Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 40 (28.9.1909)
- Date
- 1909-09-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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stischen Organisation. Der Referent, Herr Steudiger, erklärte die Beteiligung an Zionistenkongreßen für zwecklos und unvereinbar mit den Klassengrundsätzen der Partei. Diesen Ausführungen opponierten lebhaft mehrere Delegierte, sowie der Vertreter der österreichischen Poale Zion. Aber auch Gegner der Kongreßorganisation bezweifelten die Kompetenz der Konferenz, einen Parteitagsbeschluß zu verwerfen. In der Abstimmung gaben die mandatlosen Parteifunktionäre den Ausschlag gegen die Beteiligung am zionistischen Kongreß. Den Parteimitgliedern wurde jec^ch. freigestellt, Schekel zu zahlen und Kongreßdelegierte zu entsenden. Da die österreichischen, amerikanischen, palästinensischen und englischen Poale Zion die Ansichten ihrer russischen Parteigenossen gewiß nicht teilen, wird es bei der Weltkonferenz zu neuerlichen Debatten über diese Frage kommen. Die letzten zwei Tage wurden von den Verhandlungen über die Palästinaarbeit ausgefüllt. Die Konferenz beschloß, die palästinensische Parteipresse, den Palästina-Arb eiterfonds und die gewerkschaftlichen und genossenschaftlichen Organisationen in Palästina zu fördern. Die Konferenz erklärte, ihren Entschluß, an dem Allweltlichen jüdischen' sozialistischen Arbeiterverband Poale Zion festzuhalten, beschloß'die Beschickung der poalezionistischen Weltkönferenz und gab dein1 Wunsche Ausdruck, daß diese in einer österreichischen Stadt stattfinden solle. L; . ..■ Argentinien Buenos Aires. Auf Veranlassung der Redaktion der Zeitschrift „La Esperanza de Israel" hat sich hier eine Jubiläumskommission zur Feier des 60. Geburtstages von Max Nordau gebildet, welche aus den Vertretern von 10 hiesigen jüdischen Korporationen besteht. Am Geburtstag des Jubilars veranstaltete diese Kommission im größten Saale von Buenos Aires eine Feier, die einen erhebenden Verlauf nahm. Die Eröffnungsrede in jüdischer Sprache über „Dr. Max Nordau als Zionist" hielt der Präsident des zionistischen Zentralkomitees in Argentinien, Jakobo Joselevich. Herr Nissensohn hielt eine spanische Rede über Max Nordau als Schriftsteller. Große Begeisterung weckte auch die Rede des bekannten Vorkämpfers der Poale Zion, Leon Chasanowitsch (Kasriel). Für den Nationalfonds wurde eine beträchtliche Summe gesammelt. Misrachi Das „Bureau des Misrachi für Westeuropa" in Frankfurt a. M. ersucht uns um Abdruck folgender Bekanntmachung: Infolge der verzögerten Ablieferung der für den Misrachi gesammelten Schekel konnte die formelle Bildung der Misrachiföderation noch nicht vorgenommen werden. Da aber nach den Berichten der Vertrauensmänner die für die Föderationsbildimg nötige Zahl der Schekelzahler bereits stark überschritten ist, wird die Bildung der Föderation noch rechtzeitig vor dem Termin der Kongreßwahlen erfolgen können. Gesinnungsgenossen, die bereit sind, ein Kongreßmandat anzunehmen, werden deshalb ersucht, uns dies baldigst mitteilen zu wollen. Zugleich werden die Vertrauensmänner in den einzelnen Ländern ersucht, für die schleunige Ablieferung der bereits avisierten Schekelgelder sorgen zu wollen. Bureau des Misrachi für Westeuropa Frankfurt a. M. Allerheiligenstraße 3. □1 y |l—1| PALÄSTINA DI PI n Wahl eines jüdischen Gemeindevorstandes in Jaffa Jaffa, 31. August 1909. Nach vieler Mühe und unter schweren Geburtswehen ist schließlich doch dank der intensiven Arbeit mehrerer Mitglieder aus dem provisorischen Komitee die Wahl eines allgemeinen Vorstandes für die Gemeinde in Jaffa zustandegekommen. Unzählige Versammlungen sind resultatlos verlaufen, weil immer nur eine geringe Anzahl von Wählern zusammengekommen war. „Kommt aber der Berg nicht zum Propheten," dachten die Initiatoren der neuen Gemeindeorganisation, „so muß der Prophet zum Berge kommen" und schickten mit einer versiegelten Urne zü den wahlberechtigten Mitgliedern herum, mit der Aufforderung, auf einer gedruckten^. Kandidatenliste die gewünschten Kandidaten zu verzeichnen und den Wahlzettel. in die Urne zu werfen. Gegen 400 Personen beteiligten sich an dieser geheimen, Wahl, aus welcher ,18 Mitglieder des neuen Gemeindevorstandes und 18 Ersatzmänner als mit Stimmenmehrheit gewählt hervorgingen. Wenn auch an der ganzen Wahlprozedur vieles auszusetzen ist, so mußte; sie doch im Anfange angewendet werden, da man sonst keine Möglichkeit sah, die zerstückelte Jaffaer Gemeinde zu vereinigen. Insbesondere ist die Einteilung der ganzen Gemeinde in sechs Gruppen (Peruschim, Chassidim, Sephardim, Orientalische, Handwerker und Unparteiische) eine ziemlich unhaltbare. Nicht alle diese ßruppen sind einander an Zahl, an intellektuellen und materiellen. Kräften gleichwertig, und es wäre ungerecht, für die Dauer diese Einteilung als Basis für die Zusammensetzung des Vorstandes zu behalten. Vielmehr müssen diese Grenzen verschwinden und Wahlgruppen nur nach einer bestimmten Zahl gebildet werden. Diese Einteilung brachte es mit sich, daß die Vertreter des sogen, „neuen Jischuw", hier als die „Unparteiischen" bezeichnet, nur in geringer. Zahl gewählt werden konnten. Die Wahl traf die Herren Scheinkin, Dr. Chissin und S. Goldberg. Der neue Vorstand scheint die Schwierigkeiten, die sich ihm im Anfange seiner Tätigkeit entgegensetzen werden, richtig zu ermessen und will sich zunächst nur auf solche Aufgaben beschränken, die ihrer Lösung harren^ aber v#n keiner Seite in Angriff genommen werden. ... Friedensschluß in Petach-Tikwah Petach-Tikwah, 1. September 1909. Das Schiedsgericht, dem die Schlichtung des Streites zwischen der alten und jungen Partei übertragen wurde, ist nach einer langen Tagung zu einem Beschlüsse gelangt, der hoffentlich Frieden in die Kolonie wird einkehren lassen. Es war auch schon höchst an der Zeit, Frieden zu schließen, da die Verhältnisse in den letzten Tagen sich sehr verschärft haben. Insbesondere hat die Partei der Alten einen Vorstoß gegen Arzt und Apotheke unternommen, der ernste Folgen haben konnte. Glücklicherweise verloren beide Parteien nicht die gesunde Überlegungskraft, und es endete nur mit einem Wortstreit. Ein arabischer Effendi, der der Szene zusah, verzeichnete sich diesen Vorfall als besonders bemerkenswert in Gegenüberstellung zu den Gepflogenheiten bei seinen arabischen Brüdern. Zwei Stunden nämlich dauerte das Wortgefecht zwischen der alten Partei, die die Apotheke für sich erobern wollte, und der Jugend, die zum Schutze des dort funktionierenden Arztes herbeigekommen war, ohne daß es jedoch zu handgreiflichen Auseinandersetzungen ausarten sollte. „Eine ungewöhnliche Geduld habt ihr Juden," sagte der arabische Effendi, „bei uns gibt es in so günstigem Falle schon unzählige blutige Köpfe." Doch sollte der Ernst der Situation bald dadurch noch mehr zum Vorschein kommen, daß auch die Weiber in Mitleidenschaft gezogen wurden. Sie wurden nämlich von den Alten dazu gewonnen, auf das Haus des Arztes einen Überfall zu machen, und beinahe hätte sich das Wort des Dichters von den Weibern, die zu Hyänen werden, erfüllt, wenn nicht die Söhne und Verwandten der kampfeslustigen Damen sich ins Mittel geworfen und die Heldinnen vom Kampfplätze in ihr ruhiges Heim wieder verwiesen hätten. Der von den Friedensrichtern gefällte Schiedsspruch lautet dahin, daß 1. von nun ai) das aktive Wahlrecht all denjenigen zukommen soll, die bereits drei Jahre in der Kolonie wohnen und, hier Steuern zahlen, auch wenn sie keinen^, Grund und Boden besitzen; ' \ 2. sollen von nun ab die Wähler unter sich* selbst nach {Belieben Zehnergruppen bilden, die je einen yerj^eter in $en weitern Ausschuß der Kolonie zu wählen haben,' wohingegen bis jetzt die Zusammensetzung der Zehnerschaften ausschließlich vom Waad bestimmt wurde; 3. die Monopolrechte, auf denen der Waad zum großen Teil seine Macht fundierte, sollen nicht mehr, wie bisher, vom Waad allein, sondern von der Generalversammlung"mit^/a Stimmenmehrheit vergeben werden. Somit kann man sagen, daß die progressive Idee durch dieses Urteil einen gewissen Sieg errungen hat. Leider ist es nicht gelungen, eine aufrichtige und vollkommene Versöhnung zwischen allen herbeizuführen, und wir werden zum Bedauern aller fortschrittlich Gesinnten unsern beliebten Dr. Kohan-Bernstein verlieren müssen. Es wurde nämlich zur Frage des Arztes bestimmt, daß jede Partei ihren eignen Arzt anstellen kann. Die Partei der Jugend hat sich