Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 40 (28.9.1909)
- Date
- 1909-09-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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DIE^ELT. No. 40 Gesinnungsgenossen zu sichern. Nähere Angaben über die. Wohnungsbesorgung werden demnächst bekannt gegeben. Das Reisekomitee wird die zweckmäßigsten Reiserbuten ermitteln und veröffentlichen. Auch wird es bestrebt^ sein, die Gewährung von Ermäßigungen, namentlich seitens der Schifffahrtsgesellschaften, zu erlangen. Alle Mitteilungen und Anfragen sind zu richten an das Bureau des IX. Zionisten-Kongresses, Harburg, Große Bleichen 65/!. Telegrammadresse: Orghip Hamburg Deutschland 2sjähriges Jubiläum der Kattowitzer Konferenz ' Im November d. J. jährt sich zum 25. Male die Zeit, in welcher in Kattowitz die erste Beratung der jüdischen Kolonisationsvereine über die Besiedlung Palästinas stattgefunden hat. Diese Konferenz bildete den Ausgangspunkt für alle modernen Bestrebungen zur Rückkehr der Juden in ihr altes Heimatland, an welche späterhin der Herzische Zionismus angeknüpft hat. Es ist darum eine Ehrenpflicht, die 25 jährige Wiederkehr jener Tage durch eine würdige Gedenkfeier zu begehen. In dieser Erwägung hat der Ausschuß des Verbandes der zionistischen Ortsgruppen Oberschlesiens beschlossen, am 7. November er. in Kattowitz eine Erinnerungsfeier abzuhalten, deren Einzelheiten der Öffentlichkeit noch bekanntgegeben werden. Wir laden schon jetzt alle Gg. sowie alle diejenigen» denen, die Erfüllung des Palästinaideals teuer ist, zur Teilnahme an der Festlichkeit ein, und wir würden es namentlich mit Freude begrüßen, wenn diejenigen Herren, welche vor 25 Jahren an der Kattowitzer Konferenz teilgenommen haben, bei unserer Feier sich wieder zusammenfinden möchten. Wir bitten alle, welche an der Abhaltung dieser Gedenkfeier Interesse nehmen, uns ihre Adressen mitzuteilen, damit wir ihnen eine Einladung übersenden können. Es liegt auch in unserer Absicht die Erinnerung an die Kattowitzer Konferenz publizistisch zu behandeln, und wir bitten daher alle diejenigen, die im Besitze von Material über diesen. Gegenstand sind, uns solches für einige Zeit leihweise unter Zusicherung unversehrter Rückgabe zu überlassen. Wir würden namentlich den Konferenzteilnehmern, die noch am Leben sind, für Mitteilung persönlicher Erinnerungen dankbar sein. Mit Zionsgruß Der Vörstand des zionistischen Gruppenverbandes Oberschlesien Arnold Wiener, Kattowitz, Karlstraße 1. Österreich Radautz: Sonntag den 12. September 1. J. veranstaltete die jüdisch-akademische Ferialvereinigung Chermonia im h. 0. Schützensaale eine Nordaufeier mit anschließendem Kommers zu Ehren ihres Ehrenburschen Reichsratsabg. Dr. Arthur Mahler. — Nach Begrüßung der überaus zahlreich Erschienenen, des Bürgermeisters, des Kultuspräsidenten, der Verbindungen und Vereine „Hasmonea", „Hebronia", „Zephira", „Ivria", „Jordania", „Kadimari", „Dorsche Zion", „Ivria" (Radautz), „Poale und Poalos Zion" (Sereth) der „vereinigten jüdischen Jugend" (Oberwikow) seitens des Präsidiums begann der musikalisch-deklamatorische Teil, wobei Frau Sabine Ebner am Klavier und Herr Dr. M. Fischer (Violine) Konzertstücke zum Vortrag brachten. Nicht minder beifällig wurden die Rfczitationen des Herrn Dr. Lucian Dauber (Czernowitz) aufgenommen. Den Schluß des musikalischen Teils bildete der Gesangvortrag des1 Frl. Etka Kohn (begleitet am Klavier von Frau Sab. Ebner). Das Wort ergriff hierauf zur Festrede Abgeordneter S>r. Mahler, In seiner Einleitung verglich er das jüdische Volk mit hm Golem des Rabbi Low. Während der ganzen Woche ein fühlender und denkender Mensch, wird er am Sabbath nach Entfernung des „Schern" wieder ein lebloser Lehmklumpen. Für das jüdische Volk aber sei der Sabbath noch nicht gekommen. Noch besitzt es den „Schern", noch kann es, noch muß es arbeiten. Der Referent feierte dann Nordau als bedeutenden Philosophen, der mit seinen „konventionellen Lügen" ganz Europa erschütterte. Abg. Mahler sprach dann über Nordau, den Dichter, und zuletzt über Nordau, den Juden. „Ist Pinsker der Seher, Herzl der Organisator gewesen, so ist Nordau der Verkünder im Zionismus. Nordau ist's gewesen, der unsere Ideen in die Massen getragen und daher als ein bedeutender Kämpfer und Verfechter des Zionismus gefeiert zu werden verdient." Tosender und nicht enden wollender Beifall folgte auf die Ausführungen des Abg. Mahler. Hierauf fand im Hotel Bristol** ein Kommers zu Ehren des Gastes statt, bei welchem die Bb. Bb. Hugo Maier und A. H. Advokaturkandidat R. Lang in trefflichen Worten den Zionismus und den Abg. Dr. Mahler feierten. Proßnitz: Die am 4. v. M. zugunsten des jüdischen Studentenheimes veranstaltete Unterhaltung des Ferialvereins „Giskalah" erbfachte den Beweis, daß unser Bemühen, in unserer Jüdischen Bevölkerung Teilnahme für die Interessen der jüdischen Jugend zu erwecken,* nun schon ansehnliche Erfolge gezeitigt hat. Bei der der Veranstaltung vorausgegangenen Subskription konntejn wir die Wahrnehmung machen, daß an manchen Stellen,. die. uns früher vollständig'unzugänglich waren^der Sache der jüdischen Studentenschaft wohlwollendes Interesse entgegengebracht würde, und auch der Besuch der Veranstaltung war ein sehr erfreulicher. Das Programm fand allgemeinen Beifall. Gg. J. Alfred Weinreb aus dem Budweiser Stadttheater rezitierte in formvollendeter Weise als Prolog „Das jüdische Studentenheim" von Beda. Ungarn Pozsony: Die an den beiden Neujahrstagen in der Synagoge der israelitischen^ Religionsgemeinde gehaltenen Reden .unseres gewährten zionistischen Gesinnungsgenossen, des Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Funk, eines der bedeutendsten deutschen Kanzelredner Ungarns, haben mit Recht allgemeines und wohlverdientes Aufsehen erregt. Dr. Funk, welcher diesmal den Begriff des jüdischen Volkstums mit der ihm angeborenen vornehmen Gedankentiefe und Wärme behandelte, wurde damit geehrt, daß eine große Anzahl der Gemeindemitglieder dem faszinierend wirkenden Redner eine Ovation darbrachten und beschlossen haben, diese Reden durch den Druck zu verewigen, wie dies auch anläßlich seiner Kanzelleistung über den verewigten Breslauer Gesinnungsgenossen Prof. Dr. Badt und Ritter v. Sonnenthal der ,Fall gewesen ist. Rußland Konferenz der Poale-Zion Rußlands Vom 16.—^-21. September fand in Österreich eine Konferenz der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei (Poale Zion) Rußlands statt. Es erschienen 12 Delegierte und Parteifunktionäre, außerdem beteiligten sich an den Beratungen Vertreter der österreichischen Bruderpartei, der zionistisch-sozialistischen Arbeiterpartei und tfer jüdischen sozialistischen Arbeiterpartei Rußlands. Dem Bericht des Zentralkomitees ist zu entnehmen, daß die Partei unter dem Ansturm der konterrevolutionären Bewegung schwer zu leiden hatte. Die stärksten Organisationen wurden zertrümmert, die aktivsten Parteimitglieder deportiert, eingekerkert bder zur Flucht gezwungen. Erst dem Vertreter der Partei im Allweltlkrhen Verband gelang es, die unterbrochenen Beziehungen teilweise wieder herzustellen. Ein hektographiertes „Informationsblatt" sammelte die versprengten Parteimitglieder zu erneuter Arbeit. Die Parteileitung steht mit etwa 30 Städten und Ortschaften des . Ansiedlungsrayons in Verbindung, wo einige hundert aktiver Parteiangöhöriger an die Werbearbeit herangetreten sind. Der Bericht schließt recht hoffnungsfreudig, den mächtigeren Parteien gelang 1 es nicht, soviel hinüberzuretten aus der Zeit der Kriegsgerichte, 'wie der Russischen Poale Zion. 7/An;'den Bericht knüpfte sich eine zweitägige eingehende Beratung über Organisation, Agitation, Presse, Parteifinanzen und die1 nächste politische, kulturelle und ökonomische Arbeit der Partei in Rußlands Die Konferenz nahm Stellung zu dem geplanten Emigrationskongreß sowie zur Kownoer Tagung und befürwortete in einer Resolution deren Beschickung. In der Vereinigungsfrage erklärte sich die Konferenz für eine Koordinierung der jüdischen sozialistischen Parteien Rußlands in allen Fragen der Landespolitik, der Emigration und der-Stellung zur sozialistischen Internationale. Die Konferenz erblickt in dem koordinierten Zusammengehen der jüdischen Arbeiterparteien einen bedeutsamen ^Schritt auf dem Wege zur vollständigen Vereinigung. Zu bewegten Debatten führte die Frage der Stellung zur zioni-