Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1909-09-15 · 38-39 (15.9.1909) · page 20

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
38-39 (15.9.1909)
Date
1909-09-15
Page
– (sequence 20)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3315709-3316349-3316390--52337-3346017
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Herr B. A. Fersht brachte eine Resolution ein, in welcher dem Exekutivkomitee das Vertrauen der Versammlung ausgesprochen wurde. Herr M. B. Wassermann unterstützte diese Resolution. Nach stattgefundener Diskussion, an der sich die Herren Schapiro, Nathan, Warschawitz, Ginsburg und Foner beteiligten, wurde die Resolution einstimmig angenommen. Herr S. B. Rubinstein, Schatzmeister der Federation, erstattete den Kassenbericht, aus dem hervorging, daß £ 66,15 für Schekel an das Zentralbureau abgeführt wurden, ferner £ 23.— für Ölbäume, £ 1.— für den Palästinakulturfonds und Sh. 6.— für die Nationalbibliotyek in Jerusalem. Auf Antrag des Herrn Nathan, unterstützt durch Herrn I. Siobodinsky, wurde der Kassenbericht einstimmig angenommen. Der Vorsitzende beantragte.jjie Einsetzung einer Spezialkommission, um Vorschläge zur Änderung der Statuten zu machen, welche alsdann dem Exekutivkomitee zur Durchberatung und dem Zentralkomitee zur endgültigen Annahme zu unterbreiten seien. Rev. Dr. Strauß-Bradford unterstützte diese Resolution, die einstimmig angenommen wurde. In 9UeRf^Commission wurden folgende Herren gewählt: Vizepräsident I. L/'öreenberg, S. Goldreich. I. Cowen, I. K. Goldbloom und E. Goodman,.~ Der Schatzmeister, Herr S. B. Rubinstein beantragte folgende Resolution: „Es sei der Kommission zur Abänderung der Statuten zu empfehlen, in dem zu schaffenden Entwürfe einen Paragraphen einzubringen, wonach die der Federation angeschlossenen Vereine in Gemäßheit ihrer Mitgliederzahl der Federation alljährlich eine Abgabe zu entrichten hätten, deren Gesamthöhe dem Ausgabeetat der Federation gleichkomme." Herr Rubinstein bemerkte, die gegenwärtigen Einnahmen der Federation genügten durchaus'nicht, um die Kosten der Propaganda und Verwaltung zu decken. Es sei daher notwendig, die Vereine mehr als bisher in Anspruch zu nehmen, um der Federation die nötigen Mitttel bereitzustellen. Dieser Antrag fand die Unterstützung des Herrn Siobodinsky und wurde nach kurzer Diskussion, an der sich die Herren Nathan, Gutmann, Eisen, Schapiro und Sielk beteiligten, angenommen. Hierauf verlas der Sekretär eine Liste der Sammlungen, welche während der letzten 6 Monate für den Jüdischen Nationalfonds vorgenommen wurden. Die Gesamthöhe der eingegangenen Beträge belief sich auf £ 314.11.—; hiervon entfielen auf das Goldene Buch £ 159.2.—, auf allgemeine Spenden £ 88.19.7 und auf NR- Büchsen £ 54.8.5. Die meisten Eingänge hatte London zu verzeichnen, dann folgten Edinburg, Leeds, Manchester, Liverpool, Sheffield, Sunderland, Glasgow und andere Städte. Die Konferenz schloß mit einer Dankesresolution an den Vorsitzenden. Die Delegierten waren zum Lunch die Gäste des Vizepräsidenten Herrn Greenberg. Brief aus Konstantinopel (Von unserm Berichterstatter) Die Lage Der 11. September ist wieder einmal ein historisches Datum. An ihm begann die Aushebung der nichtmohammedanischen Rekruten in der Hauptstadt. Nunmehr trägt also auch die jüdisch-ottomänische Jungmannschaft die Waffen. Wir sind überzeugt, daß sie im Dienste für ihr Vaterland wie überall ihrer Nation Ehre machen wird, damit diese unter den andern im patriotischen Wettstreit bestehen kann. Leider ist aus den letzten Tagen keine Besserung in den Beziehungen der ottomanischen Völker zueinander zu verzeichnen. Im Gegenteil hat die stetig fortschreitende Verbrüderung der Türken mit den Armeniern einen plötzlichen Rückschlag erlitten. Die armenische Nation findet, daß die Regierung ihre entgegenkommenden Zusicherungen nicht hält, daß in Adana keine volle Gerechtigkeit geübt wird und daß auch infolgedessen keine ausreichenden Garantien dafür gegeben seien, daß sich ähnliche traurige Katastrophen wie die letzten Massakers nicht Wiederholen werden. Als Zeichen des einmütigen nationalen Protestes hat der- Patriarch seine Demission eingereicht, und die beiden Konsistorien wie die Nationalversammlung sind bereit, seinem. Beispiele zu folgen, falls nicht ihren gerechten Forderungen Genüge geschieht Der Vorgang machte einen tiefen Eindruck; es ist kaum ein Zweifel, daß die Regierung nachgeben wird. Sie muß das um so mehr, als'*sfe sich nicht gut in Widerspruch mit dem Komitee wird setzen jkönnen, das soeben erst einen weitem Schritt zur türkisch-arabischen Annäherung durch ein Schutz- und Trutzbündnis mit der „Daschnaksutiun", der vereinigten armenischen Konstitutionspartei, gemacht hat. Die Hauptmomentfc dieses Vertrages sind sehr interessant. Beide Parteien wollen „das Vaterland vor Abtrennung eines seiner Teile und vor der Aufteilung schützen. Sie werden sich bemühen, den falschen Gerüchten über Sonderbestrebungen der Armenier entgegenzutreten". Auf der andern Seite aber sind sie sich „darüber einig, daß nach Möglichkeit die partikularen Rechte der Provinzen erweitert werden müssen, wodurch die Entwicklung und der Fortschritt des ganzen Vaterlandes gesichert werden". Also scharfe Betonung der Einheit und Unteilbarkeit des Reiches, gleichwohl aber eine Hinneigung zu dezentralistischen Tendenzen, die freilich nur eine landschaftliche, nicht nationale Färbung tragen. Die Armenier haben sich damit die Auffassung des türkischen Komitees zu eigen gemacht, das insoweit von jeher dezentralistisch war, und tiaj)en die Bahnen der ehemaligen „Ahrar", die an nationale Dezentralisation und an Autonomien dachte, endgültig verlassen. Der vierte Artikel des Vereinsgesetzes Macd in diesen Tagen wirksam werden, da die gestellte Frist zur Anmeldung der bereits bestehenden Klubs und Vereine demnächst'.abläuft. Die Proteste gegen das Gesetz haben nicht, nachgelassen. k„So haben die griechischen, bulgarischen, serbischen und atbanesischen Klubs in Mazedonien einen gemeinsamen Protest an die Regierung gerichtet. Das Telegramm kam aber zurück' rflit dem Verrrierke: „Annahme verweigert." So wenig denkt die Regierung dararf,' von ihrem Standpunkte abzugehen. Dem „Osrtiahischen Lloydu zufolge haben'bereits eine Reihe nationaler Klubs, unter ihnen die jüdische Liga „Achwa" ihre Pforten geschlossen, andere Generalversammlungen zur Beschlußfassung einberufen. Im übrigen sollen alle NalioMjrtäten, trotzdem das Gesetz sie politisch entrechtet, entschlossen t>SßfrL im Interesse des gemeinsamen Vaterlandes von jedem gewalisa'men Widerstand abzusehen und die Bat^ragn der Gesetzmäßigkeit nicht zu verlassen. Öffentliche Arbeiten und Landwirtschaft Gabriel Effendi Noradunghian, der ausdauerndste aller bisherigen Minister des neuen Regimes, hat endlich doch die Waffen strecken müssen. Die Kampagne des „Tanin" und ihre Folgen waren stärker als er; so bedeutend ist in der neuen Türkei die Kraft der öffentlichen Meinung. Noradunghian folgt im Amte ein anderer Armenier, Haladschian Effendi, der Deputierte für Konstantinopel, der aus seiner Tätigkeit in der Finanzkommission des Parlaments ehrenvoll bekannt ist. Die Juden werden weiter auf „ihren" Minister warten.. Für die notleidende Landwirtschaft scheint doch endlich etwas unternommen zu werden. Neben der großen Staatsanleihe von sieben Millionen Pfund, die im wesentlichen zur Deckung alter Schulden und des Budgetdefizits wird dienen müssen, beabsichtigt der Finanzminister Dschassid Bei außerdem noch eine kleinere Anleihe von einer Million Pfund, lediglich für die dringenden Bedürfnisse der Landwirtschaft, aufzunehmen. Die jüdische Einwanderung nach Palästina Die Einschränkungen der jüdischen Immigration in Palästina haben zum erstenmal den Ministerrat beschäftigt. Er soll willens sein, diese Hindernisse zu beseitigen. Offiziell ist noch nichts bekanntgegeben. Juden für den Staatsdienst Wie das Organ des Großrabbinats mitteilt, sollen dieser Tage eine Reihe von Juden zu hervorragenden Staatsfunktionen berufen werden. Nach den bisherigen Erfahrungen sind diese Hoffnungen nur mit Vorbehalt zu begrüßen. Ein nationaler Kongreß der türkischen Juden Schon seit einigen Monaten schwebt der Gedanke eines ottomanischen Judenkongresses verschiedenen jüdischen Kreisen des Landes vor. Die letzte Nummer der Zeitschrift „La Nation" in Salonik, des Organs des einflußreichen „Cercle des Intimes", gibt nun diesem Plane in einem ausführlichen- Artikel Ausdruck. Der Verfasser des Aufsatzes bedauert vorerst, konstatieren zu müssen, daß das ottomanische Judentum seit Verkündigung der Verfassung keinen sichtbaren Schritt vorwärts getan habe, daß in keinem Punkte des Reiches irgendwelche ernste, methodische Arbeit zur Reorganisation der Gemeinden unternommen worden sei. Er bemerkt mit Unruhe, daß nirgends eine Spur von Einigkeit über den Weg existiere, den die Judenschaft desatorrdes einzuschlagen hätte, vor allem bezüglich einer Einheitssprache der ottomanischen Juden. m Aus diesen Gründen legt sieh der Autor die Frage vor, ob es nicht am Platze wäre, einen Kongreß der jüdischen Gemeinden des Reiches zusammenzurufen, um eine Einheitlichkeit unter ihnen herbeizuführen. Erfordert zum Schlüsse-die Vertreter der jüdischen Presse auf, sich zu seinem Vorschlage zu äußern. ntnbisrr

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.