Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 40 (28.9.1909)
- Date
- 1909-09-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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- Safed 2× ep/1046078
- Tiberias 2× ep/1048138
- İzmir 1× ep/1047963
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No. 40 DIEMKE LT 865 ein Teil Kalabriens, das allein in den letzten 100 Jahren fünf größere Erdbeben erlebt hat, wurden 1908 durch ein furchtbares Erdbeben zerstört. In den folgenden Wochen erfolgten Stöße in Florenz und Tirol, dann ein vulkanischer Ausbruch in Marokko, kleinere Beben in Bulgarien, ein größeres auf den griechischen Inseln, das über Smyrna durch Kleinasien bis nach Syrien drang. Weiterhin, — schon in diesem Jahre, — fand ein Beben in Spanien statt, auf der Insel Teneriffa bildeten sich neue Krater, dann folgte das Beben in Südfrankreich, zuletzt in Portugal, — währenddessen immer neue Stöße in Messina. Es ist ein lockerer Boden, der nicht zur Ruhe kommt. Auch Seebeben fanden hier häufig statt; sie sind die fast ständige Begleiterscheinung der Erdbeben in Küstengegenden. Zuweilen gingen sie mit so starker Hebung des Meeresbodens einher, daß es zu dauernder oder vorübergehender Inselbildung kam. Es sei nur an die griechische Insel Santorin erinnert, an der (198 vor Chr., dann 1573, 1707 und 1866) plötzlich vier neue Inseln auftauchten, die noch heute existieren. Ebenso erhob sich 1831 mitten im Mittelmeere vor den Augen eines Forschers die Insel Ferdinandea bei Sizilien, die bald zum Gegenstand eines Konflikts zwischen Neapel und England wurde. Die Beilegung des Konflikts erfolgte dadurch, daß die Insel nach einiger Zeit wieder verschwand. Syrien und Palästina gehört als östliches Küstenland des Mittelmeeres ebenfalls zu diesem Schüttergebiet und hat seit undenklichen Zeiten bis auf die letzten Jahre mächtige vulkanische Eruptionen ebenso wie größere und kleinere Beben in großer Fülle erlebt. Freilich ist es, — besonders das eigentliche Palästina, — bei weiten nicht ein so bedeutendes Schüttergebiet wie andere Küstenstriche, z. B. Unteritalien, der Balkan und Kleinasien. Da über diese, durch die jüngsten Ereignisse wieder in den Mittelpunkt des Interesses gerückten Verhältnisse, besonders über die Erdbeben, nur wenigen, — selbst nur wenigen Kennern Palästinas, — näheres bekannt ist, und die Literatur darüber zerstreut und zum Teil zu wissenschaftlich gehalten ist, so dürfte eine populäre Darstellung dieser Dinge, die das rein wissenschaftliche Material übergeht, für alle, die an Palästina Interesse nehmen, und daher auch in dieser Zeitschrift, nicht überflüssig erscheinen. Aus historischer Zeit ist uns von tatsächlichen vulkanischen Ausbrüchen in Palästina nichts bekannt. Nur die mächtigen ausgebrannten Krater und die den Boden weithin bedeckenden vulkanischen Ergüsse sind die überlebenden Zeugen jener epochalen zerstörenden und formenden Katastrophen. Somit beansprucht der Vulkanismus in Palästina, im Gegensatz zu den noch heute häufigen Erdbeben, eigentlich nur mehr geologisches und, — da die vulkanischen Zersetzungsprodukte einen vorzüglichen Ackerboden bilden, — agronomisches Interesse. Seit wann diese Erdkräfte, die so mächtigen Einfluß auf die Gestaltung der Oberfläche des Landes hatten, zur Ruhe gekommen sind, ist nicht festzustellen. Doch glaube ich an die Stelle Jeremias 51 erinnern zu sollen, an der der Prophet Babel mit dem Fluche Gottes bedroht und wo die Rede ist von dem „verderblichen Berg, der das ganze Land verdirbt, der von den Felsen herabgewälzt wird und zum verbrannten Berge wird, daß eine Wüste aus ihm wird". Solche Bilder wären in der prophetischen Rede nicht angewandt worden, wenn nicht die Vorstellung von einem vulkanischen Ausbruch noch im Gedächtnis des Volkes gehaftet hätte. Auch Rusegger meint, daß die Zeit, in der die Krater tätig waren, geologisch nicht allzuweit zurückliege. Jedenfalls ist uns seit Jahrtausenden nichts von Eruptionen bekannt geworden, und wir können daher die Vulkane, wenn auch nicht mit voller Sicherheit, als erloschen betrachten. Da über die Geologie des Landes in jedem bessern Palästinabuch nachgelesen werden kann, so wollen wir uns bei der Verfolgung der vulkanischen Spuren hier auf die unerläßlichsten geologischen Bemerkungen beschränken. Der Felsboden Palästinas, — denn von dem vorgelagerten Schwemmland der Küste soll erst bei der Besprechung der Erdbeben die Rede sein, — besteht bekanntlich aus einer Kalktafel, die auf einer Schicht nubischen Sandsteins aufgebaut ist, die ihrerseits auf dem Urgebirge von Gneis und Granit ruht. Dieses Tafelgebirge ist ein Teil der indo-afrikanischen Tafel, hat indes seine Grundform nur im Ostjordanland zu wahren vermocht, wo wir noch riesige Hochflächen finden. Anders im Westjordanlande. Hier ist die Kalktafel durch allerlei Faltungen und Längs- und Querbrüche in ein zerrissenes Kalkgebirge verwandelt worden. Am wenigsten trifft das noch für den Süden, für Judaea zu. Hier hat das Wasser durch Lösung des kohlensauren Kalks größere und kleinere Höhlen in dem Gebirge ausgewaschen. Nirgends aber finden sich durch Einsturz entstandene tiefe Einschnitte und nirgends daher auch gute Pässe, die über das Gebirge führen. Weiter nördlich aber, in Samarien, ist das Gebirge nach verschiedenen Richtungen zerschnitten. Deshalb führte auch die große Heeresstraße von Ägypten am Strande entlang über die Passe Samariens in die Ebene Jesreel. Diese Ebene nun stellt einen mächtigen Querbruch dar; hier sanken einst die Erdschollen in querer Richtung in die Tiefe. Der Karmel ist sonach ein Bruchgebirge. An solchen Brüchen entstehen nun häufig Vulkans. So finden wir auch in dieser Ebene als Zeugen derartiger Eruptionen mehrfach vulkanische Produkte, basaltische Ergüsse. Ihre große Fruchtbarkeit, die ja schon in ihrem Namen zum Ausdruck kommt, verdankt die Ebene gerade jenen schwarzen vulkanischen Zersetzungsprodukten. Da diese Farbe mit der der rotbraunen Tafeln der kultivierten Ebene fortwährend abwechselt, so hat P. Keppler die Ebene sehr glücklich mit einem ungeheuren Schachbrett verglichen. Übrigens findet sich ja auch noch südlich vom Karmel an der Küste Mergel vulkanischer Herkunft und darüber Basalte. Weiter im Norden, in Galiläa, mehren sich die Spuren vulkanischer Tätigkeit. Während aber im Ostjordanlaude die Deckenergüsse den Tafelcharakter des Gebirges nur wenig verwischt haben, haben die vulkanischen Ausbrüche hier im Westen die Oberflächengestalt des Landes wesentlich verändert. Hier haben die vulkanischen Kräfte ganze Gebirge aufgetürmt, ganze Bergkuppen von scharf umrissener Form geschaffen. Die bekannteste dieser Kuppen ist der durch seine regelmäßigen Konturen auffallende Berg Tabor. Südlich vom Tabor liegt ein alter Krater, Teil el Addschul, und die Lavaerde ist hier, in den Kreidefelsen eingelagert, bis in die Ebene Jesreel zu verfolgen. Auch weiter nördlich, in der Gegend um Nazareth, Tiberias und Safed, findet sich reichlich vulkanische Erde, ja der gesamte Berg Hattin, — berühmt durch die Kreuzfahrerschlacht, — der zu unsern Nationalfondsländereien gehört, ist selbst ein Basaltgipfel. Weitere in Kalk eingelagerte vulkanische Produkte, von ehemaligen Ergüssen herrührend, trifft man auch weiter nördlich beim alten Dan an, wo sich auch ein erloschener Krater findet. Weit ausgedehnter sind die Spuren des Vulkanismus östlich vom Jordan. Die Verwitterungsprodukte der Lavamassen haben dem Lande eine außerordentliche Fruchtbarkeit verliehen. Ist es doch bis auf wenige Striche ein ausgezeichnetes Weizenland, und war doch der mit Kratern und Lavafeldern reich gesegnete Hauran die Kornkammer des römischen Reiches. Die Ergüsse haben den FJächencharakter des Gebirges relativ wenig gestört. Wenngleich die Geschichte, wie erwähnt, von vulkanischen Ausbrüchen nichts berichtet, so müssen diese doch relativ spät erfolgt sein, da sich nachweisen läßt, daß die Lava bereits unter Benutzung östlicher Nebenflüsse des Jordans zwischen Tiberiassee und Totem Meer ins Jordantal hinabgeflossen ist und sich hier ausgebreitet hat. Freilich sind diese Spuren zum Teil wieder vom Wasser ausgelöscht worden. Die vulkanischen Spuren im Ostjordanlande nehmen von Norden nach Süden zu ab. Folgen wir ihnen in dieser Richtung. Zunächst ist das Safed und Tiberias gegenüberliegende Land, der Dscholan, voll erloschener Vulkane. In dem weniger fruchtbaren Norden des Landes findet man Lavamassen, mächtig aufgetürmte Basaltblöcke und die charakteristischen Kegel, die von den Arabern mißverständlicherweise als Teils bezeichnet werden, als wären sie Ruinenhügel, Überreste verfallener Kulturstätten, wie sie im Lande tatsächlich häufig vorkommen. Im Süden des Landes, wo die vulkanischen Produkte stärker verwittert sind, ist der Boden sehr fruchtbar. In einer Strecke von fünf Meilen Länge zieht sich hier eine Doppelreihe von vulkanischen Kegeln mit gut erhaltenen Kratern, von Norden nach Süden verlaufend, dahin. In dem Buche „Palästina" von Guthe (Land und Leute, Monographien zur Erdkunde) findet sich eine instruktive Abbildung von solchen hohlen ausgebrannten Kratern des Dscholan, jenen stummen und doch so beredten Zeugen von furchtbaren katastrophalen Ereignissen der Vorzeit, über die die Geschichte schweigt. Östlich vom Dscholan liegt der berühmte Hauran. In der zentralen Vertiefung, der Nukra, findet sich ein tonhaltiges Verwitterungsprodukt, der fruchtbare rote Basalthumus. Dann folgt das basaltische Oval des als Dschebel Hauran bezeichneten Gebirges. Stolz erheben sich hier vulkanische Kegel bis zu einer Höhe von 1800 m. Und wie wir in vielen Küstengegenden des Mittelmeeres auch im Jordantale oder in seiner Nähe heiße Quellen (Thermen) finden, die bei Brüchen der Erdrinde aus einem Erdspalt hervorbrachen und dauernd bestehen blieben, so ist auch der Fuß des vulkanischen Haurangebirges ringsum von einem ganzen Kranz heißer Quellen umspült. Da hier die berühmte rote Erde der tiefern Partien des welligen Terrains mit Basalt und Lava der hügeligen Partien abwechseln, so kann man auch hier das Terrain mit einem Schachbrett vergleichen. In ungeheurer Breite wälzte sich einst bei einem vulkanischen Ausbruch ein Lavastrom nach Norden, wo er in Form einer mächtigen Tafel erstarrte, der Ledscha (= Asyl), auch Trachonitis (Rauhland) genannt, eine schwarze Lavatafel mit Sprüngen und Rissen, in denen sich das Wasser sammelt und die Herden eine Weide finden. -i-SJ ,,■!'; 4 Ä 4, ': (: ';■■'{'■■ 'l V* ,