Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 36 (3.9.1909)
- Date
- 1909-09-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 36 DIE^ELT 799 Schriftstellern vertraut zu machen, indem er ihnen die Werke derselben entweder vollständig oder wenigstens in kurzen Umrissen vorführen wird. Der Hauptgedanke der Organisation des „Achiewer" besteht darin, dagegen anzukämpfen, daß der Jargon als Nationalsprache aufgenommen wird, wie dies — leider - in vielen jüdischen Kreisen bereits zurTatsache geworden ist. Unsere Jargonjuden werden sich infolge der Agitation des „Achiewer" daran gewöhnen, daß „Yiddisch" als Mittel zum Zwecke der Verbreitung der hebräischen Sprache benutzt wird, nicht aber ein Selbstzweck für uns Zionisten ist. Der Verein „Achiewer" hat ferner in sein schenes, vielversprechendes Programm die moralische und materielle Unterstützung des „Osof" resp. des Verbandes zur Verbreitung der hebräischen Kultur in Palästina mit aufgenommen, ein Programmpunkt, der kaum hoch genug eingeschätzt werden kann. An der Spitze des Vereins steht Herr Ab. Goldberg, der auf Grund seiner im „Haolam" veröffentlichten Beiträge auch in europäisch-hebräischen Kreisen bekannt sein dürfte. Wir empfehlen die Gründung des Vereins „Achiewer" zur Nachahmung. Agitation für Erez-Jisroel-Esrogim New York, 18. Aug. Die amerikanischen Zionisten sind sich der Bedeutung desAbsatzes der bis heute im Hintergrunde stehenden Erez- Jisroel-Esrogim vollauf bewußt. Die Agitation nach dieser Richtung ist heuer stärker als sie je in den vorangegangenen Jahren gewesen ist. Das ist eine erfreuliche Erscheinung, von der wir auf die emporkeitnende zionistische Idee im Lande einen Schluß ziehen dürfen. Das Hauptverdienst dieser eifrigen Agitation kommt Herrn M. Goldmann in New York zu, der dieser Angelegenheit im „Hajom" fast täglich einen warm gehaltenen Artikel widmet. Herr Goldmann schreibt u. a.: „In Bälde werden wir das Fest feiern, an dem Unsere Väter zurzeit der Ernte, in eigenen Hütten, in eigenen Häusern und auf eigenem nationalen Boden, mit eigenen Palmen und Esiogim, die Sukkothfeier begingen. Sie begingen dieses schöne nationale Fest in den Straßen Jerusalems, im Hofe des Heiligtums, zwischen wohlduftenden Oliven und labenden Früchten. Wie schön war dieses Fest, wie erhaben und heilig! Der Gedanke des Besitztums der vier Lulowarten hat die festliche Stimmung nur noch gehoben, veredelt und verklärt, denn die richtige Vollführung des Gebotes besteht in dem Satz: „Nehmt von dem Eurigen" (M'schrchem). Und jetzt, wo wir eine zweitausendjährige Golustour durchmachten, uns im Kampfe mit andern Nationen abgemartert und beinahe aufgerieben haben, wo es uns nicht mehr gegönnt ist, auf eigenem Boden, in eigenem Hofe und in eigenen Hütten zu hausen: jetzt sollen wir uns auch noch die Gelegenheit des eigenen Esrog nehmen lassen? Wir sollen etwa unser Geld denen hinwerfen, die auf Korfu unsern Brüdern in der Vergangenheit stets eine Gefahr gewesen sind und in absehbarer Zukunft nicht aufhören werden es zu sein? Nein! Weg mit jeder Kriecherei, weg mit dem schmutzigen Handel, der mit Korfu-Esrogini getrieben wird! Auf zur Unterstützung der Erez-Jisroel-Esrogim! Jeder Esrog, der von dort kommt, bedeutet den Ankauf des Bodens und Hilfe für die dortige Kolonisation." Herr Goldmann wendet sich sodann an die Rabbiner und Führer der jüdischen Gemeinden, denen er das große Unrecht, das sie mit dem Ankauf der Korfu- Esrogim begehen, in scharfer Weise vorhält. Die Agitation wird von sämllichen Zionisten New Yorks eifrig betrieben und verspricht gute Erfolge. Schneiderstreik im New-Yorker Ghetto Dreißigtausend jüdische Schneider sind vor kurzem in New York in den Ausstand getreten. Dies ist die größte Streikbewegung, die das New Yorker Ghetto jemals gesehen hat. Die. jüdischen Schneider in den New Yorker Schwitzbuden, deren Elend Morris Rosenfeld so ergreifend schildert, sind zum großen Teil in einer Gewerkschaft organisiert. Diesmal beteiligt sich jedoch auch die große Masse der nichtorganisierten Schneider an dem Ausstand. Die Streikenden fordern eine zehnprozentige Erhöhung des Wochenlohns, die Einführung des Neunstundentages und in erster Linie die Abschaffung des sogenannten task work-Systems, einer extremen Arbeitsteilung, derzufolge jedem Arbeiter stets nur eine einzige, ganz spezielle Arbeitsleistung 2ugewiesen wird. 1""L^^" NOTIZEN ^^°°°| Ein neues Buch über Schulgärten Die Simonsche Stiftung zu Hannover und der Deutsche Verein für ländliche Wohlfahrts- und Heimatpflege (Vorsitzender Professor Sohnrey) haben gemeinsam ein Buch herausgegeben „Der Schulgarten des In- und Auslandes," verfaßt von Lehrer Bernhard Cronberger, in Frankfurt a. M. Der Verfasser ist der bekannte Vorsitzende des Vereins für Kleingartenbau. Diese hübsch ausgestattete Schrift, 244 Seiten stark und mit 12 Gartenplänen versehen, kann vom Verlag der Deutschen Landbuchhandlung in Berlin bezogen werden. Die Schrift soll der Verbreitung von Schulgärten dienen, und zwar von Schulgärten, mit denen nicht nur botanische Lehrzwecke verbunden sind, sondern in denen den Kindern im schulpflichtigen Alter gewisse Kenntnisse im Obst- und Gemüsebau vermittelt werden sollen. Hierzu bietet die vorliegende Schrift reichliche Anregung, indem sie bestehende Muslereinrichtungen schildert und Anleitungen gibt, wie ein Schulgarten einzurichten und zu bewirtschaften ist. Die Simonsche Stiftung hat es in der kurzen Zeit ihres Bestehens vermocht, die Gründung einer größeren Anzahl solcher Schulgärten an jüdischen Lehrerseminaren, Internaten, Schulen, Erziehungsanstalten der verschiedensten Art zu verwirklichen. Überall sind damit gute Erfahrungen gemacht worden. Der gesamte Unterricht hat dadurch eine wünschenswerte Bereicherung erfahren, die Kinder haben durch diese gesunde Beschäftigung mancherlei Nützliches gelernt* und insbesondere wo es sich um kleine Gemeinden handelt, hat der Schulgartenunterricht auch schon dazu beigetragen, das Interesse der älteren Generation am Gartenbau zu vertiefen. Jüdische Lehrer, soweit sie sich auch dieser Lehrbetätigung gewidmet haben, haben von der Simonschen Stiftung namhafte Subventionen erhalten und einigen ist auch die Möglichkeit geboten worden, besondere Obst- und Gartenbaukurse mitzumachen, um sich die Fähigkeit zur Erteilung des Schulgartenunterrichts anzueignen. Von der Verbreitung der vorliegenden Schrift ist auch eine Verbreitung der Schulgärten an jüdischen Schulen zu erhoffen, die von der Simonschen Stiftung mit Rat und Tat gefördert wird. Jüdische Lehrer oder Unterrichtsanstalten, die sich für die vorliegende Schrift interessieren, können sie von der Simonschen Stiftung besonders billig beziehen. Ihre Lektüre sei allen empfohlen, denen eine möglichst vielseitige Erziehung unserer Jugend am Herzen liegt. Rabbinerkonferenz in Homburg Dieser Tage fand in Homburg v. d. Höhe eine Konferenz orthodoxer russischer Rabbiner (Chassidim und Misnagdim) statt, an der sich auch einige deutsche gesetzestreue Rabbiner beteiligten. Gegenstand der Beratungen bildete die Hebung des religiösen Lebens in Rußland. Insbesondere wurden diejenigen Fragen besprochen, welche bereits die Rabbinerkonferenzen in Warschau und Wilna beschäftigt hatten und bezüglich derer man auch die Ansichten der deutschen Rabbiner kennen lernen wollte. Der Wunderrabbi von Gur und der Rabbiner von Brest-Litewsk leiteten die Versammlung. Es war dies die erste Veranstaltung, welche russische und westeuropäische Rabbiner zu genieinsamer Beratung vereinigte. Literarisches Das von David Frischmann redigierte hebräische Tagblatt „Haboker" (Warschau) hat sein Erscheinen für unbestimmte Zeit eingestellt. — Der Verlag „Moriah" in Odessa hat eine Neuauflage der Gedichte von Ch. N. Bialik veranstaltet. Die neue Sammlung umfaßt 20 Druckbogen und enthält sämtliche bisher erschienenen Dichtungen Bialiks. „Jüdischer Almanach" in polnischer Sprache Zu Ende des Jahres 1909 wird in Lemberg in polnischer Sprache ein „Jüdischer Almanach" erscheinen, dessen Redaktion vom Gg. Dr. Leon Reich, gewesener Redakteur des „Wschöd", derzeit in Paris wohnhaft, geleitet wird. Der Almanach hat den Zweck, einerseits die das Judentum betreffenden Angelegenheiten von jüdisch-nationalen Standpunkte zu beleuchten, wie anderseits gewissermaßen eine Revue der im Judentum wegen ihrer nationalen und kulturellen Arbeit verdienten Männer zu bilden. Ihre gefällige Mitarbeiterschaft haben bisher u. a. zugesichert die Herren: Dr. Natan Birnbaum (Czernowitz), Adolf Böhm (Wien), Oberrabbiner Dr. M. Ehrenpreis (Sofia), Abg. Dr. H. Gabel (Lemberg), Prof. Dr. L. Kellner (Czernowitz), Dr. Abraham Korkis {Lemberg), E. M. Lilien (Berlin), Abg. Prof. Dr. A. Mahler (Prag), Dr. Alexander Marmorek (Paris), Dr. Max Nordau (Paris), Dr. Daniel Pasmanik (Genf), Leon Pilichowski (Paris), Dr. Arthur Ruppin (Jaffa), Salomon Schiller (Lemberg), Dr. N. Slousch (Paris), Abg. Adolf Stand (Lemberg), Prof. B. Schatz (Jerusalem), Abg. Dr. B. Straucher (Czernowitz), Rabbiner Dr. O. Thon (Krakau), Dr. J. Thon (Jaffa), Wilhelm Wachtel (Lemberg), Prof. Dr. Ch. Weizmann (Manchester). Manuskripte sind bis zum 15. Oktober einzusenden unter der Adresse: Dr. Leon Reich, Paris, 3. Rue de l'Od£on.