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Die Welt · 1909-09-03 · 36 (3.9.1909) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
36 (3.9.1909)
Date
1909-09-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Entree 2 K., Familienkarte (4 Personen) 6 K. Überzahlungen werden mit Rücksicht auf den Zweck angenommen und veröffentlicht. Geldsendungen sind mit dem Vermerk: „Jüdisches Studentenheim" zu richten an Herrn Advokat Dr. Heinrich Lupul, Suczawa, „Sportklub Hakoah" in Wien Der in Bildung begriffene jüdische Sportklub hat in der „toten Saison" sich sehr lebenskräftig und ersprießlich betätigt. Die Statuten des jungen Vereins, der "Mitte September seine konstituierende Versammlung abhält, sind bereits von der nieder-österreichischen Stadthalterei genehmigt, zwei komplette Fußballmannschaften trainieren jeden Dienstag, Donnerstag und Sonntag nach 5 Uhr abends nächst der Reichsbrücke und die Leitung unter dem Präsidium Dr. Fritz Löhners schickt sich an, Sektionen für Laufen, Leichtathletik und Schwimmen ins Leben zu rufen. Die Mitglieder, meist junge, begeisterte Zionisten, erhoffen für den Saisonbeginn einen starken Zuwachs für ihren Klub und werden nach der Generalversammlung sich mit ihrem schönen Programm jüdischer Körper- Renaissance an die Öffentlichkeit wenden. Es wäre aufs wärmste zu begrüßen, wenn die jüdischen Kreise dieser hoffnungsreichen, prächtigen Gründung moralische und materielle Unterstützung zuteil werden ließen. Eventuelle Anmeldungen, Anfragen, Zuschriften und Subventionen sind zu richten an Herrn S. Weinberger, Beamter, Wien II, Rembrandtstraße 19. Frankreich Paris. Die zionistische Föderation Frankreichs hat in ihrer Sitzung vom 17. August den Beschluß gefaßt, ein monatliches Bulletin für die zionistischen Interessen Frankreichs herauszugeben. Das Redaktionskomitee setzt sich aus fünf Mitgliedern zusammen, die zugleich Vertreter der Pariser zionistischen Vereine sind. Brief aus Konstantinopel (Von unserm Berichterstatter) Revision der öffentlichen Meinung Wenn die Wochen der Parlamentsstille dazu dienen sollten, die Meinung der gebildeten Klassen der ottomanischen Völker über die wichtigen Problerne des Staates mehr zu vertiefen, als das bisher mitten im parlamentarischen Trubel geschehen konnte, so hatten auch sie ihr ergänzendes Segensreiches. Es beginnt darum jetzt eigentlich erst die Mission der Presse sich zu erfüllen. Freilich wird sie sich große Mäßigung bei Erörterung all der heiklen Dinge auferlegen müssen, denn die strenge Fuchtel des Preßgesetzes schwebt über ihr. Für das Problem des Nationalitätenbegrifies scheint dieser Zeitpunkt schon gekommen. Seit dem Zusammenkrachen der sogenannten „Union liberale" ist man der Frage Nation, Dezentralisation, Volksindividualität ängstlich aus dem Wege gegangen. In der Praxis hatte sich ein hurrapatriotischer Einheitsfanatismus breitgemacht, der mit der Idee der notwendigen, berechtigten und möglichen Einheit des ottomanischen Staatsganzen, wenn auch halb verborgen, schimärische Gedanken von Assimilation, Amalgamisierung und Sprachuniformierung verband. Wir müssen bekennen, daß diese Schimären gerade unter den Juden sich wie wucherndes Unkraut verbreiteten. So kann eine spaniolische Zeitung die „Ottomanisierung" der ottomanischen Juden zur Parole erheben. Das klingt unsinnig und ist es auch. Die türkischen Juden sollen nach allen Kräften dem Vaterlande dienen, und sie sollen zu diesem Behufe auch unter anderm Türkisch lernen^ das ist ganz selbstverständlich, das haben wir Zionisten vor allen andern gefordert. In diesem Sinne genommen, hat die Ottomanisierung keinen neuen Inhalt. Wenn sie aber heißen soll, alles Jüdische verwerfen, mit dem Spaniolischen, das die spaniolische Zeitung so sehr verdammt, auch das Hebräische vergessen, sich in Schule, Haus und öffentlichem Leben assimilieren und entnationalisieren, so verliert sie sich ins Ehr- und Bodenlose. Da ist es denn ganz gut, daß den sich verirrenden ottomanischen Juden von den andern Nationalitäten, auch von Türken, vernünftigere Wege gewiesen werden. Sehr ansprechende Aufklärungsarbeit leistete letzthin in dieser Richtung der armenische „Jomanag", der die Grenzen zwischen universell-ottomanischem und nationalem Patriotismus zog und sehr schön die Harmonie des Staatsganzen in dem Zusammenklange der Nationalindividualitäten zeichnete. Die ottomanische Einheit wird nicht kulturell, sondern interessenpolitisch erfaßt; die Unteilbarkeit des Reiches und eine straffe Zentralregierurig werden als unumgänglich anerkannt, aber die Berücksichtigung der lokalen und Rassebedürfnisse als einzige, Frieden und Fortschritt garantierende Mittel anempfohlen. — Dem gleichen Sinne huldigte ein interessanter, redaktioneller Leitaufsatz unter dem Titel „L'union ottomane" im „Courrier d'Orient", der als türkisch-radikal bekannt ist und keinesfalls in den Verdacht separatistischer Neigungen geraten kann. Nach diesen Beispielen, die fortwirken werden, zu urteilen, scheint sich erfreulicherweise eine gründliche Revision der öffentlichen Meinung hinsichtlich der Nationalitätenfrage vorzubereiten, die die jüdischen Köpfe mit beeinflussen wird. Die zahlreichen neugegründeten jüdischen Organe werden voraussichtlich dazu beitragen. Was der ottomanischen Öffentlichkeit mangelt, das ist ein tiefergrabendes, theoretisches, allgemeines Organ, das diese wichtigen politischen mit den ökonomischen, pädagogischen und wissenschaftlichen Fragen der neuen türkischen Welt, über allem Parteikrieg, von autoritativen Intelligenzen erörtert, der Menge der Gebildeten vorführt. Die Uferlosigkeit in den Projekten, der Fanatismus der vorgefaßten Ansichten, die gedankliche und taktische System- und Gruppeniosigkeit der ottomanischen Politiker und Erneuerer würden durch den Einfluß eines solchen Organs gemildert und vielleicht ganz zum Verschwinden gebracht. Auch auf die Gesetzesfabrikation würde dadurch segensreiche Einwirkung geübt. Die jüdische Frage und der Zionismus Ein wenig ersetzt den Mangel des großen ottomanischen theoret:schen Organs die in Paris erscheinende „Turquie Nouvelle". Die hier erscheinenden Artikel bleiben deshalb auch in der Türkei nicht ohne Beachtung. Vergangene Woche publizierte nun dieses Blatt unter der Überschrift „La question juive et le Sionisme" folgenden interessanten Artikel: „Kairo, diese alte Stadt, in der die zionistische Bewegung, wie überall im Orient, Riesenschritte macht, sendet uns durch Vermittlung eines der dort erscheinenden Organe, den »Progr&s de Caire«, einen neuen Gtockenton von der jüdischen Frage. Wir halten es für unsere Pflicht, ihn bekannt zu geben, weil er einigermaßen von allen denen absticht, die wir bisher vernommen haben, und weil er ein neues Licht in die Augen derjenigen wirft, die noch nicht klar zu sehen verstanden. »Wir waren letztes Jahr die ersten gewesen,« heißt es in der Zuschrift, »die das glückliche Erwachen der jüdischen Gemeinde zu Kairo signalisieren konnten.« Seither haben wir immer, in den bescheidenen Grenzen unserer Mittel alle Erscheinungen dieser Entwicklung darzulegen versucht. Es schien uns interessant, in dem Momente, da der Orient eine so tiefe, politische und soziale Umformung erfährt, die Anstrengungen aufzuzeigen, die das jüdische Volk macht, um nicht hinter den andern Rassen desselben Ursprungs in diesem Laufe dem Lichte und dem Fortschritte entgegen zurückzubleiben. "Ganz kürzlich erst hat die Ankunft eines jungen Juden, die durch die moderne Kultur geformt sind, diesem unklaren Instinkt, der in der jüdischen Gemeinde von Kairo regsam war, und der von den Villen des Kars el Dubara bis zu den Hütten von Hamzani alle Juden dazu antrieb, neue Mittel in diesem Lebenskampfe zu suchen, in dem sie als Gesamtheit bisher völlig unsichtbar geblieben v/aren, eine klarere und fruchtbarere Richtung gegeben. Wir wollen hier nicht vom Zionismus sprechen. Dieser ist nach unserer Ansicht eine innere Frage des jüdischen Volkes, und wir sind gewohnt, die nationalen Bestrebungen zu respektieren, selbst wenn sie sich nicht so bald verwirklichen sollten. Der Zionismus ist kein politisches Programm, er ist ein »Glaube«. Aus dem Herzen jedes Juden die Erinnerung an jenes Zion reißen, das würde bedeuten, ihm die ganze Poesie des Lebens rauben. Und wir sprechen hier nicht einmal von jener im jüdischen Volke weitverbreiteten Überzeugung, die in jedem Gläubigen die Sehnsucht wachruft, seine Augen eines Tages in Jerusalem zu schließen, um schneller in das Paradies aufzusteigen. Unter solchen Umständen den Zionismus bekämpfen, erscheint uns ein Verbrechen, und die Interessen des Besitzenden den bescheidenen Ansprüchen der in Rußland dem Tode, in Rumänien der Plünderung, überall im Orient ein wenig umhergestoßenen jüdischen Bauern entgegenzusetzen, die von einem ruhigen Leben in einem Heim in Palästina träumen, erscheint uns als Berechnung eines ungeheuerlichen Egoismus. Wir kennen die beiden entgegenstehenden Thesen. Wie oft haben wir in der Umgebung Max Nordaus Zionisten, einfache Gläubige oder Männer aus der Welt des Zweifels sprechen gehört, — und wie oft anderseits hörten wir über die famose »jüdische Gefahr« diskutieren, die durch Nedschib Bej Asuri wegen der jüdischen Kolonisation Palästinas zur Denunziation kam!"

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