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Die Welt · 1909-09-15 · 38-39 (15.9.1909) · page 4

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
38-39 (15.9.1909)
Date
1909-09-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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832 D1E3§KE LT Wo. 38 sondern ein Fehler mangelhaften Willens. Und das soll verurteilt werden! Gewiß, wenn man uns zum Vorwurfe machen wird, daß wir auf die Menschen, Juden und Niehtjuden, groß und klein, arm und reich, alt und jung, nicht den Zauber eines Theodor Herzl ausüben, werden wir einfach antworten: weil wir eben keine Herzls sind. Aber wenn man gegen uns den Vorwurf erheben wird, daß wir auch das nicht tun, was wir tun könnten, wozu unsere Kräfte vollständig ausreichen — was werden wir darauf antworten? Und die Geschichte, die ja auch richterliche Funktionen ausüben soll, wird über uns das harte Urteil sprechen: Weil ihr euren Willen nicht anspannt, weil ihr euch nicht mit ganzer Seele in den Dienst eures Ideals gestellt habt. Ich fürchte, es bildet sich allmählich unter uns eine Art von „Auchzionistentum" aus. Das ist aber ein Unding. Man kann Auch-Esperantist sein, aber ein Ideal von der Größe, Weite und Schwere des Zionismus muß die Seele nicht bloß an der Peripherie, sondern bis in den Mittelpunkt hinein binden und beherrschen. Gerade bei der schwachen Schekelsammlung zeigt sich, wie mangelhaft unsere Willensanstrengung ist. Was ist denn der Schekel? Als Geldopfer kommt er wohl für den Einzelnen sicherlich nicht in Betracht, bloß als Willenskundgebung, als Ausdruck einer Sympathie, eines Einverständnisses mit dem Streben, dem jüdischen Volke eine gesicherte Heimstätte im Lande der Väter zu schaffen. Nun gibt es zweifellos eine große Skala von Abstufungen in der Intensität des Glaubens an die Realisierbarkeit dieses Strebens. Zur Intensität dieses Glaubens steht die Fähigkeit und Bereitwilligkeit zu Opfern an Geld und Zeit und Arbeitskraft für die einzelnen zionistischen Unternehmungen in gerader Proportion. Aber zum Einverständnis mit dem Streben gehört gar nicht ein so intensiver Glaube an seine Realisierbarkeit; dazu gehört bloß das Wollen, sogar bloß, um einen noch schwächern, sozusagen passivern Ausdruck zu wählen, — das Wünschen. Dazu aber, daß man die Gründung einer jüdischen Heimstätte in Palästina nicht wollen und nicht einmal wünschen soll, muß doch wohl schon direkte Feindschaft gegen den Zionismus gehören. Wo sind unsere Feinde im jüdischen Volke? Ich sehe bloß etliche Geheimräte oder die es werden wollen, die mit offener Feindschaft gegen den Zionismus in seinem Palästinaprogramm auftreten. Diese wenigen mögen wohl in nicht ganz lauterm Wettbewerb gegen philanthropische Konkurrenzinstitutionen große und kleine Kinder mit der Schädlichkeit und Gemeingefährlichkeit des Zionismus schrecken. Dieselbe Schädlicheit und Gemeingefährlichkeit haben die Antisemiten immer von den Organisationen behauptet, an deren Spitze jene Geheimräte stehen. Ja, sie behaupten es noch heute von ihnen. Erst jüngst stand es zu lesen im führenden Wiener antisemitischen Organ, daß die Wiener zu Pogromen greifen werden, wenn die Allianz die Deutschen und die Tschechen noch weiter gegeneinander verhetzen wird. So weit reicht offenbar nach Ansicht der Antisemiten die „Schädlichkeit'* und „Gemeingefährlichkeit" der Allianz. Und in der Tat verdankt die Allianz auch dieses lächerliche bißchen von „Schädlichkeit" und „Gemeingefährlichkeit" bloß dem letzten Rest von ernster Tätigkeit, die sie noch entwickelt. Könnten •die übrigen Allianzen so wenig ernste Arbeit leisten wie die deutsche Konferenzgemeinschaft, so würde in kürzester Zeit der letzte Rest von Schädlichkeit schwinden. Immerhin, solche Gehässigkeit gegen den Palästina* Zionismus, wie diese geheimrätliche, findet man ja doch nicht allzu häufig. Wo ist also unser Feind, der zu bezwingen wäre? Es gibt nur einen, das ist — die Schläfrigkeit, der Indifferentismus desjüdischen Volkes. Gibt es noch eine Organisation im Judentum, die auch nur annähernd so viele Mitglieder zählt als der Zionismus, auch in seinen schlimmsten Tagen? Es gibt keine einzige solche Organisation. Wo sind aber die 12 Millionen Juden? Sie schlafen einfach — und man muß sie wecken. Gewiß ist auch dieses Wort leichter ausgesprochen als ausgeführt; man muß da häufig sehr stark, sehr energisch rütteln, denn die Juden schlafen fest. Aber es ist doch zu machen mit nicht viel Begabung, bloß mit viel Willen. Diesen Willen müssen wir aufbringen! Das muß sich gleich jetzt bei den Schekelsammlungen zeigen. Der Schekel, diese kerndemokratische Steuer, die jeder gleichmäßig zahlt, bei der „he-aschir lo jarbeh, wehadal lo jamit", „der Reiche nicht mehr und der Arme nicht weniger geben soll", diese Zählmünze, die da jeder geben soll „kol haober al hapkudim", „der — um etwas freier zu übersetzen — zur Musterung antritt", sollte man wahr und wahrhaftig von allen Juden eintreiben können, die ihr Judentum nicht verleugnen, die nur ein bißchen Gehör für die Stimme des eignen Blutes haben. Und solcher Juden gibt es wohl mehr als hunderttausend, solcher Juden gibt es Millionen. Man ist bloß zu ihnen noch nicht gekommen, man hat sie noch nicht geweckt. Darum schlafen sie noch. Wecken wir sie! Wir müssen uns immer eins vor Augen halten. Andere Organisationen können imponieren durch klangvolle Titel ihrer Führer, durch den großen Reichtum ihrer einzelnen Förderer und Beschützer. Wir Zionisten haben auch eine Kraft, mit der wir imponieren können, — die große, die sehr große Zahl. Diese große, sehr große Zahl ist vorhanden, sie wartet auf uns, keiner hat sie uns weggenommen, — wir müssen nur mit unserm lebendigen Wort an sie herankommen. Freilich genügt es nicht, eine Versammlung einzuberufen und da zu stehen und zu warten, bis die Leute zu uns kommen werden. Ein Plakat ist keine Agitation. Man muß agitieren von Mann zu Mann, von Haus zu Haus. Das kann jeder Zionist tun, da muß man nicht auf die Leitung warten. Auf denn zur Schekelsammlung! Schafft uns für den Neunten Kongreß die große, imposante Zahl! Sammelt energisch den Schekel ein!! Die Weltgeschichte dreier Juden Von Dr. Samuel Max Melamed Im Jahrhundert der Rassentheorie, der Bibelkritik und des philosophischen Humbugs werden eifrig „Juden"- Studien getrieben, und zwar zu einem ganz bestimmten Zweck, — um uns aus der Weltgeschichte hinaus zu bugsieren . . , Ein austrisierter Anglo-Sachse und Rassentheoretiker von Beruf hat ein dickleibiges Buch „Die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts" geschrieben, mit der einzigen Absicht, uns, die Juden, aus „dem Tempel der Kultur" hinauszuwerfen. Herr Bartels, ein wütender Heimatkünstler, sekundiert als speziell ranti-

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