Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 40 (28.9.1909)
- Date
- 1909-09-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3315709-3316349-3316391--52359-3346056- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 40 DIEl^ELT 869 Knaben indessen hat er als vorsorglicher Vater taufen lassen; denn er meinte, ihm komme nicht das Recht zu, den Glauben seiner Kinder zu bestimmen. . . . Als prinzipieller Gegner des Atheismus, der die Kaisertreue erschüttert, hat er eben seine Kinder ... der toleranten christlichen Religion zugeführt. Im übrigen wollte er den Kindern keine Hindernisse auf den Weg ihres Lebensgangs legen. . . . In der neuen Zeit sei die Religion doch nur so ein Überbleibsel alter Gewohnheiten; man macht noch manches aus Pietät mit, aber das darf einen im Fortkommen nicht hindern. Und als Angehöriger der israelitischen Konfession zieht man doch immer den Kürzeren. Herr Maximilian Rosenthal, ein ruhiger, nobler Mann, der von sich nicht viel Redens machen will, bestimmte im stillen . . . das Schicksal seiner Söhne. In der Stadt wußte man nichts davon, und nur ganz zufällig ist es in weitern Kreisen bekannt geworden. Herr Maximilian Rosenthal verirrte sich einmal, er wußte selbst nicht wie, in eine zionistische Versammlung. Die Redensarten der Zionisten hatten ihn derart empört und seinen Widerspruch herausgefordert, daß er, entgegen seinen sonstigen Gewohnheiten, sich in jüdische Angelegenheiten nich,t zu mischen, das Wort ergriff, um gegen die Zumutungen der Zionisten im Namen des deutschen Vaterlandes und im Namen . . . der Religion zu protestieren. In jener schwungvollen Rede setzte er mit Begeisterung auseinander, daß kein deutscher Mann, ob Israelit oder Nicht-Israelit — auf die Konfession kommt es hier weniger an — Zionist sein kann. „Der Zionismus," rief er aus, „ist ein Verrat an der herrlichen deutschen Vergangenheit und ist geeignet, die Treue zu Kaiser und Reich zu erschüttern. Abgesehen davon ist schon der Zionismus von Religions wegen verboten. — Sowohl Rabbiner als der jüdische Realschuldirektor haben es ausdrücklich erklärt. , . . Und insbesondere hat es der jüdische Realschuldirektor, ein jüdischer Gelehrter, oft öffentlich behauptet." Und das hatten ihm die bösen Zungen der Zionisten angetan. .. und so erfuhr man, daß Herr Maximilian Rosenthal, der nationallibenale Wahlmann, das Schicksal seiner jungen Söhne ... im stillen bestimmt hat. Der ältere Sohn des Herrn Maximilian Rosenthal, Aloys Maria Rosenthal, ist — obwohl sein Herr Vater kein Mäntelfabrikant und kein Bazarbesitzer ist und war — Sozialdemokrat. Und nicht ohne Grund. Denn erstens fiel er trotz seiner christ-katholischen Konfession, auf die er als Gymnasiast so stolz war, in der Wahl zum Reserveleutnant durch; denn der Herr Vater konnte ihn seine Religion wechseln lassen, er konnte aber nicht den anatomischen Bau seines Herrn Sohnes arisch umtaufen. . . . Die Physiologie und Anatomie lassen sich eben nicht nationalliberal-christlich-katholisch beeinflussen.. Versteht sich. . . . Dann haben ihn die Heidelberger Borussen trotz seiner katholischen Christlichkeit — nicht in ihre Verbindung aufgenommen. Und als Sohn eines nationalliberalen „Führers" und Juden wollten ihn selbst die katholischen Verbindungen nicht aufnehmen, wiewohl Aloys Maria Rosenthal geneigt war, die Abstinenz und die Keuschheit auf sich zu nehmen. Und da er weder Reserveleutnant, noch Borusse, nochs Fuchs einer katholischen Verbindung werden konnte ... ist er Sozialdemokrat geworden und hat sich selbständig gemacht.. .. Und seitdem Aloys Maria Rosenthal in sozialdemokratischen Versammlungen gegen Zentrum, gegen jüdische Ausbeuterei und jüdischen Großkapitalismus donnert — und Beifallssalven erntet — ist der so viel gepriesene Friede in der Familie Rosenthal geschwunden. Vater und Sohn sind überworfen, Herr Kommerzienrat, Mitglied des Börsensenats ist tief unglücklich; denn im Börsenrat ist man über den Sozialdemokraten Rosenthal, dessen Name mit der Börse eng verbunden ist — gar nicht erbaut. Da Vater und Sohn oft verwechselt werden, mußte der Herr Vater die politischen Ämter niederlegen. Die nationalliberale Zeitung — schimpft dem Herrn Vater zuliebe ... auf den katholischen Sozialisten, die Zentrumszeitung schimpft auf den jüdischen Rebellen, die Antisemiten lachen sich ins Fäustchen, und auf der Bude herrscht Leben. . . . Die einzige Freude der Familie ist noch der jüngere Sohn des Herrn Maximilian Rosenthal, der junge Friedrich Rosenthal. Wahrheitssuchend und gemütstief, hat er den rechten Weg gefunden. Er ist Protestant und als Privatgelehrter (im Doktorexamen zweimal durchgefallen) arischer Rassentheoretiker und ein Anhänger der deutschen Heimatkunst. Er hat seine christliche Kusine, Rachel Schameies, geheiratet. Jedoch seine Frau neigt eher zum Buddhismus. . . . Und einseitige Zionisten klagen noch, daß das deutsche Judentum keine Fortschritte macht?! ooooooo^ o o o o o o o )) AUS DER BEWEGUNG ({ o o o o o o o 1 o o o o o o o Mitteilung des Bureaus des IX. Zionisten-Kongresses In eingehenden Konferenzen sind in Hamburg in Gegenwart des Herrn Präsidenten Wolffsohn, des Herrn Professor Dr. Ornstein-Groningen, Vorstehers des Achten Zionistenkongresses im Haag, und des Herrn Sekretär Berger-Köln die allgemeinen Richtlinien für die Vorbereitungen des IX. Kongresses festgelegt worden. Der Kongreß findet bekanntlich im „Konzerthaus Hamburg" statt, das nach übereinstimmendem Urteil geeignetere Räume enthält, als sie irgend einem der früheren Kongresse zur Verfügung standen. Zur Erledigung der Vorbereitungsarbeiten ist bereits jetzt unter dem Namen „Bureau des IX. Zionisten- Kongresses" in Hamburg, Große Bleichen 65/1. ein Bureau eingerichtet worden, das unter Leitung eines dreigliedrigen Direktoriums steht. Diesem Direktorium steht eine Anzahl Komitees zur Seite, von denen das Wohnungs- und das Reisekomitee ihre Tätigkeit bereits aufgenommen haben. Das Wohnungskomitee wird bestrebt sein, ganze Hotels zu mieten, in denen die Delegierten, je nach ihren Wünschen und Ansprüchen, konzentriert werden können, auch ist es gelungen, für eine kleine Anzahl von Delegierten unentgeltliche Unterkunft bei