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Die Welt · 1909-09-15 · 38-39 (15.9.1909) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
38-39 (15.9.1909)
Date
1909-09-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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No. 38 DIEEaEELT 837 nicht auf, Mamachen. Das kam nur so — siehst du — so unwillkürlich. Mutter: Leg dich doch ein bißchen hin, mein Lieber. Ich werde dir beruhigende Tropfen geben. Schlaf ein, sei ganz ruhig! Schorschik: Nicht nötig,Mamachen,bitte! nicht nötig! Setz dich doch wieder! so! sitz, sitz! Na, was ist denn weiter? Ich werde hier neben dir bleiben. Darf man, Mamachen, ja? (er hockt auf eine Fußbank zu Füßen der Mutter nieder und legt seinen Kopf auf ihre Knie). Mutter - (glättet ihm das Haar): Hinlegen solltest du-dich! Schorschik: Ich will nicht! Mir ist wieder ganz gut jetzt. — Siehst du, Mamachen, du sagst: denk nicht! Aber ich kann nicht, nicht denken, ich muß--! — Besinnst du dich? Einmal war David Moi'sseje witsch bei uns zum Tee. Mutter: Nun? Schorschik: Er sprach damals von mir und Serioscha... Mutter: Nun, und? Schorschik: Er sagte, Serioscha hat das Exempel mit den Wasserbehältern nicht rechnen können, und ich konnte es sofort; und dann wußte er nicht, daß „wremja" die 5. Deklination ist — ich wußte es. Und dann sagte David Moissejewitsch: „Mit Serioscha habe ich's viel schwerer; er ist faul", und ich sei viel aufmerksamer und fleißiger, — besinnst du dich? Mutter: Gewiß, ich erinnere mich. Schorschik: Folglich bin ich klüger als Serioscha, nicht so? Mutter: Aber gar nicht folglich; Serioscha hat nur schlecht aufgepaßt. Schorschik: Nein, Mamachen, sage das nicht. Einmal haben wir Diktat geschrieben; er machte zwölf Fehler, und ich hatte im ganzen nur vier. Und dann — unsere Blätter, die wir zum Examen geschrieben haben, die habe ich gesehen. Serioschas Blatt war voll roter Tinte, da wo es der Lehrer korrigiert hat, — und auf meinem sah ich viel weniger. Serioscha hat drei minus bekommen und ich eine Vier — und doch war das Diktat für uns vom —jüdischen Glaubensbekenntnis viel schwerer. Das Rechenexempel hab ich allein gerechnet, Serioscha hat abgeschrieben. Ich weiß es ganz bestimmt, jawohl. — Da siehst du, Mamachen — und doch ist Serioscha — aufgenommen, und ich . . . und mir . . . Mutter: Schorschik! Schon wieder! Schorschik: Nein, Mamachen, ich werde nicht weinen — ganz gewiß nicht! Und du sei nicht böse! nur . . . Mamachen! du wirst dich nicht beleidigt fühlen? Mutter: Was ist bloß mit dir? Schorschik: Nichts, Mamachen, nichts,wirklich! . . Aber wie denkst du darüber: Wenn ich in allen Fächern Fünfen bekommen hätte, hätte man mich aufgenommen oder nicht? Mutter: Schorschik: Mutter: Schorschik: Mutter: Schorschik: Mutter Schorschik: Mutter Schorschik: Mutter: Schorschik: Mutter: Schorschik: Mutter: Schorschik: Mutter Schorschik: Mutter: Ich glaube wohl, man hätte dich aufgenommen. Wirklich, Mamachen? Sei nicht böse! Natürlich .... Nun kommt's heraus — daß du am meisten schuld bist — und Papa . . . .! Ich und Papa? Ja, verzeih mir, Mamachen, aber siehst du: ich hätte unbedingt lauter Fünfen bekommen, auch für Rechnen eine Fünf, auch für Russisch eine Fünf . . . ich hätte nicht geschlafen, ich wäre nicht spazieren gegangen, ich hätte nur immer gelernt, gelernt, gelernt. . . . Aber du hast mir doch nichts davon gesagt. . . . Was nicht gesagt? Das wegen . . des jüdischen Glaubensbek......(Die Mutter will ihn von sich abrücken). Nein, nein, ich laß' nicht nach, ich bleibe bei dir! . . . Ach, das ist ja nichts, daß du mir nichts gesagt hast; ich habe es ja schon selber erfahren. Jetzt werde ich aber viel, viel lernen. Ich werde unbedingt eintreten, unbedingt, Mamachen! Es ist noch immer Zeit..... (nachdenklich): . . . noch immer Zeit — Gewiß, immer noch! . . . . Und was ist das, Mamachen: ein Weltbürger? (zusammenfahrend); Woher hast du dieses Wort? Das habe ich nur so —wahrhaftig nur so . . . Besinnst du dich: du hattest einen Gast — besinnst du dich? so ein Schwarzer war es, ein Großer . . besinnst du dich? Ja? Er saß mit dir im Salon und hat sich über irgendwas laut mit dir unterhalten. .... Ich besinne mich. Ich wollte gerade sagen, daß ich zu OnkelViktor gehe — wirklich, Mamachen! ich hätte doch sonst nicht gehorcht. — Nun, nun? Gerade in diesem Momente sagtest du . . . warte .... laß mal . . ich will mich besinnen ... .ja: „Deshalb werden meine Kinder" . . das ist also ich und Werotschka . . „deshalb werden meine Kinder sagen: wir sind Weltbürger!" So — nicht, Mamachen? — Nachher hast du noch so was Schönes gesagt . . aber ich bin weggegangen und konnte nichts mehr verstehen. Aber dasvon denWeltbürgern habe ich deutlich gehört. .... (Die Mutter schweigt.) Nun du kannst mir das auch später erklären ... ich habe Zeit. . (langsam): Jener Gast, Schorschik, machte mir Vorwürfe, ich sei eine schlechte Jüdin; auch Papa hat er Vorwürfe gemacht. Aha! Er sagte, daß wir dich und Werotschka falsch erziehen. Ihre Kinder, sagte er, 2 II J <#. ' *> ' *f > >u» \ ** i X V'üi'f? i' \;ß •N! \» 3>v

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