Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 52 (24.12.1909)
- Date
- 1909-12-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Eröffnung der Bezalel-Ausstellwig Am 21. ds. Mts., um 1,28 Uhr nachm., wurde die Bezalel-Ausstellung im .Konzerthaus Hamburg eröffnet. Der Vorsitzende des Hamburger Bezalelvereins, Herr Daniel Münden, eröffnete die Ausstellung mit einer Ansprache, in der er in beredten Worten auf die hochwichtige kulturelle Bedeutung der Kunstgewerbeschule „Bezalel'' hinwies. Der Leiter der Ausstellung, Herr Professor Boris Schatz, erwiderte in geistvollen Worten, in denen er die Ziele und Aufgaben der unter seiner Leitung stehenden Anstalt darstellte. In einer gelungenen Wendung bemerkte Herr Schatz, es sei früher unter den Juden Sitte gewesen, bei der Eröffnung einer Feier zum Andenken lUMSCHLAGZEICHNUNGjjFÜR DAS BUCH „BEZALEL" VON B. SCHATZ an die Zerstörung Jerusalems irgend ein Gefäß zu zerbrechen, um „einen Wermutstropfen in den Freudenbecher hineinzuschütten"; jetzt hingegen, wo es sich mehr um eine Anregung für den Aufbau als um ein Trauerandenken handelt, sei es eine viel würdigere Form der Ehrung Jerusalems, irgendeinen dort gemachten Gegenstand zur Schmückung des eignen Heims zu kaufen. Die Hamburger Mitglieder des „Bezalelvereins" waren zahlreich vertreten und begrüßten freudig gerührt die Ansprachen. Die Ausstellung, deren genaue Beschreibung wir uns noch vorbehalten, macht sowohl durch die Fülle der Gegenstände wie durch die vorzügliche Verteilung derselben in einem großen Saal des Konzerthauses einen wahrhaft imposanten Eindruck und dürfte in den weitesten Kreisen der Hamburger Bevölkerung das größte Interesse wachrufen. Man kann sich kaum ein wirksameres Propagandamittel für die Popularisierung der Palästinaarbeit im allgemeinen und des Bezalel im besondern denken als diese Ausstellung. Brief aus Palästina (Von unserm Berichterstatter) Chanukahfeier Jaffa, 14. Dezember. Die Chanukahwoche ist entschieden sowohl in betreff der Intensität der nationalen Weihe und Erhebung als auch ganz allgemein in bezug auf gesellige, schöngeistige Veranstaltungen, die schönste Woche in Palästina. Es ist, als ob alle Lebensfreude und alle Lust an öffentlichen Darbietungen, die im Sommer und namentlich im Spätsommer durch die große Hitze gewaltsam eingeschränkt und unterdrückt werden, sich nun in den Chanukahtagen mit einmal auslösen und zum völligen Durchbruch gelangen will. Fast in allen Städten und Kolonieen fanden gelungene, erhebende Makkabäerfeiern statt, die zumeist in der Lehrerschaft und in den Schulen ihren Ausgangspunkt haben. Aber am zahlreichsten und auch in betreff gründlicher Vorbereitung, am gediegensten sind die Veranstaltungen in Jaffa, wo die Lehrer längst * erkannt haben, welch* pädagogischer und ethischer Wert einer mit Ernst und Disziplin vorbereiteten Feier innewohnt, und die demgemäß der Sache nicht wenig Mühe und Anstrengungen widmen. Den Reigen eröffnete in Jaffa das Hebräische Gymnasium, das in der ganzen Zeit seines Bestehens durch seine schöne Chanukahfeier bei der Bevölkerung in angenehmer Erinn :rung ist. Auch diesmal ließ die Feier nichts zu wünschen übrig. Unter d:m sternbesäten Himmel, im Hofraum des Gymnasiums, wurde um 6 Uhr abends die Feier eröffnet, die bis spät in die Nacht dauerte und einen würdigen Verlauf nahm. Eigentümlich wirkten auf neue Einwanderer die angebrachten Aufschriften: Ness gadol hajah poh. Leider erwies sich der Hofraum des derzeit gemieteten Gymnasialgebäudes als viel zu. beschränkt, um die nahezu 200 Schüler des Gymnasiums mitsamt ihren Eltern, Geschwistern und sonstigen vielen Freunden der Schule fassen zu können. Glücklicherweise wird es nicht mehr lange dauern, und das erste Hebräische Gymnasium in Palästina wird seinen Einzug in sein eigenes, von Herrn Jakob Moser in Bradford gestiftetes, geräumiges Gebäude in Achusath- Baith feiern können. Die vom Odessaer Komitee unterhaltene Mädchenschule mit nahezu 400 Schülerinnen war schon dieses Jahr in der Lage, das Chanukahfest zum ersten Male in seinem eigenen, durch die großartige Spende des Herrn Feinberg in Irkutsk erbauten Schulgebäude zu veranstalten. Die umsichtsvolle Leitung des Direktors, Dr. N. Turoff, zeigte sich auch in dieser Veranstaltung, die den Besuchern noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben wird. Besonders wurde die Aufführung eines gelungenen neuen Schauspiels für Kinder, das von dem hebräischen Lehrer des „Bezalel", Herrn K. Silmann, verfaßt ist, sehr bewundert und mit stürmischen Hedad- Rufen aufgenommen. Auch alle andern Schulen haben Chanukahfeste veranstaltet. Zu erwähnen ist noch, daß die beiden vom „Hilfsverein der deutschen Juden" unterhaltenen Kindergärten ebenfalls im Gebäude der Mädchenschule ihr Fest gefeiert haben, wobei durch den „Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina" die Kleinen mit Puppen und sonstigem Spielzeug, das hier selten zu haben ist und eigens aus Europa gesandt wurde, beschenkt wurden. Von den geselligen, schöngeistigen Veranstaltungen ist in erster Reihe die der „Freunde der hebräischen Bühne" zu nennen, die Sonnabend abends stattgefunden hat. Dei große Saal war bis auf den letzten Platz voll besetzt, alle Billetts ausverkauft. Leider war die Wahl der Einakter keine besonders glückliche. „Abrehrnil ha- Sandler" ist auch in der Bearbeitung von Ch. Harari arm an Handlung, um auf der Bühne „wirken" zu können, und der folgende Einakter „Masel-Tow" ist an sich minderwertig. Es ist zu wünschen, daß der so lobenswerte Verein in Zukunft der Wahl der Stücke mehr Aufmerksamkeit schenken soll. Von den Mitwirkenden zeichneten sich diesmal Herr Teitelmann, Herr und Frau Harari aus, die vom Publikum mit stürmischem Beifall applaudiert wurden. Bei diesen Veranstaltungen lag die Aufrechterhaltung der Ordnung in der bewährten Hand des Herrn Turnlehrers Orloff, der sich auch diesmal seiner schwierigen Aufgabe glänzend entledigte. Herr Dr. Schmarjahu Lewin, der jetet in Jaffa weilt, wohnte den meisten Veranstaltungen bei. Automobilverkehr Jaffa, H.Dezember. Die Automobildroschke, die ein hiesiger Araber gebracht hat, um den Verkehr zwischen Jaffa und Nablus zu vermitteln, und die nach den ersten Fahrten wegen schwerer Beschädigung den Betrieb einstellte, ist jetzt wieder repariert und vermittelt den Verkehr zwischen Jaffa und den Nachbarorten. Es scheint überhaupt, daß das Automobil sich bald, trotz der Schwierig-