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Die Welt · 1909-10-06 · 41 (6.10.1909) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
41 (6.10.1909)
Date
1909-10-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 41 DIE30KELT 891 Die Hypothekendarlehen müssen, wie das in Europa üblich ist, auf sehr lange Frist (wenigstens 30 Jahre) mit der Verpflichtung zur allmählichen Amortisation gegeben werden. Der Zinsfuß wird ungefähr 6 °/o betragen müssen, damit das Agrarkreditinstitut nach Abzug seiner Verwaltungsspesen in der Lage ist, den Inhabern von Aktien und Obligationen eine angemessene Verzinsung zu gewähren. Um den Kolonisten in der ersten Zeit die Existenz zu erleichtern, wird es sich vielleicht empfehlen, für die ersten 10 Jahre nur die Verzinsung zu verlangen und die Amortisation erst nach Ablauf von 10 Jahren beginnen zu lassen, wenn die Pflanzungen bereits Erträge zu geben anfangen. Die Sicherheit der gewährten Hypothekendarlehen läßt sich dadurch erhöhen, daß die Hypothekenschuldner in jeder Kolonie zu einem Hypothekenschuldnerverbande vereinigt werden, der für seine Mitglieder solidarisch haftet, dafür aber natürlich ein Mitbestimmungsrecht darüber haben muß, wem und in welcher Höhe ein Hypothekendarlehn gegeben werden kann. Zur Deckung von Verlusten aus dem Hypothekengeschäft, die natürlich nie ganz ausbleiben werden, muß ein Reservefonds gebildet werden, dem etwa 2 °/o von jedem zur Auszahlung gelangenden Darlehn und später jährlich mit den Zinsen noch 1h %—l°/o zuzuführen sind. Dieser Reservefonds soll den Hypothekenschuldnern, die zu seiner Ansammlung beigetragen haben, wieder zugute kommen, wenn sich etwa nach einer Reihe von Jahren herausstellt, daß die Reserven im Verhältnis der eingetretenen Verluste zu hoch bemessen waren. Für die erworbenen Hypotheken wird das Agrarkreditinstitut Obligationen (Pfandbriefe) ausgeben. Solange es in der Türkei an einem besondern Gesetze über Hypothekenbanken fehlt, wie es z. B. in Deutschland vor einigen Jahren unter Einführung staatlicher Kontrolle erlassen worden ist, so lange werden die Inhaber der Obligationen kein spezielles Pfandrecht an den von dem Agrarkreditinstitut erworbenen Hypotheken haben und werden nicht besser dastehen als andere Gläubiger. Daran läßt sich vorläufig nichts ändern. Wohl aber läßt sich durch Eintragung aller erworbenen Hypotheken in ein einer gewissen öffentlichen Kontrolle unterstelltes Buch bei dem Agrarkreditinstitut eine Gewähr dafür schaffen, daß tatsächlich nur so viel Obligationen ausgegeben sind, als sichere Hypotheken erworben worden sind. Das wäre in großen Zügen der Geschäftsgang des Agrarkreditinstituts, wie ich ihn mir vorstelle. Es wäre zweifellos ein großer Fortschritt, wenn es gelänge, das Institut zu begründen und so die Tätigkeit der Gesellschaften, welche unter den jetzigen ungünstigen Gesetzen und mit kleinen Mitteln für dasselbe Ziel arbeiten, bei einer mit großen Mitteln ausgestatteten Gesellschaft zu konzentrieren. Warnen möchte ich aber davor, das Agrarkreditinstitut zum Idol zu machen und in seiner Anbetung und Erwartung die in Palästina bereits begonnenen Arbeiten, wie z. B. die beschränkte Gewährung von landwirtschaftlichem Kredit durch die Anglo-Palestine- Company, die Ameliorations- und Parzellierungstätigkeit derP.L.D.C, einfach liegenzulassen. Sie müssen unter allen Umständen energisch fortgeführt werden, damit uns nicht, falls das Agrarkreditinstitut aus irgendwelchen Gründen seine Tätigkeit doch noch nicht so bald aufnehmen kann, mehrere kostbare Jahre für unsere Arbeit ungenutzt verloren gehen. Vulkanismus und Erdbeben in Palästina Von Dr. Aron Sandler-Breslau (Schluß) Man hielt früher alle Erdbeben für solche vulkanischer Natur, d. h. man führte ihre Entstehung darauf zurück, daß die plötzlich aufsteigenden Feuer- und Dampfmassen dort, wo das vulkanische Ventil nicht groß genug oder verstopft oder noch gar nicht geschaffen ist, die Erdrinde erschüttern. Diese noch heute vertretene Ansicht trifft anscheinend für eine Anzahl Erdbeben tatsächlich zu, doch haben solche Beben nur für die unmittelbare Umgebung der Vulkane Bedeutung. Ebenso kommt den sog. Einsturzbeben nur geringere lokale Bedeutung zu. Sie entstehen durch Einsturz unterirdischer Höhlen, die das Wasser ausgewaschen hat. Schon a priori sind solche Beben für Palästina sehr wahrscheinlich, da der Kreidekalk seiner Gebirge ein höchst auslaugbares Material darstellt und, wie wir wissen, das gesamte westjordanische Gebirge reich an Höhlen, Grotten und Schluchten ist. Von ungleich größerer Bedeutung, sowohl nach ihrer Häufigkeit wie nach der Ausdehnung und Heftigkeit der Erderschütterung, ist jene Art Beben, die man seit Süß als „tektonische" bezeichnet Wenn sich der Spannungszustand zwischen zwei mächtigen Erdschollen ändert, so erfolgt plötzlich eine ruckweise Verschiebung der Schollen, wobei diese je nach der Richtung des höhern Drucks bald zur Seite geschoben, bald in die Höhe gehoben werden, bald auch einbrechen und abstürzen. Der sich in Wellenform fortpflanzende Stoß versetzt die Erdrinde in schwankende Bewegung. Solche Veränderung des Spannungszustands ganzer Schichten und Schollen ist nur dort möglich, wo noch keine solide Verfestigung im Aufbau der Erdkruste erfolgt ist, also an relativ jungen Erdbrüchen und -spalten. So verstehen wir nach dem früher Gesagten, daß das Hauptschüttergebiet von Palästina jener Grabenbruch ist, der das Land von Norden nach Süden durchzieht, während anderseits das von Brüchen freie Judäa auch frei von Beben ist. Ein schwächeres Schüttergebiet ist auch der Küstenstreifen. Im Jordantal sind es besonders zwei Gebiete, die häufig der Schauplatz großer und verheerender Beben waren, die Umgebung des Tiberiassees, besonders das vulkanische Gebiet um Safed und Tiberias, und zweitens das Gebiet des Toten Meeres. Während uns die Geologie von mehrfachen tiefen Einstürzen im Jordantale erzählt, hat — in dieser populären Darstellung — von den alten Katastrophen der geschichtlichen Zeit jene im äußersten Süden des Tales, am Salzmeer, von dem die Bibel berichtet, besonderes Interesse. Wir stehen hier am tiefsten Punkt der Erdoberfläche. 394 in unter dem Meeresspiegel liegt die Oberfläche, 795 m der Boden des Salzmeeres. Wenn man nun bedenkt, daß sich Seeablagerungen mit Resten einer Süßwasserfauna hier 32 m über dem Meeresspiegel finden, so erhält man eine ungefähre Vorstellung von der Tiefe des stufenweise erfolgten Absturzes. Nur im nördlichen Hauptbecken hat das Tote Meer die angegebene Tiefe. Eine von Osten hineinragende Halbinsel Lisän (~- Zunge) grenzt ein flaches südliches Becken ab, dessen wechselnde Tiefe im Durchschnitt nur 3'> m (gegen 400 m des nördlichen Beckens) mißt. Weiter südlich folgt ein Salzsumpf, die Sebcha, entstanden durch Anschwemmungen auf dem ehemaligen Seeboden. Der See ist, wie Dalman neuerdings gezeigt hat, im Steigen begriffen, so daß schon in 10—20 Jahren ganze Wege, Inseln, Strandflächen verschwinden. Als Zeugen der großen Katastrophen finden wir die erwähnten heißen Quellen auf beiden Seiten des Meeres; ferner die Schwefeldämpfe, die die Luft zum Teil mit Schwefelgeruch erfüllen, wenngleich natürlich die Erzählungen von den verpestenden tödlichen Dünsten, die das Meer ausströme, maßlose Übertreibungen sind. So findet man hier am Orte von Sedoms Untergang ganz ebenso wie auf dem Schauplatz der sizilischen Katastrophen reinen Schwefel am Strande — in Gipshüllen —, dessen industrielle Ausbeutung lohnend erscheint. — Ein weiteres Produkt jener Ereignisse ist der Asphalt (ein schwefelhaltiger Kohlenwasserstoff), der bei Erdbeben vom Boden des Toten Meeres losgerissen wird und, wie schon alte Schriftsteller wußten, hierbei an die Oberfläche gelangt und zum Teil ans Ufer geschwemmt wird. Bei den großen Beben von 1834 und 1837 erbeuteten die Beduinen sehr große Mengen dieses kostbaren Materials. Auch die Bibel (Genesis 14) berichtet, daß sich vor dem Untergang Sedoms in der Ebene Siddim — im Süden des Meeres — die „Pechbrunnen" befanden, d. h. Asphaltmassen, die sich nach außen ergossen; tatsächlich findet sich auch heute noch der meiste Asphalt im Süden, Die größte der Katastrophen, die seit Menschengedenken sich hier ereigneten, ist die von Sedom und Gamorah.

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