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Die Welt · 1909-09-28 · 40 (28.9.1909) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
40 (28.9.1909)
Date
1909-09-28
Page
– (sequence 12)
Language
German
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872 DIE2|EELT No. 40 nun alle Mühe gegeben, um Dr. Kohan-Bernstein, den sie nicht nur als Arzt, sondern auch als ideal gesinnten Menschen und Juden, der vielen als leuchtendes Beispiel galt, bei uns festzuhalten. Im Kontrakte, den die Partei der Jugend mit ihm abgeschlossen hat, wurden ihm günstigere materielle Bedingungen geboten als in dem Kontrakte mit der Kolonie, und trotzdem vom Schiedsgericht der Partei des Dr. Kohan-Bernstein nur 1500 Frcs. von der 6000 Frcs. betragenden Subvention der Ica für den Arzt zugesprochen wurden, wollten sie außer dem Gehalt für den Arzt und Ausgaben für die neue Apotheke auch die Beschaffung einer neuen Wohnung für den Arzt auf eigne Kosten übernehmen, um nur Dr. Kohan-Bernstein die Möglichkeit zu bieten, weiter in der Kolonie zu wirken. Dr. Kohan-Bernstein beabsichtigt jedoch demnächst die Kolonie zu verlassen, um jeden Anlaß zu neuen Streitigkeiten innerhalb der Kolonie aus dem Wege zu räumen. Wahl eines Gemeindevorstandes in Jerusalem Jerusalem, 4. September 1909. Es sind hier erfreuliche Bestrebungen im Gange, einen Gemeindevorstand durch allgemeine Wahlen ins Leben zu rufen. Nach heftigen Diskussionen wurde im Waad Kol hakollolim (Zentralkomitee der Chalukkagemeinden) beschlossen, einen gemeinsamen Vorstand für die aschken:isische Gemeinde zu wählen. Die Zahl der Vorstandsmitglieder soll 23 betragen (nach dem Vorbilde des kleinen Synhedrion). Das aktive Wahlrecht besitzen alle aschkenasischen Mitglieder von 20 Jahren ab, das passive von 30 Jahren ab. Der Vorstand soll für zwei Jahre gewählt werden und sämtliche die aschkenasische Gemeinde berührenden Angelegenheiten verwalten. Geheim und offiziell werden Vorbereitungen zu den Wahlen getroffen. Man bemüht sich insbesondere, daß diejenigen, die der Chalukkah fernstehen, einen Anteil an den Wahlen bekommen. . Verzeichnis der Dienstfähigen in Jaffa Jaffa, den 5. September 1909. Im Lokal der hiesigen Allianceschule tagte heute eine Militärkommission, die die Personen der ottomanischen männlichen Juden im Alter von 20 bis 26 Jahren feststellt. Diese Listen werden an das Generalkommando in Damaskus abgesandt, nach einigen Monaten soll die Militärtauglichkeit festgestellt und die Dienstfähigen einberufen werden. Bs gibt hier etwa 60 Gestellungspflichtige unter den Juden und 270 unter lateinischen und griechischen Christen. Jerusalem, den 1. September. Die Leiter der Jeschiwoth bemühen sich, die Sanktion der Regierung zu erlangen, damit ihre Jünger in bezug auf den Militärdienst dieselben Vorrechte haben wie die Zöglinge anderer ähnlicher Lehranstalten; ca. 600 Juden und über 1300 Christen als Gestellungspflichtige sind in Jerusalem verzeichnet worden. Lehrerversammlung in Sichron Jacob Jaffa, den 26. August 1909. Arn Rosch Chodesch Ellul begann die Tagung der allgemeinen Versammlung des palästinensischen Lehrerverbandes in Sichron-Jacob. Leider war die Teilnehmerzahl eine recht geringe. Infolge einiger Mißverständnisse wußte man fast bis zum letzten Tage vor der Eröffnung der Versammlung nicht genau, wo dieselbe stattfinden soll. Infolgedessen waren aus Judäa nur sehr wenige Lehrer zur Versammlung erschienen, und einige Referate, wie das von Prof. Schatz über den Zeichenunterricht in den Schulen und das vom Agronomen Wilkansky über landwirtschaftliche Vorbildung in den palästinensischen Schulen, mußten wegfallen. Es ist zu bedauern, daß die Versammlung in dieser Weise mißglückt ist, da man gerade von ihr eine Reorganisation des Lehrerverbandes erwartet hat, der dazu berufen ist, auf eine einheitliche Gestaltung des palästinensischen Schulwesens in nationalem und modernem Sinne einzuwirken, der aber leider im letzten Jahre eine viel zu geringe Tätigkeit entfaltet hat. Als wichtigster Beschluß der Versammlung ist zu bezeichnen, daß man die Einrichtung der Ferialkurse, die auch schon frühere Versammlungen beschäftigt haben, nun auf praktische Bahnen lenken soll, indem man von der Berufung ausländischer Kräfte, wie man es früher beschlossen, absehen, dagegen einzelne Mitglieder der Lehrerschaft, die durch ihre Fachkenntnisse auf gewissen Gebieten hervorragen, zur Abhaltung von Ferialkursen für die übrige Lehrerschaft heranziehen will. Ferner wurde beschlossen, neue nach Palästina kommende Lehrer, die kein Diplom besitzen, von der Lehrerzentrale einer eingehenden Prüfung zu unterziehen und sie Probestunden abhalten zu lassen, um ihnen ein Befähigungszeugnis für den Unterricht ausstellen zu können. Diejenigen Lehrer aber, die ein Diplom ausländischer Anstalten bereits besitzen, sollen nur eine Prüfung im Hebräischen ablegen. Es wurde auch viel darüber diskutiert, den Lehrerverband in eine hauptsächlich berufliche Organisation, die die materiellen Interessen der Lehrerschaft wahrzunehmen hat, zu verwandeln, damit auf diese Weise die Lehrer sämtlicher Schulanstalten in Palästina dem Verbände beitreten können. Vorzeitiger Anbruch der Regenzeit Jaffa, den 12. IX, 09. Ganz unerwartet früh hat sich in diesem Jahre der Regen hier eingestellt. Vor vier Tagen gab es in Jaffa und der Umgebung einen schwachen Regen; die darauffolgenden drei Tage brachten einen heftigen echt palästinensischen Regen. Der Regen in dieser Zeit ist in Palästina eine ganz ungewöhnliche Erscheinung. Voriges Jahr z. B. kam der erste Regen am 14. November. Der frühe Regen wird zwar für manche Vegetationszweige, z. B. für die Orangen, ganz nützlich sein, dem Getreide aber, welches sich noch in vielen Teilen Palästinas auf dem Dreschplatze befindet, kann er großen Schaden bringen. Dies würde um so bedenklichere Folgen nach sich ziehen, als die Ernte überhaupt infolge des allzulangen Ausbleibens des Spätregens im vorigen Jahre kaum eine mittelmäßige ist und die Getreidepreise sehr hoch sind. Der Sesam, der noch auf dem Felde liegt, wird durch den Regen zum großen Teil vernichtet werden. Übrigens scheint es nicht in ganz Palästina geregnet zu haben. Aus Untergaliläa kommen Nachrichten, daß es gestern dort zwar große Wolkenansammlungen gegeben hat, die aber nach Entladung weniger Regentropfen sich wieder zerstreut haben. Hier in Jaffa haben wir in der letzten Nacht und heute wiederum starken Regen gehabt. Vorfall in Kinereth Aus unbekannter Ursache brach vor einigen Tagen in Kinereth auf dem Dreschplatze Feuer aus. Vermutlich ist es von einem benachbarten Araber angefacht worden. Nachdem die Arbeiter das Feuer lokalisiert hatten, sahen sie sich in der Umgebung um, in der Hoffnung, den Brandstifter noch zu entdecken. Man fand jedoch in der Nähe nur einige Hirten mit einer großen Schafherde. Ein Kolonist aus Kinereth (in der Nähe der Farm wurden von der Ica auf ihrem Boden im vorigen Jahre vier Kolonisten angesiedelt) stellte die Hirten zur Rede und bedrohte sie, wenn sie nicht sofort den Brandstifter angeben würden. Die Hirten jedoch weigerten sich dies zu tun, liefen davon und verließen ihre Herde. Dieselbe wurde nun, damit sie nicht unbeschützt draußen bliebe, nach dem Hofe der Farm getrieben. In der Nacht erschienen nun die Besitzer der Herde in großer Zahl auf den Boden von Kinereth, fesselten zunächst auf dem Dreschplatz die Wächter, die sie als Geisel zurückbehielten für den Fall, daß ihnen etwas Schlechtes zustoßen sollte. Hierauf belagerten sie die Farm, in der man nicht wußte, was auf dem Dreschplatz vorgefallen war, noch auch, wer die Belagerer seien. Einige Stunden wurden den Beduinen der Eingang in die Farm versperrt, schließlich aber, als es keine Munition mehr gab, und man durch Schreckschüsse allein die Angriffe nicht abwehren konnte, sondern mit Handwaffen einen blutigen Kampf hätte heraufbeschwören müssen, gab man ihnen den Eingang durch die Hintertüre frei. Die Beduinen holten nur ihre Schafe ab, nahmen einige Waffen und kleine Wertgegenstände, die sie fanden, mit und zogen friedlich ab. Der Leiter der Farm, Herr Agronom Bermann war zurzeit in Kinereth nicht anwesend, sonst hätte wohl durch eine rechtzeitige Verständigung mit den Beduinen dem Vorfall vorgebeugt werden können. Die Angreifer gehören einem bekannten und in der Gegend gefürchteten Beduinenstamme Beni Sacher an. Sie kommen vom Ostjordanlande her und durchziehen in den Sommermonaten die bewohnten Gebiete des Westjordanlandes, um hier für ihre Heerden Weideplätze zu finden. Diesen Beduinenstämmen gegenüber ist auch die Regierung zumeist machtlos. Da aber der ganze Vorfall eigentlich mehr auf ein Mißverständnis als auf eine feindliche Gesinnung zurückzuführen ist, wird man sich mit den Beduinen wohl friedlich auseinandersetzen können, ohne ihre Bestrafung durch die Regierung zu betreiben. Der durch das Feuer angerichtete Schaden wird, da die Farm Kinereth gegen Feuer gesichert ist, wieder ersetzt werden. Brief aus Konstantinopel (Von unserm Berichterstatter) Le passeport rouge? Unter dieser Überschrift publiziert der politische Direktor des jungtürkisch-radikalen „Courrier d'Orient" Djebal Noury Bej, unter dem 22. September folgenden geharnischten Artikel: Ist der freie Reiseverkehr in einem Lande ein unbestreitbares Recht oder nicht? Niemand dürfte wagen, es zu verneinen. Jedes

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