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Die Welt · 1909-09-15 · 38-39 (15.9.1909) · page 21

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
38-39 (15.9.1909)
Date
1909-09-15
Page
– (sequence 21)
Language
German
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Der „Club des Intimes" hat sich übrigens in diesem Sinne selbst an das Großräbbinat gewendet. — Bisher sind uns lediglich die Äußerungen des „Tiempo?, dem wir die obigen Mitteilungen entnehmen, zu dieser Frage bekannt geworden. Er verhält sich ablehnend zu dem Projekt; Es erscheint ihm als verfrüht und das aus dem Gfunde, weil erst die Reorganisation der Einzelgemeinden vor sich gehen müßte, bevor sie autoritative Vertretungen zu einer gemeinsamen Versammlung: entsenden könnten. Vorläufig sei ein großer Teil der .in Betracht kommenden Gemeinden noch ohne geistiges Oberhaupt und ohne Organisation. Dieser Mißstand ist. erst zu beseitigen und das Großräbbinat sei gegenwärtig mit den Vorarbeiten zu dieser Reorganisation beschäftigt. Ferner, meint der „Tiempo",^ seien erst die Gegenstände, die auf dem Kongreß zur Behandlung kommen sollen, genau zu definieren und ein Meinungsaustausch zwischenud.cn Gemeinden über sie zu veranstalten. -.-. / Einem außerhalb der türkischen Landesgrenzen erscheinenden Blatte wie der „Weif* liegt es natürlich nicht ob, zu dieser internen Frage der türkisqhejn Judenheit Stellung zu nehmen. Aber auch wir, von andern Gedankengängen als der „Tiempo" ausgehend, sind der Ansicht, daß efri nationaler Judenkongreß heute in der Türkei noch verfrüht wäre. Es Herrscht noch allerorten ein solches Gedankenchaos bezüglich der nationalen .Ahger^nheiten in den jüdischen Köpfen, daß es noch geraume Weife dauern muß, bis die Aufklärung so weit vorgearbeitet hat, daß erspjießliche Beratungen und Beschlüsse zu erwarten seiri körirö^ noch viel nationalpädagogische Einwirkung auf die3 judischen Individuen vonnöten, ehe sie zu Zusammenschlüssen„übeffraüpt fähig werden. Bei der großen Begabung der orientalischen Juden ist freilich darauf zu vertrauen, daß dieser Prozeß nicht allzulange währen muß. Die immer freier, intelligenter und nationaler sich entfaltende modern-jüdische Presse, von deren Entstehung wir schon berichtet haben, hat hier die Hauptarbeit zu vollbringen. Wir zweifeln keinen Augenblick, daß es ihr alier Gegnerschaft der Alten und Abgelebten zum Trotz gelingen wird. Geht die Aufklärung so wie bis jetzt im Sturmschritt weiter vorwärts, so werden die Voraussetzungen für den geplanten Kongreß in absehbarer Zeit geschaffen sein und der bahnbrechende Gedanke der „Nation", der aller Anerkennung sicher ist, fruchtbar werden können. Revue der Presse Der „Osmanische Lloyd" bringt diese Woche einen interessanten Artikel seines Jerusalemer Korrespondenten über die natürlichen Bodenschätze Palästinas; der Verfasser verspricht sich eine große Ausbeute ganz besonders von den Mineralien, die am Toten Meere und an andern Orten verborgen liegen. Der „Courrier d'Orient" unterrichtet seine Leser in einer knappen Studie über die Ziele und die Wirksamkeit des „JHilfsvereins der deutschen Juden". Es wird besonders die Auswandererfürsorge und die palästinensische Kulturarbeit der Organisation gewürdigt, die gleicherweise gute Hebräer und getreue Ottomanen aus der ihr anvertrauten jüdischen Jugend machen will. Der „Avenir" in Salonik giebt in einem fulminanten Artikel auf einen. Aufsatz der „Archives isYaelites" die gebührende Antwort. Als Ottomane weist der Verfasser ö% ungebetene Einmischung eines zur Unkenntnis der Dinge venäatWmten auswärtigen Journalisten zurück, der da glaubt, seine überlebten assimilatorischen Phrasen., der neuerwachten nationalgesinnten türkischen Judenheit bieten zii können. In ihrem Patriotismus haben diese ottomanischen Juden es nicht nötg, sich von Paris .aus belehren zu lassen. Sie nehmeniJäen Zionismus auf, trotz aller hypokritischen Abmahnungen, weil er das einzige ihrer Sorge genügeleistende Ideal ist, das ihnen gleichen Spielraum für ihre jüdischen wie für loyale türkische Bestrebungen bietet. — Der Artikel ist dem „Tiempo" zugleich^e'widmet, der den Aufsatz der „ Archives israelites" zu dem seinen gemacht hatte. Der „Judeo" setzt sein Werk in gleich guter Weise fort. Diesmal bespricht ein Leitartikel des Advokaten Ferreira das Thema: „Die jüdische Nation" und kommt zu zionistischen Schlüssen. An anderer Stelle des Blattes taucht zum erstenmal hierzulande die interessante Frage „Judentum und Sozialismus" auf. Der hebräischbelletristische Teil kehrt regelmäßig und reichhaltig wieder. ooooooooo S2^sr NACHRICHTEN ooooooooo Deutschland Die Judenfrage auf dem Berliner zahnärztlichen Kongreß Vor Schluß des jüngst in Berlin abgehaltenen zahnärztlichen Kongresses wurde über den Ort des nächsten Kongresses beraten, wobei von deutscher Seite Petersburg vorgeschlagen wurde. Einige russische Teilnehmer wiesen aber darauf hin, daß der Aufenthalt in Petersburg für die ausländischen jüdischen Zahnärzte mit Schwierigkeiten verbunden sein würde. Als Beispiel führten sie an, daß zu dem letzten Allrussischen Zahnärztekongreß in Petersburg auch einige ausländische Spezialisten und Professoren eingeladen waren, die den Kongreß mit den neuesten Erfindungen und Fortschritten auf diesem Gebiete bekannt machen sollten. Unter den Eingeladenen befanden sich auch einige Juden, die sich aber am Kongreß wegen der Aufenthaltsschwierigkeiten in Petersburg nicht beteiligen konnten. Der Kongreß" beschloß darauf, den nächsten Zahnärztlichen Kongreß, der im Jahre 1914 stattfinden soll, in London abzuhalten Österreich Vot träge über jüdische Kunst Herr Professor Dr. Max Eisler, A. H. der jüd. akad. Verbindung „Maccabäa", Wien, wird Ende Oktober d. J. in Wien zwei Vorträge über „Jozef Israels und die jüdische Kunst" halten. Die „MaccabäaVhat/das Arrangement dieser Abende in die Hand genommen und ein studentisches Komitee gebildet. Für das bürgerliche Ortskomitee w«rflen namhafte Persönlichkeiten herangezogen. Von diesen Vorträgen^ für die in Böhmen und Mähren bereits eine sehr lebhafte Anteilnahme zu verzeichnen ist, verspricht sich die „Maccabäa" für 'die*.jüdische Kunst einerseits und für die Partei anderseits große Erfolge. Die P. T. Gesinnungsgenossen werden höflichst ersucht, schon jetzt-für diese Vortragsabende in ihren Kreisen lebhafte Propaganda zu mächen. . r;< Rußland (Von unserm Berichterstatter.) Die Juden in Finnland Wie bekannt, hat der finnländische Senat an alle Stadt- und Dorfselbstverwaltungen ein das Wohnrecht für Juden betreffendes Gesetzprojekt gesandt, doch hat bis jetzt keine einzige von diesen Institutionen ihre Meinung wegen dieses Projektes ausgesprochen. Inzwischen werden, wie die in Finnland erscheinenden schwedischen Zeitungen melden, die dortigen Juden, die kein Wohnrecht besitzen, binnen kurzem ausgewiesen. Die finnländischen sozialistischen und radikalen Zeitungen fordern von der Regierung eine baldige Durchführung des Wohnrechtsgesetzes für Juden im Senat. Die reaktionären finnländischen Zeitungen dagegen versichern, daß den Juden absolut keine Repressionen drohen und machen der schwedischen Zeitung Vorwürfe, die sich bemüht, die Judenfrage wieder mal auf die Tagesordnung zu bringen. Städtische Selbstverwaltung in Polen Im Ministerium des Innern beendigt man das die städtische Selbstverwaltung in Polen betreffende Gesetzprojekt. Was die Judenanbelangt, so bleiben für sie die alten Beschränkungen, die auch in den allgemeinen Selbstverwaltungen vorhanden sind, unverändert. 7 Es ist bemerkenswert, daß man die Frage über den Anteil der Juden an der städtischen Selbstverwaltung erst jetzt zu behandeln sucht, wo das Projekt schon abgeschlqssen ist. Schtscheglowitow und die jüdischen Rechtsanwälte In der letzten Zeit sind im heutigen Ministerium viele Gesuche der jüdischen Rechtsanwaltsgehilfen eiir^elaufen, als Rechtsanwälte zugelassen zu werden. In diesen Tagen hat man ihnen allen erklärt, daß ihre Gesuche « auf eine unbestimmte Zeit aufgeschoben sind. "V

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