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Die Welt · 1909-10-06 · 41 (6.10.1909) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
41 (6.10.1909)
Date
1909-10-06
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 41 DIE EaXE LT 897 warmen Worten die edlen Charaktereigenschaften und seine Verdienste um die „Kadimah" hervorhob. Herr Isidor Chodrower, Bankier in Czernowitz, hat zur Erinnerung an seinen verstorbenen Sohn Alfred, A. H. der „Kadimah", ein Kapital gestiftet, aus dessen Erträgnis jährlich zur Jahrzeit an ein würdiges Mitglied der akademischen Verbindung „Kadimah" und der jüdisch-akademischen Verbindung „Hasmonäa", Czernowitz, zwei Stipendien nach Vorschlag der Verbindungen verliehen werden sollen. Für diese hochherzige Widmung sei auch an dieser Stelle Herrn Kaiserl. Rat Chodrower der Dank der beiden Verbindungen ausgedrückt. Qalizien (Von unserm Berichterstatter) Der jüdische Kataster und die Assimilanten Vor kurzem wurden die Grundzüge einer Wahlreform für den Bukowinaer Landtag veröffentlicht, auf welche sich die Vertreter sämtlicher Bukowina bewohnenden Nationalitäten in dem ad hoc eingesetzten Permanenzausschuß geeinigt haben. Nach diesem Entwurf sollen die Landtagsabgeordneten der Bukowina in national getrennten Wahlkörpern gewählt werden, und zwar in rumänischen, ruthenischen, polnischen, deutschen und jüdischen. Diese letzte Bestimmung, daß auch die Juden einen besondern jüdischen Kataster haben werden, wird allgemein mit der „Ausbreitung der zionistischen Bewegung" und mit der Tatsache, daß die Juden als besondere jüdische Nationalität in der Bukowina auftreten, motiviert. Inde ira. Ein Sturm ging durch den Blätterwald; es fielen Artikel wie Blätter im Herbste, auch so vergilbt, und die Wiener „Neue Freie Presse" geriet in Aufregung darüber, denn das Deutschtum ist in Gefahr. Auf einmal beginnt sich dieses Blatt, das nichts von Zionisten wissen will und diesen Ausdruck nur druckt, wenn ein Mitglied des Jüdischen Klubs im Parlament spricht, mit den Zionisten zu beschäftigen. Ein Zeichen der Zeichen: die Zionisten sind doch „Neue-Freie-Presse-fähig" geworden. Kein Geringerer als Herrenhausmitglied Th. Gomperz wird um seine Meinung befragt. Dieser ehrwürdige, aber sonst verbohrte Assimilant vergleicht die Deutschen und Juden einerseits mit den Ruthenen und Russen in Galizien anderseits! Dieselbe Ungereimtheit in der Bildung von neuen Nationalitäten, meint der Herr Gomperz. Wir wissen nicht, ob wir über dieses Gleichnis lachen sollen oder den Herrn Gomperz bedauern, so wenig Verständnis zu haben für nationale Verschiedenheiten, welche einerseits Russen und Ruthenen trennen, und anderseits Deutsche und Juden. Da soll er doch seine christlichsozialen Nachbarn befragen. Der jüdische Kataster ist bei Gomperz „ein Wahlghetto". Wir akzeptieren dieses Ghetto, weil es die Vorbedingung der nationalen Autonomie ist und den Juden wenigstens die minimalsten Rechte garantiert. Jüdischer Kataster hat doch zur Vorbedingung die Anerkennung der Juden als eine Nation. Es gereicht zum Ruhme der kleinen Bukowina, über alle Vorurteile hinweg etwas von so großer Tragweite zu beschließen. In der Tat ist dies ein Präjudiz für Galizien, in welchem die Juden in merklicher Zahl wohnen (11 °o). Mit der Sanktionierung des Gesetzes des Bukowinaer Landtages müßte die Regierung des Barons Bienerth, die gerade als nicht besonders judenfreundlich zu verdächtigen ist, — alle Konsequenzen auch für die Juden außerhalb des kleinen Buchenlandes ziehen. Baron Bienerth müßte jedoch dafür den Groll der mächtigen Säule der Regierung, des Polenklubs, auf sich ziehen, was ein zu teurer Preis wäre für eine eventuelle Vorurteilslosigkeit des Regierungschefs. Ohne weiteres ginge es doch nicht an, rundweg den Entwurf zu vernichten, insbesondere wenn die Mitglieder des Bukowinaer Permanenzausschusses so einmütig vorgingen. Es verlautet, daß in dieser Not ihm zwei treue Männer zu Hilfe kamen: der Germane Hofrat Kuranda und der Pole Dr. Löwenstein, — beide mosaischer Konfession. Die Juden seien keine Nation, durften die Biedermänner dem Regierungschef sagen, und der atmete auf. Er „verbesserte" den Entwurf, nach welchem nun wieder die Juden (13° o) mit den Deutschen (7°/o) zu wählen haben. Der Abgeordnete' Dr. Löwenstein hat besondere Angst vor diesem Gespenst, das sich Kataster nennt. Noch im vorigen Jahre hat sich sein hoffnungsvoller Jünger, Dr. Merwin, auf einer Versammlung, auf der sich das Haupt der polnischen Nationaldemokraten und Obmann des Polenklubs Prof. Dr. Glombinski energisch für die Einführung eines Katasters ausgesprochen hat, bitter beklagt, die Juden würden da Stoff für Agitation haben, oder sie würden samt und sonders ins ruthenische Lager schwenken. Und nun steht auch in Galizien die Wahlreform zum Sejm vor der Tür; im Subkomitee des Wahlreformausschusses spricht man schon über den Kataster. Alles ginge glatt, wenn nicht die verfluchte Frage, was mit den Juden zu machen. Die Bukowinaer, die haben böses Blut gemacht. Herr Dr. Löwenstein wird von dem Gespenst verfolgt. „Iwri anochi" hat er zwar vor seinen Wählern in Drohobycz geschrien, aber was tut man nicht den Wählern zuliebe? Wie man uns mitteilt, wollen ihm die Drohobyczer Wähler auf einer Protestversammlung „besondern Dank" für seine letzte Tat ausdrücken. In der Bukowina hat man auf über 20 Massenversammlungen den beiden Abgeordneten Löwenstein und Kuranda die Entrüstung ausgedrückt. Abg. Dr. Straucher wird zusammen mit seinen Kollegen aus dem Jüdischen Klub die nötigen Schritte vornehmen, um die Regierung zur Genehmigung des Entwurfes zu bewegen. Es wurde auf einer Versammlung in Czernowitz beschlossen, eine Deputation von allen Kultusgemeinden an den Baron Bienerth zu schicken und eine Proklamation an das jüdische Volk herauszugeben. Das Lemberger zionistische Zentralkomitee hat am 27. v. M. eine Sitzung unter Vorsitz des Herrn Dr. Ringel abgehalten, in welcher beschlossen wurde, eine energische Aktion für den jüdischen Kataster in Galizien einzuleiten, ferner schon jetzt Schritte zu machen, um bei der Volkszählung im Jahre 1910 die Rechte der jüdischen Nation zu wahren. Abg\ Dr. Mahler vor seinen Wählern Anfangs September d. Js. stand das Mitglied des Jüdischen Klubs Abg. Dr. Arthur Mahler vor seinen Wählern, um einen Rechenschaftsbericht über die Tätigkeit seines Klubs zu geben. Auf massenhaft besuchten Versammlungen wurde diesem Abgeordneten nach seiner Rede einmütig Dank und Vertrauen votiert. Konferenzen Am 5. September fand in Tarnopol die erste Kreiskonferenz der jüd.-sozial. Arbeiterpartei „Poale Zion" statt. Nachdem Rechenschaftsbericht des Herrn Sobel, sprach Herr Kohn (Krakau) über Organisation und Agitation. Herr S. Peller sprach über den IX. Zionistenkongreß und die allweltliche Poale-Zion-Konferenz, und zuletzt referierte Herr Dr. Rosenfeld über den Palästina-Arbeiterfonds und seine Bedeutung. Es wurden Resolutionen angenommen bezüglich der Siedlungsgenossenschaft, des Agrarkredits und der Verwendung der N.-F.-Gelder für Achuzath Baith. Außerdem hat man beschlossen, die vom allweltlichen Verbände herausgegebenen Zwei- Heller-Marken energisch zu verbreiten. Abends fand im Saale „Jad Charuzim" eine große Volksversammlung statt, auf der Herr Dr. Rosenfeld über die Siedlungsgenossenschaft sprach. Für Sonntag, 24. Oktober d. J., wurde im neu erbauten akad. Hause vom akad. Verein „Hasmonea" ein Arbiturientag einb3rufen. Die Tagesordnung lautet: a) Begrüßung — Senior der „Hasmonea"; b) Die Lage der akad. Jugend und ihre Aufgaben für die Zukunft — Herr Dr. Josef Löwenherz; c) Die jetzige Lage im Zionismus — Herr Josef Gerstmann; d) Das moderne Judentum — Herr Salomon Schiller; e) Ansprache an die Jugend —Herr Dr. Max Rosenfeld; Schlußwort — Herr Abg. Adolf Staud. Rußland (Von unserm Berichterstatter) Bildungsfragen Jüdische Lehrer in Sibirien Der Deputierte Bielousow hat sich telegraphisch an den Premierminister mit einer Anklage über das ungesetzliche Verfahren der dortigen (sibirischen) Behörden gewendet, indem er darauf hinweist, daß eine Tendenz auf Schluß der jüdischen Schule in Irkutsk, in welcher 300 jüdische Kinder lernen, vorhanden ist. Da es in Sibirien kein Lehrerseminar gibt, hat die jüdische Gemeinde im Einklang mit den Behörden zwei Lehrer aus Rußland angestellt. Das geschah, bevor noch der Premierminister das berühmte Zirkular veröffentlicht hat, laut welchem die Lehrer in Sibirien das Wohnrecht besitzen. Und nun hat der Generalgouverneur von Irkutsk beschlossen, die erwähnten Lehrer aus der Stadt auszuweisen. Die jüdische Gemeinde hat sich schon einmal an den Premier in dieser Angelegenheit gewendet, doch blieben ihre Bemühungen erfolglos. Der Deputierte Bielousow hat diese Sache von neuem aufgenommen. Der obenerwähnte Deputierte, der zurzeit in Petersburg weilt, erzählt von den in vielen sibirischen Städten massenhaft vorkommenden Ausweisungen der Juden. Man weist sibirische Einwohner,

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