denen des Sekretariats vollständig getrennt u. s. w. Hierdurch, sowie durch die Überführung der gesamten Buchhaltung des Nationalfonds von London und der Buchhaltung der Ölbaumspende von Berlin nach Köln, erwiesen sich die bisher von den beiden Bureaus innegehabten Räumlichkeiten als unzureichend. Daher haben die Bureaus in diesen Tagen eine neue größere Wohnung am Karolingerring 31 bezogen. Das für die Vorbereitung des Kongresses in Hamburg eingerichtete Bureau hat seine Tätigkeit aufgenommen und arbeitet in überaus zufriedenstellender Weise. Die Schekelsammlung ergab bisher befriedigende Ziffern. Aller Voraussicht nach wird das Endergebnis das des vorigen Kongreßjahres nicht unerheblich übersteigen. Der Jahresabschluß der „Welt" ergibt ein befriedigendes Resultat. Es ist gelungen, die Unkosten des Blattes ganz beträchtlich zu vermindern. Auch der Jüdische Verlag entwickelt sich in erfreulicher weise. Er hat eine Anzahl neuer Werke herausgegeben und ist mit der Herausgabe weiterer Neuheiten beschäftigt. Das Berliner Bureau hat sich nicht so ausgestaltet, wie man angenommen hatte. Da zudem das Palästina-Ressort und die mit ihm verbundenen Institutionen eigne Bureaus eingerichtet haben, war es möglich, das Berliner Bureau aufzuheben. Indes ist dafür Sorge getragen, daß die von ihm geschaffenen Informationseinrichtungen erhalten bleiben. Prof. Warburg: Ich möchte Ihnen einen kurzen Überblick über die verschiedenen Institutionen in Palästina geben, die wir begründet haben. In Einzelheiten wird Herr Dr. Ruppin einen ergänzenden Bericht erstatten. Ich beginne mit den Kulturaufgaben und zwar mit dem Mikrobiologischen Institut. Es wurde beschlossen, ein Komitee zu bilden und ich wurde beauftragt, dieses in Berlin einzurichten. Außer mir gehören demselben an: Prof. Lewin, Dr. Mühsam, Dr. Arndt und andere. Das Komitee hat sich einstimmig gegen den Namen Mikrobiologisches Institut ausgesprochen und hat mich beauftragt, dafür den Namen „Hygienisches Institut" in Vorschlag zu bringen. Dies ist die Forderung, die ich Ihnen im Namen des Komitees vorzulegen habe und die ich hier vertrete. Bezalel. Wir sind insofern dabei interessiert, als wir die Miete für das von ihm benutzte Haus bezahlen. Er hat sich gut entwickelt, was ja auch die hier stattfindende Ausstellung ver- 4 \f M