Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 52 (24.12.1909)
- Date
- 1909-12-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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keiten, die sich ihm anfänglich entgegenstellen, in Palästina einbürgern wird, da manche Straßen auch in ihrer jetzigen Verfassung für Automobile durchaus passierbar sind. Ein Windmotor am Tiberiassee Tiberias, 13. Dezember. Die katholische Ordensniederlassung in Tapcha, die von Köln aus unterhalten wird, hat in letzter Zeit mit einem Kostenaufwande von ca. 17 000 Frs. einen Windmotor aufgestellt, der aus einem Einflüsse des Tiberiassees das Wasser 50 Aleter hoch hebt. Bei der Beständigkeit und Stärke der galiläischen Winde ist anzunehmen, daß der Motor den gan/en Sommer hindurch wird arbeiten können. Dem Stifte gehören ca. 3000 Dunam, die nur teilweise kulturfähig sind und bis nun den benachbarten Arabern verpachtet wurden. Militäraushebung in Tiberias Bei der Militäraushebung der nichtmuselmännischen Bevölkerung in Tiberias wurden 93 Dienstpflichtige als tauglich befunden, darunter 82 Juden und 11 Christen. Gestellungspflichtig waren alle diejenigen, die im Alter von 20—26 Jahren stehen. Befreit vom Militärdienst sind bloß die Chachamim und andere religiöse Funktionäre. Es sind hier mehrere Irrtümer vorgekommen, indem Personen zum Militärdienst ausgehoben sind, die schon 30 Jahre und darüber alt sind, aber in den Geburtslisten infolge der geringen Aufmerksamkeit, die man früher der Eintragung gewidmet hat, als viel jünger eingetragen sind. Die Behörden haben bisher alle Reklamationen, die sich auf unrichtige Eintragung in die Geburtslisten gründen, abgelehnt. Regulierung des Besitzes in Artuf Artuf, 14. Dezember. Unsere Kolonie, die dicht an der Bahnstation Deraban (Strecke Jaffa-—Jerusalem) liegt und bei der Gründung weitgehende Hoffnungen erweckte, litt bis jetzt an der Kleinheit der Zahl der angesiedelten Kolonisten. Die Kolonie ist bekanntlich von sephardischen Juden in Bulgarien begründet, die sich jedoch nicht alle ansiedeln wollten. Ein Teil der Besitzer blieb in Bulgarien zurück, und die Verwendung ihres Bodens verursachte beiden Parteien viele Scherereien. Jetzt ist dieser Boden in den Besitz eines russischen Zionisten übergegangen, der dem Vernehmen nach hier eine Gastwirtschaft einrichten wird. Hoffentlich wird die neue Wirtschaft dem Leben der Kolonie einen neuen Antrieb geben. Kongreß-Besucher Jaffa, 14. Dezember. Zu den Palästinensern, die zum Hamburger Kongreß fahren, sind, außer den bereits früher gemeldeten, noch folgende Personen zu rechnen: Hermann Kohn, Glückin, E. Mundtschik (Hapoel-Hazoir), Ben-Zwi und Frl. Rachel (beide Poalei- Zion). Die meisten von ihnen sind im Auslande gewählt worden. Demission des Paschas Jerusalem, 13. Dezember. Der hiesige Pascha Subhi-Bey, der sich während einer 1 V*jährigen Amtsführung durch seine strenge Rechtlichkeit und seine Bemühungen um die Hebung des Landes die Sympathien der Bevölkerung erworben hatte, hat seine Demission eingereicht. Die-Demission ist angenommen worden. Bis zur Ernennung eines neuen Paschas ist die Führung der Geschäfte dem Militärkommandanten von Jerusalem übertragen worden. Die Gründe für die Demission des Paschas scheinen in der Stellungnahme des Paschas zu den bekannten Zwistigkeiten der arabischen und griechischen Christen in Jerusalem zu liegen. Orangen-Ernte Jaffa, 12. Dezember. Die Expedition der Orangen ist im vollen Gange. In letzter Woche sind drei Schiffe mit Orangen nach Liverpool abgegangen. Die Ernte ist kleiner als im Vorjahre, die Preise in Liverpool sind jedoch bisher ziemlich gut und lassen ilen Orangerienbesitzern ungefähr 4 Frs. netto pro Kiste. Viele Orangerienbesitzer haben ihre Orangen allerdings schon früher an Händler zu 3 bis 3.50 Frs. verkauft. Jemenitische Juden in Rechoboth Rechoboth, 15. Dezember. In unserer Kolonie finden jetzt ca. 40 jemenitische Familien dauernde Beschäftigung. Die Männer arbeiten in den Plantagen, und die Frauen verrichten bei den Kolonisten allerlei häusliche Arbeit. Der Jemenit zeigt sich fleißig und arbeitswillig und verbindet mit der Anspruchslosigkeit und dem Sparsinn des Asrabers die Treue und Zuverlässigkeit des aschkenasischen Arbeiters. Alle diese Eigenschaften machten die Jemeniten bald bei den Kolonisten beliebt, und es wird jetzt erwogen wie man für sie billig Wohnstätten bauen könnte, um sie dauernd an die Kolonie zu fesseln. Für die Jemeniten selbst bedeutet die Einwanderung nach Palästina und speziell das Leben in einer Kolonie wie der unsrigen unzweifelhaft einen großen Fortschritt. Sie erhalten den - ortsüblichen Lohn, wobei sie bei ihrer Genügsamkeit noch Ersparnisse machen. Außerdem genießen sie den Nutzen aller kulturellen Einrichtungen, wie Schule, Arzt, Apotheke usw. Arztwahl in Rechoboth Für das kommende Jahr wurde hier an Stelle des nach Jaffa übersiedelnden Dr. Pouchowski der bekannte hebräische Dichter Dr. med. Schaul Tschernichowsky aus Rußland zum Arzt gewählt. Mit seiner Übersiedlung in unsere Kolonie, die bald bevorstehen dürfte, werden die literarischen Kräfte in Palästina einen erwünschten Zuwachs erfahren. Besserung des Gesundheitszustands in Chederah Chederah, 11. Dezember. Unsere Kolonie galt seit der Zeit ihrer Begründung in klimatischer Beziehung als der gefährlichste Ort der jüdischen Kolonisation. In der Tat waren auch hier, infolge der frühern großen Sümpfe, mehr Fälle von gelbem Fieber als sonst in einer Kolonie. Indessen hat sich in den letzten Jahren darin eine völlige Wandlung bemerkbar gemacht. Schon die vielen, nach Zehntiusenden zählenden Eukalyptusbäume haben nicht wenig zur sanitären Besserung beigetragen. Das völlige Aufhören des gelben Fiebers — seit zwei Jahren hatten wir keinen einzigen solchen Fall zu verzeichnen — schreibt man jedoch dem Umstände zu, daß der neue Brunnen gesundes Trinkwasser liefert, während das frühere Wasser nicht einwandfrei war. Die gründliche Besserung der gesundheitlichen Zustände hat auch ihre Wirkung auf die allgemeine Lage der Kolonie nicht verfehlt. Der Schaffensmut der Kolonisten ist gestiegen, und moderne landwirtschaftliche Maschinen finden immer mehr Eingang. Auch bestrebt sich die Kolonie, jüdische Arbeiter heranzuziehen. Es steht daher zu hoffen, daß nunmehr unsere Kolonie, die nach ihrer Fläche die zweitgrößte unter allen jüdischen Kolonien ist, sich auch in jeder andern Beziehung kräftig entwickeln wird, wofür der bekannt fruchtbare Boden Chederahs eine weitere Bürgschaft bietet. Auch der Jüdische Nationalfonds hat bei uns zwei Besitzungen: den Goldberghain und den „Gan Schmuel", der ihm jüngst vom Odessaer Komitee geschenkt wurde. Achusath Baith Jaffa, 14. Dezember. Der Bau von 55 Häusern in Achusath Baith ist jetzt soweit gefördert, daß die Häuser zum bevorstehenden Umzugsterrnin (15. Januar) sicher bezogen werden können. Viele Häuser sind schon jetzt vollständig fertig. Auch die Wasserleitung und die Aborte werden bis zum Um^ugstermine vollendet sein. Die Häuser machen im allgemeinen einen freundlichen Eindruck, insbesondere nehmen sich die Häuser aus Zementsandziegeln, deren Fabrikation 'ein hiesiger Jude im vorigen Jahr eingeführt hat, recht nett aus. Die Häuser kosten (ohne Bauplatz) von 6000 -12000 Frs. Der Bau des Hebräischen Gymnasiums macht ebenfalls Fortschritte und soll bestimmt bis Pessach vollendet sein. Ein abschließendes Urteil über das neue Stadtviertel wird sich erst im Frühjahr fällen lassen, wenn die Planierungsarbeiten beendet und die Straßen gepflastert sein werden. ^^NACHRICHTEN ^1] Die Konferenz für die hebräische Sprache und Kultur in Berlin Am 19. und 21. d. M. tagte in Berlin die Konferenz für die hebräische Sprache und Kultur. Am 19. Dezember, 12 Uhr mittags, fand eine Volksversammlung in den „Sophiensälen" statt, aut der Nahum Sokolow sein Referat über die Bedeutung der hebräischen Sprache und Literatur für das Judentum hielt. Der Vortragende schilderte in großen Zügen und beleuchtete sowohl vom historischen Standpunkt wie auch unter dein GesichlspunkPder gegenwärtigen Probleme die Wichtigkeit, die nationalen, sittlichen und erziehlichen Wirkungen der Kenntnis der hebräischen Sprache und ihre Ausbreitung im jüdischen Volke.